Das Executive FiRE-Modell für resiliente Selbstführung

Das Executive FiRE-Modell zeigt verschiedene Aspekte auf, durch die Menschen einen guten Umgang mit schwierigen Situationen und Stress pflegen. Mit anderen Worten, das Modell, entwickelt von Leadership Choices, zeigt Wege auf, die eigene Resilienz zu stärken, um sich und andere gut durch die Zukunft zu führen.

Was bedeutet resiliente Selbstführung?

Die Basis des FiRE-Modells ist die resiliente Selbstführung, wobei die einzelnen Aspekte diese Kompetenz stärken und ausbauen. Selbstführung und Resilienz sind eng miteinander verbunden. Beide Fähigkeiten ermöglichen einen flexiblen und dennoch bestimmten Umgang mit schwierigen Situationen. Sei es nun Im Privatleben in der Familie oder als Führungskraft im Unternehmen. Stress und Unsicherheit mindern Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Und hierbei greift das Resilienzmodell.

Warum braucht es noch ein Resilienzmodell?

Resilienz ist kein festgelegtes oder abgeschlossenes Thema. Immer wieder werden neue Faktoren erforscht, die die innere Widerstandskraft des Menschen stärken und Gesundheit fördern. Das erklärt auch die Fülle an verschiedenen Modellen. In unserem Artikel „Resilienzmodelle im Vergleich“ sehen Sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Ansätze. Und dabei haben alle den Anspruch, resilienzfördernd zu sein. Warum braucht es also noch ein Resililienzmodell?

Keines der Modelle kann das einzig Wahre sein. Gerade weil Resilienz ein so vielfältiges Feld ist, braucht es verschiedene Konstrukte mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Executive FiRE-Modell legt als einziges Modell im Vergleich seinen Fokus auf die Verstärkung der Effektivität einer individuellen Resilienz bei Führungskräften.

Selbststeuerung und Selbstwahrnehmung als Basis der Resilienz

Wie die Entwickler des Modells herausstellen, brauchen insbesondere Führungskräfte eine ausgeprägte Selbstführung. In Krisenzeiten ist es schwierig, trotz der eigenen Unsicherheit, den Mitarbeitenden Halt zu geben. Mitarbeitende fordern gerade dann authentische Zuversicht und Orientierung. Die Lösung für eine gelingende Führung in solchen Situationen ist die resiliente Selbstführung.

Gemeint ist damit das Zusammenspiel aus Selbststeuerung und Selbstwahrnehmung. Viele Führungskräfte neigen in herausfordernden Situationen dazu, Härte zu zeigen, sprich eine hohe Selbstdisziplin an den Tag zu legen. Bei solch einer Haltung profitieren die Mitarbeitenden von der Stabilität und der Führungsstärke. Der Haken dabei ist, dass die Betroffenen sich selbst großen Druck auferlegen und an diesem nicht selten auch zerbrechen. Sie hören zu wenig auf ihren Körper, ihre Bedürfnisse und ihr mentales Wohlbefinden. Eine hohe Selbstwahrnehmung führt dazu, dass wir Stabilität wahren und gleichzeitig auf uns achten. So können wir stressbedingte Veränderungen wahrnehmen, bevor es zum Burn-out kommt.

Die Kombination aus Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung ermöglicht es in Krisen Sicherheit zu geben und gleichzeitig die eigene Gesundheit nicht zu vernachlässigen. Mit anderen Worten, diese Kombination ist die Basis für eine starke Resilienz.

Was ist das FiRE-Modell?

Das Executive FiRE-Modell ist eine Entwicklung des Kollektivs Leadership Choices. Karsten Drath führt in seinem Buch „Die resiliente Organisation“ das Modell und den Zusammenhang von individueller und organisationaler Resilienz noch weiter aus. Das Akronym FiRE steht dabei für „Factors improving Resilience Effectiveness®“ – Faktoren, welche die Resilienz-Effektivität verbessern. Zudem verdeutlicht das Akronym die Metapher des Modells. Es ist nämlich einer Flamme entsprechend aufgebaut.

