Stress durch Hektik – Der innere Antreiber „Mach schnell“

Hektik ist im Arbeitsalltag für die meisten Menschen völlig normal geworden. Um die Arbeitslast irgendwie zu bewältigen, werden Aufgaben so schnell wie möglich erledigt und am besten noch mehrere gleichzeitig. Das zieht sich dann gerne auch mal in den Feierabend. Dann wird beim Einkaufen eben noch ein Rückruf gemacht oder beim Essen die Mails gecheckt. Hauptsache man tut noch etwas. Und das möglichst schnell.

Dabei vergessen wir oft: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“. Es gibt Dinge, die sich nicht durch uns beschleunigen lassen. Und Hektik ist kein Garant schneller, wenn überhaupt ans Ziel zu kommen. Lesen Sie hier, wie Sie mit dem inneren Antreiber „Mach schnell“ umgehen können und Ihr Leben auf ein gesundes Tempo entschleunigen.

Der innere Antreiber „Mach schnell“ und seine Folgen

Hektik ist wie eine Abwärtsspirale. Je schneller wir etwas erledigen wollen, desto mehr Fehler passieren und wir werden dadurch langsamer auf dem Weg zum Ziel. Das treibt nur noch mehr zu Tempo an und wir drängen uns immer weiter zu noch mehr Hast. Allerdings ist das Leben ein Marathon und kein Sprint. Sie haben nichts davon, wenn Ihnen auf halber Strecke die Puste ausgeht und Sie durch ein Burn-out komplett zum Stillstand kommen.

Was ist der innere Antreiber „Mach schnell“?

Innere Antreiber sind Glaubenssätze, die wir verfolgen. In der Transaktionsanalyse nach Eric Berne gibt es fünf innere Antreiber, nämlich „Mach schnell“, „Sei perfekt“, „Mach es allen recht“, „Streng Dich an“ und „Sei stark“. Im Grunde genommen verkörpern alle Antreiber positive Eigenschaften. Schließlich ist das Streben nach Schnelligkeit und Weiterentwicklung nichts Schlimmes. Allerdings führt übermäßige Hektik und ständige Unruhe zu Stress. Insbesondere dann, wenn wir uns nicht genügend Regeneration gönnen.

Jeder Mensch besitzt die Antreiber, die individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Menschen mit dem Antreiber „Mach schnell“ haben einen besonderen Fokus auf die Zukunft. Das heißt, Fortschritt und Dynamik sind wichtige Werte. Doch das bedeutet auch, dass sie selten im Hier und Jetzt leben. In Gedanken immer schon beim nächsten Schritt, bei der nächsten Aufgabe und beim nächsten Termin zu sein, lässt ein chronisches Gefühl des Hinterherhinkens zurück.

Menschen mit dem Antreiber, auch Hektiker genannt, lassen sich vor allem an ungeduldigen Gesten und Unruhe erkennen. Natürlich muss ein wippendes Bein oder mit den Fingern auf der Tischplatte zu klopfen nicht zwangsläufig ein Anzeichen für den Antreiber sein, weist dennoch oft auf innere Unruhe hin.

Vorteile von innerer Eile

Ein innerer Antreiber muss nicht gleich zum Problem werden. Die Ressourcen von „Mach schnell“ zu nutzen, kann sich positiv auf die Arbeit auswirken. Hektiker können beispielsweise gut mit Zeitdruck umgehen und über einen gewissen Zeitraum hinweg ein hohes Arbeitstempo aufrechterhalten. Sie wissen Zeit und Chancen zu nutzen.

Auch in Teamarbeit kann der Antreiber nützlich sein. So bringen Menschen mit dem Antreiber oft Dynamik und Flexibilität in ein Team. Schnelle Lösungsansätze sind ihre Stärke, ebenso wie eine hohe Effektivität.

