Dufte Resilienz – Stärke zum Einatmen

Wie unsere Resilienz durch Aromatherapie gestärkt wird

Wie und warum die Aromatherapie ein durchaus effektives Mittel zur Stärkung der Resilienz ist, ist oft schon auf den ersten Riecher zu erkennen.

Düfte – sind der direkte Draht zu unseren Emotionen und Erinnerungen

Ein Spaziergang durch den würzig, erdig duftendenden Wald entspannt uns und macht den Kopf frei. Wir schneiden eine Zitrone auf und der frische, fruchtige Geruch erinnert uns an den letzten Sommerurlaub. Düfte bleiben länger in Erinnerung, sogar länger als Bilder. Nur der Hauch eines bestimmten Duftes reicht schon aus und wir werden in unsere Kindheit zurückversetzt.

Das liegt daran, dass der Geruchsinn direkt mit dem Emotionszentrum in unserem Gehirn verbunden ist. Die Verarbeitung von Gerüchen ist ein komplexer naturwissenschaftlicher Prozess (1), den wir uns in der Aromatherapie zunutze machen, um Genesungsprozesse zu beschleunigen oder auch um mit gezielten Übungen die Resilienz zu stärken.

Aromatherapie

Aromatherapie – Naturwissenschaft in Flaschen

Komplexe Biochemie – das ist Aromatherapie. Bereits seit Tausenden von Jahren werden Düfte für medizinische und heilende Zwecke eingesetzt. Die Aromatherapie gehört laut Prof. Hans Hatt zu den ältesten überlieferten medizinischen Anwendungen (2). Dabei geht es nicht nur um den Geruch, sondern vor allem um die Wirkung auf Körper und Psyche.

Die wirksamen Düfte kommen direkt aus der Natur. Nahezu jede Pflanze produziert ätherische Öle, unter anderem um Insekten zur Bestäubung anzulocken oder zum Schutz gegen schädliche Bakterien und Pilze. Bei uns Menschen entfalten die ätherischen Öle eine ganz unterschiedliche Wirkung, die inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen wurde: Zitrusdüfte beispielsweise haben eine stimmungsbelebende Wirkung, Lavendel wirkt beruhigend (3).

Aromatherapie ist keine Esoterik – in vielen Kliniken Teil des Therapieprogramms

Der Begriff Aromatherapie wurde 1937 vom französischen Chemiker René Maurice Gattefossé geprägt, der Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Erforschung der pharmazeutisch-medizinischen Eigenschaften der ätherischen Öle die Ära der Aromatherapie einläutete. Da die Aromatherapie ein Teil der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) ist, ist sie eine komplementäre Therapieform innerhalb der Medizin (3). Je nach Profession wird sie nach rechtlicher Lage in Deutschland von Ärzten und Heilpraktikern als Aromatherapie oder von Pflegefachpersonen als Aromapflege angeboten.

Eines haben sie gemeinsam: Sie arbeiten alle mit den duftenden Konzentraten, die aus einer Pflanze gewonnen, in den kleinen Fläschchen abgefüllt wurden und große Wirkungen auf Körper und Psyche haben.

Natürliche Düfte wirken aufgrund der Biochemie

Die meisten erinnern sich aus dem Chemieunterricht in der Schule vielleicht noch an die Wasserdampfdestillation. Ein einfaches, aber sehr effektives Verfahren, das schon die alten Ägypter nutzten, um wertvolle und kostbare ätherische Öle aus den Pflanzen zu gewinnen. Mit den Ölen wurden damals schon die Könige gepflegt und ihre Körper für die Ewigkeit konserviert. Ein ätherisches Öl ist somit auch immer ein Konzentrat und sollte daher mit Bedacht dosiert werden. Denn schon ein einzelner Tropfen hat ein großes Paket an wirksamen Inhaltsstoffen.

Die Wirkung auf den Körper und die Psyche beruht auf den vielzähligen Inhaltsstoffen der Essenzen, die der Biochemie zugeordnet werden. Eine Pflanze erstellt bei Wind und Wetter durch Fotosynthese eine sehr komplexe Zusammensetzung an verschiedenen Inhaltsstoffen. Die Inhaltsstoffe können durch einen Gaschromatographen untersucht und nachgewiesen werden. 

Was macht einen guten und wirksamen Duft aus?

Orangenduft - Resilienz-AkademieDer Begriff Aromatherapie wird mittlerweile inflationär verwendet und als ätherisches Öl wird viel deklariert, was aus Sicht derer, die sich seit Jahren mit seriöser Aromatherapie beschäftigen und diese praktizieren, einfach nur ein Chemiecocktail ist, der mehr Schaden anrichtet, als dass er der Gesundheit Gutes tut. Manche Firmen verkaufen die Düfte als den Stein der Weisen, mit dem jede erdenkliche Erkrankung geheilt werden kann. Dies ist weder seriös noch ethisch und moralisch vertretbar.

