Gesund arbeiten im Homeoffice – Resilienz am Arbeitsplatz

Arbeiten im HomeofficeSie stehen morgens auf, machen sich einen Kaffee, klappen den Laptop auf und schon sind Sie „auf der Arbeit“. Für viele Menschen klingt dieses Szenario traumhaft. Keine langen Fahrtwege, keine störenden Kollegen und die Bequemlichkeiten des eigenen Heims. Was viele während der Corona-Pandemie feststellen mussten ist allerdings, dass das Arbeiten im Homeoffice auch ganz anders aussehen kann. Am Küchentisch sitzen, weil der Schreibtisch fehlt, Kinder, die in Videokonferenzen platzen, ein Verschmelzen von Privatem und Beruflichem.

Aufgrund der Ansteckungsgefahr in der Pandemie ist es sinnvoll, den tagtäglichen Kontakt im Büro einzuschränken und Arbeit in die eigenen vier Wände zu verlagern. Homeoffice macht gerade deswegen auch eine steile Karriere, doch viele Fragen bleiben offen. Zum Beispiel, ob das Homeoffice nun das Neue Normal ist. Zu diesen und vielen weiteren Fragen finden Sie Antworten beim aktuellen Homeoffice-Kongress 2020 unter homeoffice-kongress.com. Hier geht es nun um die Frage nach der Gesundheit und der Resilienz im Homeoffice.

Warum Resilienz im Homeoffice wichtig ist

Gerade in einer Zeit der Instabilität und Unsicherheit ist unser mentales Immunsystem stark gefordert. Resilienz ist die innere Widerstandskraft, den großen und kleinen Krisen zu trotzen, psychisch gesund zu bleiben unter Widrigkeiten und sogar noch daran zu wachsen. Nun mag für den einen oder anderen das Arbeiten im Homeoffice eine größere oder kleinere Krise darstellen. Und hierbei hilft eine starke Resilienz.

Denn mit einer starken inneren Widerstandskraft werden wir immuner gegen Probleme, Stress und Krisen. Quasi nach dem Motto: Hältst du nur durch, oder lebst du auch?

Was bedeutet gesundes arbeiten?

Das ist die zentrale Frage: Was bedeutet gesundes, resilientes Arbeiten? Hierbei geht es nicht um den Unterschied zwischen Homeoffice und Arbeitsplatz. Es geht auch nicht darum, was von beidem nun besser oder schlechter für die Gesundheit ist. Die zentrale Frage ist: Wie gestalten Sie Ihre Arbeit generell?

Chamäleon-Kompetenz Das neue Normal?

Wir alle sehnen uns nach Normalität. Nach dem Gewohnten und dem Sicheren. Tatsache ist allerdings, dass die Normalität, wie wir sie kennen, nicht (so schnell) zurückkommt. Die Lösung, die in diversen Artikeln und Beiträgen aller Art beworben wird: Das Neue Normal. Wir vertrauen als Gesellschaft auf die menschliche Chamäleon-Kompetenz – unsere Anpassungsfähigkeit an Situationen.

Der Mensch ist enorm anpassungsfähig. Letztendlich ist das unsere zentrale Überlebensstrategie, weshalb wir heute da sind, wo wir sind. Wenn es um gesundes Arbeiten im Homeoffice geht, ist die Frage nach dem Neuen Normal allerdings die falsche Frage. Das Neue Normal darf nicht allein beinhalten, dass wir nun, wenn möglich, von Zuhause aus arbeiten. Es darf auch nicht beinhalten, dass die Verantwortung für einen gesundheitsfördernden Arbeitsplatz nun vollständig beim Arbeitnehmenden liegt. Die richtige Frage an dieser Stelle lautet vielmehr: Mit welcher Haltung begegne ich Arbeit?

Gesunde Arbeit mit Sinn

Die eigene Haltung gegenüber der Arbeit ist der Kernfaktor für eine starke Resilienz, egal ob im Homeoffice oder im Büro. Obwohl gerade in dieser Zeit uns gefühlt viele Freiheiten genommen werden, so gibt es eine Freiheit, die Ihnen niemand nehmen kann. Viktor Frankl, KZ-Überlebender, Neurologe und Psychiater, beschreibt es sehr treffend:

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen“.

