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ntdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.
HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 42 für Sie zusammengestellt.
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In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.
Folge 42: Recap Resilienz Symposium 2025

In Folge 42 von Rethinking Resilience blicken Sebastian, Ruben und ihr Gast Moritz Hüsken auf das 11. Internationale Symposium zur Resilienzforschung in Mainz zurück. Im Zentrum stehen die Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis, die Idee eines „Living Lab“, prosiliente Trainingsansätze, die Bedeutung von Schlaf und zentrale Orientierungsmodelle wie der Kohärenzsinn nach Antonovsky oder die Stress-/Energie-Fass-Metapher. Die drei reflektieren, wie sich Erkenntnisse aus Psychologie, Neurowissenschaft und angewandten Kontexten übersetzen, testen und iterativ verbessern lassen.
Warum es wichtig ist, Wissenschaft und Praxis zu verbinden
Sebastian, Ruben und Moritz machen deutlich, dass Forschung und Praxis oft in unterschiedlichen Geschwindigkeiten laufen. Während die Grundlagenforschung Zeit braucht, stehen viele Berufe wie Pflege, Polizei oder Militär unter unmittelbarem Handlungsdruck. Moritz betont, dass es durchaus entscheidend sei, Menschen jetzt Wissen und Methoden an die Hand zu geben. Ruben hebt hervor, dass in Mainz viele Diskussionen zurück in die Grundlagenforschung gingen, obwohl auch praktische Lösungen vorgestellt wurden. Für ihn ist die Rolle des Brückenbauers zentral: wissenschaftliche Genauigkeit ernst nehmen, aber zugleich den Transfer in die Anwendung ermöglichen. Sebastian betont, dass wissenschaftliche Fundierung wichtig ist. Es komme darauf an, Evidenzgrade sauber zu unterscheiden und Ergebnisse in einen verständlichen und alltagstauglichen Rahmen zu übersetzen.
Was die drei aus Mainz mitgenommen haben
Ein zentrales Thema war Prosilienz®: also die Fähigkeit, sich proaktiv auf Stresssituationen vorzubereiten. Moritz schildert Beispiele aus dem Militär, wo mit VR-Brillen und Biofeedback-Training Stressreaktionen flexibilisiert wurden. Ein zweiter Schwerpunkt war der Schlaf. Unter dem Titel „Lazy Solutions – Resilience through Sleep“ wurde deutlich, dass Schlaf nicht nur Regeneration bedeutet, sondern auch gezielt genutzt werden kann. Dazu gehören Methoden wie Target Memory Reactivation (TMR), bei der positive Erinnerungen mit einem Reiz (z. B. Duft oder Ton) verknüpft und im Schlaf wieder aktiviert werden. Studien zeigten zudem, dass Schlaf die Verarbeitung von Emotionen und sogar traumatischen Erlebnissen fördern kann.
Weitere Themen waren:
- Metaphern wie das Stress-Fass: einfache, aber wirkungsvolle Bilder, um komplexe Zusammenhänge greifbar zu machen.
- Resilienz-Ebenen in der Unterscheidung zwischen systemischer, organisationaler, Team- und individueller Resilienz.
- Sense of Coherence nach Antonovsky: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit als zentrale Faktoren.
- Prediction Error: Sebastian fasst zusammen, dass Resilienz besonders dann gefragt ist, wenn unsere Erwartungen nicht mit der Realität übereinstimmen.
Wie die Brücke zwischen Forschung und Anwendung gelingt
Ruben beschreibt seinen Seminarraum als Living Lab: ein Ort, an dem wissenschaftlich fundierte Methoden ausprobiert, in den Alltag übertragen und durch Rückmeldungen verbessert werden. Der Ansatz verbindet Forschung und Praxis in einem kontinuierlichen Prozess. Moritz schlägt vor, Bedarfe in Teams und Organisationen zunächst sichtbar zu machen – etwa durch Stress- oder Problemkarten – und darauf basierend Maßnahmen auszuwählen, die Forschung und Praxis miteinander verbinden.
Sebastian ergänzt, dass interne Evidenz – also das eigene Erleben von Wirksamkeit – ebenso wichtig ist wie externe Evidenz. Er verweist auf kleine Interventionen wie Atemübungen, Blaulichtfilter-Brillen oder kurze Routinen vor dem Schlafengehen, die für viele Menschen sofort spürbar wirken.
Wozu dieser Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis dient
Am Ende wird deutlich: Der Dialog zwischen Forscherinnen und Forschern und Praktikerinnen und Praktikernschafft nicht nur neues Wissen, sondern macht Resilienz lebendig.
- Für die Wissenschaft bedeutet es, Ergebnisse schneller in den Alltag zu bringen.
- Für die Praxis bedeutet es, Interventionen auf eine solide Grundlage zu stellen und zugleich auszuprobieren, was funktioniert.
- Für Organisationen bedeutet es, Resilienz systemisch zu denken – vom Individuum bis zur Struktur
Sebastian fasst es zusammen: Resilienz braucht es immer dann, wenn die Vorhersage nicht stimmt – wenn das Leben anders verläuft, als wir erwarten. Genau in diesem Moment liegt die Chance, mit Weisheit, Handlungsfähigkeit und Sinn zu reagieren.
Transkript Folge 42
Hier finden Sie das vollständige Transkript zur Folge:
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Hallo, lieber Ruben. Und wir haben einen Gast, der mehr ist als ein Gast, der zum Glück ein steter Begleiter auf dem Wege ist. Und ja, wo ich auch immer wieder die große Freude habe, mit dir, lieber Moritz, ja, viel Kontakt zu haben mit deiner wissenschaftlichen Expertise als Kooperationspartner der Resilienz Akademie, als Mitentwickler von bestimmten Themen.
Moritz Hüsken. Hallo, Moritz.
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Hallo, Sebastian. Hallo, Ruben. Danke, dass ich dabei sein darf.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Ist längst überfällig aus meiner Sicht, oder, Ruben?
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Ja, definitiv. Ja, Mauritz ist für mich jemand, der Wissenschaft extrem gut lebt und auch diese Brücke so schon schlägt in die Praxis und da ein stetiger Begleiter ist. Das ist wunderbar für mich auch in meiner Arbeit, mit ihm einen Denkraum zu öffnen. Sei es gerade, als wir zweieinhalb Stunden gefahren sind, auf dem Weg zurück aus Mainz wieder nach Köln. Du bist ja auch ein Kölscher Jung, beziehungsweise jetzt ein Wahlkölscher Jung. Aber ich glaube, Mauritz, für diejenigen, die dich nicht kennen, ist es, glaube ich, mal eine ganz, ganz tolle Sache, wenn du dich vorstellst, was so relevant ist und mal einen Einblick damit gibst, warum haben wir miteinander zu tun und wie haben wir miteinander zu tun und was ist so dein Hintergrund?
