Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?

Es ist Anfang des Jahres und viele haben ihren Liebling (vielleicht schon seit Jahren) gefunden – die anderen sind noch auf der Suche nach „dem Richtigen“. Wie ist das bei Ihnen? Welcher Kalendertyp sind Sie? Digital oder analog? Groß oder klein? Monat oder Jahr? Minimalistisch oder vielfältig?

Das Führen eines Kalenders bietet mehrere Vorteile und kann dazu beitragen, die Organisation, Effizienz und Produktivität im persönlichen und beruflichen Leben zu verbessern. Was das mit Resilienz zu tun hat, schauen wir uns einmal näher an.

Warum lohnt es sich, einen Kalender zu führen?

Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig von Daten, Nachrichten, E-Mails, sozialen Medien und anderen Informationsquellen überflutet werden. Wenn diese überwältigende Menge an Informationen nicht effektiv verarbeitet werden kann bzw. wir keinen bewussten und funktionalen Umgang mit ihr finden, kann es zu Überforderung und Gefährdung der mentalen Gesundheit führen.

Das Vergessen von Terminen etc. kann verschiedene Konsequenzen haben, abhängig von der Art und Bedeutung des Ereignisses. Angefangen von persönlicher Frustrationen bis hin zu finanziellen oder beruflichen Auswirkungen, wenn beispielsweise geschäftliche Meetings oder Fristen vergessen werden. Das Vertrauen von Kolleg:innen oder Vorgesetzten ist dadurch gefährdet und die Notwendigkeit, Aufgaben nachzuholen oder mit den Konsequenzen umzugehen, steigt – und der innere Druck wächst weiter…

Nicht verwunderlich also, dass eine gute Kalenderführung zu den ältesten – und effektivsten Tools zur Stressregulation gehört. Dabei geht es nicht einzig um das Einhalten von Aufgaben, sondern vor allem um die bewusste Planung der eigenen Zeit! Und die kann ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.

Was bietet ein guter Kalender?

Kalender DigitalgrafikIm gregorianischen Kalender, der international am weitesten verbreitet ist, beginnt das Jahr am 1. Januar. Dies ist der festgelegte Startpunkt für viele Länder weltweit und markiert den Beginn eines neuen Kalenderjahres. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Kalendersysteme, die in den Teilen der Welt verwendet werden. Zum Beispiel beginnt das chinesische Neujahr jedes Jahr zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar, basierend auf dem lunaren Kalender. Andere Kulturen und Religionen haben ihre eigenen festgelegten Daten für den Jahresbeginn. Inzwischen gibt es eine Reihe von Kalendern, die unterschiediche kulturelle und religiöse Informationen enthalten und miteinander verbinden.

Auf welchen Typ stehen Sie?

Wenn es um die Gestaltung des Kalenders geht, gibt es ganz verschiedene Präferenzen. Die wichtigste Frage ist: Wofür brauchen Sie einen Kalender? Welchen Sinn & Zweck soll er erfüllen? Die Einen verwenden hauptsächlich digitale Kalender – andere Menschen sind Verfechter davon, den Kalender in ihren Händen zu halten. Das ist weniger eine Generationsfrage, sondern kommt vielmehr auf die persönlichen Gewohnheiten, Vorlieben oder Arbeitsanforderungen an.

Digitale Kalender

Digitale Kalender bieten viele Vorteile, wie Flexibilität und Mobilität, Erinnerungsfunktionen oder das Teilen mit Kolleg:innen etc. Digitale Kalender können Stress senken, wenn sie Komplexität reduzieren und, wortwörtlich, nicht liegen gelassen werden können. Letzteres birgt aber auch ein Risiko. Denn digitale Kalender sind immer und überall verfügbar. Sie sind von der Technologie abhängig – von allen elektronischen Geräten wie Smartphones, Tablets oder Computer. Abschalten ist kaum möglich – außer man entscheidet sich ganz bewusst dazu.

Ablenkungen sind gerade bei Teamkalendern, die im Arbeitskontext gemeinsam geführt werden, ein ständiger Begleiter. Beispielsweise in Form von Benachrichtigungen, neuen Aufgaben oder Koordinationsaufgaben. Dies führt wiederum zu einem höheren Grad an Multitasking, was sich negativ auf die Konzentration auswirken kann. Unser Gehirn liebt vielmehr „Singletasking“ – das bedeutet: Lieber Fokuszeiten einrichten und sich auf eine Sache konzentrieren, als 10 Dinge gleichzeitig bewältigen zu wollen. Multitasking ist einer der Hauptgründe für die Erhöhung des Stressniveaus. Lesen Sie HIER mehr dazu.

