Perfektionismus – Der innere Antreiber „Sei perfekt“

Perfektionismus bedeutet das Streben nach Perfektion. Dabei gelten Fehler als persönliches Versagen und oft ist das Erreichte einfach nicht gut genug. Für viele Perfektionisten entwickelt sich aus dem Streben allerdings ein Zwang – und das bedeutet Stress.

Hierbei spielt der innere Antreiber „Sei perfekt“ eine wichtige Rolle. Lesen Sie hier, wie Sie resilient mit dem Antreiber umgehen können und so endlich zu Entspannung und Zufriedenheit gelangen.

Der innere Antreiber „Sei perfekt“ und seine Folgen

Perfektionismus ist ein Teufelskreis. Es ist eine ewige Jagd nach Vollkommenheit, die es in so einer komplexen und schnellen Welt einfach nicht geben kann.

Was ist der innere Antreiber „Sei perfekt“?

Jeder Mensch verfügt über eigene Antreiber. Nach der Transaktionsanalyse gibt es fünf Stück, die eigentlich positive Eigenschaften repräsentieren. Wie in diesem Fall Genauigkeit und Fehlerlosigkeit. Doch die Kehrseite der Antreiber ist es, dass sie Stress verursachen, wenn wir ihnen nicht gerecht werden können. 

Die Antreiber sind unterschiedlich stark ausgeprägt, und bei sogenannten Perfektionisten dominiert die innere Haltung immer perfekt sein zu müssen. Für Perfektionisten kann das zur echten Herausforderung werden. Teamarbeit oder Schnelligkeit im Beruf lassen sich mit Perfektionismus nur schwer vereinbaren. Dabei ist nicht alles schlecht an dem Streben nach Perfektion. Ein resilienter Umgang mit dem inneren Antreiber löst Stress und ermöglicht es dem Perfektionisten schließlich doch mit sich zufrieden zu sein.

Vorteile des Perfektionismus

Der hohe Anspruch an sich selbst und seine Leistungen kann durchaus Vorteile haben. Perfektionisten sind oft sehr erfolgreich in ihrem Können und erbringen sehr gute Leistungen. Besonders in Berufen oder bei Tätigkeiten, die hohe Konzentration und Genauigkeit erfordern, blühen Perfektionisten regelrecht auf.

Neben der hohen Qualität der Arbeit birgt Perfektionismus einen weiteren Vorteil. Durch den hohen Anspruch an sich selbst legen Perfektionisten die Latte immer ein kleines Stück höher. Das fördert die Weiterentwicklung und bestärkt die Fähigkeit, jeden Tag sein bestes Ich zu sein.

Nachteile des Perfektionismus

Dagegen führen hohe Ansprüche an sich selbst auch oft zu Frust. Perfektionisten verlassen häufig den realistischen Rahmen ihrer Anforderungen – mit dem Resultat das eigene Ziel nie erreichen zu können. Das führt zu einer Abwärtsspirale aus Streben, Stress und Scheitern, die nicht selten in einem Burn-out endet.

Außerdem birgt der Umgang mit Fehlern einen weiteren großen Nachteil. Denn Perfektionisten sehen Fehler nicht nur als Versagen, sondern beziehen dieses Versagen auf die eigene Person. Der Antreiber heißt schließlich nicht „Mache alles perfekt“ sondern „Sei perfekt“. Mit dieser inneren Haltung vermindern Fehler den Selbstwert, der ein wichtiger Bestandteil für psychische Gesundheit darstellt. Dabei sind Fehler schlichtweg menschlich und bieten die Möglichkeit zum Lernen. Jedoch ist es für Perfektionisten hart, diese Perspektive zu akzeptieren.

Wenn der Perfektionismus uns ausbrennt

Wenn wir ständig nach Perfektion streben führt das dazu, dass wir dauerhaft unter Stress stehen. Schließlich machen alle Menschen Fehler und in bestimmten Situationen, beispielsweise wenn es schnell gehen muss, kann der Perfektionist seinem Zwang nicht nachkommen. Dieser Langzeitstress ist die Ursache für Burn-out.

Workoholismus durch Perfektionismus und Motivation

Großer Erfolg zeichnet sich durch Leidenschaft, Ehrgeiz und Engagement für den Beruf aus. Mit diesen Eigenschaften erreichen Menschen herausragende Leistungen. Doch auch sie lassen sich übertreiben und können im Workoholismus enden.

