Ich-Zeit

Niemand ist gerne allein. Schließlich sehnen wir uns nach der Nähe zu anderen Menschen, dem Austausch und dem Gefühl von Verbundenheit. Dabei ist Alleinsein nicht gleichzusetzen mit Einsam sein. Denn wir brauchen Ich-Zeiten für eine starke Resilienz.

Ich-Zeit ist Regenerations-Zeit

Die Fähigkeit, zu sich zu kommen und mal auf das eigene Innenleben zu schauen, ist lebenswichtig. Ohne diese Alleinzeiten verkümmern unsere Kreativität und auch unsere Persönlichkeit. Auch unsere Beziehungen entwickeln sich besser, wenn wir uns von Zeit zu Zeit mal aus ihnen zurückziehen. Allgemein gesagt ist der Mensch ein Beziehungswesen, wir brauchen Nähe um zu gedeihen. Wir werden von unseren sozialen Netzen gehalten, und fehlt diese Bindung, so ist das zu jedem Lebenszeitpunkt problematisch – für alle gilt: Bleib in Kontakt.

Das bedeutet allerdings auch, bleib in Kontakt mit dir selbst. Aber auch das Alleinsein ist ein wichtiges und lebensnotwendiges Bedürfnis. Nur in diesem Raum, zurückgezogen von der Außenwelt, kann es zur Selbsterkenntnis und Selbstregulierung kommen, Kreativität und Geist können wachsen. Zudem findet in dieser Zeit – nur für uns selbst – Regeneration statt. Sich zurückzuziehen bedeutet nicht antisozial zu sein. Es bedeutet dem Körper die Ruhe zu gönnen, die er braucht, um kraftvoll auf die Herausforderungen des Alltags zu reagieren.

Ich-Zeit im Alltag integrieren

Die Wege zu mehr Ich-Zeit sind heute vielfältig. Man muss nicht ins Kloster zum Meditieren gehen – wobei das eine durchaus lohnende Erfahrung ist. Es reicht, sich mal die eine oder andere Stunde bewusst für sich zu gönnen. Wer jetzt den Weg vor den Fernseher sucht, sollte diesen besser gar nicht erst anschalten. Als größte aller Trancemaschinen verwehrt es uns den vollständigen Weg in unsere Innenwelt und hält uns auf halbem Weg dahin gefangen – ein Betäubungsmittel mit dem Gefühl des Pseudoalleinseins. Stattdessen lohnt es sich eher, einen Spaziergang im Freien zu machen, ohne Begleitung und vielleicht auch ohne Ohr-Beschallung. Ebenso bietet sich ein entspannendes Bad an oder der Griff zum Tagebuch. Für manch einen mag es seltsam sein, sich ausnahmsweise einmal nur mit sich zu beschäftigen. Aber den Effekt dieser Ich-Zeit werden Sie definitiv mögen.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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