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Ja, wunderbar. Erstmal ganz, ganz liebe, warme Worte zum Willkommen. Da fühle ich mich sehr gesehen, sehr gewertschätzt. Genau, du hast ja gerade schon gesagt, Kölscher Jung. Das stimmt nicht so ganz. Ich bin zugezogen, hatte allerdings berufliche Gründe, nämlich ich arbeite an einem Forschungsinstitut in Köln. Ich komme ursprünglich aus der Pflege, das heißt, ich habe auf einer Intensivstation gearbeitet, in einem Setting, wo man sehr mit Stress auseinandergesetzt ist und wo man auch viel Resilienz braucht. Und da habe ich mir mal die Frage gestellt, ja, okay, aus der Forschung, da muss es doch irgendwie etwas geben, um den Leuten etwas an die Hand zu geben, um mit diesem Stress besser umzugehen. Und da ist für mich die Intention entstanden, mich mit dem Thema Resilienz auch wissenschaftlich weiter auseinanderzusetzen. Und ich arbeite an diesem Institut 50 Prozent und nebenher investiere ich meine Zeit in mein Herzensthema Resilienz und promoviere auch zu dem Thema und versuche, die Themen in die Welt zu bringen.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Ja, und wir sind irgendwie uns begegnet über die junge Pflege. Du warst auch viel im Pflegebereich berufspolitisch unterwegs und so sind wir uns irgendwann immer wieder über den Weg gelaufen. Und so hat sich der Kontakt und ich glaube auch so ein bisschen deine Liebe zur Resilienz entwickelt und vertieft. Und ja, du promovierst da jetzt drin, du entwickelst ganz viel auch pflegerelevante Themen. Und ja, das finde ich, weil die Pflege, glaube ich, also es brauchen alle Menschen. Und die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt oder letzten Jahrzehnten, muss man ja fast schon sagen, dass gerade in diesen helfenden Berufen, die sehr, ja, sich als belastet erleben, und gleichzeitig, wo es viele Faktoren gibt, die schwächend, aber auch die stärkend sein können, dass es da wichtig ist, auf wissenschaftlicher Grundlage Ideen anzubieten, wie man es messen kann und dann gleichzeitig auch daraus Interventionsprogramme abzuleiten. Habe ich das so richtig zusammengefasst?
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Definitiv. Und es ist ja eine Komponente, du hast es gerade angesprochen, Berufspolitik. Politik im Allgemeinen ist natürlich etwas, die Mühlen mahlen sehr lang und es steht ja auch immer auf der anderen Seite, wie schafft man das, Veränderungen auf den Weg zu bringen? Und da ist Wissenschaft nun mal eine gute Überzeugungsgrundlage. So, und das, wo ich gemerkt habe, vielleicht brauchen Prozesse zu lang, um sich zu entwickeln, den Leuten trotzdem etwas an die Hand zu geben, um mit diesem Spannungsfeld besser umzugehen. Und ja, sozusagen ist das für mich auch eine Form von Selbstwirksamkeit, da wo ich vor Barrieren in der Politik gestoßen bin, da wo vielleicht Entwicklungstendenzen mir zu langsam gehen, da dann zu gucken, okay, was kann man denn jetzt ganz akut machen?
Das ist definitiv so meine Sinnhaftigkeit hinter meiner Arbeit, nämlich Wissenschaft an die Menschen zu bringen, zur Verfügung zu stellen, um einen guten Unterschied in der Welt zu machen.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Ja, und die wissenschaftliche Fundierung, wie wir das ja auch bei uns in der Resilienzakademie nennen, ist ja immer auch so eine Frage, ja, wenn man dann sagt, wissenschaftliche Studien belegen, so, oder die NASA oder Harvard-Professoren. Da spielt man ja relativ schnell mit so einem, ich will es jetzt nicht Bullshit-Bingo-Spiel sagen, aber es ist natürlich sehr differenziert zu betrachten, ob das jetzt irgendwie ein Tierexperiment mit Mäusen oder was auch immer war, was man dann irgendwie auf den Menschen überträgt und so weiter und so fort, oder welche Form von Evidenz es da gibt. Da sprechen wir vielleicht heute auch noch drüber. Wir waren zu dritt gerade bei dem 11. Internationalen Symposium über das Thema Resilienzforschung, also 11. International Symposium on Resilience Research, New Challenges, New Solutions, also neue Herausforderungen, neue Lösungen.
Wir waren zusammen in Mainz zu Gast bei dem lieben Prof. Dr. Raffael Kalisch, Leiter von dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung und auch der Begründer dieses Symposiums. Und was mich da sehr begeistert hat, war auch nicht nur die Vielfalt der Beiträge, sondern die inhaltliche Ausrichtung, auch die wissenschaftliche Denke, weil wir sagen ja immer so, ja, das sagt die Wissenschaft. Und genau, was das ist, wie das aussieht, mit welchen Evidenzen da gearbeitet wird und wie man eigentlich Wissenschaft in die Praxis, im Sinne von angewandter Wissenschaft oder wie wir es bei uns nennen, dieses Thema Applied Resilience, da wollen wir heute mal hingucken, wollen unsere Eindrücke schildern.
Und wenn ich dich mal so frage, Ruben, deine Eindrücke, so die Quintessenz. Also eine Sache, das muss ich kurz sagen, da saßen wir und wir sind ja oftmals auf so Speaker-Events und hin und her. Und das, was ich total angenehm fand, war so, wir stöpseln einfach das Laptop um, wir suchen auf irgendeinem Stick noch schnell die Präsentation, kopieren noch was schnell rüber, dann kommt auf dem großen Bildschirm, da sitzen 120 Leute, egal, wollen Sie alle Dateien ersetzen, eins füllen, ja, egal. Also das finde ich auf so eine ganz schöne Art und Weise menschlich, praktisch. Und da geht es nicht um Show, da geht es um Inhalt. Und das fand ich so herrlich, weil die Vorträge, alle, die ich gehört habe, fand ich extrem brillant, jeweils auf dem Vortrag eigene Weise.
Von daher, das hast du schon gesagt. Was ist so dein Resümee? Vielleicht machen wir eine kurze Resümeerunde und gehen dann so auf diese wissenschaftlichen Fragen. Ja, Ruben, bitte.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Also für mich ist mein Resümee vor allen Dingen, ich liebe dieses Gefühl, in einem Raum zu sitzen, wo ganz viele Menschen sind, die sehr viel klüger sind als ich in einem bestimmten Thema. Also die sehr viel tiefer sich auskennen in einer Thematik, wo ich einfach extrem viel lernen kann, wo ich auch häufiger in einem Zustand der Verwirrung auch entsprechend war, ja, was die Tiefe von bestimmten Themen angeht. Aber genau diese wissenschaftliche Denke, diese Differenzierungsgenauigkeit, was Definitionen angeht und genau diese Frage, wie habt ihr das jetzt gemessen, wie habt ihr das operationalisiert, wie kann man das vergleichen, was mir natürlich auffällt, ist vor allen Dingen dann auch in den Fragerunden, dass immer wieder sehr auf die Grundlagenforschung angesprungen wird.
Ja, da leuchten die Augen der Menschen, die in dem Raum da drinnen sind. Und in der ersten Session, wo es ja um das Thema Solutions for the operational forces resilience in high stakes environments ging, also ganz viel Resilienz in Militär, in Polizei und so weiter, wo es ganz viele praktische Implikationen gab, dass da die Fragen nicht so groß waren und nicht so viel waren, sondern auch wieder so in die Grundlagen dann entsprechend reingeht. Also die wissenschaftliche Denke in dem Raum hatte nicht so stark den Applied Focus, auch wenn ich diskutiert habe mit Forscherinnen und Forschern vor Ort.
Ja, da kommen ja Menschen aus aller Welt. Ja, ich habe mit einer spanischen Forscherin geredet, mit polnischen, mit holländischen, australischen und so weiter und so fort. Um da wirklich eine Aussage rauszubekommen aus den Leuten, wo du mit was anfangen kannst, was Handfestes, wo du das jetzt in die Praxis übertragen kannst, ist manchmal schwierig. Und deswegen finde ich das ganz, ganz wichtig, diese Rolle des Brückenschlagers oder Brückenbauers zu haben, um diese beiden Welten miteinander zu verbinden. Und das finden die Leute vor Ort auch gut
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Wie war es für dich, Moritz? Du hast da ja auch über deine ganze Arbeit einen sehr aktuellen Einblick so in die Forschungsbereiche, so breit sie auch im Resilienzstress, Trauma, Burnout im weitesten Sinne im Forschungsbereich sind. Was waren so deine Quintessenz, dein Resümee?
