[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Wir sind wieder im Denkraum, wir sind wieder bei Rethinking Resilience, bei mir Ruben. Hallo, lieber Ruben. Und wir beiden haben einen Wunschgast von mir, also einen Gast, den ich mir gewünscht habe und einen Gast, wo ich mir momentan wenig Menschen wünschen könnte, die ich gerne lieber hier in diesem Denkraum hätte. Nicht, dass es ganz viele wertvolle andere Menschen gäbe, nur auf meinem persönlichen Weg ist dieser Mensch gerade ein wichtiger Baustein hin zu mehr innere Heilung. Und er hat auch ganz viele kluge Sachen zu sagen und schon gesagt. Und hallo, lieber Stefan.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Hallo, Sebastian. Jetzt werde ich erst mal rot. Danke dir für deine warmen Worte.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Das ist völlig in Ordnung. Und der Hintergrund unseres Miteinander hier ist, dass ich dich irgendwann mal im Rahmen des Resilienz-Online-Kongresses kennengelernt habe. Da warst du eine Empfehlung, meine ich, von Bardia Monschi.
Und das war, fand ich sehr spannend, weil es so um Bindungsstile ging damals. Und wir uns dann auch bei der MEG getroffen hatten und manchmal kreuzen sich Wege ja öfter. Und dann habe ich von dieser wunderbaren Methode erfahren, die du unter anderem in Deutschland kultivierst, die du nach Deutschland bringst. Und die habe ich kennengelernt. Da habe ich das Seminar bei dir gebucht. Und wir arbeiten momentan auch im Coaching da entsprechend, dass du als mein Coach mich da begleitest.
Ich kann nur sagen, sehr heilsam. Und da wollen wir heute mal ins Detail gucken. Und vorab, damit die Teilnehmenden oder die Zuhörenden hier wissen, wer du bist. Wer bist du? Was machst du? Und bitte, deine Bühne, der Redestab geht jetzt sozusagen in deine Richtung.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Danke dir, danke. Dann stelle ich mich kurz vor. Und falls noch weitere Fragen da sind und ich noch mehr über was erzählen soll, dann hakt dir nach. Stefan Passvogel, geboren in München. Da habe ich auch die ersten 28 Jahre meines Lebens gelebt. Nach dem Abitur ging mein Weg erstmal in die Physik.
Also ich habe beim Bachelor in Physik gemacht. Fand ich nach wie vor eine geniale Entscheidung, damals die Welt zu versuchen zu verstehen und zu gucken, welche Gesetzmäßigkeit gibt es hinter dem, was man so sieht. Habe aber dann für mich festgestellt, dass der Beruf, was meiner Fantasie, meiner Erfahrung nach viel vor dem Rechner sitzen wäre und programmieren, nicht der meine ist.
Nicht dass es schlecht ist, aber meins ist es einfach nicht. Und habe dann über einige Umwege und Experimente im NLP, in der Hypnose den Weg nochmal ins Psychologiestudium gefunden. Habe dann in Tübingen Psychologie studiert und danach Approbationsausbildung bei der ZIST Akademie begonnen. Der andere, vielleicht wichtige Weg ist mein eigener gewesen. Und zwar war in meinem eigenen Leben die Begegnung mit Daniel P. Brown sehr bedeutsam.
Also Daniel P. Brown war Harvard Psychologie-Professor, aber ich habe ihn sogar nicht kennengelernt. Ich habe ihn kennengelernt als Meditationslehrer, der mir geschafft hat, bei mir das Herz ganz weit geöffnet hat und mich mit Bewusstseinszuständen vertraut gemacht hat, die ich so nicht kannte, in einer Sprache, die jetzt für mich greifbar war.
Ich war damals Master meines Psychologiestudiums und jemand, der mir EEG-Studien zitieren kann und die Sprache vom Psychologen spricht, war einfach für mich sehr nahbar, sodass ich da gut aufspringen konnte. Und in dem Meditationsretreat gab es eine Meditation, die mich durch zu Tränen gerührt hat. Und da war die Idee, Mitgefühl ist ein wichtiges Konzept und in den Tibeter sagen, sei die Mutter aller Wesen.