Wir können selbst entscheiden, wie wir zu den Dingen stehen, und darin liegt auch unsere Kraft, die Situation und unsere Reaktion darauf selbst zu gestalten. Eine grundlegende Voraussetzung dafür, sich das Homeoffice so gesund wie möglich zu schaffen, ist der Sinn.

Sinnhaftigkeit ist einer von drei elementaren Faktoren, die Gesundheit fördern. Das stellte Aaron Antonovsky mit dem Konzept der Salutogenese – der Entstehung von Gesundheit – heraus. Sinn gibt uns die Motivation zu handeln und die innere Kraft, auch in schwierigen Zeiten mental gesund zu bleiben. Die Haltung gegenüber der eigenen Arbeit besteht also aus der Frage: Was macht meine Beschäftigung sinnhaft?

Wie lässt sich arbeiten im Homeoffice sinnvoll und resilient gestalten?

Das Homeoffice bietet durchaus wichtige Vorteile. Allerdings ist bei all dem Trubel um die Zukunft der Arbeit und Work 4.0 nicht zu vergessen, dass das Homeoffice nicht das Maß aller Dinge ist. Es bietet Lösungen – für bestimmte Probleme, nicht für alle. Daher die Devise: Wenn schon Homeoffice, dann resilient!

5 Tipps für das resiliente Arbeiten im Homeoffice

Die folgenden fünf Tipps geben Ihnen Anhaltspunkte, wie Sie auch Zuhause gesund arbeiten können:

Sinn finden und verbinden

Wie bereits erwähnt ist Sinnhaftigkeit einer der wichtigsten Faktoren für Gesundheit. Das bedeutet es ist wichtig, dass Sie Ihren Sinn in Bezug auf Arbeit und auch in Bezug auf Ihr Privatleben finden. Was ist Ihnen besonders wichtig, was möchten Sie auch unter geänderten Umständen bewahren? Erkenn Sie die bedeutsamen Momente Ihres Jobs und auch Ihres Lebens Zuhause. Wenn Sie für beide Bereiche Ihres Lebens Sinn entdecken, gibt es auch eine Möglichkeit, den privaten Sinn mit dem beruflichen in Verbindung zu bringen. Dadurch leben Sie Ihre Werte und bauen eine Basis für gelingendes Arbeiten Zuhause. Sie bewahren sich so Freude und Motivation.

Trennen, was getrennt bleiben sollte

Wenn von verbundenem Sinn die Sprache ist, meint das nicht auch die Verbindung in allen Bereichen. Manche Dinge sollten voneinander getrennt bleiben. Zum Beispiel ist das Bett kein Arbeitsplatz, auch wenn es gemütlich ist. Es geht hierbei darum, die Rollenklarheit zu bewahren. Wenn Sie arbeiten, bestehen Ihre Ansprüche an sich und auch Ihre Bedürfnisse aus anderen Gedanken und Gefühlen als im privaten Kontext. Die Kontexte zu vermischen führt einerseits zu mehr inneren Zwickmühlen, und andererseits zur fehlenden Regeneration.

Zwickmühlen entstehen, wenn wir zwei verschiedene Stimmen in uns haben, die sich gerade um unser Verhalten, unsere Gedanken und unsere Kommunikation streiten. So kann es durch eine Vermischung von Arbeit und Privatleben eher dazu kommen, dass Sie als Führungskraft am Esstisch mit Ihrer Familie sitzen, statt Sie als Mutter oder Vater. Und die Regeneration fällt dadurch schwerer, dass Sie den Kontext der Arbeit im Grunde genommen nicht verlassen. Räumliche Trennungen machen einen enormen Unterschied im Punkte Kontexte wechseln. Nun hat nicht jeder zwingend einen eigenen Arbeitsraum, ja manchmal sogar keinen richtigen Schreibtisch in der Wohnung. Arbeiten Sie in dem Fall mit Kleidung. Es kann schon helfen sich eine richtige Hose anzuziehen, statt im Schlafanzug zu bleiben. Helfen Sie Ihrem Gehirn die Kontexte zu trennen, damit Sie auch nach der Arbeit in die Entspannung finden können, zum Wohle Ihrer Work-Life-Balance.