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Ja, ich habe das prinzipiell ähnlich erlebt, wie du, Ruben, wie du es gerade geschildert hast. Also eine ganz klare wissenschaftliche Haltung, die transportiert wird, die auf Entdeckungszusammenhänge hin zielt. Das heißt ganz klar die Fragestellung von, okay, was wissen wir, was wissen wir noch nicht? Und wenn wir etwas herausgefunden haben, welche weiteren Fragen schließen sich daran an? Das heißt, es geht vielmehr um einen Entdeckungszusammenhang als um einen Verwertungszusammenhang. Und Ruben, du hast es gerade so schön beschrieben mit Brückenbauen.
Und ich sehe mich selbst auch zwischen diesen Welten. Also ich kann die wissenschaftliche Sprache sprechen und verstehen. Und für den Bereich der angewandten Resilienz und angewandten Wissenschaft allgemein gesprochen, musste man bei diesem Kongress dann ganz konkret die Augen offen halten, um in diesen Transfer, in diese Übersetzung zu gehen. Und da muss man sagen, das ist ein Symposium, was sich international an die Forschungsgemeinschaft orientiert. Das heißt Psychologen, Psychotherapeuten, Neurowissenschaftler, Menschen, die sich mit Grundlagenforschung auseinandersetzen, weniger um diesen Applied-Bereich. Und das fand ich als eine Metabeobachtung total spannend zu sehen.
Auf einmal sind dort Menschen im Kontext von Militär und Krieg, die sich ganz konkrete Fragestellungen vor die Brust nehmen, weil dort ein konkreter Bedarf ist. Und es viel weniger darum geht, was wird denn langfristig dabei rauskommen, sondern akute Probleme, die akute Antworten, akute Lösungen brauchen. Und das habe ich schon wie so ein Elefanten im Raum erlebt. Das heißt, die Grundlagenforscher, die Angst davor hatten, ja, aber jetzt implementiert ihr ja etwas, wo ihr noch gar nicht wissen könnt, was sind denn die Langzeiteffekte? Ihr wisst doch noch gar nicht, wird das überhaupt eine Wirkung haben? Und die klare Antwort vom Seiten des Militärs, ich meine, das kann man durchaus ambivalent betrachten.
Naja, es ist alles, was wir machen, ist im Endeffekt besser, als wenn wir nichts machen würden, weil es entscheidet über Leben und Tod. Und wenn es funktioniert, dann haben wir etwas gewonnen. Und das fand ich sehr, sehr interessant, auch diese Diskussion, die dann stattgefunden hat, weil die Denke halt anders ist. Und ja, vielleicht auch ein Paradigmenwechsel vielleicht mal auch ausgelöst hat, ja, okay, vielleicht sollten wir die Bedarfe von den Menschen ernster nehmen und unsere Forschung auch viel mehr der Lebenspraxis inorientieren und uns mehr daran orientieren. Und Ruben, wir hatten vorhin ein total spannendes Gespräch im Auto. Das hätte man eigentlich schon sehr gut aufzeichnen können.
Vielleicht kommen wir ja auch noch mal so auf das Thema Evidenzgrade, Living Lab gleich nochmal zu sprechen.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Ja, das kannst du tatsächlich, glaube ich, echt direkt jetzt anführen, weil das ist wirklich ein sehr, sehr guter Anschlusspunkt, Moritz.
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Okay, ja, weil das Thema ist, es gibt ja verschiedene Evidenzen. Sebastian, du hattest es auch einführend gesagt. Und es gibt halt nicht die Wissenschaft, es gibt halt nicht die Erkenntnisse, wo man sagen kann, das ist jetzt eine absolute Wahrheit. Das, wo wir schon auch eine Sehnsucht teilweise nachsehen, ist sowas wie Orientierung und Kontrolle, vielleicht auch für komplexe Probleme eine einfache Antwort zu haben. Und das ist ja die Lieblingsantwort nicht nur von Juristen, sondern auch von Wissenschaftlern. Naja, es kommt darauf an.
Guckt euch den Kontext an. Und das, was man aber aus der Forschung lernen kann, ist, okay, was sind denn die bestverfügbaren Wissensquellen? Was ist denn das bestverfügbare Wissen? Und die Frage ist, wie lange warte ich denn eigentlich, um Menschen dieses Wissen zur Verfügung zu stellen? Ist es ethisch okay, zehn, zwanzig Jahre sich um eine Forschungsfrage drumherum zu kreisen, drumherum zu drehen, bevor man das den Menschen überhaupt gibt, bis man es ausgeforscht hat? Oder sollte man vielleicht nicht auch nochmal dahin übergehen, einfach mal die Dinge auszuprobieren?
Weil das ist ja auch Forschung, Dinge zu nehmen und im Leben zu erforschen. Das heißt, Menschen zur Verfügung zu stellen und in den Abgleich zu gehen. Guckt mal, das wissen wir aus der Forschung. Das können wir annehmen, dass die Forschung uns dort Hinweise gibt. Und ich biete dir das an, als mein Client, als mein Coachee oder auch einfach für mich persönlich. Und ich probiere es erstmal aus und kriege so etwas wie eine interne Evidenz.
Das heißt, ein Erfahrungswissen, ob eine Maßnahme, eine Intervention, eine Technik für mich einen Vorteil gebracht hat oder halt nicht. Und das haben wir bei den Beispielen jetzt aus dem Militär sehr, sehr gut erlebt. Denn die Leute haben das einfach ausprobiert. Und ja, selbst Soldaten, ich sage es mal ein bisschen plakativ, machen eh so. Und Soldaten würden nicht eh so machen, wenn es nicht funktionieren würde. Das heißt, der überzeugende Faktor ist, dass es wirkt und die interne Evidenz sich bewahrheitet hat.
Das heißt, wir hatten eine Passung zwischen dem, was uns die Forschung sagt und was die Personen erlebt haben. Und mein Ansatz, wenn ich jetzt diesen Konflikt dieser Psychologen, Neurowissenschaftler und dem Bereich Militär so einfach mal etwas in die Mitte reinstellen würde, dann wäre das so etwas wie ein Konzept eines Living Labs, also eines lebendigen Labors, wo ich mit den Menschen mitten im Leben, mitten in den Kontexten, im Unternehmen einfach mal gucke, was sind denn die Bedarfe, was sind die Probleme, welche Antworten, welche Hinweise kriegen wir aus der Forschung. Und wir probieren es einfach mal aus mit allem, was die Forschung mit sich bringt. Das heißt, wir testen, wir messen, wir evaluieren und entwickeln weiter aufgrund dieser Ergebnisse. Und so kommt dieses Wissen halt auch an die Menschen.
Weil ich finde es so erschreckend, wie lange es braucht, bis Wissen denn überhaupt in der Praxis ankommt. Also je nach Disziplin unterschiedlich, aber teilweise bis zu zehn Jahren. Und dann wissen wir, die Halbwertszeit von Wissen, gerade in der Medizin, sind vier, fünf Jahre. Also eigentlich, wenn das Wissen in der Praxis ankommt, ist es eigentlich schon fünf Jahre überholt. Und ich finde, da müssen wir weg von kommen und hin zu einer direkteren Weiterentwicklung und Nutzung von Forschung.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Ja, und das ist ja auch ähnlich wie zum Beispiel in der Therapie, bis die systemische Therapie irgendwann mal auch sozusagen von den Krankenkassen anerkannt und bezahlt wurde, gleichberechtigt zur Verhaltenstherapie und psychotiefen Psychologie, so, ist ja auch einige Zeit vergangen. Und ich bin da ganz bei dir. Und da denke ich so, die Schönheit an unserem Beruf liegt ja darin, dass wir in die Wissenschaft gucken, uns da die Prinzipien an und transferieren die nach Ausprobieren, nach Selbererfahren, nach Ausprobieren mit Kolleginnen und Kollegen, den Peers und so weiter. Aber auch nach so einer Stimmigkeitslogik. Also wie du es so schön gesagt hast, der internen Evidenz. Wenn ich so das Gefühl habe, ja, das macht für mich einen relevanten Unterschied, dann mache ich das.
