Zürcher Ressourcenmodell

Das Zürcher Ressourcenmodell (ZRM) ist eine Trainingsmethode für mehr Motivation. Sie setzt hauptsächlich auf das Selbstmanagement, sich durch diese Methode eigenständig und langfristig für Ziele zu motivieren.

Was ist das Zürcher Ressourcenmodell?

Dr. Maja Storch und Dr. Frank Krause haben das Modell ursprünglich als Methodensammlung zur Vorbeugung von Burn-out bei Lehrkräften entwickelt. Dabei vereinen sich verschiedene Ansätze aus Psychoanalyse, Motivationspsychologie und Neurowissenschaft.

Der Kern des ZRM‘s ist der Gedanke, dass der Mensch schon die Ressourcen zur Verfügung stehen hat, die er zur Lösung des Problems braucht. Bei dieser Trainingsmethode fungiert der Coach, Trainer oder Therapeut eher als Wegbegleiter, der lediglich bei der Wiederentdeckung der Ressourcen unterstützt.

Wie funktioniert das Zürcher Ressourcenmodell?

Mit Hilfe des ZRM’s sollen Menschen lernen ihre Ressourcen selbst zu aktivieren, um motiviert und realistisch ihre Ziele zu erreichen. Dabei lehnt sich der Trainingsprozess an das Rubikon-Modell nach Heckhausen und Gollwitzer an, mit der Erweiterung von Klaus Grawe. Ursprünglich bestand das Modell zur Entstehung einer Handlung aus vier Phasen, doch durch die Erweiterung aus der psychoanalytischen Theorie wird eine weitere Phase vorgeschoben.

1. Vom Bedürfnis zum Motiv

Jeder Handlung geht ein Bedürfnis voraus – das ist eine Grundannahme der Motivationspsychologie. Im ersten Schritt des Zürcher Ressourcenmodells wird sich das zunächst unbewusste Bedürfnis bewusst gemacht. Hierbei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz.

Insbesondere positive Assoziationen mit Bildern, das Achten auf somatische Marker und die Brainstorming Methode des „Ideenkorbs“ werden im ZRM genutzt. Auch Impulse von außenstehenden Personen können dazu beitragen Klarheit über die Bedürfnisse zu erlangen, sodass sich ein Motiv herausbildet.

2. Vom Motiv zur Intention

Bei diesem Schritt handelt es sich um das sprichwörtliche „den Rubikon überschreiten“. Diese Metapher ist angelehnt an die Abwägung Julius Cäsars, der am Fluss Rubikon schlussendlich die unwiderrufliche Entscheidung traf in den Krieg zu ziehen.

Um von der Motivation eine Intention zu fassen, muss der oder die Ausführende die Motivation mit einem Ziel verbinden. Es handelt sich im Grunde um eine Kurzform der wohlgeformten Ziele, die im ZRM als „handlungswirksame Ziele“ beschrieben werden. Im Ressourcenmodell kommt es besonders darauf an die Ziele

  • positiv zu formulieren,
  • selbst zu kontrollieren,
  • und mit positiven somatischen Markern zu verknüpfen.

Dieser Schritt stellt einen Übergang dar von „Es wäre schön…“ zu „Ich will…“.

3. Vom Ziel zur Zielerreichung

Hier geht es um die Vorbereitungsphase vor der tatsächlichen Handlung, also eine präaktionale Phase. Bei diesem Schritt des Ressourcenmodells werden die eigenen Ressourcen gesammelt und bewusst gemacht. Ein wichtiges Element hierbei ist das Aktivieren des neuronalen Netzwerks. Die vorher gefassten Assoziationen sollen nun in den Alltag integriert werden, um stetig an die Zielerreichung zu erinnern und so das Ziel in Geist und Körper zu verankern.

4. Von der Haltung zur Handlung

Jetzt geht es um die Umsetzung des Geplanten. Wenn die Bedürfnisse hinter der Motivation deutlich sind, das Ziel erreichbar formuliert und die Ressourcen aktiviert sind, ist der nächste Schritt im Zürcher Ressourcenmodell die Umsetzung.

Hierbei gibt es die Unterscheidung von Zielintention und Ausführungsintention. Ein zentraler Teil der Phase ist es, das Ziel in viele kleine Teilziele zu zertrennen und diese mit einer Ausführungsintention zu verknüpfen. Also „Ich plane es auf diese Art und Weise zu tun, wenn diese bestimmte Situation eintritt“ anstatt nur „Ich plane es zu tun“.

5. Langfristige Integration

Im Training wird der oder die Coachee dabei unterstützt jederzeit auf den eigenen Ressourcenpool zurückzugreifen. Ziel des ZRM’s ist es jedoch, langfristig zum Selbstmanagement zu verhelfen. Das heißt, auch nach dem Rubikon-Prozess soll der Mensch optimalen Zugriff auf seine Ressourcen haben und sich selbst für Ziele motivieren können.

Storch und Krause schlagen für die Integration und den Transfer in den Alltag daher Social Support vor. Es geht um die konstruktive Unterstützung beim Erreichen der Ziele, ob dies nun mit anderen Trainings-Teilnehmenden geschieht oder anderen Bezugspersonen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld, ist nebensächlich.

Wie funktioniert die Ressourcenaktivierung?

Bei dem Zürcher Ressourcenmodell wird ein persönlicher Ressourcenpool aufgebaut, aus dem die Teilnehmenden dann schöpfen können. In der ersten Phase wird besonders mit Bild-Assoziationen und deren somatischen Markern gearbeitet, sodass positive Emotionen hervorgerufen werden. Daraus sollen sich dann weitere Erinnerungshilfen und Trigger entwickeln, die im Alltag die Zielvorstellung verankern.

Zum Beispiel wählt jemand zu Beginn das Bild einer Sonne und sucht sich im Alltag dann Plätze, um die Sonne zu integrieren. Das funktioniert etwa durch ein oft benutztes Passwort mit dem Wort „Sonne“, eine Tischdekoration in Gelb, ein Kissen in Sonnen-Form, etc.

Zu dem Ressourcenpool gehört weiterhin auch das Erkennen von ungünstigen Assoziationen und neuronalen Verbindungen. Ein großes Element in dem Ressourcenmodell ist daher auch die Meditation. Das Unbewusste ist ein wichtiger Teil bei der Aktivierung der Ressourcen, sodass meditative Elemente wie Entspannungsübungen und Phantasie-Reisen dabei unterstützen sollen, das Unbewusste spürbar zu machen.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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