Struktur schaffen und Verantwortung übernehmen

Gerade im Homeoffice fehlt oft ein geregelter Ablauf. So kommt es, dass vor dem PC Mittag gegessen wird, oder abends auf der Couch noch die Mails bearbeitet werden. Ein klarer Tagesplan hilft nicht nur dabei, die Grenze zwischen Beruf und Privatleben klarer zu definieren, sondern auch dabei, der Arbeit an sich eine Struktur zu verleihen. Stellen Sie sich dazu Fragen wie diese:

  • Was ist für heute mein Ziel?
  • Welche To-Dos haben Priorität?
  • Zu welchen Zeitpunkten will ich x, y und z geschafft haben?

Diese Fragen helfen Ihnen dabei, am Ende des Tages ihre Arbeit zu beenden, und Sie können gleichzeitig auch überprüfen, was Sie geleistet haben. Das stärkt die Selbstwirksamkeit und sorgt für Erfolgserlebnisse.

Ein weiterer Knackpunkt dabei ist die Übernahme von Verantwortung. Einerseits die Verantwortung auch ohne Überprüfung durch vorbeilaufende Kollegen tatsächlich zu arbeiten. Und andererseits die Verantwortung für Ihre Gesundheit. Machen Sie regelmäßig Pausen und (relativ) pünktlich Feierabend. Sie tragen die Verantwortung dafür, Ihrem Gehirn eine wohlverdiente Pause zu geben, und auch die Verantwortung die Pause nicht in Prokrastination zu verwandeln.

Resilienter Umgang mit UnterbrechungEin resilienter Umgang mit Unterbrechungen

Unterbrechungen sind bei der Arbeit ein enorm großer Stressfaktor. Besonders zur Zeit der Schulschließungen kamen Eltern in die Lage, mit ihrer Aufmerksamkeit zu jonglieren. Ein resilienter Umgang mit Unterbrechungen, durch andere Anwesende im Homeoffice, ist eine klare Kommunikation. Machen Sie deutlich, dass Sie gerade beschäftigt sind UND zu einem von Ihnen bestimmten Zeitpunkt Zeit haben. Natürlich ist das mit kleinen Kindern Zuhause eine besondere Herausforderung. Das heißt aber auch, kommunizieren Sie nicht nur klar Grenzen, sondern machen Sie auch deutlich, wobei Sie Unterstützung brauchen.

Eine klare Kommunikation ist übrigens die Lösung, um die bereits angesprochenen Zwickmühlen zu lösen. Teilen Sie Ihren Rollenkonflikt mit und stärken Sie damit das Verständnis bei Ihren Gesprächspartnern. Und die klare Kommunikation im Team, mit Kollegen oder zum Vorgesetzten klappt genauso gut online wie in Person.

Wer jedoch große Probleme mit Unterbrechungen durch anderweitige Ablenkung hat, kann sich anders behelfen. Zum Beispiel können Sie Ihrem Handy eine Auszeit gönnen und es in einen anderen Raum legen. Oder Sie verbinden den Gang zum Kühlschrank mit einer Überprüfung Ihres Fortschritts, indem die dort eine To-Do-Liste anheften. Oder Sie legen auf Ihre Arbeitsfläche tatsächlich nur die Materialien, die Sie für diesen Tag brauchen.

Licht, Luft, Lärm

Die Umgebungsfaktoren spielen beim Arbeiten im Homeoffice eine wichtige Rolle. Nicht nur, weil das eigene Zuhause eine große Quelle zur Ablenkung darstellt. Sondern weil die Ergonomie am Arbeitsplatz großen Einfluss auf die Gesundheit nimmt. Sorgen Sie für ausreichend Licht an Ihrem Arbeitsplatz in der Wohnung. Eine schummrige Stehlampe macht zwar angenehmes Licht für gemütliche Abende, ist jedoch weniger geeignet, wenn Sie etwas lesen und schreiben müssen.

Optimal wäre das Arbeiten am Fenster. So, dass das Licht Sie nicht blendet und dass Sie auch lüften können. Luft ist schließlich auch wichtiger Faktor. Wenn Sie in der Küche Arbeiten und ständig den Geruch von Essen um die Nase haben hat das ebenso Auswirkungen auf Ihre Konzentration wie stickige Luft. Manche machen im Homeoffice die angenehme Erfahrung der Ruhe. Keine quatschenden Kollegen oder das Laufen eines Radios. Mache machen die gegenteilige Erfahrung. Sorgen Sie für sich, indem Sie störende Geräuschquellen für sich minimieren. Das kann durch Kopfhörer und konzentrationssteigernde Musik schon gelöst werden, oder braucht manchmal klare Kommunikation mit den Angehörigen des Haushalts.