Und da hilft mir immer diese Interventionsdefinition von Gunther Schmidt, der sagt, Intervention ist das Einfügen von relevanten Unterschieden in bestehende Muster. Und wenn ich so das Gefühl habe, dass etwas vielleicht nach dem Wirkprinzip der bifokal-multisensorischen Interventionen einen Unterschied macht, wirkt, dann probiere ich das aus, dann nutze ich das und merke so, guck mal, cool, das funktioniert auch. Sodass eigentlich dieser Blick auf übergeordnete Wirkprinzipien, also eher so ein Metablick, doch sehr hilfreich ist, um zu sagen, lass mal ein bisschen praktisch werden. Und das Zweite, was ich auch sehe, ist, dass sozusagen immer in sehr engen Korridoren für mich gefühlt, in sehr engen Denk- und Handlungskorridoren gearbeitet wird, weil natürlich hat es auch Vorteile, bitte, aber dieses sozusagen aufbauend auf das Bisherige. Also man bleibt in bisherigen Denkschulen, man bleibt in bisherigen Argumentationslinien. Dadurch kann aber nicht grundlegend so schnell was Neues, was vielleicht auch Revolutionäres entstehen.
Ich fand so einen Moment ganz süß, wo dann so Interventionen dargestellt wurden, so Mini-Interventionen und dann nur so gesagt wurde, ja, das sieht so aus, als hättet ihr auch was aus der positiven Psychologie. Und dann so ein bisschen betreten, also es war so ein bisschen schüchtern, verlegen, auch einfach total zauberhaft so, dann die Referentin so gesagt hat, ja, also, ja, so, und dann so, ja, wie viel, wie viel? Ja, so ein paar, so genau kann ich das gar nicht sagen. Ja, say a number, say a number, 20 percent, 40 percent, 60 percent. Und ich dachte auch so, was spielt denn das für eine Rolle? Also, wer halt hat Recht, ja, wenn es wirkt, wenn es Unterschiede macht, ist doch völlig in Ordnung.
Aber das fand ich dann auch so, also so einen charmanten Moment, wo ich so grinsen musste. Und ich halt auch manchmal glaube, na ja, also, ja, wissenschaftliche Fundierung wichtig. Und ich glaube, wir sind manchmal zu wenig bei diesem Mut, einfach zu sagen, lass uns das mal ausprobieren. Wir gucken nach internen Evidenzen. Macht das für euch einen Unterschied? Und ja, also wir machen das dann später sozusagen. Wir machen sozusagen die Fundierung dann im zweiten Schritt erst und nicht andersrum.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Deswegen finde ich auch dieses Bild des Living Labs, finde ich einfach so schön. Und jetzt mir auch mal als Trainer zu sagen, mach deinen Seminarraum zu einem Living Lab. Ja, also ich gucke mir an in der Auftragsklärung, was sind so die Themen, was sind so die Fragestellungen, wo, was kann ich entsprechend recherchieren, was die Wissenschaft für Lösungen anbietet. Also wissenschaftsbasiert dann entsprechend Lösungen mir raussuchen, die dann in ein Konzept packen, in ein Trainingsdesign packen, wo ich das dann auch in die Umsetzung bringe, wo ich dann denke, okay, okay, das könnte funktionieren, das würde ich jetzt hier mal an der Stelle anbieten. Und dann gemeinsam mit den Personen vor Ort dann schauen, okay, wie kann ich jetzt in meine Alltagsrealität einbauen? Wie kriege ich jetzt den Transfer hin?
Und dann genau diese Rückkopplung zu haben. Deswegen ist auch dieses Konzept, das Konzept des Resilience Guides, finde ich da wirklich super, jemand im Unternehmen dann zu haben, die immer auch diese Rückkopplungsschleifen dann machen, dann wieder sozusagen Daten sammeln und dann an den Resilienztrainer, Resilienztrainerin auch zurückmelden, um dann entsprechend wieder neue Maßnahmen dann aufzubauen, um weiter daran zu arbeiten, dass Resilienz lebendig wird, dass mentale Gesundheit dann da drin lebendig wird und auch genau diese Forschung, was die Balance aus externer und interner Evidenz angeht, dass es damit reinkommt. Deswegen fand ich es einen ganz, ganz tollen Input von Moritz und einen tollen Appell dann danach an mich, mach deinen Seminarraum zu Living Lab, mach deine Coaching-Praxis zu einem Living Lab.
Finde ich ganz toll.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Und auch da natürlich immer diese, die Neugier natürlich, gibt es schon was im wissenschaftlichen Kontext, irgendeinen Wirkmechanismus, ein Wirkprinzip, gibt es was strukturell Ähnliches, was schon funktioniert und natürlich dann immer mit den verschiedenen iterativen Schleifen zu gucken, wir wenden es an, kriegen Feedback, optimieren oder machen mehr vom Gleichen, wenn es funktioniert. Die Idee des Resilienz Guides, den du ja bei uns in der Resilienz-Initiative entwickelt hast, da werden wir unten was verlinken, weil die Resilienz-Initiative ja den Resilienz-Guide so als Kernidee oder Kern, wie sagt man, Multiplikator, Multiplikatoren für die Arbeit und Förderung von Resilienz in Organisationen hat. Mich würde von dir, Moritz, noch mal interessieren, du hast ja da auch die, jetzt die Tage sehr genau zugehört und hast auch sozusagen auch vieles so aus deiner Arbeit und für deine Arbeit mitgenommen.
Was waren so die, so ein paar Quintessenzen von so Wissensjuwelen nennen wir es mal oder Erkenntnis-Diamanten?
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Ja, das ist definitiv eine Sache. Wie gesagt, man musste relativ ganz, also musste konkret nach Ausschau halten. Also es ist ja weniger ein Kongress gewesen für die Praxis, für die Anwender.
Nichtsdestotrotz sind natürlich Wissensjuwelen dabei gewesen, die vor allem ein Stück weit auch die Arbeit an der Resilienz-Akademie bestätigen. So das Thema Prosilienz, also das heißt auch proaktiv für Stress und Krisen sich zu trainieren in der Stressaktivität, in der Resilienz. Das haben wir zum Beispiel gesehen beim Militär, wo die mit virtuellen Reality-Brillen ganz konkrete Stresssituationen erlebt haben und zeitgleich ihr Arousal, also ihr Stressreaktionsmuster flexibilisiert haben. Und dass das in diesen Versuchen immer, immer besser geworden ist, das heißt auch die Möglichkeit, dann in akuten Stresssituationen gelassener mit Stress umzugehen. Aber irgendwann trotzdem der Punkt kommt, wo die Herausforderung, die Gefahr so groß wird, dass eigentlich diejenigen, die nicht diesen Stress mit HRV trainiert haben, trotzdem an diesem Punkt gekommen sind, wo die Reaktion gleich war. Und das macht ja auch Sinn, denn die Leute, die alles weggeatmet hätten, wären wahrscheinlich evolutionär ausgestorben.
Das heißt, es hat ja auch eine Funktionalität, dass wir in gewissen Situationen nicht mehr den Stress so regulieren können, sondern eben dann auch mit den Reaktionsmustern entsprechend reagieren. Also das fand ich tatsächlich nochmal sehr, sehr interessant, auch in der Überzeugungskraft vom Einsatz von Biofeedback, weil diese Versuchsteilnehmenden, das waren auch Polizisten, waren Soldaten, die tatsächlich Biofeedback eingesetzt haben, um auch bewusst zu trainieren und irgendwann dieses Biofeedback weglassen konnten und der Trainingseffekt trotzdem positiv zunahm. Das fand ich sehr, sehr cool.
