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    Positive Psychologie beschäftigt sich kurz gesagt mit all dem, was den Menschen glücklich macht. Denn oft geht es in der klassischen Psychologie um die negativen Gefühle und Gedanken, statt um das Ziel einer positiven Haltung.

    Dabei ist es in mehreren Studien bewiesen, dass Menschen, die häufig Glücksempfindung verspüren, gesünder sind, länger leben, erfolgreicher im Beruf sind und energiegeladener wahrgenommen werden. Ein wichtiger Faktor der Positiven Psychologie sind die Charakterstärken. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Resilienz und Positive Psychologie zusammenhängen und wie Sie mithilfe Ihrer Charakterstärken Resilienz trainieren.

    Positive Psychologie allgemein

    Dieser Forschungszweig der Psychologie befasst sich vor allem mit drei grundlegenden Faktoren: Dem Glückstraining, dem Flow und den Charaktereigenschaften. Zusammen sollen sie dazu beitragen, Menschen ein glücklicheres und gesünderes Leben zu ermöglichen. Doch wie genau geht das?

    Die Geschichte der Positiven Psychologie

    Abraham Maslow hat 1954 den Begriff der positiven Psychologie eingeführt, doch erst Jahrzehnte später, in den späten 90ern, entwickelte der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman eine eigene Disziplin daraus. Diese Strömung innerhalb der Psychologie orientiert sich dabei an Aspekten der ressourcenorientierten Psychotherapie.

    Das bedeutet, es geht um die Entstehung von positiven Merkmalen des Menschseins und die Hinführung zu mehr positiven Empfindungen. Ähnlich der Salutogenese, konzentrieren sich die Psychologen hierbei auf die Entstehung von Gesundheit statt auf Krankheit.

    Mittlerweile findet die Positive Psychologie auch immer mehr Anklang in der Unternehmenspraxis, beispielsweise entstehen Positive-Leadership-Konzepte. Und auch in Bildung und Erziehung bilden sich immer mehr Anwendungsbereiche.

    Glückstraining in der Positiven Psychologie

    Glücklich sein lässt sich trainieren, so behauptet Seligman. Das erprobte er an einer zwar relativ kleinen Experimentalgruppe, allerdings mit sichtbarem Erfolg. So sollten klinisch depressive Patienten darauf achten ihre Stärken einzusetzen, jeden Tag drei schöne Erlebnisse aufschreiben und stressfreien Beschäftigungen nachgehen. Das Ergebnis war, dass nach 14 Sitzungen die Patienten deutlich weniger depressive Merkmale aufwiesen, als die Kontrollgruppe, die in den Sitzungen hauptsächlich negative Gedanken besprach.

    Auch die Resilienz macht sich solcher Methoden zu nutze. Sie können Ihre Resilienz trainieren und somit Stress herunterregulieren, indem Sie beispielsweise Ihre Dankbarkeit trainieren. Ein Dankbarkeitstagebuch führt dazu, dass Sie sich auf die positiven Aspekte Ihres Lebens konzentrieren und Ihr Denken und Fühlen somit positiv beeinflussen.

    Leben im Flow

    Der Flow ist ein weiterer Faktor der Positiven Psychologie. Dieser Gedanke knüpft an die Erkenntnisse von dem Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi an. Er beschäftigte sich mit der Frage, wann Menschen Glücksgefühle empfinden. Seine Erkenntnis: Immer dann, wenn der Mensch einer Tätigkeit nachgeht, wobei er die Zeit vergessen kann und ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen und den eigenen Fähigkeiten besteht. Diesen Zustand beschreibt der Csikszentmihalyi als „Flow“.

    Der Flow beschreibt also einen Zustand, indem wir von einer Tätigkeit so vollkommen eingenommen sind, dass wir uns von unseren Problemen im Alltag kurzzeitig loslösen können. Vielleicht kennen Sie das Gefühl bei Ihrem Lieblingssport oder einem guten Buch.

    Flow kann in allen Lebensbereichen entstehen und führt zu einem tiefen Glücksempfinden. Wichtig dafür ist allerdings, dass die Anforderungen den eigenen Kompetenzen entsprechen. Schätzen wir die Anforderungen zu hoch ein, fühlen wir uns überfordert und gestresst. Sind die Anforderungen zu niedrig, kann Langeweile auftreten. Es ist das Gleichgewicht, das glücklich macht.

    Charakterstärken und Persönlichkeit

    Außerdem spielen die Charakterstärken und Tugenden (im Englischen „virtues“) eine wichtige Rolle in der Positiven Psychologie. Martin Seligman und Christopher Peterson unterscheiden grundsätzlich sechs solcher Tugenden, denen jeweils Charakterstärken zugeordnet sind.  

