Psychologische Sicherheit

Psychologische Sicherheit ist ein zentraler Schutzfaktor der Teamresilienz, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor für eine gesunde Weiterentwicklung und effektives Arbeiten. Der Grundsatz von psychologischer Sicherheit ist: Jedes Mitglied fühlt sich gehört und gesehen und kann ohne Bedenken vor negativen Konsequenzen seine Meinung äußern.

Was ist psychologische Sicherheit?

Psychologische Sicherheit in der Forschung

Der Begriff psychologische Sicherheit machte mit der Studie von Amy Edmondson 1999 die Runde. Sie beforschte in einem Krankenhaus Teams und stellte fest, dass sich die besten Teams durch die Offenheit gegenüber Fehlern und die Bereitschaft Fehler zu berichten auszeichneten. Schon 1965 brachten Edgar Schein und Warren Bennis psychologische Sicherheit in Verbindung mit organisationaler Transformation, doch erst mit Edmondson wurde psychologische Sicherheit zum Erfolgsfaktor für Teams.

Vor allem die 2016 durchgeführte Studie von Google, dem „Projekt Aristoteles“, zeigte eindrucksvoll, wie elementar der Faktor für die Leistung, Kreativität und Zusammenhalt in Teams ist.

Die Wirkung von psychologischer Sicherheit

In Teams mit einem ausgeprägten Schutzfaktor ist es möglich Fragen zu stellen, Fehler zuzugeben und seine Meinung zu vertreten, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Psychologische Sicherheit ist die fundamentale Akzeptanz als Teammitglied. Offenheit führt nicht zu Kritik, Abwertung oder Ausgrenzung. Im Gegenteil: die vollkommene Transparenz ist die Grundlage für kreatives Denken, gemeinsames Arbeiten und das Lernen aus Fehlern.

Das heißt nicht, dass resiliente Teams nur harmonisch sind und keine Kritik geäußert wird. Das würde nur das Gegenteil bewirken von effektivem Arbeiten. Es darf Spannungen geben, jedoch können diese mit einer hohen psychologischen Sicherheit offen und ehrlich angesprochen und so auch gelöst werden.

Das Zugeben von Fehlern und das Bitten um Hilfe macht Teams stark, fördert Weiterentwicklung und sorgt für eine hohe Anpassungsfähigkeit wie auch eine höhere Resilienz im Team. Sicherheit vor negativen Auswirkungen ist der Schlüssel für erfolgreiche und leistungsstarke Teams.

Psychologische Sicherheit im Team fördern

Psychologische Sicherheit ist ein wichtiges Element der Teamresilienz und einer der zentralen Faktoren für erfolgreiche Zusammenarbeit. Auf der einen Seite liegt es in der Verantwortung von Teamleitenden und Führungskräften eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Auf der anderen Seite liegt es in der Verantwortung jedes Mitglieds zur mentalen Sicherheit beizutragen. Zwei Aspekte sind dabei besonders wichtig: innere Haltung und Kommunikation.

Innere Haltung gegenüber Fehlern

Fehler sind Helfer, nur mit geänderter Reihenfolge der Buchstaben!

Für einen kreativen Austausch, die Fähigkeit zur Innovation und Handlungsfähigkeit in kritischen Situationen braucht es eine hohe Frustrationstoleranz und eine gute Fehlerkultur. Und die beginnt mit der inneren Haltung gegenüber Fehlern und Versuchen. Teams, die ihre Arbeit als Lernprozess begreifen, verarbeiten Rückschläge schneller und besser, sodass Entwicklung ebenfalls schneller und einfacher stattfinden kann.

Zudem macht eine positive Haltung gegenüber Fehlern das Zugeben von Ungewissheiten und Missständen deutlich einfacher. In jedem Fehler steckt die Chance zur Verbesserung.

Ein Beispiel für das Training einer solchen inneren Haltung ist die Suche nach dem „Fehler der Woche“. Im Team-Meeting berichten alle Mitglieder von ihren Wochenergebnissen und der beste Fehler, im Sinne von „die größte Lernchance“ wird anschließend gekürt. Das schenkt einen Perspektivwechsel und eine Umdeutung von der negativen Bewertungen hin zur positiven Eigenschaft und einer offenen Haltung im Team.

Wertschätzende Kommunikation als Grundlage

Psychologische Sicherheit lebt von einer offenen und ehrlichen Kommunikation. Damit Teammitglieder sich ermutigt fühlen, Ideen zu äußern, über Ängste zu sprechen und auch von Erfolgserlebnissen zu berichten, ist Wertschätzung und ein respektvoller Umgang im Team bedeutsam. Eine gelingende Kommunikation beinhaltet zum Beispiel das Mitteilen von Zwickmühlen.

Außerdem ist ein Feedback nach oben, das auch ernst genommen wird, ein zentraler Punkt, sodass Mitarbeitende sich gesehen und gehört fühlen. Flache Hierarchien und auch die Möglichkeit, Kritik ohne negative Konsequenz zu geben, fördert psychologische Sicherheit.

Wozu brauchen Teams psychologische Sicherheit?

Das Dilemma für eine offene und ehrliche Kommunikation ist, dass sich dabei zwei Bedürfnisse des Menschen diametral gegenüberstehen – und das verursacht Stress.

Zum einen haben Menschen das Bedürfnis nach Harmonie und Geborgenheit. Im Team führt das dazu, sich an Mitglieder und Meinungen anzupassen oder Meinungen nicht frei zu äußern, um Konflikte zu vermeiden. Auf der anderen Seite hat jeder Mensch das Bedürfnis nach Durchsetzung und wir wollen unseren Standpunkt vertreten.

Psychologische Sicherheit ist im Team die Lösung, diese beiden Grundbedürfnisse zu erfüllen. Wir gefährden den Gruppenzusammenhalt nicht, wenn Fehler grundsätzlich akzeptiert und Teammitglieder auch mit unterschiedlicher Meinung wertgeschätzt werden. Und wir können unseren Standpunkt vertreten und offen diskutieren. Das löst Stress, ermöglicht Kreativität und stärkt damit die Leistungsfähigkeit und auch die Gesundheit im Team.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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