Kompetenzen resilienter Menschen im Beruf

Einige Menschen schaffen es scheinbar mühelos Herausforderungen anzugehen, Probleme zu lösen oder Konflikten zu begegnen. Besonders im Job haben solche Menschen den Vorteil nicht in Dauerstress zu verfallen. Wie können sie einen kühlen Kopf bewahren,  in so einer schnelllebigen, unsicheren und komplexen Arbeitswelt? Der Schlüssel heißt Resilienz. Mit einer hohen Resilienz können wir Kompetenzen aufbauen und anwenden, mit denen wir den Berufsalltag gesund und stressfrei meistern können. Die Kompetenzen resilienter Menschen im Beruf beziehen sich auf effizienteres Arbeiten und gleichzeitig höhere Gesundheit.

Resilienz als Meta-Kompetenz

Resilienz ist die Kompetenz, um andere Kompetenzen erst anwenden zu können. Stress hat neben anderen, gesundheitsgefährdenden Auswirkungen, die Nebenwirkung einer Kompetenz-Amnesie. Mit anderen Worten vergessen wir unter Stress leicht, was wir alles können und welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen.

Grund dafür ist die Auswirkung von Stress auf das Gehirn. Unter Stress wird besonders der Teil im Gehirn aktiv, der unser emotionales Erleben steuert – die Amygdala. Unter Dauerstress beeinflusst diese Aktivität dann andere wichtige Teile des Gehirns, sodass der präfrontale Cortex (wichtig für unser Urteilsvermögen) sozusagen ‚ausgeschaltet‘ ist und auch der Hippocampus (zuständig für das Gedächtnis) nicht angeregt wird.

Resilienz ist die Fähigkeit, flexibel mit Stress umzugehen und ihn gar nicht erst zu Dauerstress werden zu lassen. Denn resiliente Menschen schaffen es auf der einen Seite, ihren Stress aktiv herunter zu regulieren – Durch Sofortmaßnahmen oder täglichen Ausgleich zur Stressregulation. Auf der anderen Seite reagieren resiliente Menschen weniger stark auf Stressoren und wissen, wie sie ihnen ohne Stressreaktion begegnen können. So können Menschen auch unter Stress alle Areale des Gehirns aktivieren, bleiben handlungsfähig in schwierigen oder belastenden Situationen und haben weiterhin Zugriff auf andere Kompetenzen, die für den Beruf wichtig sind.

Soft-Skills – Kompetenzen im Beruf

Im Job kommt es nicht nur auf die fachlichen Kenntnisse an, Schlüsselqualifikationen oder sogenannte Soft-Skills haben einen hohen Stellenwert im Beruf. Es handelt sich hierbei um die überfachlichen Kompetenzen, die sich auf alle Aufgabenbereiche anwenden lassen. Diese Kompetenzen beziehen sich darauf, Wissen anzuwenden und sich flexibel an Rahmenbedingungen anzupassen.

Es gibt eine ganze Reihe Soft-Skills, die klassischer Weise in den fünf Kategorien soziale Kompetenz, Methodenkompetenz, Individualkompetenz, Handlungskompetenz und Medienkompetenz eingeteilt sind. Die Kompetenzen resilienter Menschen beziehen sich insbesondere auf die ersten drei Kompetenzfelder.

Soziale Kompetenz

Die soziale Kompetenz eines Menschen definiert, wie gut er in schwierigen Situationen mit anderen Menschen umgehen kann. Resilienten Menschen fällt es zum Beispiel besonders einfach, mit Ambiguität und Widersprüchlichkeit umzugehen, durch das ausgeprägte Verständnis von „Sowohl-als-Aus“. Sie haben eine hohe Empathiefähigkeit und können mit den eigenen Rollen und auch Rollenkonflikten umgehen.

Die soziale Kompetenz beschreibt die Fähigkeit Beziehungen aufzubauen, zu pflegen und ein stressfreies Zusammenleben und -arbeiten zu ermöglichen.