Ähnlich wie bei einer Kerzenflamme, besteht das Modell aus einzelnen Sphären, die ineinandergreifen und aufeinander aufbauen in zunehmendem Radius. Das Modell umfasst insgesamt acht dieser Sphären, die in einer bestimmten Reihenfolge aufgebaut sind. Der Kern der Flamme verdeutlicht, dass sich diese Faktoren gar nicht oder nur sehr nur schwer selbst verändern lassen. Während die äußeren ‚Schichten‘ der Flamme sehr wohl willentlich beeinflussbar sind.

Das Executive FiRE-Modell (Die resiliente Organisation, Karsten Drath, 2018)

1. Sphäre: Persönlichkeit

Die Sphäre der Persönlichkeit, sozusagen der erste Resilienzfaktor, liegt im Kern der Flamme. Das bedeutet, diese Sphäre lässt sich von uns selbst kaum verändern. Dabei geht es hier nicht darum, Menschen in Schubladen zu stecken. Vielmehr sind unter der Persönlichkeit unsere individuellen Verhaltenspräferenzen gefasst, die situationsübergreifend und zeitstabil auftreten.

Karsten Drath führt hierzu das Big-Five Modell der Persönlichkeit auf. Das Modell stammt aus der Persönlichkeitspsychologie und entwickelte sich seit 1930 weiter. Durch die Faktorenanalyse kristallisierten sich fünf stabile, voneinander unabhängige und weiterstgehend kulturübergreifende Faktoren heraus, die Persönlichkeit bestimmen.

Die Faktoren sind:

  • Offenheit für Erfahrungen
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit (Kooperationsbereitschaft und Empathie)
  • Neurotizismus (Bedürfnis nach Stabilität)

Gerade weil die individuelle Ausprägung von bspw. Offenheit für Erfahrungen, nicht von uns selbst beeinflussbar ist, braucht es hierbei andere Möglichkeiten die Resilienz über diesen Faktor zu stärken. Hierbei lässt sich die Selbststeuerungsfähigkeit über die Selbstwahrnehmung trainieren.

Besonders unter Stress neigen wir dazu, in unsere gut geübten Verhaltensmuster zu rutschen. Wenn wir dieses Verhalten und unsere dazugehörigen Denkmuster jedoch wahrnehmen, ist das der erste Schritt auch Stressreaktionen frühzeitig zu erkennen. Lernen Sie Ihre eigene Persönlichkeit besser kennen, mit all Ihren Stärken und Schwächen, ganz urteilsfrei. Durch eine hohe Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion bemerken wir Stress eher und können dagegen handeln. Ein Feedback von außen hilft ebenfalls, den eigenen Umgang mit Stress besser einzuschätzen.

Tipp für Führungskräfte

Stärken Sie Ihre eigene Resilienz, indem Sie sich Zeit nehmen für eine persönliche Selbstreflexion. Dazu reichen schon 10 Minuten, in denen Sie Ihre Stimmung reflektieren. Um im guten Kontakt zu Ihren Mitarbeitenden zu bleiben, trotz schwieriger und stressiger Zeiten, trainieren Sie zusätzlich Ihre Fremdwahrnehmung. Versuchen Sie sensibel für die Persönlichkeitsmerkmale Ihrer Kollegen zu sein, im Unterschied zu stressbedingten Verhalten. Allein der Kontakt zu den Mitarbeitenden stärkt das Wohlbefinden im Team und steigert Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit.

2. Sphäre: Biografie

Unsere Persönlichkeit, hängt eng damit zusammen, woher wir kommen. Das heißt, unsere Erlebnisse, unsere Erfahrungen und auch unsere Familie und Bezugspersonen haben einen großen Einfluss auf unsere Resilienz. Zu einem geringen Teil ist die Fähigkeit, gelassen mit Stress umzugehen, tatsächlich angeboren. Doch zum Großteil können wir diese Fähigkeit ausbauen. Dazu müssen wir jedoch verstehen, wie wir unsere Biografie konstruieren.

Bei dieser Sphäre geht es darum im Sinne einer Prosilienz®, also einer proaktiven Resilienz, von sich selbst und den eigenen Erfahrungen zu lernen. Die Vergangenheit ist ebenso konstruiert wie unsere Zukunft. Das klingt zunächst abstrakt. Mit anderen Worten ist damit gemeint, dass der Blick auf unsere Vergangenheit bestimmt, wie wir unsere Biografie wahrnehmen. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass unsere Erinnerungen aus einzelnen kleinen Episoden (Engrammen) bestehen. Und das Gehirn unterscheidet bei so einer Episode nicht zwischen Sinneseindruck, sachlicher Information und emotionaler Bewertung. Das ist wichtig, denn die emotionale Bewertung lässt sich im Nachhinein verändern. Wir steuern also aktiv unsere Erinnerungen.

