Das Burnout-Syndrom – Resilienz gegen das Ausbrennen

Wenn es einen Begriff gibt, der zuverlässig mit Resilienz in Verbindung gebracht wird, dann ist es das Burnout-Syndrom. Denn kaum eine andere Bedrohung der modernen Arbeitswelt fordert so viel Aufmerksamkeit. Dazu trägt natürlich auch das sprachliche Bild des „ausbrennens“ bei, sodass sich jeder etwas darunter vorstellen kann. Doch was bedeutet Ausbrennen eigentlich? Wie zeigt sich das Burnout-Syndrom und viel wichtiger: Was können wir dagegen tun? Diese Fragen schauen wir uns im Kontext der Resilienz genauer an.

Warum wir vom Burnout-Syndrom sprechen

Burn-out, Burnout, Burn-out-Syndrom, Burnout-Syndrom – viele Schreibweisen und Namen und doch beschreiben sie dasselbe. Dabei beschreibt es letzteres am umfänglichsten. Denn unter einem Syndrom verstehen wir ein bestimmtes Krankheitsbild, das durch das gemeinsame Auftreten charakteristischer Symptome definiert wird (nach Oxford Languages). Und letztendlich ist es auch genau das, was diese psychische Krankheit umfasst, viele verschiedene Symptome, die darauf hinweisen. Doch warum ist das überhaupt so ein großes Thema?

Das Burnout-Syndrom Folge der Arbeitswelt

Burnout-Syndrom bei Frau - Resilienz-AkademieDas Burnout-Syndrom wird auch als Volkskrankheit beschreiben. Allerdings lässt sich nicht ganz so einfach herausstellen, wie viele nun wirklich betroffen sind. In den gängigen Publikationen diverser Krankenkassen wird zum Großteil lediglich auf die Fehlzeiten aufgrund von „psychischer Erkrankungen“ verwiesen. Natürlich kann da auch Burnout drunter fallen, allerdings eben nicht nur. Und gerade weil das Syndrom mehrere Symptome umfasst, die eben nicht eindeutig zu einer bestimmten Diagnose führen, wird es auch weiterhin schwierig sein, direkte Daten zu erlangen. Darüber hinaus machen die verschiedenen Berichte es nicht leicht, eine Übersicht über die allgemeine Lage in Deutschland zu bekommen.

Wie viele Menschen am Burnout-Syndrom leiden, diagnostiziert und undiagnostiziert, lässt sich daher so gut wie unmöglich bestimmen. Fest steht jedoch, dass diese psychische Krankheit sehr im Bewusstsein der Arbeitswelt integriert ist. Schließlich gilt Stress als der Burnout-Treiber schlechthin. Und wer kann als Selbständige:r, Angestellte:r oder Führungskraft von sich behaupten, er habe im beruflichen Kontext keinen Stress? Allein deshalb wird Burnout schon als Folge der Arbeitswelt gedeutet.

Oft fällt im Zusammenhang mit einer stressreichen Arbeitswelt auch der Begriff VUCA, was im Deutschen für unbeständig, unsicher, Komplex und mehrdeutig steht. Die Weiterentwicklung dessen, was noch für die Arbeitswelt von vor 30 Jahren galt, ist BANI – brüchig, ängstlich, nicht-linear und unverständlich. Besonders in der durch Corona geformten Arbeitswelt sind das die maßgeblichen Prämissen für Stress und Burnout.

Burn-on, Burn-out, Bore-out

Ein maßgeblicher Grund, warum wir vom Burnout-Syndrom sprechen, ist der Wunsch nach Abgrenzung und Aufklärung. Denn nicht jede Krise ist gleich ein Burnout, sowie auch nicht jede Art der vollkommenen Erschöpfung als Burnout bezeichnet werden kann.

Neben dem weit verbreiteten Begriff des Burnouts rückt ein neuer Begriff nach und nach in den Fokus der Gesellschaft: Burn-on. Oftmals wird hier auch die „Erschöpfungsdepression“ synonym verwendet. Denn ein Burn-on kennzeichne sich nicht wie bei einem Burnout durch das letztendliche Zusammenbrechen des Systems, sondern das konsequente Weitermachen, obwohl der Körper und der Geist nicht mehr voll funktionsfähig sind. In dem Sinne könnte man ein Burn-on auch als Vorstufe verstehen. Zuerst brennen Sie, oft auch leidenschaftlich oder durch einen dysfunktionalen Arbeitsethos, immer weiter, bis der Körper die Notbremse zieht und Sie ausbrennen.