Methodenkompetenz

Zu den Kompetenzen resilienter Menschen gehört zu einem großen Anteil die Lösungsorientierung. Hierzu ist es wichtig, Lösungsstrategien zu entwickeln oder benötigte Wissen für mögliche Lösungen zu Suchen und nutzbar zu machen. Außerdem beinhaltet die Methodenkompetenz auch die Anwendung von verschiedenen Arbeits- und Lerntechniken. Resiliente Menschen haben nicht nur besseren Zugang zu ihren Ressourcen, sondern wissen auch, wie sie an neue Ressourcen gelangen.

Individualkompetenz

Hierbei geht es um die Selbstkompetenz. Eine der wichtigsten Kompetenzen resilienter Menschen ist die Selbstreflexion und ein gesundheitsbewusster Lebensstil. Das Erkennen der eigenen Werte und das Leben nach dem Erfüllen der Werte auszurichten ist nicht nur für das individuelle Wohlbefinden elementar, sondern auch für eine andauernde Leistungsfähigkeit im Beruf.

Daher ist es wichtig, dass Menschen die Fähigkeit haben, auf sich selbst zu achten, sich Situationen und Umfelder anpassen und Entscheidungen treffen, die der eigenen Gesundheit zutragen. Zudem gehören Wille und Motivation zur individuellen Weiterbildung und fachlichen Fortbildung ebenso zur Individualkompetenz.

Handlungskompetenz

Die Handlungskompetenz ist das Resultat aus den vorangegangenen Kompetenzen. Es ist also die Fähigkeit soziale Kompetenzen, Individualkompetenzen und Methodenkompetenzen zu vereinen, um effektiv und verantwortlich zu handeln. Wie bereits beschrieben, ist Resilienz die Basis eine gute und funktionsfähige Handlungskompetenz aufzubauen.

Medienkompetenz

Besonders im Zuge der Digitalisierung bekommt die Medienkompetenz eine immer stärkere Bedeutung im Berufsleben. Es geht hierbei um den kompetenten und reflektierten Umgang mit Medien – sowohl digital als auch analog. Das heißt für diese Kompetenz ist das Analysieren und Hinterfragen von Informationen und Daten genauso wichtig, wie die kognitive Verarbeitung dessen. Menschen mit einer hohen Medienkompetenz nutzen Medien gewählt und angepasst.

Es gibt viele weitere Teilkompetenzen, die in diese Unterteilung mit einfließen. Die für eine starke Resilienz wichtige Frustrationstoleranz beispielsweise ist eine Individualkompetenz, spielt jedoch auch im Umgang mit anderen Menschen eine wichtige Rolle. Rhetorische Fähigkeiten sind im sozialen Umgang wichtig, gehören allerdings auch zur Methodenkompetenz. Und Kreativität, Flexibilität und Zielstrebigkeit sind so übergeordnete Kompetenzen resilienter Menschen, dass sie in alle Kategorien passen. Die Einteilung dient hierbei lediglich einem besseren Überblick.

Die Kompetenz resilienter Menschen ist mit Arbeitstechniken besser durchs Berufsleben zu kommen!

Arbeitstechniken für resiliente Menschen

Eine weitere Kompetenz resilienter Menschen ist das Vereinfachen von Arbeitsabläufen. Getreu dem Motto „work smart, not hard“, helfen bestimmte Arbeitstechniken dabei, Kompetenzen einfacher anzuwenden, zu unterstützen und so Aufgaben einfacher und effizienter zu erledigen. Wir stellen Ihnen hier Arbeitstechniken für bessere Zielerreichung und mehr Kreativität vor.

Ziele wirklich erreichen – mit wohlgeformten Zielen

Sicher kennen Sie das Gefühl, sich etwas vorzunehmen, und es letztendlich doch nicht zu erreichen. Manchmal hapert es sogar schon daran, überhaupt anzufangen. Dabei gibt es eine einfache Technik Ziele erreichbarer werden zu lassen. Der Trick besteht darin die Ziele wohlgeformt zu setzen und auszuformulieren. Dazu sind neun Punkte wichtig, die Sie beim Formulieren wie eine Checkliste durchgehen können.