Achten Sie außerdem darauf, wie Sie im Homeoffice sitzen. Ein Sessel bietet andere Sitzmöglichkeiten als ein Esszimmerstuhl oder ein Schreibtischstuhl. Auch die Körperhaltung hat Einfluss darauf, welche Haltung wir mental gegenüber Arbeit einnehmen.

Unterschiedliches Arbeiten im Home und Office?

Wie groß ist nun der Unterschied zwischen dem Arbeiten am festen Arbeitsplatz und dem Homeoffice? Oder mit anderen Worten: Wie groß ist der Unterschied in Bezug auf die Resilienzfaktoren für gesundes Arbeiten? Sehen Sie sich noch einmal die Tipps an; Sie lassen sich genauso gut auf das Arbeiten im Büro übertragen.

Denn auch außerhalb des Homeoffice brauchen wir Sinnhaftigkeit, um motiviert und erfüllt unserer Arbeit nach zu gehen. Arbeit und Privates können sich auch dann vermischen, wenn wir zur Arbeit das Haus verlassen und deshalb brauchen wir „normal“ ebenso die Möglichkeit von der Arbeit abzuschalten. Sich Strukturen zu schaffen und Verantwortung für Arbeit und Regeneration zu übernehmen, hilft auch außerhalb des Homeoffices. Und Unterbrechungen durch Kollegen, soziale Medien oder die Arbeitsumgebung gibt es auch im Büro.

Gesundes Arbeiten bedeutet sich der Dinge bewusst zu sein, die Energie rauben und Lösungen dafür zu finden. Ja, die Herausforderungen im Homeoffice sind anders als im Büro. Resiliente Lösungen für gesundes Arbeiten gibt es allerdings für beide Arbeitsformen.

Wozu gesundes Arbeiten – im Homeoffice – führen kann

Was bringt es letztendlich, das Homeoffice gesund zu gestalten? Ist das nicht eh alles nur übergangsweise? Diese Fragen kann man Zurecht stellen. Die Corona-Pandemie ist eine Ausnahmesituation und die vielen Arbeitnehmenden, die nun gerade deswegen im Homeoffice arbeiten, befinden sich eben auch in einer Ausnahmesituation. Allerdings ist hierbei auch zu bemerken, dass sich die Arbeitswelt generell wandelt.

Remote Work und Homeoffice stehen nicht nur dank der Corona-Pandemie stark im Trend. Schließlich ergibt sich aus diesen Arbeitsformen zeitliche und räumliche Flexibilität. Ob das Homeoffice nun notgedrungen oder gewählt Ihre Arbeitsform ist, die Resilienz und die Gesundheit am Arbeitsplatz zu stärken hat immense Vorteile. Effektivität, Leistung, Wohlbefinden und Zufriedenheit steigen, wenn wir mit einer resilienten Haltung unserem Beruf begegnen. Wir sind extrem anpassungsfähig, und somit haben wir auch die Möglichkeit Anpassungen zu verbessern und zu erleichtern. Mit ein paar Änderungen können Sie Ihre mentale und auch physische Gesundheit stärken, und aus dieser besonderen Situation sogar noch kraftvoller herausgehen. Denken Sie daran, es kommt nicht so sehr darauf an, wo Sie arbeiten – sondern Wie.

Weitere spannende Beiträge rund um das Thema Homeoffice erwarten Sie vom 11.12.2020 – 15.12.2020 beim Homeoffice-Kongress 2020. Neben Beiträgen zur Resilienz im Homeoffice finden Sie unter anderem Vorträge zu Führung, Kreativität, Motivation, Ordnung, Umgang mit Videokonferenzen und weiteren hilfreichen Praxistipps. Melden Sie sich jetzt kostenfrei an unter: homeoffice-kongress.com.


Sebastian MauritzSebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich mit über 50 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen austauscht (www.Resilienz-Kongress.de).

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