Anders dagegen zeigt es sich bei einer weiteren Symptomatik, die sich zwar auch durch vollkommene Erschöpfung kennzeichnet, aber aus einem unterschiedlichen Grund: Bore-out. „Bore“ kommt aus dem Englischen und bedeutet sich langweilen. Und jeder, der schon einmal eine langweilige Aufgabe auf der Arbeit für eine längere Zeit gemacht hat, weiß genau, dass Langeweile genauso zehrend sein kann, wie ein hohes Arbeitspensum. Auch die exzessive Langeweile, Unterforderung oder Sinnlosigkeit führt zur Erschöpfung und zur gleichen Symptomatik wie ein Burnout-Syndrom.

Wenn wir also von einem bestimmten Syndrom sprechen, ist es wichtig zu unterscheiden, worum es sich handelt und was die Gründe hinter diesem Krankheitsbild sind. Denn nur so können wir auch effektiv sowohl präventiv als auch reaktiv handeln.

Was ist das Burnout-Syndrom?

Die Frage danach, was ein Burnout-Syndrom nun konkret ist, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zum einen gibt es die Definition nach dem ICD (International Classification of Disease). Zum anderen gibt es das, was die Gesellschaft darunter versteht und es als solches oft benennt. Beides ist sehr defizitorientiert und legt den Fokus vornehmlich auf die „Fehlfunktion“ des Körpers. Aus Sicht der Resilienz machen wir deshalb noch eine dritte Perspektive auf, die einen konstruktiven Umgang mit der Krankheit eröffnet.

Die Klassifizierung des Burnout-Syndroms

Mit der alten Fassung des ICD (ICD-10) war Ärzten nur eine unspezifische Diagnose möglich. Dort fiel das Syndrom unter den Code Z73 als „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Und dementsprechend ungenau war die Diagnose auch, denn unter diesen Code fielen auch weitere Probleme, die deutlich weniger drastische Auswirkungen auf den Körper und die Psyche zeigten.

Die neuere Fassung des ICD (ICD-11), die seit Anfang 2022 gilt, benennt Burnout dagegen unter einem eigenen Code (QD85) und mit einer ausführlichen Definition. Hier finden Sie die englische Originalfassung, auf Deutsch besagt die Definition:

„Burnout ist ein Syndrom, das durch chronischen Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Es ist durch drei Dimensionen gekennzeichnet:

  1. Gefühle von Energiemangel und Erschöpfung
  2. Zunehmende mentale Distanz zur eigenen Arbeit oder Gefühle von Negativisumus oder Zynismus in Bezug auf die eigene Arbeit
  3. ein Gefühl von Ineffizienz und mangender Leistung.

Burnout bezieht sich speziell auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen verwendet werden.“

Zwar erleichtert diese spezifische Definition die Diagnose und eröffnet Betroffenen und Angehörigen einen Raum der Verstehbarkeit, doch sie schränkt gleichzeitig auch ein. So kann, laut Definition, eine Mutter, die „Care-Work“ betreibt, kein Burnout erleiden.

Burnout im Blick der Öffentlichkeit

Erschöpfung ist eines der größten Symptome, das wir auch ohne ärztliche Diagnose erkennen. Das Problem dabei ist eher, dass wir es nur selten anerkennen. Wenn wir bei uns oder auch bei einem Kollegen Symptome von Erschöpfung wahrnehmen, kommt oft ein Gedanke wie „Stress gehört halt dazu“. Wer Stress auf der Arbeit hat, wirkt oft auch als fleißig und produktiv. So passt es auch in unser gesellschaftliches Bild, dass berühmte Persönlichkeiten ein Burnout erleiden können – Wie beispielsweise Sängerin Miriah Carey, Starkoch Tim Mälzer oder Wirtschafts Woche-Chefredakteurin Miriam Meckel.

Alles äußert erfolgreiche Menschen, wo wir gar nicht hinterfragen, dass der Beruf hier zum Burnout führen kann. Aber unser, salopp formuliert, 08/15-Bürojob kann dagegen doch nicht genau so stressig sein. Daher wird das Burnout-Syndrom auch leider immer noch sehr spät erst von einer Fachkraft diagnostiziert. Denn bis viele Menschen sich Hilfe holen, ist der Körper schon längst zusammengebrochen.

