Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 48

Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 48Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 48 für Sie zusammengestellt.

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Folge 48: Rethinking: Emotionale Aufrichtigkeit

Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 48

In Folge 48 von Rethinking Resilience“ sprechen Sebastian und Ruben über emotionale Aufrichtigkeit – ein Thema, das im Alltag oft unterschätzt wird, aber entscheidend für mentale Gesundheit und zwischenmenschliche Beziehungen ist. Besonders im beruflichen Kontext – etwa bei Polizei, Pflege oder im Kundenservice – geraten Menschen immer wieder in innere Zwickmühlen: Sie fühlen Ärger, dürfen ihn aber nicht zeigen. Die beiden Resilienzexperten beleuchten in dieser Folge, was emotionale Kongruenz bedeutet, warum sie so wichtig ist und wie sie gelingen kann – ohne sich selbst oder andere dabei zu verlieren.

Warum ist emotionale Aufrichtigkeit wichtig?

Emotionale Aufrichtigkeit bedeutet, das, was innerlich empfunden wird, stimmig und klar auszudrücken. Doch viele Menschen geraten in Spannungsfelder, wenn es darum geht, Ärger zu zeigen – besonders in Situationen, in denen emotionale Zurückhaltung erwartet wird. Ruben beschreibt, wie schwer es ihm fällt, in hierarchischen Kontexten Klarheit auszudrücken, weil er befürchtet, Beziehungen zu gefährden.

Sebastian bringt das Thema auf eine tiefere Ebene: Wer in der Kindheit gelernt hat, dass das Zeigen von Ärger zum Liebesentzug führt, wird ihn als Erwachsener eher unterdrücken. Gleichzeitig sei der Ausdruck von Ärger wichtig, weil er auf Werteverletzungen hinweist. Wird Ärger nicht gezeigt, kann das langfristig zu Verachtung führen – eine emotionale Haltung, die Beziehungen massiv schädigt.

Beide betonen: Es geht nicht darum, Ärger unkontrolliert auszuleben, sondern ihn als Signal für wichtige Bedürfnisse und Werte zu erkennen. In Beziehungen schafft der klare Ausdruck von Emotionen Nähe, wenn er auf Verhalten bezogen bleibt und nicht pauschalisierend wird. Emotional kongruentes Verhalten fördert nicht nur die eigene psychische Gesundheit, sondern auch das Verständnis im Miteinander.

Was bedeutet emotionale Kongruenz und was geschieht, wenn sie fehlt?

Emotionale Kongruenz heißt, im Einklang mit den eigenen Gefühlen zu handeln – weder übermäßig expressiv noch unterdrückend. Ruben verweist auf das Phänomen der emotionalen Dissonanz, etwa in sogenannten Emotionsberufen wie der Polizei oder Pflege: Dort erleben Menschen häufig intensive Emotionen, müssen sie jedoch aus beruflichen Gründen zurückhalten und mit einem Lächeln maskieren.

Dies führe langfristig zu Erschöpfung, Zynismus und Empathieverlust – bis hin zu Burnout. Ruben nennt emotionale Dissonanz „ein ständiges Sich-Verbiegen“, was auch durch Studien gestützt wird. Die Lösung liegt in der emotionalen Ausdrucksflexibilität – also der Fähigkeit, Emotionen kontextgerecht zu regulieren und auszudrücken.

Sebastian ergänzt: Emotionale Gesundheit zeigt sich in der Fähigkeit zur Oszillation – also dem Wechsel zwischen unterschiedlichen Gefühlen. Wird diese Schwingungsfähigkeit starr, spricht man von emotionaler Rigidität. Menschen, die ständig „friedhöflich“ wirken – also übertrieben höflich und friedlich – unterdrücken oft einen wichtigen Teil ihrer selbst

Wie gelingt emotionale Aufrichtigkeit?

Ein zentrales Werkzeug ist laut Ruben und Sebastian die Fähigkeit zur wertebasierten Kommunikation: Wer im Ärger ausdrückt, welches Bedürfnis gerade verletzt wurde (z. B. Respekt, Achtsamkeit oder Klarheit), ermöglicht dem Gegenüber, angemessen zu reagieren. Statt sich in der Rolle des Opfers zu verfestigen, entsteht so ein konstruktiver Umgang mit Konflikten.

Beide heben hervor, wie wichtig es ist, Emotionen nicht zu pathologisieren oder zu dramatisieren, sondern sie als Hinweisschild auf nicht erfüllte Grundbedürfnisse zu verstehen. Die Erfahrung beider zeigt, dass häufig in Resilienztrainings Menschen den Raum nutzen, um ihre Emotionen zunächst funktional auszusprechen, um dann im nächsten Schritt zu reflektieren: Welches Grundbedürfnis – z. B. Orientierung, Bindung, Selbstwert oder Lustgewinn – ist verletzt?

Darüber hinaus braucht es Räume der Resonanz: Orte, an denen Emotionen ohne Bewertung geäußert werden dürfen. Das können Inter- oder Supervisionen sein, aber auch Gespräche mit nahestehenden Menschen. Ruben beschreibt solche Räume als Schutz vor emotionaler Vereinsamung, die nachweislich krank machen kann.

Wozu lohnt sich emotionale Aufrichtigkeit – für mich und andere?

Emotionale Aufrichtigkeit ist ein Weg zur inneren Heimat. Ruben erzählt von einer Schildkröte, die nach tausenden Kilometern Migration zu ihrem Geburtsort zurückkehrt – ein Bild für die Rückbindung an das eigene Selbst. Emotionen sind Teil unserer menschlichen Natur. Wenn wir sie erkennen und stimmig ausdrücken, stärken wir unsere Selbstverbindung und fördern tiefe zwischenmenschliche Beziehungen.

Sebastian beschreibt das mit der Metapher einer meditativen Schildkröte in seinem Bücherregal: weich im Inneren, geschützt nach außen – ein Symbol für Resilienz. Die Fähigkeit, sich selbst kongruent zu erleben und auszudrücken, wirkt wie ein innerer Kompass – gerade in Zeiten voller Spannungsfelder und Widersprüche. Beide machen Mut: Emotionen sind keine Schwäche, sondern eine Kraftquelle – vorausgesetzt, sie werden erkannt, gewürdigt und in wertschätzender Weise geteilt.

Transkript der Folge 48

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:

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Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


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Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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