Aber was heißt denn das, wenn man zu Westland sagt, sei wie deine Mutter zu allen Wesen, dann kommt es vielleicht nicht unbedingt gut an, je nachdem, was die darunter verstehen. Und so hat er in dieser Meditation sein Wissen über Bindungsforschung einflechten lassen und hat ein erstes Mal als kleines Baby sich von sowas wie für einen ideale Eltern oder gute Eltern nachnähern lassen. Ich komme sicherlich noch ausführlicher dazu.
Und dann dieses Mitgefühl mit anderen Menschen zu teilen. Und mich hat es damals so berührt, dass ich neugierig geworden bin und ihm gesagt habe, ich will darüber mehr lernen. Und darüber habe ich dann die Methode kennengelernt, über die wir heute hier reden wollen. Damals war es alles noch Wild West, da gab es keine Weiterbildung, keine Ausbildung und gar nichts. Da war es, frag den oder den anderen Mitentwickler David Elliott über die Methode und hoffe, dass du sozusagen deine Fragen beantwortet bekommst. Probiere aus, lerne.
Aber so ging das Ganze los. Und das mache ich jetzt auf der anderen Seite viel. Also ich unterrichte die Methode, ich mache das viel in meiner Privatpraxis. War das so ein erster guter Überblick?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Hervorragend. Also dieses Thema, da würde ich gerne, glaube ich, auch noch weiter in die Tiefe gehen, ist so dieses Thema der Resonanz. Und ich habe, also die Frage ist ja immer, wie wird man der, der man eigentlich ist?
Und wie findet man im Leben seinen Weg? Und wenn ich dir so zuhöre und dieses Berührende, als du über das Herz und diese Öffnung des Herzens gesprochen hast und als du dieses Nachnährende gesagt hast gerade, konnte ich das fast förmlich spüren, wie so eine, ja fast wie so eine, sozusagen sehr energetisch angereichert mit Liebe und mit ganz viel positiven Erfahrungen, wie so eine, fast wie so eine, so eine Art Muttermilch, so, dass man so denkt, so ja, das geht. Und das ist natürlich auch was, im Rückblick sich zu fragen, okay, habe ich all das bekommen, was ich eigentlich gebraucht hätte, ist ja immer so eine Frage mit offenen Themen. Schuld, wo ich glaube, Eltern auch eine gewisse Schuld sozusagen spüren, bewusst oder unbewusst.
Und wir jetzt so, hey, du schuldest mir eigentlich noch was, dass das da ist. Und als du das so eben gesagt hast, dachte ich so, ach ja, genau. Und das spüre ich so auch so in der Erfahrung, die ich mit dieser Methode machen durfte.
Genau dieses Nährende, also wo ich vorher nicht wusste, dass ich da noch Hunger habe oder Bedarf habe oder da noch was nicht gestillt ist, wird durch das Stillen erstmal bewusst, dass da eigentlich ein Hunger war oder ein Wunsch war nach mehr. Und ja, toll. Also das sind immer so Geschichten, wo ich so denke, ja, solche Menschen zu finden, was für ein Glück. Und dann auch noch Menschen wie dich zu haben, die dann auch sagen, hey, I want more. Ja, und wie kann ich das noch vertiefen? Wie kann ich es auch in die Welt bringen?
Nicht nur den Ich-Fokus, sondern auch sozusagen Kanal zu sein, das weiterzugeben, das auch in die Community zu tragen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und ich habe jetzt das Glück, dass ich total unbedarft bin in dieser Methode und mich damit noch nicht so gut auskenne. Also was ich jetzt verstanden habe, die Methodik ist von Dan, wie heißt er? Daniel P. Brown. Sehr gut. Und David Elliott? Und sie heißt?