Und die Bedeutung von Schlaf, das ist jetzt nochmal ein anderes Themenfeld gewesen, das wissen wir ja, dass Schlaf für die Regeneration, Wissenskonsolidierung eine extrem wichtige Rolle spielt, also auch für Resilienz eine wichtige Rolle spielt, aber dass tatsächlich auch Schlaf in einer gewissen Art und Weise utilarisiert werden kann, also nutzbar gemacht werden kann, auch in therapeutischen Prozessen, auch fürs Coaching. Das zum Beispiel mit TMR, das ist eine Target Memory Reactivation, kann man sich ungefähr so vorstellen, dass man vor dem Einschlafen sich an positive, angenehme Situationen zurückerinnert und dann ähnlich wie beim Pavlovschen Hund ein sekundärer Stimulus gesetzt wird.
Das kann ja zum Beispiel eine Glocke sein, das kann ein Aromaspray sein, irgendetwas, was verknüpft wird, was verbunden wird mit dieser Aktivierung dieser Erfahrung. Und wenn man dann schläft und in bestimmten Schlafphasen ist, wie zum Beispiel in der REM-Schlafphase oder in der Non-REM-Schlafphase, wenn dieser Stimulus wieder auftritt, dann kommt es zu einer Reaktivierung dieses Wissens und das fördert Lernen und Integration und das wurde teilweise auch in der Traumatherapie eingesetzt, wodurch die echt gute Effekte hatten, wo sich Trauma in der Valenz, in dem Erleben echt signifikant verändert hat, Lernprozesse sich verändert haben und das fand ich total spannend. Und da habe ich so ein bisschen überlegt, wenn man jetzt sowas wie ein Variable hat und beispielsweise irgendeine Duftspraylampe damit verbinden könnte für die Nacht und das in seinen Haushalt integrieren kann, um zum Beispiel Lernen oder auch die Verarbeitung von unangenehmen Emotionen zu sein. Das wäre richtig, richtig cool, wenn das nämlich genau in dem Moment, wenn man genau in der richtigen Schlafphase, in der REM-Schlafphase, in der Non-REM-Schlafphase ist, auf einmal so ein Duftspray im Schlafzimmer ausgesprüht wird und man dadurch Lernen und Verarbeitung und auch Coaching noch mal mit verbessern könnte.
Das fand ich total spannend als Technik.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Also finde ich auch total spannend, zumal ich, auch wenn du sagst so kurz vorm Schlafen gehen, letztens eine Studie gelesen habe, dass so die letzten sieben Minuten vorm Schlafen gehen und die ersten sieben Minuten so nach dem Schlaf, nach dem Aufwachen noch mal so viel wichtiger sind, also noch mal so viel zentraler sind, weil das was nachts mental passiert, weil es halt so einen stark bahnenden Charakter hat, ob es jetzt genau sieben Minuten sind plus minus.
Aber auch da mal so die Reflexionsfrage an euch, an alle anderen auch, was machst du in diesen sieben Minuten? Also was passiert die sieben Minuten, bevor man sozusagen das Licht ausmacht? Und das finde ich halt auch wieder so interessant und ich bin sehr gespannt auf das Buch von Andrew Schuberman, das heißt, ja meine ich Protokolls oder so oder ein bisschen drumherum, aber das soll nächstes Jahr glaube ich im März, April, Mai irgendwann kommen.
So diese Dinge, die wir wissen, die alle irgendwie eine Fundierung in Zyklen, in Funktionsweisen des Körpers haben, die man dann nutzen kann, um halt ja mentale, emotionale Prozesse zu beeinflussen, finde ich extrem spannend. Vor allem vielleicht, wie war es für dich?
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Achso, ja sag mal. Vielleicht noch kurz dazu, weil ich das gerade vergessen hatte, zu sagen und vielleicht auch für einige Zuhörer ein Thema sein könnte, nämlich das Thema Grübeln, Rumination. Das war nämlich tatsächlich ein positiver Nebeneffekt, genau von dem, was ich gerade wiedergegeben habe, sich positive, angenehme Bilder noch mal vorm Schlafen gehen aufzurufen, dass das tatsächlich dazu geführt hat, wenn du noch mal so einen Erinnerungsreiz hast, dass tatsächlich langfristig gesehen die Rate an Grübeln, an Rumination runtergegangen ist.
Und das fand ich total spannend, weil es ist ja eine recht einfache Intervention, eine einfache Maßnahme, die man vorm Schlafen gehen einsetzen kann. Und da braucht es ja nicht irgendwie so Duftsprays in dem Sinne, sondern man kann ja auch beispielsweise sich ein paar schöne Duftöltropfen auf dem Wattepad machen, danach einmal dran riechen und das einfach neben das Kopfkissen legen. Dann hat man ja auch diesen olfaktorischen Reiz während des Schlafens. Ich könnte mir vorstellen, das war jetzt zwar in dem Design nicht drin, dass das auch einen Effekt haben könnte. Das fand ich total spannend.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Ja, definitiv. Und weil du jetzt gerade diese sieben Minuten auch angesprochen hast, Sebastian, was mache ich in den sieben Minuten? Und was ja ganz viele machen, ist darüber nachdenken, wie lange schlafe ich jetzt gleich und wie gut schlafe ich jetzt gleich und so weiter.
Das war die Session drei zum Thema, ich fand das auch ein geiler Titel, Lazy Solutions, Resilience through Sleep, also sozusagen als faule Lösung, den Schlaf anzubieten, um die Resilienz zu fördern. Und da war im ersten Vortrag Kai Spiegelhalder und der forscht zum Thema Insomnia, also sozusagen Einschlafprobleme und so weiter. Und er sagt, dass es nicht ein biologisches Problem ist, sondern ein psychologisches Problem, das Thema Insomnia. Und dass es immer wieder darum geht, was ist denn meine Beziehung zum Schlaf? Und was so seine Key Messages waren, um Insomnia entsprechend vorzubeugen, ist sowas wie, wenn du schlecht schläfst, dann verbring auch weniger Zeit im Bett sozusagen. Also denk nicht dann darüber nach, wie gut kann ich jetzt schlafen und so weiter, dann kannst du auch mal kurz so aufstehen und so weiter.
Also Menschen, die sich den Druck machen und Stress machen, ich muss jetzt gut schlafen, die haben eben Schwierigkeiten einzuschlafen. Und deswegen sagt er auch, er findet es total toll, auf der einen Seite, dass das Thema Schlaf so viel Wichtigkeit in der Presse auch findet und dass sich viele Menschen mit dem Thema Schlaf beschäftigen und so weiter und so fort. Und auf der anderen Seite hat das auch seine negativen Nebeneffekte aufgrund der Tatsache, dass sich dann Menschen mehr Druck machen damit, wie gut schlafe ich denn?
Um Gottes willen, wenn ich nur so und so viel Schlaf bekomme, dann alter ich schneller und sterbe früher und entwickle die und die Krankheiten um Gottes willen. Und am besten ist es einfach sozusagen, da manchmal nicht so wirklich einen Fokus drauf zu richten, sondern am besten schlafen die Leute, wenn du Leute fragst, wie gut sie schlafen und dann fragst du sie, wie machst du das? Wie kriegst du das hin? Dann sagen ja die meisten, ich mache meine Augen zu und schlafe ein. Und das ist genau diese Thematik. Also wie viel Intention und wie viel Motivation und wie viel Effort bringen wir denn rein in das Thema Schlaf und das ist dann auch entsprechend Insomnia fördernd.
