Minimumfaktor

Der Minimumfaktor beschreibt den limitierenden Faktoren, an dem das Wachstum von Pflanzen und im übertragenen Sinn die Gesundheit von Menschen hängt.

Der Ursprung des Minimumfaktors

wachsende Pflanze - Resilienz

Der Minimumfaktor stammt aus dem Minimumgesetz nach Carl Sprengel, der dies im Jahr 1828 veröffentlichte. Erst später popularisierte es der Chemiker Justus von Liebig in erweiterter Form. Das Gesetz besagt, dass das Wachstum von Pflanzen von einen einzigen limitierenden Faktor abhängig ist, auch wenn andere Ressourcen genügend oder darüber hinaus vorhanden sind. Mit anderen Worten ausgedrückt: Auch das Hinzufügen von mehr Licht oder besserer Erde ändert nichts am Wachstum einer Pflanze, wenn sie nicht genug Wasser erhält – zum Beispiel.

Dieser limitierende Faktor nennt sich in der Ökologie der Minimumfaktor. Es ist jener Mangelfaktor, der durch keine anderen Ressourcen ausgeglichen werden kann.

Sinnbildlich für diesen Faktor steht die „Minimum-Tonne“. Stellt man sich ein Fass vor, dass unterschiedlich lange Dauben hat, wird sehr schnell deutlich, was der Minimumfaktor bedeutet. Solch ein Fass lässt sich nur bis zur kürzesten Daube füllen. Es ist egal wie hoch die anderen Bretter des Fasses ragen, es wird nicht mehr Flüssigkeit hineinpassen. Das ist das begrenzende Minimum.

Resilienz und der Minimumfaktor

Was hat nun Resilienz damit zu tun? Nun, dieser ökologische Begrenzungsfaktor lässt sich auch auf den Menschen übertragen.

Resilienz lässt sich als die Balance zwischen Risikofaktoren, die zur Vulnerabilität beitragen, und Schutzfaktoren, die zur psychischen Gesundheit beitragen, beschreiben. Für einen flexiblen Umgang mit Stress und eine große Widerstandsfähigkeit gegen Widrigkeiten – kurz: Resilienz – sollten die Schutzfaktoren in der Gesamtbilanz gegenüber den Risikofaktoren überwiegen. Mehr zu diesem Resilienz-Modell erfahren Sie HIER.

Sie können die Schutzfaktoren, zu denen beispielsweise ein gesunder Optimismus, soziale Unterstützung oder Selbstwirksamkeit gehören, wie die Ressourcen einer Pflanze verstehen. Es handelt sich um Bedürfnisse, Eigenschaften und Haltungen, die Wohlbefinden, Gesundheit und auch Zufriedenheit im Alltag bedingen und erhalten. Diese Schutzfaktoren können einiges aufwiegen, sogar so etwas wie einen Streit mit Kollegen, eine schwierige Aufgabe oder wenig Ich-Zeit. Doch es gibt eine bestimmte Sache, die jeden von uns „anfälliger“ für Stress macht.

Minimumfaktor - ResilienzAkademieUnd diese Sache ist für jeden Menschen individuell. Ein Beispiel für einen Minimumfaktor ist Schlaf. Das normale Funktionieren im Alltag wird bei einigen von uns durch wenig Schlaf kaum beeinträchtigt. Bei anderen hingegen können viele Schutzfaktoren und keine Risikofaktoren herrschen, doch ohne ausreichend Regeneration wird das Nervenkostüm sehr dünn, die Laune geht in den Keller und Stresseinladungen werden uneingeschränkt angenommen. Jeder Mensch hat seinen oder seine persönlichen Minimumfaktoren, sei es Schlaf, Spaß, Sicherheit, etc.

Der resiliente Umgang mit dem Minimumfaktor

Da unsere Resilienz so stark von diesem Faktor abhängig ist, ist es wichtig, seinen persönlichen Minimumfaktor zu kennen. Was begrenzt sozusagen Ihr Stressfass? Welcher Faktor muss bei Ihnen erfüllt sein, damit Sie Ihr Potential frei entfalten können?

Leider bemerken wir unseren Minimumfaktor zumeist nur dann, wenn er nicht oder unzureichend erfüllt ist. Ein drastisches Beispiel ist der Minimumfaktor zwischen menschliche Nähe. Vielen Menschen ist im Jahr 2020 bedingt durch die Eindämmungsversuche der Corona-Pandemie aufgefallen, wie sehr zwischenmenschliche Nähe im Alltag präsent ist und dementsprechend zur Gesundheit beiträgt und in Abwesenheit dieses Faktors das Wohlbefinden stark sinken kann. Bei manchen Menschen mehr, bei anderen weniger.

Wenn wir unseren limitierenden Faktor kennen, durch Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion oder einen Lebensabschnitt, in dem wir ihn besonders gespürt haben, können wir resilient mit ihm umgehen. Und das auf zwei Weisen. Erstens steigert das Erkennen die Wertschätzung. Wir wissen diesen bestimmten Faktor dann auch wenn er da ist zu schätzen, was einen großen Einfluss auf Dankbarkeit hat. Dankbarkeit ein wissenschaftlich untersuchter Schutzfaktor für die psychische Gesundheit. Zweitens können Sie Ihr Handeln nach Ihrem Minimumfaktor ausrichten. Wenn Sie beispielsweise Ich-Zeit als Ihren Begrenzungsfaktor für die Verkraftbarkeit von Stress identifiziert haben, können Sie sich Ihre Ich-Zeit aktiv nehmen.

Ein resilienter Umgang mit jenem Faktor, der über unser Wachstum, unser Wohlbefinden, unsere Lebensqualität im Alltag bestimmt, ist nicht nur wünschenswert. Es ist zentral für eine gesunde, zukunftsfähige und glückliche Gesellschaft.


Sebastian Mauritz - Resilienz-AkademieSebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich mit über 50 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen austauscht (www.Resilienz-Kongress.de).

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