Die Nachteile von „Mach schnell“ – Hektik, Unruhe und Stress

Doch bei den inneren Antreibern macht die Dosis das Gift. So kann die Haltung, sich beeilen zu wollen, zu einem Zwang werden. Wer sich permanent und immer beeilt verfällt in unorganisierte Hektik. Das Resultat sind vermehrte Fehler und versuchtes Multitasking. Daraus folgt, dass Aufgaben erneut erledigt werden müssen, Aufgaben sich stapeln und Menschen so nur immer weiter in Hektik verfallen.

Zum hausgemachten Stress, durch den Druck alles möglichst schnell zu erledigen, kommt der Stress, den Hektiker an ihr Umfeld abgeben. Die Zusammenarbeit mit Kollegen leidet unter dem Zugzwang des Hektikers. Andere Menschen sind ihm zu langsam, halten auf oder stehlen Zeit. Auch in der Kommunikation zeigt sich das, denn Hektiker sprechen viel und schnell, um möglichst wenig Zeit zu vergeuden. Das führt dazu, dass sie ihr Gegenüber nur selten zu Wort kommen lassen und erst recht nicht auf Gesagtes reagieren. Außerdem stecken sie mit ihrer Hektik an und beeinflussen damit auch das Stresslevel der Mitmenschen.

Ein weiterer großer Nachteil eines aktiven Antreibers ist das ignorieren von Bedürfnissen. Gerade Regeneration kommt bei Hektikern oft zu kurz. Der Gedanke „Wer rastet, der rostet“ verhindert sich auch mal Ruhe zu gönnen und zu genießen. Sogar der Gang zur Toilette muss dann schnell erledigt werden, damit man bloß Zeit einspart. Innere Unruhe wird zum ständigen Begleiter des Hektikers und erschwert somit auch das Abschalten.

Wie Hektik uns stresst

Wie denken Sie Ihre Zeit? Diese Frage mag Sie vielleicht irritieren, bringt bei genauem Überdenken jedoch eine wichtige Erkenntnis. Einstein erkannte schon „Zeit ist relativ“, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Jeder Mensch von uns hat 24 Stunden mit jeweils 60 Minuten mit jeweils 60 Sekunden am Tag. Wie komisch zu denken, man hätte keine Zeit.

Wie wir Zeit wahrnehmen

Der innere Antreiber „Mach schnell“ suggeriert uns, wir hätten zu wenig Zeit. Und das immer und für alles. Eine Ursache für diesen Glaubenssatz liegt in der Kindheit. Menschen mit diesem Antreiber haben gelernt, dass sie sich beeilen sollen – durch ungeduldige Kommentare der Eltern, oder weil sie stets zu langsam im Diktat waren zum Beispiel.

Dabei würden wir Menschen, die gerne schnell Dinge erledigen nicht immer gleich als Hektiker abstempeln. Das liegt wohl daran, dass in unserer Gesellschaft generell ein Gefühl vorherrscht, Zeit sei ein viel zu knappes Gut. „Zeit ist Geld“, wie es so schön heißt. Ständige Erreichbarkeit und permanente Vernetzung führt dazu, dass unser Arbeitstag kaum ein Ende hat und Frei-Zeit genau so bemessen wird, wie Arbeitszeit. Das führt dazu, dass wir uns viel weniger Freizeit oder wertvolle Ich-Zeit gönnen. Denn jede Pause bedeutet Stillstand. Für einen Hektiker kaum zu ertragen.

Hektik bedeutet nicht Schnelligkeit

Menschen mit dem Antreiber „Mach schnell“ erledigen gerne mehrere Dinge gleichzeitig. Das Paradoxe ist, dass dieses vermeintliche Zeitersparnis Prozesse nur verlängert. Multitasking ist uns biologisch nicht möglich. Obwohl unser Gehirn erstaunliche Fähigkeiten besitzt, können wir uns nur auf eine Sache konzentrieren.

Wenn wir versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten passieren Fehler, weil wir unkonzentriert sind. Es dauert zudem auch länger, da wir quasi immer wieder von Vorn mit dem Denkprozess anfangen. Und zusätzlich verursacht Multitasking Stress. Das bedeutet die Überforderung des Gehirns vermischt mit ständigen Unterbrechungen. Es ist also ein völliger Irrglaube, dass Multitasking schneller oder effizienter mache.

