Soziales Faulenzen vermeiden

Teamarbeit scheint teilweise zu einem regelrechten Trend geworden zu sein. Das bedeutet auch, dass Arbeit auf Teams aufgeteilt wird, die eine einzelne Person effizienter erledigen könnte. Doch um agil und modern zu wirken, steht Teamarbeit hoch im Kurs. Überstürzt oder unüberlegt ausgeführt besteht allerdings Gefahr für den Ringelmann-Effekt – Das soziale Faulenzen.

Was ist soziales Faulenzen?

Der Ringelmann-Effekt bedeutet, dass Teams in der Gruppe weniger leistungsstark sind als in Einzelarbeit. Der Agraringenieur Maximilien Ringelmann fand in seinen Untersuchungen heraus, dass Menschen im Team weniger Leistung gemeinsam erbrachten, als man von ihren Einzelleistungen her erwarten könnte. Der Ringelmann-Effekt wird auch als soziales Faulenzen beschrieben.

Soziales Faulenzen ist die Einstellung, dass man sich selbst in der Teamarbeit zurücknimmt und die Eigenverantwortung zur Zielerreichung eher an andere Mitglieder abtritt. Diese Einstellung belastet sowohl die Teamleitung wie auch das Team und hat letztendlich große Auswirkungen auf die Produktivität des Teams. Doch dem können Unternehmen gezielt entgegenwirken. Denn hier ist nicht Faulheit im Allgemeinen gemeint – soziales Faulenzen kann mehrere Gründe haben, die sich durch bestimmte Faktoren beheben lassen.

Wie entsteht soziales Faulenzen?

Die Ursachen für soziales Faulenzen haben alle gemein, dass sie die Motivation mindern. Die Einstellung „TEAM – Toll, ein anderer machts“ bedeutet dann, dass jeder den Einsatz des anderen erwartet. Bei der Entstehung einer solchen Einstellung stehen vor allem die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit im Vordergrund.

Verantwortungsdiffusion

Wenn es keine klaren Verantwortungsbereiche, Regeln und Strukturen gibt, bleibt jegliches Arbeiten diffus und vage. Mitarbeiter können sich dann hinter dieser Unklarheit verstecken.

Daher ist es wichtig für Führungskräfte klare Strukturen zu schaffen und Regeln zu etablieren. Die Teamleitung muss die Verantwortung übernehmen, diese Regeln im Team allen deutlich zu vermitteln und auf die Einhaltung zu achten.

Nichtbewertung des eigenen Beitrags

Wenn Mitglieder das Gefühl haben, dass ihr geleisteter Beitrag nicht gesehen und nicht gewürdigt wird, senkt das die Motivation und sie verringern ihr Engagement. Die Sinnhaftigkeit sinkt bei fehlendem Feedback stark.

Dagegen wirkt zum einen die Leistungen für alle Teammitglieder transparent zu machen. Verschiedene Visualisierungstechniken können dabei helfen die Leistungen der Mitglieder sichtbar zu machen, sodass Teamleiter und Führungskräfte Einblick in die Leistung des Teams haben. Zum anderen braucht es eine gute Feedbackkultur, um individuelle Beiträge zu würdigen und zu bewerten.

Empfundene Unausgewogenheit der Beiträge

In Teams kann bei einzelnen Mitgliedern das Gefühl entstehen, dass sie als einzige etwas leisten und alle anderen dennoch mit dem geringen Beitrag ‚Durchkommen“. Dieses Gefühl entsteht, wenn wenig Leistung oder nicht einhalten der Regelungen keine Konsequenzen nach sich zieht.

Es liegt in der Verantwortung der Führungskräfte Fairness im Team zu bewahren. Das bedeutet auch von leistungsschwachen Mitgliedern mehr Engagement einzufordern. Zudem müssen Teamleitung und Führungskräfte konsequent sein, wenn jemand zu wenig Leistung zeigt oder sich nicht an die Regeln hält. Kritikgespräche und Notfalls auch Abmahnungen gehören dazu, um die Motivation zu schützen.

Empfundene Unwichtigkeit des Beitrags

Motivation sinkt dann, wenn Teammitglieder das Gefühl haben, ihr Beitrag würde nichts bringen. Eine schwache Selbstwirksamkeit hat dabei nicht nur geringes Engagement zur Folge, sondern führt auch zur inneren Kündigung oder zur Krankheit. Dieses Gefühl entsteht, wenn die Auswirkungen des eigenen Beitrags so wenig bemerkbar sind, dass er sich kaum lohnt.

Teams sollten ihre Aufgaben daher so verteilen, dass alle Teammitglieder sinnvolle und wichtige Aufgaben erfüllen. Die Teamleitung sollte dann sicherstellen, dass Teammitglieder wissen, wozu ihr Beitrag wichtig ist.

Soziales Faulenzen vermeiden ist Führungssache

Soziales Faulenzen lässt sich maßgeblich durch starke Führung vermeiden. Es liegt in der Verantwortung der Teamleitung und/ oder des Vorgesetzten das Team strukturiert bei der gegebenen Aufgabe zu begleiten.

Transparenz ist der Schlüssel für Führungskräfte, um sowohl Aufgaben klar vorzugeben und Verantwortlichkeit zu klären, wie auch die Relevanz der Aufgabe und die Anerkennung der Leistung sichtbar zu machen. Für eine erfolgreiche Teamarbeit ohne Aufschub und Ausreden sollten Führungskräfte dem Team klare Strukturen geben, das Geleistete überprüfen und aus der Bewertung auch Konsequenzen ziehen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Teamarbeit von Vornherein sinnvoll ist und die Zusammensetzung des Teams auf die Aufgabe abgestimmt ist.

Wenn soziales Faulenzen vermieden wird bedeutet Team „Together eveyone achieves more“ anstelle von „Toll ein anderer macht’s“!


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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