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ursprünglich veröffentlicht als Three-Pillar-Method of Attachment Repair, also 3-Säulen-Methode der Bindungstherapie inzwischen unter Integrative Attachment Therapy, also Integrative Bindungstherapie. Und noch dazu entstanden in einer Gruppe an der Harvard Medical School größtenteils, also David Elliott und Daniel P. Brown haben das Buch geschrieben, aber da waren noch ein paar andere auch beteiligt, einfach das, der Fairness halber noch erwähnt.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wunderbar. Und jetzt mal aus der Brille eines Physikers. Was ist das Grundprinzip dieser Methode?
Ja, was würdest du sagen mit den Brillen, die du nun mal aufhast? Was ist so das Grundprinzip dieser Methode? Und warum sollte ich mich jetzt beispielsweise auch damit näher beschäftigen, vielleicht auch als Coachee oder als jemand, der sagt, hey, ich sehe bei meinen Klientinnen und Klienten ein bestimmtes Thema. Das wäre vielleicht mal was, was du oder sie sich angucken sollten. Also was ist das Grundprinzip?
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, voll. Großartige Frage durch die Brille der Physik. Wir müssen Formeln packen.
Also ja, ich denke, einer der Grundprinzipien ist, dass die Neuroplastizität, also das, wie Erfahrungen oder die Art und Weise, wie unsere Psyche funktioniert, wirklich verändern können, indem wir uns nur etwas vorstellen. Dass unsere Forschungskraft potent genug ist, unser inneres Leben wirklich nachhaltig zu verändern. Bis auf Ebene der einzelnen Neuronen.
Ich glaube, das ist ein Prinzip. Also wir müssen nicht ewig die tatsächlichen Erinnerungen oder vergangenen Erfahrungen umschreiben. Wir können uns neue in unserer Imagination vorstellen oder Vergangenen neu uns imaginieren. Das ist einer der wichtigen Grundprinzipien. Das Zweite ist, dass all unsere Erfahrungen uns beregen, aber die frühen Erfahrungen schon besonders stark. Liegt an verschiedenen Faktoren.
Ein Faktor ist die Art und Weise, wie sich unser Gehirn entwickelt, wie es reift. Dass gewisse Erinnerungsnetzwerke in den frühen Jahren noch nicht ausentwickelt sind, vor allem das narrative Gedächtnis, das in Form von Sprache arbeitet. Und entsprechend diese frühen Erfahrungen uns durchaus beregen, aber später nicht mehr so einfach zugänglich sind.
Das ist weil sie unser Fundament darstellen. Also ganz grundlegende Fähigkeiten, wie wir in der Welt sind, prägen. Man kann sich das vorstellen wie einen Baum, wo der Stamm immer weiter verästelt. Klar, die einzelnen Äste sind auch alle wichtig, aber man braucht erstmal einen guten, soliden Stamm in der Mitte. Und das ist das zweite Grundprinzip. Irgendwie scheinen frühe Erfahrungen doch eine Rolle gespielt zu haben.
Nehmen wir die ersten beiden Prinzipien zusammen, dann könnten wir sagen, gut, wir haben frühe Erfahrungen, die waren nicht ganz optimal. Dann können wir jetzt versuchen, diese Erfahrungen uns neu zu imaginieren. Und da wir diese Erinnerungsstrukturen verändern wollen, die eher früh angelegt wurden, schauen wir, dass wir ähnliche Bedingungen kreieren.
Also dass wir uns nicht als Erwachsener imaginieren, sondern uns selbst als Kind imaginieren. Dass wir uns gegenüber nicht irgendwelche Personen imaginieren, sondern Älterfiguren. Weil das, so die Idee, möglichst exakt die Ursprungsbedingungen abbildet, die für uns als kleines Kind prägend waren.
Denn für ein Kind, kann man jetzt in die Bindungsforschung schauen, ist einfach die Beziehung zu den Eltern prägend. Das ist das, was uns ganz zentral formt. Und das dritte Prinzip ist, wenn wir dann gucken, wie wir Menschen in neuen imaginativen Erfahrungen als Kind mit Eltern neue Erfahrungen schenken wollen, dann machen wir das nicht frei.