Hektik tut unserem Körper nicht gut. Wir haben nichts davon, das Essen so in uns hineinzuschlingen, dass uns schlecht wird. Oder Toilettenpausen in Rekordzeit zu absolvieren. Das ist nicht der Sinn einer Pause und beschneidet wichtige Bedürfnisse, die unsere Gesundheit stärken. Zudem ist Schnelligkeit nicht immer ein Vorteil. In dem Spruch „Gut Ding will Weile haben“ steckt viel Wahrheit.

Mit Resilienz zu mehr Entspannung und Zufriedenheit

Schnelles und effizientes Arbeiten ist vorteilhaft. Wohingegen Hektik uns stresst, verlangsamt und so noch mehr Druck erzeugt. Warum nicht also die innere Haltung ändern?

Menschen funktionieren nicht vollkommen logisch. Innere Antreiber lassen sich nicht von heute auf morgen abschalten, es braucht dafür einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst, dem eigenen Antreiber und Geduld im Training. Resilienz ist dabei die Fähigkeit, sich gegen Stress zu schützen und einen gesunden Umgang mit der inneren Stimme zu pflegen.

Zeit selbst einteilen

Einer der wichtigsten Erlauber für einen guten Umgang mit dem „Mach schnell“-Antreiber ist: „Meine Zeit gehört mir“. Hektik resultiert insbesondere aus dem Gefühl heraus, wir müssten unsere Zeit effizient ausnutzen, um etwas möglichst schnell zu erreichen – meist für andere. Sich selbst die eigene Zeit einzuteilen lässt sich tatsächlich durch Änderungen im Sprachgebrauch trainieren.

„Mal eben“ und „schnell“ aus dem Wortschatz streichen

Wie oft ertappen Sie sich dabei, dass Sie „mal eben“ noch etwas erledigen, „mal kurz“ wohin müssen, oder „schnell noch“ ein Telefonat abfertigen? Viele Aufgaben schnell erledigen zu wollen beginnt schon damit, wie wir darüber sprechen.

Eine Übung, die Sie wunderbar in den Alltag integrieren können, um Ihrer Hektik zu entkommen, ist die Worte „mal eben“, „schnell“ und „kurz“ aus dem Wortschatz zu streichen. Sie gehen dann nicht „mal kurz“ auf die Toilette, sondern nehmen sich die Zeit, die Ihr Körper nun mal braucht. Teilen Sie diese Ruhe ruhig anderen Menschen mit. Sie geben sich damit nicht selbst ein Zeitlimit, was zu deutlich mehr Entspannung führt. Übrigens auch beim Gegenüber.  

Achten Sie auch darauf, wie oft in Ihrem Umfeld „schnell“, „kurz“ und „eben“ verwendet wird. Wenn Sie mit der Übung noch einen Schritt weiter gehen wollen für den maximalen Trainingseffekt, halten Sie immer dann extra inne, sobald Sie eines dieser Wörter hören. Atmen Sie tief durch, und machen dann weiter. Das wird Ihnen zunächst komisch vorkommen, doch den Effekt werden Sie bald spüren.

„Nein“ oder „Ja und“ sagen

Menschen mit dem inneren Antreiber „Mach schnell“ leiden oft auch unter dem damit einhergehen Kredo „Mach viel“. Das heißt, sie sagen selten „nein“ zu Bitten und Aufgaben. Das führt jedoch, besonders bei der fehlenden Organisation durch Hektik und Unruhe dazu, sich zu überfordern. Und das bedeutet noch mehr Stress.

Eine Möglichkeit dem zu entgehen ist das Nein-Sagen zu trainieren. Besonders in Verbindung mit dem Antreiber „Mach es allen Recht“ ist das eine Herausforderung. Denken Sie hierbei daran, dass ein Nein zu anderen gleichzeitig ein Ja zu sich selbst und den eigenen Bedürfnissen ist.