Diese ‚Arbeitswut‘ besteht nicht einfach nur aus hart und viel arbeiten, sondern sie beinhaltet auch die Arbeit nicht beenden zu können. Gerade Menschen mit dem „Sei perfekt“-Antreiber nehmen ihre Arbeit lieber mit nach Hause, um sie zu perfektionieren, statt Fünfe mal gerade sein zu lassen.

Doch das nicht abschalten können – weder physisch noch mental – hat gravierende Folgen auf unseren Körper und Geist. Schlaf, die wichtigste Regenerationsquelle, wird dann nicht mehr wichtig genug genommen bzw. kommt es zu Schlafstörungen. Und Freizeit wird dank der technologischen Vernetzung auch zum Dauerbüro. Ständiges Arbeiten, nicht abschalten und dabei noch den eigenen Ansprüchen hinterherjagen führt früher oder später zum ausbrennen. Darunter leiden dann nicht nur Spaß und Leistungsfähigkeit, sondern auch die Gesundheit.

Perfektionismus und hohe Motivation sind eine Kombination an Eigenschaften, die ohne eine starke Resilienz früher oder später zum mit einem Burn-out enden.

Die Antreiber-Falle

Man kann sich Perfektionismus auch wie ein Hamsterrad vorstellen. Aufgrund der immer neuen und hoch gesteckten Maßstäbe kommen Perfektionisten nie wirklich ans Ziel und treten dabei wie in einem Hamsterrad auf der Stelle. Doch warum tun Perfektionisten sich das selbst an?

Nach dem Big-5-Persönlichkeitsmodell ist Perfektionismus eine Persönlichkeitseigenschaft und gilt damit sogar als zum Teil vererbbar. Der springende Punkt ist allerdings, dass beim Perfektionismus zwei Dimensionen zum Tragen kommen. Nämlich:

  • Die Gewissenhaftigkeit: Das Streben nach Vollkommenheit.
  • Der Neurotizismus: Das zwanghafte Vermeiden von Fehlern aufgrund von Verletzlichkeit.

Das Zusammenspiel der beiden Faktoren bedingt einen Perfektionismus, der uns regelrecht in eine Falle drängt. Für Menschen mit diesem Antreiber ist es also sehr schwer, sich aus dem Hamsterrad zu befreien und ausnahmsweise nicht alles perfekt machen zu wollen. Doch eine starke Resilienz kann aus der Falle raushelfen.

Mit Resilienz zu mehr Entspannung und Zufriedenheit

Resilienz ist die Fähigkeit, gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Doch es muss nicht erst zum Burn-out, zur Essstörung oder Angstzuständen kommen, damit Resilienz wirkt. Es ist die Kompetenz Stress zu regulieren. Hier lesen Sie, wie Sie ihren Inneren Antreiber „Sei perfekt“ auch mal deaktivieren können.

Umgang mit Fehlern

Die Angst Fehler zu machen, was gleichbedeutend mit Versagen ist, bestimmt häufig das Denken von Perfektionisten. Zwei Eigenschaften der Resilienz helfen dabei, einen besseren Umgang mit Fehlern zu pflegen und damit sich selbst zu entlasten.

Akzeptanz stärken

Sich selbst mit all seinen Macken zu akzeptieren fällt auf Anhieb gar nicht so leicht. Oft sind wir selbst unser schärfster Kritiker und verzeihen uns nur wenig. Ziemlich unsinnig, schließlich verbringen wir mit niemandem so viel Zeit wie mit uns selbst. Und trotzdem würden wir einem Freund Fehler viel eher verzeihen als uns selbst.

Die Selbstakzeptanz ist ein wichtiges Mittel der Resilienz, das uns in einen guten und vergebenden Kontakt mit uns selbst bringt. Fehler sind okay! Sie sind menschlich, unvermeidlich und das Wichtigste: Sie machen uns nicht zu einem wertlosen Menschen. Es hilft dabei, mit Fehlern zu rechnen und sie sich selbst zu erlauben, zur Not auch am Anfang in kleinen Dosen. So stärken Sie Ihre Fehlertoleranz und Selbstakzeptanz.

Fehler als Lernchance begreifen

Ein weiterer Tipp mit Fehlern stressfreier umzugehen, ist sie als Lernchance zu begreifen. Das Umdeuten (Reframing) von Fehlern führt dazu, dass Sie sich schneller einen Fehler verzeihen und sogar noch das Positive daran sehen können. 