Positive Formulierung: Nutzen Sie keine Negationen, um eine Hin-zu-Motivation zu kreieren, anstelle von Weg-von.

Keine Vergleiche: Beschreiben Sie das Ziel direkt und machen Sie es unabhängig von anderen Personen oder alten Zuständen.

Einfach und überschaubar: Formulieren Sie das Ziel so umfänglich wie nötig und einfach wie möglich. Die wichtigsten Faktoren sind Kontext, Zeit, nötige Ressourcen, und Realismus.

Kurze Feedbackschleife: Bauen Sie Zwischenziele ein und Rückmeldungen, um den Fortschritt auf dem Weg zu Ihrem Ziel zu überprüfen und Teilerfolge feiern zu können.

Selbst starten: Formulieren Sie das Ziel so, dass Sie allein für den Beginn der Zielerreichung verantwortlich sind und unabhängig von anderen Faktoren starten können.

Selbstbezogen: Sie können nur Ziele erreichen, über die Sie auch selbst die Kontrolle haben. Formulieren Sie das Ziel so, dass es in Ihrem Einflussgebiet liegt.

Sinnlichkeit: Machen Sie sich das Ziel schmackhaft, in dem Sie sich genau vorstellen, die das Ziel aussieht, was Sie beim Erreichen hören werden, wie Sie sich fühlen werden. Malen Sie sich ein strahlendes Bild des Ziels.

Erste Schritte: Legen Sie Ihren ersten winzigen Schritt (max. Dauer von 20 Minuten) in Richtung Ziel fest, den Sie innerhalb von 24 Stunden machen können.

Ein weiterer wichtiger Tipp ist es, die eigenen Werte mit dem Ziel zu verbinden, um die Motivation zu steigern und dauerhaft aufrecht zu erhalten. Denn das beste Ziel bringt nichts, wenn man den Weg dahin nicht durchhält.

Kreativität im Alltag fördern

Zu den Kompetenzen resilienter Menschen im Beruf gehört, dass sie Zugriff auf Kreativität haben und so eher zu Lösungen kommen. Dazu gibt es verschiedene Arbeitstechniken, die das Out-of-the-Box-Denken verbessern und unbewusstes Wissen aktivieren.

Eine dieser Techniken ist die ABC-Liste, nach Vera Birkenbihl. Dazu schreiben Sie an den Rand eines DIN-A4 Blattes die Buchstaben des Alphabets untereinander und nehmen sich dann 2 Minuten Zeit für ein von Ihnen ausgewähltes Thema. Innerhalb der Zeit schreiben Sie dann zu den Buchstaben alle Begriffe, die Ihnen einfallen – gehen Sie hierbei ruhig abweichend von der Reihenfolge vor. Zum Beispiel das Thema Schreibtischorganisation: Ablage, Bildschirm, Stiftehalter, etc. Mit der ABC-Liste finden Sie so wichtige Punkte und Schnittstellen, die Ihnen vorher vielleicht nicht aufgefallen wären. Sie aktivieren durch das strukturierte Überlegen unbewusste Netzwerke und fördern die Kreativität.

Eine weitere Arbeitstechnik ist das Arbeiten mit Mind-Maps. Wir sind es gewohnt, Notizen untereinander aufzuschreiben, meistens in Stichpunkten. Das führt aber zu einer linearen Darstellung. Mind-Maps bieten den Vorteil, dass Sie schon beim Notieren Strukturen erarbeiten, die beim späteren Lesen einen besseren Überblick verschaffen. Zudem aktiviert das Erarbeiten von Mind-Maps mehr „Denkareale“ und fördert kreatives Denken. Es lassen sich sehr mit dieser Arbeitstechnik auch sehr komplexe Sachverhältnisse anschaulich und präzise darstellen.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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