Für einen selbstbestimmten Umgang mit Zeit kann es außerdem helfen, folgenden Satz zu trainieren. „Ja, ich kümmere mich um die Aufgabe/ die Bitte/ das Anliegen, UND ich mache das, wenn ich dafür Zeit habe!“ Damit geben Sie Ihrem Drang „Ja“ zu sagen nach, doch Sie signalisieren auch, dass alles eine bestimmte Zeit braucht. Sie teilen sich diese Zeit selbstbestimmt ein und verfallen So auch weniger in Zugzwang, alles sofort und noch nebenher zu erledigen. Kurz um: Sie sorgen für mehr Entspannung.

Pausen trainieren

Regeneration ist eine der wichtigsten Ressourcen für einen starken Umgang mit Stress. Wir sind wesentlich anfälliger für Stress, Probleme und Krisen, wenn wir wenig Energie haben. Und der Antreiber „Mach schnell“ kostet sehr viel Energie. Pausen und aktives Entschleunigen sind die besten Mittel, um die Energiereserven aufzufüllen.

Sich Ruhe erlauben

Die Voraussetzung für erholsame Pausen ist für Hektiker, sich Ruhe zu erlauben. Wenn wir ständig auf 180 durch das Leben rennen, fühlt sich Stillstand unnatürlich an und fördert die Unruhe nur. Diese können Sie lösen, indem Sie sich selbst erlauben: „Ich darf mir Zeit nehmen“. „Ich darf Pausen machen und Energie tanken“.

Sehen Sie es hier von der praktischen Seite: Ausgeruht lässt es sich deutlich schneller vorankommen. Trainieren Sie die Erlauber, um Entspannung zuzulassen. Je niedriger das Stresslevel, desto mehr verschwindet die Hektik und Aufgaben können organisiert und ruhig angegangen werden, auch mit dem Bestreben sie zügig zu erledigen.

One-Minute-Meditation

Eine Soforthilfe bei Hektik und Stress ist sich zur Ruhe zu zwingen. Nehmen Sie sich dafür nur eine Minute Zeit, in der Sie absolut nichts machen. Atmen sollten Sie schon, doch mehr auch nicht.

Achten Sie bewusst nur auf Ihren Atem. Schließen Sie die Augen und versuchen Sie so still wie möglich zu sein. Diese eine Minute von 1440 am Tag können Sie dazu nutzen, Ihren Stress herunter zu regulieren, aus dem Hektikkreislauf auszubrechen und so zu Ihrer Entspannung und Zufriedenheit beitragen.

Antreiber würdigen und verabschieden

Ein resilienter Umgang mit dem inneren Antreiber „Mach schnell“ heißt, sich selbst aufmerksam beobachten und den Antreiber in unpassenden Momenten zu lösen. Dazu gehört, dass Sie ihn mit einer wertschätzenden Haltung erkennen und verstehen. Hierzu helfen die Fragen:

Wofür ist der Antreiber gerade gut?
In welchen Situationen war er mir hilfreich?

Der nächste Schritt für mehr Entspannung und Wohlbefinden ist es dann, sich von dem Antreiber zu verabschieden. Denken Sie hier an die Erlauber „Meine Zeit gehört mir“ und „Ich darf mir Zeit nehmen“. Sie erlauben sich damit, Hektik herunterzufahren, zu innerer Ruhe und Zufriedenheit zu kommen.

Das eigene Lebenstempo herunterzufahren hat den Vorteil, dass Sie auf Ihrem Weg durchs Leben viel mehr Dinge wahrnehmen, an denen Sie vielleicht sonst vorbeigerauscht wären. Sie erfüllen Ihre Bedürfnisse und wertvolle Wegbegleiter und Herzensmenschen können so viel besser mit Ihnen Schritt halten. Gönnen Sie sich und Ihrem Antreiber eine Pause mit einer starken Resilienz.

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