Aus Fehlern lernen wir meist sogar mehr als aus Erfolgen. Die besten Erfindungen entstanden aus einer Reihe an Fehlern. Versuchen Sie Fehler daher nicht als Feind sondern als Chance auf Verbesserung und Wachstum zu begreifen.

Fünfe gerade sein lassen

Für einen Perfektionisten klingt das sehr viel einfacher, als es wirklich ist. Doch das Trainieren einer solchen inneren Haltung hilft dabei, Ihren Antreiber auch bewusst ausschalten zu können. Auch hierbei unterstützt eine starke Resilienz.

Defokussieren

Behalten Sie das große Ganze im Auge. Perfektionisten neigen oft dazu, sich an Details aufzuhalten, um auch ja alles perfekt zu machen. Das bedeutet aber auch, das Dinge unnötig lange dauern können, was besonders in der Zusammenarbeit mit anderen zu Stress führt. Eine starke Resilienz hilft dabei öfter mal aus dem Tunnelblick heraus zu kommen und zu defokussieren. Halten Sie Ihre Ziele dafür möglichst klar und einfach.

Auch das Überanalysieren von Problemen ist Nebenwirkung des inneren Antreibers. Das führt zur Prokrastination oder Problemtrance. Machen Sie sich zwischendurch bewusst, was Ihr eigentliches Ziel ist.

Achtsamkeit trainieren

Perfektionismus macht es schwer, wirklich abzuschalten. Immer geht etwas noch besser. Doch Regeneration ist grundlegend für unsere Gesundheit und damit auch die Fähigkeit weiter leistungsstark zu sein. Hierbei hilft es, die eigene Achtsamkeit zu trainieren. Manchen Menschen hilft Yoga oder Meditation, um die Achtsamkeit zu stärken. Anderen helfen diese drei einfachen Fragen:

  • Was war heute gut?
  • Was soll sich gerade nicht ändern?
  • Wofür bin ich dankbar?

Diese Gedanken hebeln das Denken aus, dass nie etwas gut genug ist und stärken die Zufriedenheit.   

Den eigenen Perfektionismus würdigen

Perfektionismus ist nicht grundlegend schlecht. Und genau das ist wichtig für Menschen mit dem „Sei perfekt“-Antreiber. Hohe Ansprüche an sich und die eigene Leistung bringen Wachstum und Erfolg. Es ist bewundernswert, sich einer Aufgabe voll und ganz widmen zu können. Um jedoch das Streben nach Perfektion als Tugend und nicht mehr als Zwang zu empfinden ist es wichtig, das Bestreben zu regulieren.

Den Antreiber erkennen

Um den Antreiber abschalten zu können ist es wichtig zu erkennen, wann er aktiv ist. Mit dem Antreiber Test der Transaktionsanalyse können Sie Ihre Antreiber feststellen. In welchen Situationen fällt es Ihnen schwer, etwas für gut genug zu empfinden?

Antreiber verstehen, würdigen und verabschieden

Wenn Sie herausfinden, wann Sie von dem Gedanken „Sei perfekt“ angetrieben werden, verstehen Sie auch, was Ihnen der Perfektionismus gibt. Sie würdigen damit seine Funktion. Gleichzeitig reflektieren Sie aber auch, dass der Antreiber vielleicht gerade eher hinderlich als förderlich ist. Die Selbstreflektion ist ein wichtiger Teil der Resilienz und stärkt Ihre Fähigkeit, sich selbst Stress zu nehmen.

Sich Imperfektion erlauben

Perfektionismus kann krank machen. Wenn Menschen ständig auf der Suche nach den Superlativen sind und ihr eigenes Wohlbefinden dabei außer Acht lassen, bringt das Stress mit sich. Dieser Stress muss allerdings nicht zu einem Burn-out führen. Resilienz schützt vor Langzeitstress und sorgt für Wohlbefinden und Zufriedenheit.

Dafür ist es wichtig, dem inneren Antreiber „Sei perfekt“ entgegenzuwirken. Erlauben Sie sich ein bisschen Imperfektion! Sie sind liebenswert und wertvoll, so wie Sie sind. Ein Fehler ist kein persönliches Versagen, sondern ein „Ja“ zu Ihrer Menschlichkeit! Wenn Sie das mit Resilienz erkennen, entkommen Sie der Antreiber-Falle und finden so zu mehr Entspannung im Alltag. 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top