Das kann man auch machen. Aber lasst uns doch das nutzen, was wir inzwischen in über 60 Jahren Forschung, sowohl an Kleinkindern als auch in der klinischen Psychologie, über diese Bindungsmuster gelernt haben. Also lasst uns doch auf die Qualitäten fokussieren, von denen wir aus der Forschung wissen, die sind wichtig für ein kleines Kind.
Die sind besonders nährend. Und ich würde sagen, das sind so die drei Prinzipien, die drei physikalischen Gesetze, das liegt sozusagen dahinter. Also dass wir sagen, wir können Dinge durch Imagination nachhaltig noch verändern. Wir wollen bestimmte frühe Erfahrungen ändern, weil die besonders prägend sind und versuchen, die Bedingungen damals nachzubilden. Und drittens, wir gucken, dass wir dafür das Wissen der Bindungsforschung nutzen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Total. Also finde ich total nachvollziehbar. Und mit wem arbeitest du vor allen Dingen? Geht es da um Bindungstraumata? Geht es da in deiner Praxis? Mit welchen Themen kommen denn die Menschen zu dir? Und dann sagst du, hey, diese Methodik ist die Lösung dafür.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Das ist eine interessante Frage, weil ich sowohl Menschen habe, die mehr mit einem Wachstumsimpuls kommen, also gar nicht so aus der Not heraus, als auch Menschen habe, die mehr aus der Not herauskommen. Bindungstraum?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Vielleicht antworte ich mal aus Klientensicht. Also ich weiß nicht, ich habe ja in meinem Leben schon viele Ausbildungen gemacht und auch viele Coachings bei unterschiedlichsten Coaches genommen. Und ich kann nur sagen, dass so die Ausbildung, wo auch schon so die ersten, also da habe ich sozusagen meine idealen Eltern kennengelernt, als junger Mensch, so drei Jahre alt, zwei, drei Jahre war ich da, also in der Imagination.
Die haben sich auch noch mal ein bisschen verändert über die verschiedenen Sitzungen jetzt. Also so ein bisschen graduelle Schärfung irgendwie gefühlt hatte ich so das Gefühl, dass da so ein paar Ebenen waren. Und das war jetzt nicht von mir, dass ich irgendwie, weiß ich nicht, ein Bindungsthema habe oder was auch immer, was ich als pathologisch bezeichnen würde, sondern es war einfach so, dass ich so dachte, ja, also so das Metzgerprinzip, darf es ein bisschen mehr sein.
Ein bisschen mehr Resilienz, ein bisschen mehr Wohlbefinden, ein bisschen mehr auch Flexibilität in Beziehungen, sei es jetzt auch zu meinen realen Eltern, beziehungsweise auch in einfach zwischenmenschlichen Beziehungen jeglicher Art. Also ich würde jetzt nicht sagen, ich kam mit einem Problem hin, sondern ich komme natürlich mit konkreten Situationen, wo ich denke, puh, hier geht es gerade echt zur Sache, wo ich auch, sag ich mal, um den Jahreswechsel noch mal mit meinen Mustern sehr massiv in Kontakt gekommen bin, wo ich so dachte, wow, okay. Also danke, auch jetzt vor ein paar Wochen, auch genau sogar am gleichen Tag, sehr massiv mit so Bindungsthemen in Kontakt war, die wo ich im Nachhinein so dankbar war, dass die sich gezeigt haben.