Allerdings gibt es Möglichkeiten Burnout bei sich und anderen schon frühzeitig zu erkennen. Lesen Sie HIER zu dem Thema.

Das Burnout-Syndrom aus Sicht der Resilienz

Wir verstehen Resilienz als Fähigkeit sich an herausfordernde Situation anzupassen, in einer gesunden Regulation zu bleiben und gleichzeitig schwingungsfähig zu sein, also zu oszillieren. Um diese Fähigkeit auszubauen und zu fördern, ist eine Haltung zu kultivieren sehr wertvoll. Nämlich nicht nur der Blick auf das, was vermieden werden soll, sondern auf das was (wieder) hergestellt werden kann.

So rückt ein resilientes Mindset weg von der Defizitorientierung, hin zum gesunden „Funktionieren“. Ein Weg, das zu erreichen, ist die Funktion des Burnout-Syndrom besser zu verstehen. Wenn wir schon von „funktionieren“ sprechen, gehen wir diese mechanische Metapher weiter:

Glühen für die Arbeit - Resilienz AkademieStellen Sie sich vor, Ihr Körper und Ihre Psyche funktionieren mit Hitze. Sie haben wie kleine Brennstäbe in sich, die sich durch Regeneration die Energie zum Brennen holen. Wenn wir auf einem hohen Energielevel sind, beispielsweise durch eine hohe äußere Arbeitsbelastung oder einen inneren Antrieb, so brennen die Stäbe immer weiter und wir können die Energie nicht gesund auffüllen. Wir ziehen alle Kraftreserven, die wir haben ab, um sie in das Brennen zu stecken (Burn-on).

Doch irgendwann kann das System durch die Regeneration nicht mehr ausreichend abkühlen und neue Energie bereitstellen. Wenn das Maximum erreicht ist, greift der Überhitzungsschutz unseres Systems: Der Körper zieht die Notfallbremse und es kommt zum von uns erlebten Zusammenbruch (Burnout).

Das Burnout-Syndrom ist aus Sicht der Resilienz kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Stärke des Systems zum Schutz. Burnout ist ein Hüter unserer Gesundheit, denn er verhindert, dass wir uns zu Tode arbeiten. Und das klingt sehr dramatisch, doch ist keinesfalls übertrieben, wie das Konzept von Karōshi zeigt. Im Burnout-Syndrom liegt die Möglichkeit sich selbst wieder in die gesunde Funktion zu bringen.

Wie zeigt sich das Burnout-Syndrom?

Wie erkennen Sie eine sich anbahnende Grippe? Halskratzen vielleicht, die Nase ist zu, Sie haben Gliederschmerzen – und erst dann haut es Sie um, sodass Sie sich ausruhen müssen. Beim Burnout ergeben sich allerdings zwei Schwierigkeiten des Erkennens: Zum einen gibt es keine klaren Symptome, die jeder auch einem anbahnenden Burnout zuordnen würde. Zum anderen kommt es nicht innerhalb weniger Tage zu einem Burnout. Unser Körper ist schon sehr strapazierfähig und es braucht eine große Menge an Energieaufwand, um in die totale Erschöpfung zu gehen.

Die Phasen des Burnout-Syndroms

Um diesen „schleichenden“ Prozess nachvollziehen zu können, haben die Forschenden Herbert Freudenberger und Gail North 1992 ein Modell mit 12 Phasen des Burnouts entwickelt. Dieses Modell soll sowohl zur Eigeneinschätzung als auch zur Fremdeinschätzung dienen.

Phase 1: Der Zwang, sich selbst zu beweisen

Es ist Ihnen wichtig, die Arbeit besonders gut zu machen. Die Arbeit mal früher zu beenden fühlt sich komisch an. Hier ist schon die Anspannung zu merken, die das Berufliche mit sich bringt, wird jedoch noch nicht unbedingt in den direkten Bezug gesetzt.

Phase 2: Verstärkter Einsatz

Im Anschluss an diesen Wunsch des Beweisens werden Überstunden eher die Regel. Sie erledigen die Arbeit rasch und wollen nicht, dass etwas liegen bleibt. Falls Sie mal doch etwas nicht sofort erledigen können, wächst das schlechte Gewissen.

