Wahrnehmung

Wahrnehmung als ein Weg der Resilienz

Unsere Wahrnehmung ist ein hoch komplexes System zur Informationsverarbeitung. Es lässt sich dagegen relativ einfach beschreiben: Die menschliche Wahrnehmung ist alles, was mit den fünf Sinnen erfasst wird.

Dieses Sinnessystem kann mit VAGOG abgekürzt werden. Die Buchstaben stehen für Visuell (sehen), Auditiv (hören), Kinästhetisch (fühlen), Olfaktorisch (riechen) und Gustatorisch (schmecken). Sehr präsent sind bei uns jedoch meist die ersten drei Sinne in der Aufzählung, also sehen, hören, fühlen.

Das Flaschenhalsmodell

Ein enorm wichtiger Fakt, der sich immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden sollte ist, dass wir nie objektiv wahrnehmen. Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern unser schlaues Gehirn zeigt uns nur ein Abbild der Wirklichkeit. Erklären lässt sich das mit dem sogenannten Flaschenhalsmodell.

Stellen Sie sich vor, unser kognitives System ist wie ein Flaschenhals aufgebaut, der nach außen hin dann zum Bauch der Flasche übergeht. Die Einflüsse die nun von außen kommen, passen nicht alle gleichzeitig durch den dünnen Flaschenhals. Daher kommen die Informationen selektiv im Gehirn an. Denn so faszinierend unser Denkapparat auch ist, er hat nur eine begrenzte Kapazität, in der Informationen aufgenommen und verarbeitet werden können.

Wie funktioniert unsere Wahrnehmung?

Das Abbild der Welt, das sich in unseren Köpfen individuell formt, setzt sich aus kleinen Teilinformationen zusammen. Diese aufgenommenen Teile werden in elektrische Impulse umgewandelt und an unser Gehirn weitergeleitet. Die Impulse werden dann verarbeitet, indem Muster erkannt und dem bereits Bekannten zugeordnet werden.
Während dieses Prozesses werden die Muster auch nach individuellen und sozialen Maßen sortiert. Sie sind bestimmt durch unsere Werte und Glaubenssätze, aber auch durch unsere Sozialisation.
Diese Informationen kommen nie ungefiltert in unserem Bewusstsein an, weshalb Wahrnehmung bei jedem gleich abläuft, aber höchst individuell ist. Innerhalb des Prozesses werden den Inhalten persönliche Bedeutungen gegeben.

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Wenn wir etwas sehen und sagen, dass es so IST, muss das nichts heißen. Wir nehmen es lediglich so wahr. Je nach Blickwinkel sieht es vielleicht jemand ganz anders.

Wahrnehmung und Resilienz

Diese innere Wahrnehmung, bei der wir wahrgenommenen Reizen eine Bedeutung geben, macht unser Denken, Handeln und Fühlen aus. Die eigene Wahrnehmung zu kennen und damit umzugehen ist ein grundlegender Weg zu mehr Resilienz. Denn unsere Wahrnehmung bestimmt, wie wir uns verhalten und wie wir empfinden.

Ein Problem kann in der eigenen Welt riesig groß sein, für einen anderen ist das gleiche Problem eher klein. Wenn wir beachten, dass Wahrnehmung nicht objektiv ist und wir das auch genauso vermitteln („In meiner Welt…“), können Konflikte auf dieser Basis einfach gelöst und kann Stress vermindert werden.

Des Weiteren lässt sich die Wahrnehmung sogar beeinflussen, was den Blick auf ein Problem oder eine Herausforderung ändern kann. Das macht uns in unserem Umgang mit der wahrgenommenen Welt flexibel. Und das geht entweder durch Fokussierung oder durch die sogenannten Wahrnehmungsfilter.

Die Wahrnehmungsfilter

Es gibt drei große Kategorien, in die sich die Filter einordnen lassen, die erheblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben. Diese Filter sind:

1. Neurologische Filter: Unser Gehirn ist rein physisch nicht in der Lage alles im Gesamtumfang wahrzunehmen. Zum Beispiel können wir bestimmte Schall- oder Lichtfrequenzen aus anatomischen Gründen nicht wahrnehmen.

2. Kulturelle und soziale Filter: Die Menschen sind ethnologisch unterschiedlich geprägt. Das bedeutet auch unsere Wahrnehmung unterscheidet sich dementsprechend voneinander. Hier ein Beispiel dafür: Wie viele Schneesorten kennen Sie? Vier, vielleicht fünf? Ein Inuit dagegen unterscheidet zwischen 20 verschiedenen Schneesorten.

3. Individuelle Filter: Doch nicht nur unsere Kultur prägt die Wahrnehmung, sondern auch unsere individuellen Erfahrungen. Unser Interesse gilt nun einmal unterschiedlichen Dingen, sodass wir diese auch deutlicher wahrnehmen. Ein gutes Beispiel dafür ist das „Partyhören“; so können wir Musik und andere Geräusche ausblenden, wenn wir uns gerade auf ein Gespräch konzentrieren. Dies können wir je nach Interesse steuern. Das Stichwort hierfür lautet emotionale Relevanz.

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