Lego® Serious Play® – Ernstes Spielen für mehr Resilienz

Haben Sie in Ihrer Kindheit mit Lego gespielt? Ich auf jeden Fall, doch irgendwann holt einen das Alter ein und wir überlassen das Spielen mit den bunten kleinen Steinen den Jüngeren. Warum eigentlich? Kreativität, Problemlösefähigkeit und Innovation sind sogenannte Soft-Skills die heutzutage in so gut wie jeder Stellenausschreibung gefordert werden. Doch was machen wir als Erwachsene noch, um diese Fähigkeiten tatsächlich auszubilden und zu trainieren? Spielen ist nicht nur etwas für das (innere) Kind, sondern für ausnahmslos jeden, unabhängig von Geschlecht, beruflicher Position oder Spielzeugvorlieben. Und die Erfolgsgeschichte von Lego® Serious Play® (LSP) beweist das.

Warum Sie ernsthaft mehr spielen sollten

Im stressigen Arbeitsalltag, zwischen Care-Work und Business-Meeting, im Studium oder auch einfach im Laufe der Zeit vergessen wir, wie wichtig Spielen ist. Schließlich sei das ja nur für Kinder. Wir vergessen, dass wir uns einen Großteil des Gelernten, das wir heute für selbstverständlich halten, spielend erarbeitet haben. Insbesondere unsere motorischen Fähigkeiten, aber auch viele kognitive Prozesse, entwickeln sich beim Spielen.

Und hier kommt die gute Nachricht: Unser Lernprozess ist nicht abgeschlossen, denn unser Gehirn ist ein Leben lang dazu in der Lage, sich zu verändern und zu lernen. Lego® Serious Play® ist einer der Wege, um das zu unterstützen. Aber ernst spielen, geht das?

Ja, mit der richtigen Rahmung. Natürlich können Sie auch einfach völlig frei drauf los bauen. Doch die Besonderheit von LSP ist, dass Sie es in den verschiedensten Kontexten mit unterschiedlichsten Fragestellungen einsetzen können und zu 100% zu einem Ergebnis kommen. Egal ob individuell, als Team oder als gesamte Organisation. Zum Beispiel können Sie mit Lego Ihre Krise bauen, oder eben auch Ihre resiliente Lösung.

Was ist Lego® Serious Play®?

LSP – Resilienz-AkademieWas Lego ist, brauchen wir hier wohl nicht näher erläutern. Der erste Baustein, in der Art, die uns heute sehr vertraut ist, wurde 1947 eingeführt. Lego ist dabei eine Zusammensetzung aus den dänischen Worten „leg godt“, was soviel bedeutet, wie „spiel gut“.

Der Weg zu LSP war damit geebnet, denn so neumodisch die Idee, Lego in den unterschiedlichsten Unternehmen einzusetzen, auch klingen mag, sie ist es nicht. Denn sie stammt von zwei Schweitzer Professoren aus dem Jahr 1996. In ihrem Artikel „How It All Began: The Origins Of LEGO® Serious Play®“ (2018) beschreiben die beiden Entwickler Roos und Victor, dass sie auf der Suche nach einfallsreicheren, effektiveren und verantwortungsvolleren Wegen waren, um Führungskräfte und Organisationen bei der Strategieentwicklung zu unterstützen.

Als sie dann vor 25 Jahren einen Workshop mit den top 300 Managern und dem CEO der Logo Company veranstalten sollten, ergab sich die Lösung: Lego® Serious Play® war „geboren“. Es begann also damit, dass die Mitarbeitenden von Lego ihr eigenes Produkt nutzten, um Imagination und innovative Transformation neu zu denken.

Aus ihren damaligen Erfahrungen wurde ein solides Konzept und einem Ausbildungsprogramm zum Lego® Serious Play® Facilitator.

Wie Sie Lego® Serious Play® nutzen können

Wie bereits erwähnt ist LSP in so gut wie allen Kontexten einsetzbar. Und das auf verschiedene Arten und Weisen. Wir beleuchten hier nun zwei speziellere Kontexte.

LSP im Unternehmen

Als Lego® Serious Play® Facilitator habe ich gelernt, wie gut und effektiv sich in Gruppen „spielen“ lässt. Nicht umsonst startete LSP im Unternehmenskontext. Dabei lässt es sich nicht nur zur Strategieentwicklung einsetzen. Die Bausteine können zum Beispiel zum Teambuilding einsetzen. Hierzu möchte ich ein kleines Beispiel geben.