Für eine hohe Resilienz ist das sehr hilfreich. Denn das heißt, wir können alle Erinnerungen als Ressourcen nutzen. Drath erklärt, dass es drei Arten von Biografie-Ressourcen gibt:

  1. Schlimme oder traumatische Erinnerungen, die jedoch lehrreich waren und die wir überlebt haben
  2. Positive Erlebnisse und persönliche Sternstunden, die uns Rückhalt und Selbstvertrauen geben
  3. Lernerfahrungen und Sichtweisen, die wir im Laufe des Lebens sammeln und unser Weltbild prägen

Sich diese Erfahrungen, mit genau diesen Zuschreibungen ins Gedächtnis zu rufen, beeinflusst, wie wir auf gegenwärtige Herausforderungen blicken und Zuversicht für die Zukunft aufbauen können.

Tipp für Führungskräfte:

Gestalten Sie Ihre eigene Heldenreise. Welche Krisen haben Sie erfolgreich überlebt und sogar daraus gelernt? Wo sind die Glücksmomente, die Sie in Kontakt mit Ihren Ressourcen bringen? Wenn Sie mit diesem Blick auf Ihre Biografie blicken, wirkt ein gegenwärtiges Tief wie ein weiterer Meilenstein in Ihrer Erfolgsgeschichte. Auch Ihre Mitarbeitenden können von der Arbeit mit der eigenen Biografie profitieren. Es ist hilfreich, Erkenntnisse auszutauschen und Lernerfahrungen miteinander zu teilen.

3. Sphäre: Haltung

Die Haltung ist gegenüber der Persönlichkeit und der Biografie ein wenig einfacher zu beeinflussen. Die innere Haltung hat Einfluss darauf, wie wir Herausforderungen begegnen und wie wir auf sie reagieren. Das bedeutet, wir können unsere Resilienz über die eigene Haltung verbessern.

Wie sehen Sie sich selbst? Sind Sie eher Opfer der Umstände oder Schmied des eigenen Schicksals? Diese beiden Haltungen – Opferhaltung und Gestalterhaltung – sind zwei innere Haltungen, die den Umgang mit Problemen, Herausforderungen und Krisen sehr stark beeinflussen. Wer sich eher als Opfer sieht, hat zumeist eine ausgeprägte Katastrophenszenario-Kompetenz und ist mehr auf Negatives als auf Positives fokussiert. Aus einer Gestalterhaltung heraus steigt jedoch die Selbststeuerung, da wir uns selbst als Kontrollinstanz für unsere Erlebnisse und Handlungen begreifen.

Welche Haltung wir uns selbst und unseren Problemen gegenüber einnehmen, ist eng mit unseren Glaubenssätzen und inneren Antreibern verbunden. Solche Überzeugungen wie „Ich muss perfekt sein, um anerkannt zu werden“ dienen auf der einen Seite als Motivation. Auf der anderen Seite verursachen sie auch Stress. Schließlich setzen wir uns selbst stark unter Druck.

Ein Resilienz steigernder Umgang liegt hierbei in der Selbstwahrnehmung. Unsere innere Haltung entsteht unwillkürlich und wird von uns normalerweise nicht aktiv wahrgenommen. Wir können allerdings trainieren, unsere Glaubenssätze, Antreiber und Haltungen zu bemerken. Mit etwas Übung können wir sie anschließend sogar verändern und Stress reduzieren.

Tipps für Führungskräfte:

Sie können die eigene Selbststeuerung und die Ihrer Mitarbeitenden mit einer wirkungsvollen Übung trainieren, die Karsten Drath in seinem Buch „Resilienz in der Unternehmensführung“ (2016) vorschlägt. Die Übung „Circle of Control“ umfasst die drei Bereiche Kontrolle (alles, was man als Individuum selbst steuern kann), Einfluss (alles, was Individuen beeinflusst) und Sorge (alles, was sich nicht beeinflussen lässt und man sich nur Sorgen machen kann).