Ein wirklich guter und wirksamer Duft hat seine Einsatzmöglichkeiten und ebenso seine Grenzen. In der Aromatherapie schaut man auch auf die natürlichen Ressourcen und weiß, warum gewisse Öle, die sehr kostbar sind, nichts in der Raumbeduftung zu suchen haben, sondern eher in der eigens angerührten Naturkosmetik oder Körperpflege verwendet werden sollten. Zur Raumbeduftung eignen sich zudem nicht alle Öle, einige können in der Duftlampe sehr unangenehm riechen.

Der Duft liegt in der Nase des Betrachters

Es gibt, wie Prof. Hans Hatt so schön geschrieben hat, keinen Universalduft, der jedem Menschen auf der Welt zusagt. Doch wir haben je nach Kulturkreis verschiedene Duftvorlieben (2). Diese sollten mit berücksichtigt werden, doch auch hier sollten wir uns bewusst sein, dass wir immer jemanden vor uns haben können, dem der Duft gerade nicht passt. Denn das Duft-Empfinden ist eine sehr komplexe und individuelle Angelegenheit, die sich mit jedem Atemzug im Emotionsgehirn abspielt und in der Mimik darstellt, ob ein Duft als angenehm oder unangenehm bewertet wird (1).

Zwangsbeduftung ist natürlich, zumindest in der Natur. Denn es gibt keinen duftleeren Raum, nur die Frage, ob die Duftmoleküle in einer solchen Konzentration in der Luft vorhanden sind, dass sie über der Wahrnehmungsschwelle liegen oder nicht (2).

Mit Duft die Resilienz stärken

Klar setzen große Konzerne auf ihre „Duftmarken“ und haben in der Corporate Identity einen eigens kreierten, immer gut erkennbaren Duft, doch das ist ein ganz anderes Feld. Wer seine eigene Resilienz stärken will, braucht auch gar nicht viele Öle oder viel Equipment. Denn, ehrlich gesagt, ein wirklich professionelles Gerät zur (Groß-)Raumbeduftung habe ich selten gesehen, eher die fürchterlich synthetischen Teile mit den Stäbchen, die einen unnatürlich penetranten Duft abgeben. Das trägt eher zu Kopfschmerzen bei als zu Resilienz.

In einem gut sortieren Naturkostladen oder Biofachmarkt gibt es Produkte von deutschen Firmen, die – ohne Heilversprechen oder Zwang zum Kauf eines unnötig großen Bestandes an Produkten – einzelne Öle zum Verkauf anbieten. Oft gibt es hier auch eine „Schnupperbar“, durch die es die Möglichkeit gibt, die Nase entscheiden zu lassen, welches ätherische Öl am besten passt. Wenn Nase und limbisches System ein oder zwei Öle gefunden haben, empfehle ich Anfängern, mit einer einfachen und dennoch sehr wirkungsvollen Methode einzusteigen.

Durch Orange mit jedem Atemzug ein Stücken mehr Resilienz

Einfach mal 15 Minuten Zeit nehmen für eine angenehme Erfahrung mit dem Duft. Es braucht nur ein Taschentuch, auf das ein bis zwei Tropfen des konzentrierten Duftes aus der Flasche aufgetragen werden. Lassen Sie sich auf den Duft ein, auf die Reise, auf die er sie vielleicht mitnehmen will. Das olfaktorische Sinneserleben geht direkt tief in das Emotionsgehirn und bringt Sie in eine angenehme Emotion. Vielleicht ist es ein längst vergangener, doch wunderbar entspannter Sommerurlaub, an den Sie sich erinnern, z.B. wie Sie im Orangenhain in der Hängematte lagen und durch die Orangenblüten Richtung Meer geblickt haben.

Ein Moment, der durch den Duft des Orangenöls wieder so präsent ist, als wären Sie dort. Nehmen Sie das Empfinden des Momentes wahr, lassen Sie sich davon berühren und mit jedem weiteren Atemzug lassen sie den hektischen Alltag hinter sich und kommen wieder in einem entspannten Zustand ins Hier und Jetzt zurück und sind vielleicht ein Stück weit resilienter.


Daniel Hogen - Resilienz-TrainerDaniel Hogen, über 13 Jahre Gesundheits- und Krankenpfleger im Fachbereich der Psychosomatik und Psychotherapie sowie Suchttherapie. Mimik-Analyst nach Eilert (Steinbeis-Hochschule Berlin), systemischer Berater und Fachberater für integrale Traumatologie. Als Aromatherapeut und Aromaexperte ausgebildet, gibt er sein Wissen zum Schwerpunkt „Duft und Psyche“ an verschiedenen Institutionen im deutschsprachigen Raum in der Gesamtausbildung zur/m Psycho-Aromaexpert:in weiter.

www.danielhogen.de

 

Quellen:

(1) Frasnelli, Johannes: Wir riechen besser als wir denken. Wie der Geruchsinn Erinnerungen prägt, Krankheiten voraussagt und unser Liebesleben steuert. Molden Verlag. 1. Auflage. 2020

(2) Hatt, Hans; Dee, Regine: Das Maiglöckchen-Phänomen – Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt. Piper Verlag. 2. Auflage. 2008.

(3) Zimmermann, Eliane: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe. Kursbuch für Ausbildung und Praxis. Haug Verlag. 6. Auflage. 2018.

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