Und das fand ich auch nochmal wirklich extrem spannend, dass man und das macht er in seiner Psychotherapie, der Herr Spiegelhalter, dass er sich darauf fokussiert, die Beziehung zum Schlaf auf eine positive Art und Weise zu verändern, damit die Menschen wieder gut einschlafen können.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Finde ich total spannend. Ergibt auch komplett Sinn, wenn man, sag ich mal, auch nach schwierigen Zeiten wieder so in die Regeneration geht. Für mich ist Schlaf und für ganz viele Teilnehmende auch mein absoluter Minimumfaktor. Also man sagt ja manchmal so, nach müde kommt doof. Bei mir kommt nach müde das gesamte Potpourri an Unleidigkeit. Und ich merke das brutal. Der Kopf ist nicht frei. Ich kann mich an Sachen nicht erinnern. Die Lunte ist kurz und so weiter und so fort. Und da finde ich, ist dieses Thema gut einschlafen zu können. Also seitdem ich von Connirae Andreas The Wholeness Work mache, das mache ich jetzt seit über 15 Jahren, seitdem schlafe ich eigentlich, naja, also mittlerweile, wenn ich will, innerhalb von Sekunden ein. Immer.
Egal, was draußen los ist, weil es da, wie gesagt, so ein kleines Format gibt, was man ganz gut lernen kann, wo du einfach guckst. Wenn so Gedanken im Kopf noch hin und her flitzen, dann integrierst du die und dann kommt halt eine parasympathische Aktivierung und einschlafen. Was mir auch geholfen hat bei Schlaf war dieses Thema Blaulichtbrille. Also ich merke, wenn ich abends noch vom Rechner sitze, ich merke den Unterschied. Habe ich die Blaulichtfilterbrille auf oder nicht? Da sollte man eine gute nehmen.
Und was ich merke ist, mein Einschlaffenster ist 23.10 Uhr. Und das habe ich, da hatten wir auch vor Jahren beim Resilienzkongress mal ein Interview. Da waren Vertreter von BodyClock.Health, also BodyClock.Health, Health wie Gesundheit. Das ist eine Ausgründung aus der Charité und die machen aufgrund einer Haarwurzelanalyse, die zirkadiane Rhythmen. Also wann ist Cortisol hoch, wann ist Melatonin hoch. Und anhand dieses Melatonin-Hochs kannst du halt super einschlafen. Wichtig noch ein Hinweis, weil ich dann auch, also ich habe früher auch mal probiert, mit Melatonin besser einzuschlafen in so Phasen. Das war ja so ein vorherigen Job, war ein bisschen intensiv alles so. Das hilft.
Also man wird davon müde auch relativ schnell. Dieses Melatonin-Spray hatte das auch, wenn ich so gereist bin in die USA und so jetlag-mäßig. Melatonin, das sagte mal die Leiterin der Schlafschule aus Unna, ist das Grübelhormon. Das heißt, du schläfst schnell ein, aber wenn du aufwachst, dann ist das Grübeln umso stärker. Und dann sagte sie so, naja, geh einfach dann ins Bett, wenn du natürlich müde wirst. Und dann schläfst du halt auch sofort ein und musst halt anderthalb Stunden warten, um sozusagen in die nächste Runde reinzukommen. Dann hast du aber schon eine Tiefschlafphase weniger. Deswegen da auf den Punkt ins Bett. Die einen haben das so neuneinhalb, zehn oder noch früher. Die anderen haben das erst nachts um drei. Und ja, das kann man messen. Und ich fand das sehr beeindruckend für dieses wichtige Thema Schlaf.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Noch eine Sache, die ich auch aus der Wissenschaft als Hinweis mitgenommen habe, auch für das Thema Schlaf, das ist eine Studie von Sylvain Laborde, auch zum Thema langsame kontrollierte Atmung und Schlafqualität, also 15 Minuten vor dem Einschlafen. Langsame kontrollierte Atmung hat auch die subjektive Schlafqualität erhöht. Ich finde es auch für mich vom Bild her wichtig, weil der Herr Spiegelhalter hat über drei Stufen gesprochen, die ich am besten nicht gehen sollte, wenn ich einschlafen wollte.
Also das Thema Attention, also zu starke Aufmerksamkeit. Intention, also so, ja okay, jetzt schlafe ich, jetzt, jetzt. Bestimmt schlafe ich jetzt ein. Und Effort, so richtig nochmal eine Anstrengung damit reinbringen. Da sollte es nicht reingehen, sondern eher dieses Loslassende, dieses loslassende Element dann da drin zu haben. Und das ist ja genau das, was du zum Beispiel auch beim physiologischen Seufzer hast. Genau dieses und dann den Fokus auf das Loslassen. Und habe ich schon beim Podcast gesagt, das ist das, was ich bei der Einschlafbegleitung meiner Sohnes total viel beobachte, dass genau das stattfindet. Also genau kurz vorm Einschlafen, genau dieses Loslassen und dann da reingleiten und das eventuell auch für sich zu trainieren.
Also auf das Thema Schlaf bin ich extrem angesprungen, auch auf einer Ebene für das Thema Emotionscoaching und so weiter. Ich fand es auch total spannend, nochmal daran erinnert zu werden. Es war eine Studie von Matthew Walker, den kennt man ja auch. Der hat das große Buch vom Schlaf geschrieben. Das ist einer der Schlafforscher oder bekanntesten Schlafforscher. Und auch nochmal für sich zu erfahren, warum im Schlaf Emotionen gut reguliert werden können. Und vor allen Dingen im REM-Schlaf. Weil im REM-Schlaf ist die Noradrenalinaktivität reduziert. Ja, also in dem Sinne dann unterdrückt.
Also es heißt ein kaum Hoch-Arousal. Und bis in dem Sinne aus so einem genullten Zustand, schaust du dir sozusagen deine Erinnerungen dann nochmal an, werden die sortiert und so können die verarbeitet werden. Es gibt so eine schöne Darstellung, wo eine Erinnerung ummantelt wird von einer affektiven Ladung dann in dem Sinne. Da ist sozusagen eine emotionale Ladung dahinter. Und man könnte sich das wirklich so vorstellen, dass im REM-Schlaf, also vor allen Dingen in den REM-Schlaf Phasen, eine Erinnerung ihren emotionalen Mantel auszieht. Ja, oder sozusagen sich emotional entkleidet, auf eine gewisse Art und Weise.
Ja, und dass es dann auch in dem Sinne immer weniger dann auch entsprechen wird am besten. Und deswegen ist auch dieses Target Memory Reactivation, was der Moritz erwähnt hat, so wichtig, damit gerade genau die Erinnerungen, die verarbeitet werden sollten, auch unangenehme Erinnerungen, dass die gerade in diesen Schlafphasen dann auch entsprechend sozusagen reaktiviert werden, damit sie durch den Schlaf auch entsprechend verarbeitet werden können. Und deswegen finde ich das auch einfach total spannend, dann auch nochmal vielleicht, und das haben die auch gemacht, kurze Naps gemacht von 90 Minuten nach einer psychotherapeutischen Intervention.
Und das hat entsprechend nochmal verbessert die Wirkung der Intervention. Und das finde ich wirklich total wichtig und spannend, nochmal den Schlaf im Sinne eines komplementären Coachings nochmal mit reinzubringen. Also welche weiteren Elemente kann man mit einbeinen, um komplementär zum eigentlichen Coaching dann zu arbeiten? Gerne dann auch nochmal, die haben zum Beispiel eine Written Exposure Therapy gemacht. Also das ist entsprechend aufschreiben. Ich bin jetzt nicht ganz sicher, ob das, und da müsste ich nochmal reingucken in die Studie, ob das ein reines Journaling war, wie es nach einem James Pennebaker beispielsweise dann ist.
