Das Stufenmodell der Resilienz von Al Siebert

Der amerikanische Psychologe Al Siebert hat sich über viele Jahrzehnte intensiv mit dem Konzept der Resilienz auseinandergesetzt. Sein Stufenmodell der Resilienz ist ein weit verbreitetes und bekanntes Modell, das den Aufbau und die Stärkung von Resilienz erklären soll.

Warum ist das Resilienz Modell in Stufen aufgebaut?

Aufgrund seines Aufbaus ist das Stufenmodell eine Besonderheit. Die verschiedenen Aspekte sind nicht im Kreis oder als Säulen nebeneinander gereiht, sondern in zwei Grundstufen (diese umfassen Basisfertigkeiten und grundlegende Verhaltensweisen) sowie drei Aufbaustufen (mit fortgeschrittenen Fähigkeiten und Einstellungen) unterteilt. Die fünf Stufen sind:

  1. Stufe: Gesundheit und Wohlbefinden fördern
  2. Stufe: Problembewältigung verbessern
  3. Stufe: Innere Torhüter stärken
  4. Stufe: Synergien schaffen
  5. Stufe: Serendipitäts-Prinzip und Glück entdecken

(z.T. angepasst durch Sebastian Mauritz)

Für jede Stufe gibt Al Siebert Empfehlungen zur Resilienz Förderung in Form von Verhaltensweisen und Einstellungen. Die Stufen sind u.a. deswegen sinnvoll, weil bestimmte Entwicklungen auf anderen aufbauen und nicht alle Entwicklungsschritte im Leben gleichzeitig möglich sind.

Was sind die fünf Stufen im Resilienz Modell von Al Siebert?

Stufen der Resilienz nach Al SiebertDie ersten beiden Stufen von Sieberts Resilienz Modell beinhalten optimale Gesundheit in physischer und psychischer Hinsicht, sowie die Steigerung des eigenen Wohlbefindens. Diese wird u.a. durch den Aufbau von Fähigkeiten und Strategien zur Problemlösung erreicht.

In der dritten Ebene richtet sich der Fokus auf die so genannten „inneren Pförtner“. Diese setzen sich aus Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und aus dem Selbstkonzept eines Menschen zusammen. Pförtner meint hier die psychologischen Instanzen, die den Zugang zum Erleben eines Menschen regeln, bzw. die Intensität von äußerlichen Einwirkungen auf einen Menschen moderieren.

Die vierte Ebene des Stufenmodells beschäftigt sich mit der eigenen Bereitschaft zum Lernen und zur Weiterentwicklung. Weiterhin geht es um die Erweiterung des eigenen resilienten Verhaltensrepertoires, dem Verbessern des eigenen Skillsets. Gerade der Umgang mit Problemen in Form von Coping-Stilen, Kreativität und auch generell dem Umgang mit Krisensituationen sind hier zentral.

Die fünfte Ebene ist dann das Resultat der vorangegangenen vier Ebenen. Es geht um das Thema „Glück“, das Lernen aus Krisen und die positive Nutzung von Rückschlägen als Momente des Lernens und des Neuanfangs. Das Serendipitäts-Prinzip beschreibt hierbei die (zufällige) Entdeckung von etwas, was man ursprünglich nicht gesucht hat. Dieses erweist sich als neue, hilfreiche, nützliche und überraschende Erkenntnis.

Wie ist das Stufenmodell der Resilienz aufgebaut?

1. Stufe

Die eigene optimale psychische und physische Gesundheit und das eigene Wohlbefinden fördern. Hierzu ist es hilfreich die Belastungen zu reduzieren und belebende Aktivitäten zu steigern und zusätzlich das soziale Netzwerk zu stärken.

2. Stufe

Strategien zur Problembewältigung erlernen und umsetzen. Dies umfasst analytisches Problemlösen, kreatives Problemlösen und den Umgang mit Problemen nach dem Prinzip von Love, Leave, Change und Accept. Es geht hier auch um die proaktive Vorbereitung auf Krisen, die sich als Prosilienz® im Konzept von Sebastian Mauritz wiederfindet.

3. Stufe

„Innere Torhüter“ stärken. Diese bestehen aus einem starken Selbstvertrauen, einem gesunden Selbstwertgefühl und der Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts.

4. Stufe

Synergien schaffen durch fortgeschrittene Resilienz Fähigkeiten. Hierbei sind besonders Lernfähigkeit und Lernbereitschaft, sowie Neugier und ein breites Repertoire an Verhaltensweisen wichtig. Ein Beispiel für fortgeschrittene Resilienz Fähigkeiten ist die Emotionale Granularität, also die Unterscheidungsgenauigkeit der Emotionen. Sie hängt nachweislich mit psychischer Gesundheit zusammen.

5. Stufe

Das Serendipitäts-Prinzip beschreibt die Entdeckung von Neuem in Kontexten, wo man nicht danach gesucht hat. Einhergehend mit der Kompetenz und dem Gelingen, aus stressigen Zeiten, widrigen Umständen und Krisen gestärkt hervorzugehen und das Gute im Schlechten zu sehen. So kann aus Krisen gelernt werden.

Wozu führen die Stufen des Modells von Al Siebert?

Die fünf Stufen, unterteilt in zwei Grundstufen und drei Aufbaustufen, führen zu einer Kultivierung individueller Resilienz. Das bedeutet, das Stufenmodell lässt sich als eine Art Fahrplan betrachten, wenn man seine eigene Resilienz entwickeln möchte. Interessant ist, dass auf der ersten Stufe das Thema Gesundheit und Wohlbefinden zentral sind. Ganz nach dem Motto von Sebastian Mauritz „Was auch immer Du tust, tue es aus einem guten Zustand heraus“ geht es bei Resilienz erstmal um einen grundsätzlichen Zugang zu eigenen Ressourcen, Kompetenzen und Fähigkeiten. Diese machen die weiteren Stufen und die entsprechenden Entwicklungen überhaupt erst möglich.


Sebastian Mauritz - Resilienz Akademie GöttingenSebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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