Phase 3: Vernachlässigen der eigenen Bedürfnisse

Da unter der Woche so viel gearbeitet wird, holt der Körper sich in der freien Zeit, das was er braucht. Das heißt am Wochenende oder nach der Arbeit sind Sie oft nicht mehr in der Stimmung oder in der Lage Hobbys und sozialen Verpflichtungen nachzukommen. Termine außerhalb der Arbeit werden dann auch gerne mal vergessen oder übersehen.

Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Mit Konflikten sind hier nicht unbedingt zwischenmenschliche Konflikte gemeint, sondern eher innere Zwickmühlen. Doch meist gewinnt die „Arbeitstier“-Seite und es kommt häufiger zu Krankheiten und schlechterem Schlaf.

Phase 5: Umdeutung von Werten

Als Reaktion des Systems, seine Arbeitsweise weiter aufrechterhalten zu können, kommt es nun vermehrt auch zu Konflikten im Außen. Unstimmigkeiten in der Familie und mit Kollegen. Die Arbeitssituation wird hier jedoch schon als deutlich belastender als vorher wahrgenommen.

Phase 6: Verleugnen der Probleme

Jegliche stressbedingten Symptome werden zwar wahrgenommen, aber nicht ernsthaft als Bedrohung wahrgenommen. Sie halten sich eher für besonders stressresistent und es sind die anderen, die Sie nicht verstehen, wodurch es zu Konflikten kommt. Zeit für Hobbys, Sport oder andere Aktivitäten nehmen Sie sich nicht mehr.

Phase 7: Rückzug

So kommt es dann zum Rückzug. Treffen mit Freunden oder Bekannten finden nicht mehr statt, denn es fehlt Ihnen grundsätzlich die Freude, sich mit anderen auseinander zu setzen. Um Stress abzubauen, greifen Sie auf Hilfsmittel zurück – wie Alkohol oder Medikamente.

Phase 8: Verhaltensveränderung

Es fällt generell immer schwerer Interesse an anderen Menschen zu zeigen. Die Zeit außerhalb der Arbeit wünschen Sie sich am liebsten gar nicht mehr angesprochen zu werden. Um abzuschalten, schalten Sie den Fernseher ein oder verbringen Ihre Freizeit vor dem Smartphone.

Phase 9: Depersonalisation

Die Bedürfnisse werden nun nicht nur ignoriert, sondern scheinen gar nicht mehr vorhanden zu sein. Sie funktionieren sinnbildlich nur noch wie eine Maschine und gehen dabei über Ihre gesundheitlichen Grenzen hinaus. Oft werden erst hier Sorgen der Familie ausgesprochen.

Phase 10: Innere Leere

Arbeit ist nichts mehr, für das Sie leidenschaftlich brennen, sondern sie löst in Ihnen von einem mulmigen Gefühl bis sogar Panik aus. Am Wochenende drehen sich die Gedanken nur darum, dass es bald wieder zur Arbeit geht und neue Herausforderungen im Job werden zur Qual. Die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit ist dabei völlig abhanden gekommen.

Phase 11: Depression

Die innere Leere wird immer drückender und an manchen Tagen sind Sie regelrecht verzweifelt. Es kommt zu depressiven Episoden, in denen Sie sich zu nichts aufraffen können, außer im Bett zu liegen.

Phase 12: Völlige Erschöpfung

Schon die kleinsten Dinge des Alltags fallen unendlich schwer. Das Aufstehen morgens ist eine unüberwindbare Hürde. Hier haben Sie die Gedanken: „Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.“

Natürlich sind diese Phasen nur ein Modell, dass eine Einschätzung über die psychische und körperliche Verfassung geben soll und müssen nicht genau so empfunden werden.

Die Symptome des Burnout-Syndroms

Die Symptome, die sich beim Ausbrennen zeigen, sind nicht schlagartig und alle auf einmal vorhanden, deshalb unterteilen wir hier eine kurze Auflistung typischer Symptome in 3 verschiedene Phasen.