Ordnen Sie im Team Ihre Gedanken und Themen in diese drei Bereiche ein. Diese Einordnung kann dabei helfen, in Diskussionen und Meetings den Bereich „Sorge“ zu umgehen und in der Gestalterhaltung zu bleiben.

4. Sphäre: Mentale Agilität

Die Sphäre der mentalen Agilität kann eine Persönlichkeitseigenschaft, im Sinne von Offenheit für Erfahrungen sein, jedoch eine Gewohnheit. Denn hierbei geht es darum, Veränderungen offen gegenüber zu treten und die geistige Beweglichkeit zu trainieren. Es gibt Menschen, die von Natur aus souverän mit Unsicherheit oder Komplexität umgehen und flexibel sind. Allerdings besitzt jeder Mensch die Fähigkeit zu dieser Flexibilität.

Unser Gehirn ist ein Leben lang dazu in der Lage, neue neuronale Strukturen anzulegen. Diese Fähigkeit nennt sich Neuroplastizität. Indem wir neue Erfahrungen machen und neue Verhaltensweisen üben, bauen sich neue Vernetzungen auf und wir können das Gelernte auch unter Stress anwenden. Mentale Agilität meint, es sich zur Gewohnheit zu machen, neue neuronale Verbindungen zu erschaffen. Sich aus der Komfortzone begeben und der Wille zur Improvisation sind dafür grundlegende Voraussetzungen. Sich neuen Herausforderungen zu stellen und auch der eigenen Intuition zu vertrauen fördert die mentale Agilität und damit auch die individuelle Resilienz.

Was Sie dazu brauchen ist:

  • Sinn: Wozu nutzt Veränderung, wie ist die Verbindung zu den eigenen Werten und Zielen?
  • Ausreichende Ressourcen: Was brauchen Sie an Zeit, Mitteln, Unterstützung, um neue Erfahrungen zu machen und andere Wege zu gehen?
  • Training: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und es braucht Geduld und Übung, um sich regelmäßig aus der Komfortzone herauszuwagen.

Tipps für Führungskräfte:

Als Führungskraft, die die eigene Resilienz und auch die der Mitarbeitenden fördert, brauchen Sie den Mut, auch unbekannte Pfade zu gehen. Trainieren Sie Ihre mentale Agilität, indem Sie sich besonders in Krisenzeiten auf Ihr Erfindungsreichtum verlassen. Übertragen Sie diese kreative Verantwortung auch auf Ihr Team. Agiles Arbeiten beginnt mit der Freiheit, experimentieren zu können. So legen Sie den Grundstein für Weiterentwicklung, auch in schwierigen Zeiten.

5. Sphäre: Energie Management

Bei der Sphäre des Energie Managements geht es darum, wie Sie Ihr eigenes Energielevel selbst erhöhen können. Regeneration ist eine wichtige Grundlage dafür, kraftvoll auf Probleme und Krisen zu reagieren. Wie Sie Ihre Regenerationsfähigkeit trainieren und welche Ressourcen Ihnen Energie spenden, ist äußerst individuell. Bei einigen ist es eher Sport, bei anderen die Zeit mit Familie und Freunden und bei wieder anderen ist es Ich-Zeit oder Meditation.

Karsten Drath unterteilt in dem FiRE-Modell das Energie Management in zwei Arten von Ressourcen. Auf der einen Seite gibt es die „Wurzel-Ressourcen“, die in Kontakt mit dem eigenen Körper bringen und erden. Während auf der anderen Seite die „Flügel-Ressourcen“ das innere Aktivitätslevel erhöhen und Kraft und Zuversicht für die Zielerreichung geben. Dazu gibt es verschiedene „Werkzeuge“, die dazu beitragen, dass sich die eigenen Akkus schneller aufladen. Beispielsweise hilft Meditation schneller zur Ruhe zu kommen und zu entspannen oder resiliente Kommunikation hilft dabei wohltuende Beziehungen zu pflegen.

Wichtig für ein gelingendes Energie Management ist die Selbstwahrnehmung. So nehmen Sie Energie-Räuber, wie bestimmte Personen oder auch das Smartphone, besser wahr und können einen gesunden Umgang mit ihnen pflegen.