In einem Firmentraining einer großen Bank sollte ich für eine größere Teamkohärenz sorgen. Nach einer kurzen Auftragsklärung kam heraus, dass das Team wohl häufig „aneinander vorbei kommuniziert“. Also packte ich meinen Lego-Koffer aus und gab jedem der 15 Teammitglieder exakt die gleichen Steine, ein paar gelbe und ein paar rote. Die Aufgabe war ganz einfach: Bauen Sie eine Ente. Ich gab dem Team drei Minuten Zeit und dann sollte sich gegenseitig die Ente präsentiert werden

Sie können sich sicher denken, dass, so ganz ohne Anleitung, quasi 15 verschiedene Enten auf den Tischen standen. Dieses plastische Bild eröffnete die Tür, um im Training an Wahrnehmung, Perspektivwechsel und Kommunikationsmustern zu arbeiten.

Allerdings besteht im Unternehmenskontext oft eine gewisse Skepsis gegenüber solch kreativen Möglichkeiten. Hier entscheidet eine gute Rahmung – manchmal mit einer Überbetonung des Wortes „Serious“. ;)

LSP im Coaching

LSPDas Coaching ist ein weiterer Kontext, in dem ich LSP sehr gerne nutze. Gerade weil es die Gedanken und Gefühle externalisiert und völlig verdeckt gearbeitet werden kann, finde ich Lego sehr spannend für Prozesse mit einer hohen emotionalen Ladung. Zudem erleichtert das Denken mit den Händen den Zugang zur eigenen Intuition und ist damit perfekt geeignet für die Hilfe zur Selbsthilfe. Auch hier möchte ich ein Beispiel geben, das die Arbeit mit Lego im Coaching verdeutlicht.

Meine Klientin kam zu mir, weil ein Konflikt mit ihrem Vater sie belastete. Ohne, dass sie weiter in die Problemtrance gehen musste, gab ich ihr einige Minuten Zeit, um ihr Problem zu bauen. Als sie ihre Konstruktion fertig hatte, begleitete ich sie bei der Emotionsregulation, um ihr System gewissermaßen in den „Bearbeitungsmodus“ zu schalten. Anschließend bat ich sie, ihre Konstruktion durch das Umbauen, Wegnehmen oder Hinzufügen von Bausteinen so zu verändern, dass es sich für sie stimmiger anfühlt. Strahlend präsentierte sie mir ihr geändertes Bauwerk und erklärte, welcher Stärke sie sich in dem Moment bewusst wurde.

Lego® Serious Play® für Ihre eigene Resilienz

Dieses gerade beschriebene Prinzip können Sie übrigens auch hervorragend für Ihr Selbstcoaching nutzen. Alles, was Sie dazu brauchen, sind möglichst verschiedene Lego-Bauteile und eine Fragestellung. Zum Beispiel welche Ressource Ihnen gerade am meisten helfen würde. Dann können Sie diese Ressource, bzw. Ihre Lego-Repräsentation dessen, bauen und an einen gut sichtbaren Ort stellen, wie zum Beispiel Ihren Schreibtisch.

Neben solch sehr praktischen Anwendungsmöglichkeiten bietet das wiederholte Nutzen von LSP ein wunderbares Resilienztraining. Denn Sie steigern neben der Intuition noch zwei weitere tragende Faktoren: Ihre Kreativität und Ihre Lösungsorientierung.

Lego Serious Play ist prädestiniert dazu, Ihre Kreativität zu fördern. Denn was bringt Sie mehr in Kontakt mit Ihrer Fähigkeit des divergenten Denkens, als aus bunten Steinen etwas Abstraktes zu kreieren? Divergentes Denken bedeutet, dass Sie um die Ecke denken, ungewöhnliches kombinieren, um so auf eine neue Lösung zu kommen.

Somit stärkt das ernste Spielen auch Ihre Lösungsorientierung. Denn Sie lernen durch Ihre Gebilde, andere Perspektiven einzunehmen und entdecken so Lösungen, auf die Sie sonst vielleicht nie gekommen wären. Es mag sich vielleicht komisch anhören, aber ein Stein kann eine komplett neue Sicht auf herausfordernde Situationen werfen. Probieren Sie es einfach mal aus!


Sebastian Mauritz - Resilienz-AkademieSebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 150 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de).

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden
Scroll to Top
Scroll to Top