Also das ist irgendwie immer wie in so kleinen Krisen oder in Krisen generell. Während der Krise ist das echt unangenehm und auch echt leidvoll. Und wenn die sich dann sozusagen bewältigen lässt durch so eine Methode und früher hätte ich da viel länger für gebraucht und so waren das halt so ein paar Coachings, wo ich so dachte, ach krass, also mir war gar nicht bewusst, dass ich da so ein dysfunktionales Muster hatte, beziehungsweise dass die Methode mir bei dem, was ein dysfunktionales Muster war, so nützlich sein konnte, weil seitdem ist das Muster nicht mehr da. Und das ist so, also das fühlt sich wie so ein ganz massives inneres Heilen an, weil halt diese alten Bedarfe, diese alten Dinge verschwinden so. Und deswegen fand ich gerade spannend, Stefan, als du gesagt hast, so dieses Menschen ohne Problem, also ohne so wachstumsorientiert so und Wachstum nicht im Sinne von Selbstoptimierung, sondern so ein bisschen mehr Ganzheit ist schon schön und so ein bisschen weniger abhängig ist schon schön.
Und ja, da fällt mir dann auch immer dein schöner Spruch ein, Ruben, hast du ja mal so schön gesagt, so dieses Ich kann ohne dich und mit dir ist schöner. Also so diese Nähe-Distanz-Regulation, die bringt halt unheimlich viele innere Freiheitsgrade. Das mal so aus meiner Perspektive, wie ich es beschreiben würde.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, ja, danke, Sebastian. Also mir ist auch noch mal gerade klarer geworden, so diese Idee, dass man mit einem unsicheren Bindungsmuster beginnt und dann irgendwann Sicherheit erreicht hat, kann auch so zu einem DNA des falschen Panzers führen. Also ich mag aus der Komie die Idee, dass wir eigentlich alle in unserer Essenz bedürftig und verletzlich sind, dass das unserer menschlichen Natur ist und dass das nichts Schlechtes ist, sondern was zutiefst menschlich ist sozusagen.
Und dass wir alle Liebe und Nährendes brauchen, um in jeder Lebensphase zu wachsen und zu gedeihen. Und gleichzeitig lebe ich natürlich auch in einem System, wo die Krankenkasse die Therapie nur bezahlt, wenn sozusagen gewisse Symptome vorherrschen. Das ist dann die Antirelite, wo man dann schon ganz klar unterteilen kann, was ist störungswertig und was wird dann nicht von der Allgemeinheit finanziert.
Das ist dann vielleicht noch die andere Brille, mit der man drauf schauen kann. Ja, okay.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Also du gehst dir jetzt nicht vor und sagst, machst jetzt bindungsdiagnostische Verfahren und hier nach Mary Ainsworth und Bildern und so weiter und so fort. Und alles klar, da ist jetzt hier ein unsicherer Bindungsziel herausgefunden worden und jetzt können wir miteinander arbeiten. Sondern da sind eher Menschen, die sagen, hey, da ist irgendwie so ein Wunsch, da ist irgendwie so eine Sehnsucht.
Und dann schaust du mit denen gemeinsam auf genau diese Konstellation und wie schaffen wir oder wie können wir dir jetzt die idealen Eltern imaginieren. Zum Beispiel, ich habe jetzt, wenn ich mal ein Beispiel gebe, ich habe zum Beispiel einen ganz starken Kontakt zu Scham. Also ich habe ganz viele Momente, wo ich mich in meinem Leben schäme und so richtig so schlecht mit mir rede und so weiter und so fort.
Würdest du dann zum Beispiel auch, weil Sebastian, du bist vor allem mit Schuld eingestiegen mit dem Thema, ich denke jetzt hier an Scham, so als selbstreflexive Emotion, wo lernt man die, dann entsprechend im kleinen Kindesalter und so weiter. Also würdest du jetzt damit mit mir arbeiten mit dieser Thematik? Also ist zum Beispiel Scham oder Schuld und so weiter so häufige Themen, die da vorkommen, mit denen du dann gut mit dieser Methodik der Three Pillars arbeiten kannst?
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, also das sind Themen, mit denen man gut arbeiten kann. Genau, Scham kann häufig dadurch verändert werden, indem man sich noch mal mehr bewusst macht, dass jetzt die echten Eltern oder idealen Eltern einen wirklich bedingungslos lieben und man für die wichtigen strahlenden Augen der Eltern, also die Theorie dahinter ist, dass Scham ist im Endeffekt ein Gefühl, dass man sich bezüglich sich selbst gerade nicht gut fühlt. Und Selbstwertgefühl wäre dann das Gegenteil, dass ich mich nicht mit mir selbst gut fühle.