    Die Forschungsfrage hinter dieser Überlegung ist, ob es bestimmte Charaktereigenschaften gibt, die besonders zum Glücksempfinden beitragen. Beispielsweise: „Extrovertierte Menschen sind glücklicher“. Bei der positiven Psychologie geht es allerdings darum, die individuellen Stärken hervorzuheben und somit mehr positive Gefühle zu erzeugen. Es geht nicht darum eher introvertierte Persönlichkeiten zu extrovertierten Menschen zu machen.

    Die Charakterstärken in der positiven Psychologie

    Wie bereits erwähnt stellten Seligman und sein Kollege Peterson im Jahr 2004 ein Kompendium an Charakterstärken auf. Es soll die Attribute des Menschen auflisten, die zum Glücksempfinden beitragen und die wir an anderen Menschen wertschätzen. Damit stellt es einen Gegenentwurf zum „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) dar. Darin sind alle psychologischen Störungen aufgelistet, also all das, was Menschen eben nicht erstrebenswert empfinden.

    Das System aus 24 Charaktereigenschaften, aufgeteilt auf sechs grundlegende Tugenden, entstand aus der Erforschung der Weisheitsliteratur dieser Welt. Schließlich sollten die Charaktereigenschaften allgemeingültig, unabhängig von Kultur oder Zeit, sein.

    Die Charaktereigenschaften

    Hier sehen Sie eine Übersicht über die Charakterstärken, wobei die deutsche Übersetzung auf der Arbeit des Psychologen Willibald Ruch beruht.

    Weisheit und Wissen

    Bei dieser Tugend geht es darum, Wissen zu erwerben und auch zu gebrauchen. Es sind die kognitiven Stärken eines Menschen. Zu den Charakterstärken zählen:

    • Kreativität: Andere und neue Wege finden, Dinge anzugehen.
    • Neugier: Interesse an Menschen und der Umwelt aufbringen.
    • Urteilsvermögen: Aufgeschlossenheit gegenüber verschiedenen Seiten und Sichtweisen.
    • Lernfreude: Liebe, sich neues Wissen anzueignen.
    • Weitsicht: Die Fähigkeit Perspektiven zu beleuchten und Rat zu geben.

    Mut / Courage

    Die emotionalen Stärken sind hiermit gemeint, die uns dabei helfen, Hindernisse zu überwinden. Die Charakterstärken hierbei sind:

    • Tapferkeit: Bedrohungen oder Schmerz nicht schnell nachzugeben.
    • Ausdauer: Die Beharrlichkeit, Angefangenes zu beenden.
    • Integrität: Die Ehrlichkeit zu Anderen und authentisches Handeln.
    • Vitalität: Der Tatendrang, der Umwelt energiegeladen und begeisterungsfähig entgegenzukommen.

    Menschlichkeit

    Hier spielen die interpersonalen Stärken eine wichtige Rolle. Es ist die Tugend, die liebevolle menschliche Interaktion möglich macht. Die Stärken sind:

    • Liebe: Menschliche Nähe zulassen und Liebe sowohl geben als auch annehmen zu können.
    • Freundlichkeit: Die Großzügigkeit, Gefallen zu tun und „gute Taten“ zu vollbringen.
    • Soziale Intelligenz: Gefühle und Motive Anderer erkennen und passend reagieren.

    Gerechtigkeit

    Hierbei geht es um die Stärkung des Gemeinwesens, also die zivilen Stärken des Menschen. Als Charakterstärken nennen Seligman und Peterson:

    • Soziale Verantwortung: Die Fähigkeit zu gutem Teamwork.
    • Fairness: Gerechtes und gleiches Behandeln anderer Menschen.
    • Führungsvermögen: Gruppen organisieren und Leistung ermöglichen.

    Mäßigung

    Mäßigung bedeutet dem Exzess entgegenzuwirken. Es ist die Tugend der Zurückhaltung. Die Charakterstärken sind:

    • Vergebung und Mitleid: Die Fähigkeit, Menschen, die Unrecht getan haben, zu vergeben.
    • Demut und Bescheidenheit: Das Erreichte selbst sprechen lassen, statt zu prahlen.
    • Besonnenheit: Die Vorsicht, nichts zu tun, das man bereuen könnte.
    • Selbstregulation: Auf sich selbst achten und Gefühle und Handeln steuern.