Tipps für Führungskräfte:

Mit einer guten Selbstwahrnehmung können Sie Ihr eigenes Energielevel über den Tag verteilt wahrnehmen. Was raubt Ihnen Kraft? Was gibt Ihnen Kraft? Und wie können Sie in Ihrem Tag möglichst viele Kraftspender einbauen? Besonders die Schlafhygiene und Schlafrituale helfen dabei, mit einem hohen Energielevel in den neuen Tag zu starten.

Ermutigen Sie auch Ihre Mitarbeitenden, ehrlich mit dem Energie- und Leistungslevel umzugehen und sich selbst zu reflektieren. So können sich auch im Team Energiequellen oder Kraft spendende Rituale, wie ein Walk-and Talk beispielsweise, ergeben.

6. Sphäre: Geist-Körper-Achse

Unser Körper und unser Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Sogar so sehr, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Für gewöhnlich fällt uns auf, wie sehr unser mentales System den Körper beeinflusst. Wir lassen die Schultern hängen, wenn wir traurig oder antriebslos sind oder spüren den verspannten Nacken bei Stress.

Umgekehrt funktioniert diese Verbindung allerdings auch. Das heißt, bei einer hohen Schlafqualität oder gesunder Ernährung sind wir auch entspannter und können flexibel auf schwierige Situationen reagieren. Eine hohe Selbstwahrnehmung unterstützt dabei, die Körpersignale für Stress oder auch Wohlbefinden, die somatischen Marker des Körpers, wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Eine der besten Übungen, die schnell und effektiv den Kontakt zwischen Körper und Geist herstellt, ist die One-Minute-Meditation. Dadurch gönnen Sie Ihrem Körper für kurze Zeit Ruhe vor äußeren Reizen und geben Ihnen selbst so die Chance Empfindungen überhaupt an die Oberfläche kommen zu lassen. Zudem belegen Forschungen, dass die Konzentration auf die Atmung nachweislich Stress abbaut. Bei dieser Sphäre geht es darum, über den Körper zu mentaler Gelassenheit und innerer Ausgeglichenheit zu gelangen.

Tipps für Führungskräfte:

So esoterisch „My Body is my Temple“ auch klingen mag, der Körper ist und bleibt die Grundlage dafür, wie resilient wir auf Stress reagieren können. Sie können sich die Verbindung von Geist und Körper zu Nutze machen, indem Sie Ihren Körper einerseits als Rückmelde-Helfer für Stressempfinden nutzen, andererseits über Ihn auch Stress regulieren. Schlaf, Sport, Ernährung und Mediation sind die klassischen Felder, über den Körper nicht nur die physischen, sondern auch die mentalen Abwehrkräfte zu stärken.

7. Sphäre: Authentische Beziehungen

Die Sphäre Authentische Beziehungen bezieht sich auf den Resilienzfaktor Bindung. Wir Menschen brauchen Bindung und soziale Unterstützung für eine starke Resilienz und Wohlbefinden. Bei dieser Sphäre des FiRE-Modells geht es insbesondere um die emotionale Tiefe und die vertrauensvolle Kommunikation zwischen Menschen. Beziehungen, in denen wir uns nicht verstellen müssen und unsere Persönlichkeit akzeptiert wird, geben uns Kraft und Zuversicht auch schwierige Zeiten gesund zu überstehen.

Leider unterschätzen viele Führungskräfte die Bedeutung von authentischen Beziehungen. Zum einen wird emotionale Tiefe mit Schwäche verwechselt. Als Führender besteht oftmals der Anspruch stark zu wirken und keine Schwäche offenbaren. So werden Beziehungen mit Mitarbeitenden und Kollegen unterbunden oder sogar im Privatleben auf ein Minimum reduziert. Zum anderen fällt es manchmal schwer die Authentizität einer Beziehung einzuschätzen. Zweifel daran, ob der Gegenüber nur von der Beziehung profitieren will, schädigen tiefgreifende Bindungen und Vertrauen.

Für authentische Beziehungen ist Empathie eine grundlegende Fähigkeit. Sie können Ihre eigene Empathiefähigkeit mithilfe von Mimikresonanz trainieren und Bindungen so vertiefen und stärken. Damit stärken Sie auch Ihre Wahrnehmung für authentische Kommunikation.