Also es war auf jeden Fall vom Therapeuten begleitet. Nichtsdestotrotz, es war dafür da, um nochmal das Thema zu aktivieren, emotional aufzuladen. Und das beispielsweise mit einem Duft oder mit einem Ton verbunden und dann entsprechend in den Schlafphasen dann nochmal den Reiz, der Reiz wird dann abgespielt oder abgesprüht, der während der Written Exposure Therapy genutzt wurde, damit das entsprechend verarbeitet wurde. Beispielsweise jetzt auch hier, so wie Moritz gesagt hat, kurz vorm Einschlafen schreibe ich mir das dann nochmal auf, mein Thema und so weiter. Ja, ist jetzt okay, das ist jetzt gerade vielleicht auch, allein das Runterschreiben hilft ja schon, das weiß man ja aus den Journaling-Studien. Aber da auch vielleicht nochmal das mit dem Reiz verbinden und dann das für den Schlaf mit reinnehmen, um den Schlaf zu verarbeiten.
Ich würde jetzt nicht natürlich die krass großen Lebensthemen dann nehmen, wenn das jetzt unbegleitet dann auch ist, weil wie gesagt, in den Studien wurde es therapeutisch begleitet. Aber ich probiere das jetzt auf jeden Fall aus. Also das ist genau dieses Thema. Ich mache jetzt ein Living Lab drauf, mein Schlafzimmer zu einem Living Lab dann auch, um das mal in die Umsetzung zu bringen, weil ich das wirklich extrem spannend finde, wie die Effekte und Wirkungsweisen dahinter waren.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Nochmal zurück zur Resilienz generell, Moritz, mal an dich noch so mal die Frage, von den Sachen, die du über Resilienz gehört hast, vielleicht auch nochmal so ein bisschen rausgesumt, wie du Resilienz denkst, was für Themen hast du eigentlich da in der wissenschaftlichen Kontextualisierung gehört, die du auch sozusagen in die Praxis immer wieder denkst, also die du immer wieder mit rüber nimmst, die du vielleicht auch in eigenen Vorträgen oder Seminaren erklärst?
Was sind da so die Dinge, wo du denkst, ah ja spannend, interessant und so weiter? Ja, das mache ich auch, das nehme ich auch. Diese Bestätigungen nenne ich das für mich immer so.
[Moritz Hüsken – Resilienz-Podcast]
Naja, also das eine ist ja, gute Modelle auch zur Verfügung zu stellen, um Resilienz zu verstehen, auch lebenspraktisch zu verstehen und gut sortieren zu können. Und das, was wir jetzt ja da auch viel gesehen haben, waren ja auch Sortierarbeiten, also sei es jetzt auch Resilienzfaktoren, die in bestimmte Evidenz gerade einsortiert worden sind, aber wie auch Interventionen, die in unterschiedliche Evidenz gerade einsortiert wurden. Und das, was ich eigentlich ganz gut fand, war diese Metapher eines Schweizer Taschenmessers.
Also, dass es eigentlich nicht das Werkzeug, also die Technik gibt, one fits all, die immer eingesetzt werden kann, sondern dass man für passende Stressoren auch passende Resilienzfaktoren und Resilienzmechanismen braucht. Und das, was ich zum Beispiel dann auch in Seminaren, Trainings schildere, ist ein Modell, was ich auch entwickelt habe, der unterschiedlichen Resilienz-Ebenen. Also nicht, wie ihr vier Arten der Resilienz unterscheidet, sondern eine systemische Resilienz, das kann so etwas sein wie die Automobilbranche, das kann so etwas wie das Gesundheitssystem sein, also die Grundinfrastruktur, in der Resilienz stattfindet.
Daneben haben wir sowas wie Organisation, Team und Individuum. Und das ist jetzt wichtig und das hat auch noch mal der Kongress, das Symposium auch noch mal bestätigt. Es gibt halt unterschiedliche Stressoren, die auf den unterschiedlichen Ebenen angesiedelt werden können.
Und es gibt auch unterschiedliche Resilienzfaktoren, Resilienzmechanismen, die auf diesen Ebenen angesiedelt werden können. Und das, wofür ich dann auch werbe, ist tatsächlich ein wissenschaftlicher Living Lab-Ansatz. Das heißt, nicht irgendetwas in den Trainings zu machen, sondern auch mal eine forschende Haltung zu haben, zu gucken, okay, was sind die Hauptproblemfelder, wo ist vielleicht sogar Stress, sowas wie in Richtung Problem Map, Stress Map, wo seid ihr lokalisiert und dann rückzukoppeln, okay, was wissen wir denn aus der Forschung, was helfen kann.
Und was ich total spannend fand, um das jetzt noch mal auch konkret zu machen, so das Thema Teamkultur, Teamgestaltung. Haben wir gesehen, dass es, noch mal bestätigt bekommen, dass es so ein wichtiger Resilienzfaktor ist, neben Sense of Coherence, also Antonowski, der Kohärenzsinn, Verstehbarkeit, Sinnhaftigkeit, Machbarkeit, Handhabbarkeit, dass das eigentlich Ebenen sind, die man konkret fördern sollte mit Maßnahmen. Und ich glaube, dass da sich einfach sehr, sehr viele Interventionen dran ansiedeln lassen und das hat das einfach nochmal bestätigt.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Wie war es für dich, Rom?
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Ja, das kann ich nur so untermauern, tatsächlich. Ich habe den Mix wirklich nochmal hinzuzufügen. Meine ganzen Begeisterungen habe ich gerade rausgespuckt, was das Hinhaltliche angeht.
Leer oder was? Bitte? Bitte? Bist du leer?
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Begeisterungsleer?
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Nein, leer bin ich überhaupt nicht. Das ist halt wirklich nur für mich, ich merke gerade nur, dass ich weiterhin noch auf der Suche bin. Das arbeitet jetzt bei mir ganz viel nach. Ich bin auch am Nachrecherchieren, habe mir viele Studien jetzt abfotografiert und so weiter und so fort. Und deswegen, das konsolidiere ich jetzt auch für mich und gehe jetzt in die Übersetzungsarbeit, was diese Thematiken entsprechend angeht. Aber der Rosetta-Stein fehlt mir noch, als so eine Allgemeinlösung. Aber ich finde es einfach so wichtig, und das ist halt wirklich auch so eine Sache, die ich im Kern für mich mitnehme, im Austausch zu bleiben mit den Forscherinnen und Forschern, weil die echt nochmal Zeitinformationen haben, die einfach in den Studien nicht drinstehen.
Weil die haben auch die Daten im Kopf, die die erhoben haben. Und die können dir nochmal Zeitinformationen geben und was sie dann doch gemacht haben und so weiter und so fort. Und was sie dann doch noch ausprobiert haben, was da gar nicht drinsteht. Also wirklich mal im Austausch zu gehen mit Forscherinnen und Forschern. Die finden das ganz toll, wenn eine Anwendung gefunden wird.
Was ich total gerne mache, das habe ich auch da gemacht, ich stelle Forscherinnen und Forschern die Frage von Dr. Nico Rose, wie möchten sie von uns, die vor allen Dingen in der Anwendung arbeiten, wertgeschätzt werden. Und für die geht es wirklich darum, nutzen sie unsere Forschung. Und haben sie eine Begeisterung für Wissenschaft und da drin. Und simplifizieren sie nicht zu sehr. Und gehen sie nicht zu sehr in eine absolute Wahrheit, was die Dinge angeht. Also nicht in ein Schwarz-Weiß-Denken.
Wir hatten auch Negativbeispiele von Forscherinnen und Forschern, die eine hohe Medienwirksamkeit und viel in den Medien haben, weil sie solche absoluten Aussagen haben. Aber die sind dann in der Wissenschaftswelt raus. Weil das kein wissenschaftliches Denken ist, kein offenes Denken ist. Mit einer offenen Neugierde dahinter. Also ich finde es extrem wichtig, sich mit Forscherinnen und Forschern auszutauschen. Ich bin auch immer sehr ehrfürchtig. Ich muss aufpassen, dass ich nicht devot bin im Austausch mit Forscherinnen und Forschern. Aber das sind nun mal für diejenigen, die wissenschaftsbasiert arbeiten, die Riesen auf deren Schultern wir stehen. Damit wir weitergucken können.