    Transzendenz

    Hierbei geht es um die spirituellen Stärken, und das Erkennen von Bedeutung. Die Charakterstärken hierbei sind:

    • Sinn für das Schöne und Exzellenz: Die Wertschätzung für Schönheit in allen Lebensbereichen.
    • Dankbarkeit: Die guten Dinge wertschätzen und bewusst erleben.
    • Hoffnung: Der gesunde Optimismus, gute Dinge zu erwarten und dafür zu arbeiten.
    • Humor: Menschen gerne zum Lachen bringen und selbst lachen können.
    • Religiosität und Spiritualität: Glaube an einen höheren Sinn.

    Die Bedeutung der Charakterstärken fürs Leben

    Die von Seligman und Peterson beschriebenen Charakterstärken und Tugenden bezeichnen jene Eigenschaften, die Menschen bei sich selbst und Anderen als erstrebenswert erachten. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie bei jedem Menschen gleich ausgeprägt sind. Nur auf einen fiktiven Superhelden würden wohl alle Charakterstärken zutreffen.

    Doch jeder von uns hat bestimmte Stärken, die ihm dabei verhelfen, ein glücklicheres und erfolgreicheres Leben zu führen. Und das sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Einige Charakterstärken würde man wohl eher nicht im Business-Kontext sehen, wie beispielsweise die Spiritualität. Doch das Modell eignet sich dennoch exzellent, Stärkenorientierung für das Berufsleben zu entwickeln.

    Resilienz und Charakterstärken

    Viele der Charakterstärken sind außerdem wichtige Schutzfaktoren, die die innere Abwehrkraft gegen Stress und Krisen stärken. Beispielsweise sind Liebe, Dankbarkeit, Optimismus und Kreativität wesentliche Schlüsselfaktoren für eine starke Resilienz. Durch diese Charaktereigenschaften lernen wir beispielsweise stressfreier mit Herausforderungen und Niederlagen umzugehen.

    Allerdings sind es nicht nur vereinzelte Charaktereigenschaften, die Resilienz trainieren. Denn Ihre persönlichen Stärken zu nutzen, macht Sie im Sinn der Positiven Psychologie glücklicher, gesünder und erfolgreicher – und stärkt Ihre Resilienz.

    Stärken bespielen für mehr Resilienz

    Jeder Mensch besitzt individuelle Stärken. Ein erster Schritt in Richtung größere Resilienz ist daher, die eigenen Stärken zu erforschen. Auf der Seite viacharacter.org können Sie einen kostenlosen Test absolvieren, der Ihnen beim Erkunden Ihrer Stärken hilft.

    Haben Sie Ihre Stärken einmal gefunden, liegt es an Ihnen, sie im Alltag möglichst oft zu bespielen. Anders ausgedrückt, je öfter Sie Ihre Stärken nutzen, desto größer wird Ihre allgemeine Zufriedenheit. Die Forscher Harzer und Ruch fanden heraus, dass eine regelmäßige Nutzung der Stärken die Arbeitszufriedenheit und das Engagement steigert. Menschen, die Ihre Stärken im beruflichen Kontext einbringen, empfinden den Job nicht als Belastung, sondern eher als Berufung.  

    Und auch im privaten Kontext erfüllen uns Tätigkeiten, bei denen wir unsere Stärken nutzen deutlich mehr und sorgen so für ein größeres Wohlbefinden.

    Stress entsteht dann, wenn wir Anforderungen an uns selbst für schwer zu bewältigen einstufen. Die eigenen Stärken zu kennen und einsetzen zu können heißt dann auch, Anforderungen auf neuen Wegen zu begegnen. Wie kann ich meine Stärken nutzen, um ein Problem zu lösen? Die Überlegung, ob nun z.B. Ausdauer oder Humor Sie eher ans Ziel bringt, ist ein resilienter und ressourcenorientierter Umgang mit Hindernissen und Krisen. Sie stärken somit Ihre Resilienz.

    Positive Psychologie im Alltag

    Die Positive Psychologie ist ein Wegweiser, wie Sie mit Stress, Problemen und Krisen umgehen können. Es geht nicht darum, Menschen zu optimieren und eine Formel für ewiges Glück zu liefern. Es ist ein Weg Gesundheit zu entwickeln und größere Zufriedenheit zu erreichen.

    Egal ob im Job oder im Privatleben helfen die Charakterstärken dabei, Stress abzubauen und mehr positive Gefühle zu schaffen. Resilienz ist dabei die Fähigkeit, diese positive Haltung zu bewahren und somit das mentale Immunsystem gegen Krisen und Probleme zu schützen. Nutzen Sie Ihre Stärken für ein gesünderes, erfolgreicheres und glücklicheres Leben.