Anfangsphase:

Körperlich:
  • Rastlosigkeit
  • Schlafmangel
  • Anfälligkeit für Infektionen
  • Energiemangel
  • Abnahme von Kreativität
Psychisch:
  • Gefühl von Zeitmangel
  • Gefühl, unentbehrlich zu sein
  • Ignorieren körperlicher Bedürfnisse
  • Einschränkung sozialer Kontakte

Das „Brennen“:

Körperlich:
  • Stimmungsschwankungen und Stimmungstief
  • Reizbarkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Substanzmissbrauch
Psychisch:
  • Emotionale Distanzierung vom Arbeitsplatz und von Familie und Freunden
  • Zynismus
  • Schuldzuweisungen
  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Innere Leere
  • Überforderungsgefühl

Das „Ausbrennen“:

Körperlich:
  • Schlafstörungen
  • Muskelverspannungen, Rücken- und Kopfschmerzen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Verdauungsbeschwerden
  • Sexuelle Unlust
  • Veränderter Stoffwechsel
Psychisch:
  • Verzweiflung
  • Depressive Episoden
  • Angstzustände
  • Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit

Resilienz gegen das Burnout-Syndrom

Wie eingangs erwähnt, wird Resilienz häufig mit Burnout in Verbindung gebracht. Aber wie genau funktioniert es, dass Resilienz uns gegen das Ausbrennen schützt? Und wie kommen wir mit Resilienz durch ein Burnout? Hierbei hilft es, sich Resilienz unter dem D3 Faktor anzuschauen – Davor, Dabei, Danach.

Resilienz – Vor dem Burnout-Syndrom

In vielen Resilienzmodellen wird Resilienz als eine Art von Schutz verstanden, als Schirm gegen den Stress. Dazu helfen uns die, wissenschaftlich gut untersuchten, Schutzfaktoren. Je mehr ein Mensch auf diese Schutzfaktoren zugreifen kann, desto besser kann er auch mit den sogenannten Risikofaktoren umgehen. In anderen Worten, er kann Stress besser regulieren und sich an schwierige Situationen adaptieren.

Resilienz dient in dem Sinne nicht direkt als Prävention gegen Burnout, sondern als Fähigkeit mit den ins Burnout leitenden Faktoren gesund umzugehen. So gehört es auch zu einem resilienten Mindset, sich der dysfunktionalen Denkmuster und Antreiber die zu Beginn des Burnouts stehen, bewusst zu machen und in einen Rahmen zu setzen, der Regeneration zulässt.

An dieser Stelle ist es wichtig, noch einmal den Begriff der Krise aufzunehmen. Eine Krise kann zwar in einem Burnout enden, oder aber auch gar nicht damit verbunden sein. Wir verstehen eine Krise in diesem Kontext als ein Vorherrschendes Problem, ohne bekannten Lösungsweg einhergehend mit einer großen Menge an Stress. Auch hier kann die Resilienz den Stress zwar mindern, doch sie wird Krisen nie ganz verhindern können.

Denn was dabei hinzukommt ist der Faktor der Überraschung. Wir werden immer wieder mal für ein Problem keine Lösung kennen. Und wir werden auch nicht jeden Stress regulieren können. Doch wir können im allgemeinen lernen, besser in die Adaptation und Regulation zu gehen und so auch das Risiko eines Burnouts senken.

Resilienz – Beim Burnout-Syndrom

Die Frage stellt sich natürlich auch: Was können Betroffene denn tun, um aus der totalen Erschöpfung herauszukommen? Wie bringen wir den Körper wieder in seine Kraft? An dieser tiefsten Stelle, aus Sicht geistiger und körperlicher Reserven gesprochen, bringen psychische Schutzfaktoren, wie beispielsweise Optimismus oder Selbstwirksamkeitserleben, zunächst nichts. Denn sie treffen gewissermaßen auf keinen fruchtbaren Boden.

Hier ist der Körper die primäre Anlaufstelle, um das Gesamte System wieder aufzubauen. Die körperliche Resilienz spielt hier eine wichtige Rolle. Es geht darum, die Regulationsfähigkeit des Körpers wieder so herzustellen. Erst dann, mit genügend Regeneration, Unabhängigkeit von Substanzen und der Funktionsfähigkeit unseres Hormonsystems, können wir auf psychische Schutzfaktoren zurückgreifen. Mit ihrer Hilfe können wir dann Stress regulieren und wieder zu einem gesunden Leben zurückfinden.