Und die trifft man dort. Und vielleicht kommen nächstes Jahr und die Jahre danach immer mehr Menschen, die dann auch aus der Praxis eher sind, die sich dafür interessieren und die dann auch Praxis mehr fordern. Und dann geht der Dialog noch mal ein bisschen mehr los. Jetzt haben wir so viel über mich geredet. Reden wir doch mal über dich. Wie findest du mich eigentlich?
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Jetzt hast du so viel darüber gesagt, was du nicht mehr sagen kannst, dass ich so dachte, also dafür, dass er eigentlich nichts mehr zu sagen hat, sagt er ziemlich viel. Du kennst mich doch.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Wenn du mir so eine Frage stellst und ich eigentlich sage, dann musst du es dabei belassen. Da muss ich eigentlich sagen, gut, dann hält auch die Klappe.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Wertschätzend gesagt.
[Ruben Langwarer – Resilienz-Podcast]
Hast du nur nicht gelernt. Wie viele Folgen haben wir jetzt? Das muss jetzt die 42.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Also ich sage noch mal ganz kurz meine Highlights. Das, was für mich auch in dieser Klarheit noch mal total wertvoll war, als jemand, der eher, also wird auch immer gesagt, ja, du bist halt Praktiker mit irgendwie 750 Tagen eigener Weiterbildung, die ich genommen habe und meinem Studium systemische Beratung, bin ich ja sehr praktisch fundiert. Also ich kann, glaube ich, zu jeder, zu jedem Wirkprinzip, finde ich ein paar Interventionen oder denke mir irgendwas aus oder was auch immer so.
Und diese ganzen Haltungen aus meinem Kernthema Hypnosystemik nach Dr. Gunter Schmidt, das ist natürlich etwas sehr, sehr Hilfreiches als Fundierung, um diese ganzen Themen zu denken und zu übersetzen. Also diese rein wissenschaftliche Denke fand ich sehr spannend. Ich fand auch sehr spannend am ersten Tag, wo es mehr so um das Thema, was machen wir mit den Menschen, die wir in diesen grausamen Krieg schicken oder die in diesem grausamen Krieg sind. Da fand ich sehr interessant, dass so dieses, ja und wir brauchen Purpose, wir brauchen Meaning. Und ich dachte, ja, dazu haben Christina Comnick und ich gerade ein Workbook geschrieben. Wem erzählst du das?
Also irgendwie fast schon so ein Gan, haben wir seit 15 Jahren. Frag doch, wir sind doch da auf der einen Seite und auf der anderen Seite so was. Ach cool, gut, dass das bei euch angekommen ist, weil es so wichtig ist. So. Und aber auch da wieder das, so das Einzige, da wird fast schamhaft auf so ein, ja weiß ich nicht, psychologisch-philosophisches Konstrukt wie Sinn geguckt, wo es natürlich auch mit Viktor Frankl die Logotherapie gibt und und. Auch das gar nicht so richtig so.
Das findet dann zwar statt, aber dann geht es doch wieder über andere Themen. Das fand ich sehr interessant. Und es hat mich das Ganze, was da dann auch in den Talks war, wieder sehr bestärkt, Dinge zu vereinfachen. Also da wurde dann vom Stress-Bucket, wir nennen das Stress-Fass, gesprochen. Und natürlich ist das ein zutiefst mechanistisches Bild. Das ist mir alles klar. Und auch das Energie-Fass ist ein zutiefst mechanistisches Bild. Und gleichzeitig hilft es, diese hochkomplexen Zusammenhänge einfach gut zu reduzieren. Und er sagte, ja, in der Anwendung funktioniert das total gut. So, was füllt dein Stress-Fass? Was leert dein Stress-Fass? Das ist eine Sprache, die halt auch gesamtgesellschaftlich sehr anschlussfähig ist, weil die Menschen diese Analogie und die Logik, die da drin steckt, einfach, also die ist einfach so und auch gut zu verstehen.
Damit kann man gut arbeiten. Und der Kern, und das vielleicht noch mal so zum Schluss, auch das, wo wir mitarbeiten, wo ich damals über Carl Fristen in dem Neurokurs von Dr. Dr. Damir Del Monte erfahren habe, dieses Thema vom Prediction Error, also vom Vorhersagefehler. Da wurde mir damals irgendwie so klar, das ist der Kern der Resilienz.
Und das ist immer noch so, weiß nicht, ob es jetzt der Rosetta-Stein ist, aber die Frage, die ich mir mein Leben lang gestellt habe, ist, an welchem Punkt in der Interaktion mit der Umwelt oder der Innenwelt brauchen wir Resilienz? Und das ist immer dann, wenn die Vorhersage nicht stimmt. Wissenschaftlich betrachtet braucht es das irgendwie oder braucht es dadurch die Wirkung des Stresses. Aus unserer Sicht auch der Alltagsresilienz, diesen Begriff, den ich vor ein paar Jahren mal vorgeschlagen habe, um die Resilienz bei kritischen Lebensereignissen und im Gegensatz zu Stress und Problemen, was wir ja auch differenzieren, das zu haben, da wirklich zu sagen, wenn wir diesen Vorhersagefehler haben, also wenn das ist, was ich gerade wahrnehme, innerlich, äußerlich, wie auch immer, nicht zum Soll passt, nicht zu dem, was ich als Erwartung hatte.
Also immer, wenn ich eine Erwartungsirritation habe, dann brauche ich Resilienz. Und im Kleinen ist das vielleicht Akzeptanz oder Lösungsorientierung, vielleicht Zielfokussierung, vielleicht dann aber auch in die Selbstwirksamkeit kommen. Vielleicht brauche ich aber auch nur mein Netzwerk, vielleicht hilft mir ja jemand. Ich muss es wahrnehmen, ich muss reflektieren und muss dann ins Tun kommen oder damit halt copen, damit umgehen. Und das war für mich wieder so implizit unter allem mitlaufend da, aber auch interessanterweise nie so als den Kern. Also wenn ich Wissenschaftler, reiner Wissenschaftler wäre, würde ich mir genau diesen Bereich angucken, diese Vorhersagen, dieses, was da passiert und wo da in diesem Bereich die Faktoren wirken.
Und würde wahrscheinlich auch mehr, da gibt es ja auch, nehme ich an, noch diversere Experimente dazu, da würde ich hingucken. Und dann kommen wir im Prinzip zu diesem Zitat, das Stephen Covey über Viktor Frankl gesagt hat, zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt die Macht zur Wahl unserer Reaktion und unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. Das heißt, nimm diesen Raum rund um den Vorhersagefehler wahr und wähle Weise, wie du dann ins Tun kommst. Und Tun kann auch nicht Ton sein. Das mal so als Zusammenfassung.
Und als schönes Schlusswort. Ja, ich danke euch total. Also es war auch eine große Freude, mit euch beiden werten Kollegen meins sicherer oder auch unsicherer zu machen. Das ist immer eine Frage der Perspektive. Ich danke euch sehr, Moritz. Ganz vielen Dank für deine Zeit. Ich weiß, du hast viel zu tun, bist viel im Rahmen der Resilienz oder im Namen der Resilienz unterwegs. Also ganz herzlichen Dank. Danke an dich, Ruben.
Und alles Gute für euch. Möge die Resilienz mit euch und mit ihnen da draußen sein. Bis bald.
Tschüss.
Hier geht´s zum Resilienz-Podcast: www.rethinking-resilience.com
Alle Folgen finden Sie hier:
Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch www.larsdeutsch.net
Design: Katharina Krekeler www.hejro.de
Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).