Tipps für Führungskräfte:

Als Führungskraft tragen Sie zwar Verantwortung für Ihr Team, jedoch haben Sie auch die Verantwortung gegenüber Ihren eigenen Bedürfnissen und Bindung ist ein elementares Grundbedürfnis aller Menschen. Soziale Beziehungen können Sie entlasten und Ihnen bei Belastung als wertvolle Stütze dienen. Um eine gute Bindung zu Ihren Mitarbeitenden aufzubauen, helfen auch informelle Gespräche und gemeinsame Mittagspausen dabei den Kontakt zu wahren. Stärken Sie aktiv Zusammenhalt im Team und die Mitarbeiterarbeiterbindung, indem Sie Gelegenheit für authentische Beziehungen schaffen.

8. Sphäre: Sinn

Sinn ist die äußerste Sphäre des FiRE-Modells und lässt sich am einfachsten selbst beeinflussen. Beziehungsweise lassen sich die eigenen Handlungen am einfachsten an den Sinn anpassen. Denn empfundener Sinn ist die Basis für innere Stärke und eine resiliente Selbstführung.

Sinn lässt sich in zwei Faktoren aufteilen. Zum einen gibt es den „kleinen Sinn“. Hierbei handelt es sich um den empfundenen Sinn basierend auf den individuellen Werten. Aaron Antonovsky stellte dem Konstrukt der Salutogenese auf, dass Sinnhaftigkeit ein wesentlicher Bestandteil für die Gesundheit des Menschen ist. Wer persönlich Sinn in seinen Handlungen sieht, kann besser mit Herausforderungen und Aufgaben umgehen. Stellen Sie sich die Frage: Was macht Ihr Leben sinnvoll? Wofür sind Sie voller Eifer? Und hier spielt der zweite Faktor eine Rolle, der „große Sinn“.

Denn die Sphäre Sinn umfasst nicht nur das eigene Wohlbefinden, vielmehr geht es hierbei darum, wie Sie einen positiven Unterschied in der Welt machen. Sinn umfasst dabei eine Dimension, die größer ist als jeder einzelne. Was fühlt sich richtig und bedeutsam an, für Sie und Ihren Kontext? Und wie können Sie danach handeln?

Tipps für Führungskräfte:

Um in Einklang mit seinen eigenen Werten zu leben und Sinn zu erleben, müssen Sie Ihre Werte zunächst kennen. In der Position als Führungskraft ist es darüber hinaus wichtig, die Unternehmenswerte zu leben. Das wirkt sinnstiftend auf die Mitarbeitenden und stärkt die eigene Resilienz, die Teamresilienz und auch die organisationale Resilienz. Nutzen Sie Ihre Vorbildfunktion und fordern Sie Handlungen mit Sinn.

Mit dem FiRE-Modell zu besserer Führung durch Selbstführung

Das FiRE-Modell für individuelle Resilienz ist derzeit das einzige Modell, das sich speziell an Führungskräfte richtet. Die einzelnen Sphären verdeutlichen, welche Faktoren bei dem Aufbau und der Verbesserung der eigenen Resilienz relevant sind.

Einige Faktoren lassen sich von uns einfacher beeinflussen als andere. Zum Beispiel ist unsere Persönlichkeit und unsere daraus resultierenden Handlungen relativ festgeschrieben, unsere innere Haltung können wir jedoch mit etwas Training verändern.

Bei jedem einzelnen Faktor kommt es auf das Zusammenspiel von Selbststeuerung und Selbstwahrnehmung an. Mit einer hohen Selbstwahrnehmung legen wir den ersten Schritt in Richtung resilientem Umgang mit uns selbst und mit Herausforderungen. Während die Selbststeuerung uns dazu befähigt resilient zu leben. Es geht um ein ausgeglichenes Verhältnis an hoher Selbstwahrnehmung und hoher Selbststeuerung, um für sich und Ihr System, sprich das Unternehmen oder das Team, Stabilität und Flexibilität im Angesicht von Stress, Problemen und Krisen zu wahren.

Neben dem Modell bietet Leadership Choices ein passendes psychometrisches Tool an, um die individuelle Resilienz zu messen: der Executive FiRE Index 2.0. Mehr Informationen dazu finden Sie HIER.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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