Resilienz – Nach dem Burnout-Syndrom

Brauchen wir Resilienz überhaupt nach dem Burnout? Die Antwort ist wohl jein. Denn im Prinzip brauchen wir keine Resilienz, wenn es uns gut geht. Wenn wir unseren Alltag mit allen anfallenden Aufgaben gut bewältigen können. Aber wie lange läuft das Leben auf diesem Niveau? Wenn wir uns nie neue Herausforderungen stellen, können wir uns auch nie weiterentwickeln. Und denken Sie hier auch noch einmal an das Boreout-Syndrom. Chronische Unterforderung ist genau so schädigend wie Burnout.

So gesehen ist Resilienz auch nach dem Burnout wichtig, da es immer wieder neue Herausforderungen und Belastungen geben wird, die reguliert werden können. Das Faszinierende dabei ist, dass sich die Resilienz verbessert. Dann haben Sie nämlich bereits die Erfahrung gemacht, was Ihnen 1. droht, wenn Sie nicht genügend auf eine resiliente Lebensweise achten und 2. was Ihnen bei Stress gut geholfen hat und welche Tools Sie auch weiterhin nutzen möchten.

Erste Hilfe bei Anzeichen des Burnout-Syndroms

Abschließend wollen wir Ihnen noch ein paar Sofort-Hilfen mit an die Hand geben, falls Sie sich bei den Phasen an der ein oder anderen Stelle wiedererkannt haben. Wichtig ist jedoch: Burnout ist eine ernsthafte psychische Erkrankung. Wenn Sie sehr starke Erschöpfungssymptome verspüren oder jemanden kennen, der dies tut, suchen Sie bitte professionelle psychologische und ärztliche Unterstützung.

Innere Antreiber ausfindig machen

In den meisten Fällen startet ein Burnout mit einer bestimmten, gar zwanghaften, Einstellung gegenüber der Arbeit. Machen Sie sich diese Antreiber einmal bewusst. Hier ein kurzer Check: Welche Aufforderung kommt aus Ihrem inneren am häufigsten bei der Arbeit?

  • Streng dich an!
  • Sei stark!
  • Mach schnell!
  • Sei perfekt!
  • Mach es allen recht!

HIER finden Sie weitere Informationen für einen resilienten Umgang mit inneren Antreibern.

Bewusste Auszeiten

Gönnen Sie Ihrem Körper die Regeneration die er braucht, um eine gesunde Regulation aufrecht zu erhalten. Hier helfen kleine Pausen, in denen Sie sich wirklich nur auf Ihren Atem konzentrieren. HIER finden Sie eine Anleitung für eine solche One-Minute-Meditation. Auch hier ist übrigens der Umgang mit dem Mindset wichtig. Was hält Sie bisher davon ab, sich kleine Pausen zu nehmen? Was könnten Sie sich sagen, um sich kleine Pausen zu erlauben?

Balance zwischen Allein- und Beisammensein

Sich Auszeiten zu gönnen, bedeutet allerdings nicht den sozialen Rückzug. Finden Sie eine gesunde Balance zwischen wichtiger Ich-Zeit und dem Pflegen Ihres sozialen Netzwerks. Wenn Sie keine Lust auf andere Menschen haben, beginnen Sie mit kleinen Treffen oder Telefonaten mit Menschen, von denen Sie überzeugt sind, sie stehen Ihnen wohlwollend und wohltuend gegenüber. Denn tiefe soziale Bindungen sind einer der wichtigsten Faktoren für unsere Gesundheit – und das sowohl mental wie auch körperlich!

Den Körper pflegen

Im Sinne der körperlichen Resilienz ist es wichtig, dass Sie Ihren Körper so behandeln, dass er Sie auch durch stressreiche Zeiten gesund begleiten kann. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Das ist oft leichter gesagt als getan, deshalb auch hier die Empfehlung: Fangen Sie mit Babysteps an. Heute mal einen Salat, statt der Tiefkühlpizza. Oder mal eine halbe Stunde früher ins Bett, ohne noch am Handy zu hängen. Suchen Sie sich Alternativen zu eventuellen Hilfsmitteln, die Sie sonst bei der Regeneration vermeintlich unterstützt haben und schaffen Sie sich nach und nach neue Rituale.

Resilienz lässt sich auf viele Weisen kultivieren und es lohnt sich in jedem Fall!


Sebastian Mauritz - Resilienz-AkademieSebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 150 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de).

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