Apropos Abhängigkeit: Sollte doch einmal das Internet ausfallen oder eine Störung vorliegen, kann der Zugriff auf den Kalender zudem eingeschränkt oder ganz versperrt sein. Je nach Kontext besteht dazu die Sorge um Datenverlust, wenn es zu einem technischen Ausfall oder einem Hackerangriff kommt. Bei aller Wertschätzung neuer Technologien gegenüber – scheint also der gute Papierkalender, den wir physisch in unseren Händen halten, wesentliche Vorteile zu haben.

Analoge Kalender

Haptik und taktile Erfahrung

Das Schreiben mit Papier und Stift ist eine taktile Erfahrung, die von vielen Menschen als sehr angenehm empfunden wird. Eine taktile Erfahrung bezieht sich auf die Wahrnehmung von Berührungen oder Druck auf die Haut durch den Tastsinn. Der Tastsinn ermöglicht es uns, physische Empfindungen wie Berührungen, Druck, Vibrationen, Temperaturen und Texturen zu erfassen. All das trägt dazu bei, wie wir eigentlich unsere Welt wahrnehmen und sie verstehen. Besonders bei Babys und Kleinkindern spielen taktile Erfahrungen eine wichtige Rolle, um sich zu entwickeln und die Welt mit Berührungen zu erkunden. Der Akt des Schreibens, die Haptik des Stifts auf dem Papier und die Wahrnehmung der geschriebenen Worte sind Beispiele für taktile Erfahrungen und sollten auch späteren Jugend- und Erwachsenenalter nicht unterschätzt werden.

Ausdrucksform

Resilienz Akademie | Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?Der Blick auf den Kalender einer anderen Person kann durchaus spannend sein – haben Sie sich auch schon einmal dabei ertappt? „Damals“, als ausschließlich analoge Kalender, beispielsweise in Besprechungen im Unternehmen, auf den Tisch gelegt wurden, konnte man schon an der Gestaltung des Kalenders (vermeintlich) Schlüsse zur Person ziehen. Schlicht und unauffällig oder eher bunt, beklebt und personalisiert? Klar und strukturierte Schrift oder eher doch das „beherrschte Chaos“ mit Zeichnungen und Randotizen? Klar ist: Die Individualität und Ausdrucksform fällt im digitalen Kalender eher weg. Menschen, die einen Hang zur Visualisierung haben, tendieren deshalb häufiger zu analogen Kalendern.

Gesundheitsförderung

Nicht zu unterschätzen ist auch die Entlastung der Augen. Die digitale Bildschirmzeit zu reduzieren, ist heutzutage wichtiger denn je für unsere Gesundheit. Durch analoge Kalender können sich die Augen ausruhen. Dies kann auch gut mit der Etablierung von Gewohnheiten verbunden werden. In einer Morgen- oder auch Abendroutine kann der Kalender in Form eines Journals genutzt werden, um zum Beispiel vor dem Schlafengehen, Aufgaben und Gedanken aufgeschrieben. Damit werden „offene Themen“ schriftlich abgelegt und ein erholsamer Schlaf gefördert.

Ein weiteresGimmick“ ist für einige Menschen, den analogen Kalender für spätere Reflexionsarbeit und als Erinnerung an bestimmte Ereignisse aufzuheben. Welche Präferenz letztlich ein Mensch hat, ist ganz unterschiedlich. Es lohnt sich für sich einmal zu prüfen, ob man eher zur digitalen oder analogen Form tendiert – in Verbindung mit der Frage, welche Motive und Bedürfnisse dahinter stehen. In unserem Artikel „Skeumorphismus“ erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile es hat, aus „Altes im Neuen“ zu finden und welche weiteren Beispiele im Kontext der Digitalisierung es dafür gibt.

Wie kann ein Kalender Ihre Resilienz stärken?

Perspektivwechsel

Kalender dienen in erster Linie: Der Erinnerung! Die Frage ist: An was wollen wir uns erinnern? Der Fokus liegt, wie erwähnt, meist auf Terminen und bevorstehende Aufgaben, mit dem Ziel, sicherzustellen, dass nichts verloren geht. Gerade bei Menschen, die mit ihrem Kalender Zeit- und Erwartungsdruck verbinden, kann allein das Öffnen des Kalenders schon somatische Reaktionen, wie Bauchschmerzen, auslösen. Es ist deshalb ratsam, eine andere Perspektive einzunehmen und das persönliche „WOFÜR“ zu hinterfragen. Wofür ist ein Kalender für Sie eigentlich wirklich hilfreich?

Resilienz Akademie | Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?Was wäre, wenn…

  • … Sie Ihre Termine und Aufgaben in den Kalender schreiben, um dadurch sicherstellen, dass auch genug Zeit für Regeneration vorhanden ist?
  • …der Kalender dazu dient, dass Sie Ihre mentale und seelische Gesundheit – sprich, Ihre Bedürfnisse „nicht vergessen“?
  • Oder noch besser: Sie einen extra Kalender hätten, um ganz gezielt Ihre persönliche Resilienz zu reflektieren und praktisch zu stärken?

Wir sind der Meinung: Ein Kalender ist vor allem auch dafür gut, sich an die individuelle und/oder Team-Resilienz zu erinnern! Aus diesem Grund haben wir einen Kalender entworfen, der einen Anstoß zur Reflexion gibt, wichtige Schutzfaktoren der Resilienz zu identifizieren und diese bewusst zu stärken, um Stress zu reduzieren und Ziele zu erreichen.

Ordnung und Struktur

Unser Kalender bietet eine klar strukturierte, visuelle Übersicht, um die Aspekte einzutragen, die Ihnen wirklich wichtig sind. Ordnung und Struktur ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen. Durch gezielte Wiederholungen schaffen wir es, dass Gewohnheiten entstehen, die zur Beruhigung unseres Stresssystems führen. Die Struktur eines Kalender ist immer die Gleiche. Je häufiger man etwas nach dem gleichen Muster erarbeitet, desto sicherer wird man. Der positive Effekt ist, dass gerade durch ein gutes Fundament, wieder Raum für neue Kreativität und Entfaltung entsteht. Das Bedürfnis nach Ordnung wird in unserem Kalender noch durch ein Struktur- und Sortiermodell unterstützt. Weitere Möglichkeiten sind Tools zur Priorisierung, wie Markierungen oder die A-B-C Methode.

Zeitmanagement und Regeneration

Wie füllen Sie bisher Ihren Kalender und welchen Einfluss haben die Termine auf Ihre Resilienz? Resilienz bedeutet nicht, im Perfektionsmodus zu sein, sondern vielmehr ein gesundes Gleichgewicht herzustellen aus Verpflichtungen zu wahren und dabei Überlastung zu vermeiden. Sowohl die beruflichen als auch persönlichen Aktivitäten können durch unseren Kalender reflektiert werden, um eine gesunde Oszillation zwischen Anspannung- und Entspannung herzustellen.

Wohin führt ein resilienter Kalender?

Wir alle haben wohl schon die Erfahrung gemacht: Allein ein schöner Kalender reicht nicht aus :-).  Sondern es kommt vor allem darauf an, wie er von uns gefüllt wird. Sprich: Wir brauchen ein gutes Selbstmanagement und Disziplin, den Kalender auch kontinuierlich zu führen. Hier hilft Resilienz Coaching, um Routinen aufrechtzuerhalten und auch Emotionen, wie Stolz und Dankbarkeit für das, was bereits alles geleistet wurde, zu aktivieren!

„Wir sind, was wir immer wieder tun. Exzellenz ist also kein Akt, sondern eine Gewohnheit!“ – AristotelesResilienz Akademie | Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?

Eine gute Jahresplanung, sowohl im persönlichen als auch beruflichen Kontext, sorgt dafür, dass wir besser mit Herausforderungen umgehen und flexibler auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren können. Ein absolutes Basic ist und bleibt die Kalenderführung, die im Kontext von Stressmangement nicht wegzudenken ist und zur Aufrechterhaltung der mentalen und auch körperlichen Gesundheit beiträgt. In Verbindung mit einer resilienten Reflexion, entsteht mehr Raum für Selbstfürsorge und die Dinge, die uns neue Inspiration, Sinn und Energie geben!

 


Resilienz Akademie | Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?Christina Comnick, M.A. Management–Education–Diversity (Sozial- und Gesundheitsmanagement), ist Kooperationspartnerin der Resilienz Akademie und Expertin für „Seelische Resilienz“. Gemeinsam mit Sebastian Mauritz entwickelt sie das Konzept und leitet die dazugehörige Fortbildung. Sie ist Resilienz-Trainerin & Coachin, Antigewalt- und Kompetenztrainerin und setzt sich seit ca. 15 Jahren für die Prävention seelischer Gesundheit und Krisenintervention ein. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Themen: Sinn, Spiritualität, Intuition, Emotionsregulation und Deeskalation. (www.christinacomnick.de)


Resilienz Akademie | Kalender und Resilienz – wie passt das zusammen?

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 200 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de).

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