Also einfach mit dem Sein, ohne dass ich leisten muss, ohne dass ich mir besonders sein muss. Einfach so wie ich bin, mich angenommen, wichtig und gut fühle. Und das ist durchaus eine Bindungsqualität.
Das heißt nicht, dass man später auch hier und da schämt. Es gibt vielleicht Situationen, wo so ein gewisses Schamgefühl ganz angemessen ist. Ein Scham, der vielleicht öfters einem Leben begleitet und das in irgendeiner Art und Weise pathologisch sein muss, wäre etwas, wo man diese Bindungsqualität noch mal insbesondere stärken kann. Und Scham ist auch, finde ich, so aus meiner Erfahrung ein deutsches Thema, also wo wir Deutschen sind. In der Methode gibt es dann für diese Qualität, heißt auf Englisch Expressed Delight. Und übersetzt es mal gut ins Deutsche.
Fand ich schon mal ganz spannend. Wir Deutschen haben da gar nichts richtig mit vor. Also vielleicht haben wir doch kollektiv als Deutsche noch etwas Nachholbedarf.
Ich möchte trotzdem noch hinzufügen, natürlich ist die Methode auch ausgerichtet auf Menschen, die tatsächlich Schwierigkeiten haben, tatsächlich in Therapie sind, in psychiatrischer, psychotherapeutischer Behandlung sind. Also auch die Menschen kommen zu mir mit teilweise Geschichten, wo mir, wenn ich sie höre, die Tränen laufen und ich es einigermal schlucken muss. Also auch das kann die Methode, bzw.
eine der stärkenden Methoden, dass man sagt, gerade Menschen mit komplexer posttraumatischer Belastung stören, das ist der Fachausdruck, macht es Sinn, bevor man die einzelnen Traumata angeht, eher dafür zu sorgen, dass erstmal eine sichere Basis da ist. Also auch dort kann die Methode hilfreich sein. Ich will sie nicht nur darauf beschränken, aber auch das ist ein Wirkungsspektrum, so zu sagen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Okay, alles klar. Also ich kann mir wirklich dann auch gut vorstellen, was ist denn dieses Express Delight? Ist das dann von den Eltern aus, geht das dann aus?
Also ich sehe das Strahlen meiner Eltern und damit gehe ich dann in Resonanz, dadurch einfach, dass ich da bin. Sowas in die Richtung, ist das sowas? Exakt, also genau.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Die tolle Imagination ist, dass du deine innere Weisheit befragen kannst, wie genau du dir deine Eltern, deine Eltern, für dich passende Eltern vorstellen kannst, wie sie die Freude über dein Dasein ausdrücken, dass es bei dir wirklich ankommt. Es sind die strahlenden Augen, es ist die Art und Weise, wie sie dir zeigen, dass du ihnen wichtig bist. Und das als Kind wieder und wieder zu erleben, sorgt dafür, dass irgendwann als Kind lernt, und das passiert auch tatsächlich bei Kindern, die meinen nicht nur irgendwas in der Situation, die meinen tatsächlich mich.
Also ich bin da der Freude, ich bin ein Quell der Freude. Die freuen sich einfach, dass es mich gibt und dann beginnt ein gutes Gefühl mit dem eigenen Selbst zu verknüpfen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Klasse, also das ist ja hier, finde ich in dem Sinne so spannend, weil wenn wir in die Emotionspsychologie auch reingucken und Jessica Tracy hat ganz viel zum Thema Stolz erforscht und genau auch dieses Thema, den Unterschied zwischen hubristischen, authentischen Stolz, der hubristische, der eher identitätsbezogen ist und der authentische, der eher sozusagen handlungsbezogen dann auch entsprechend ist. Und wenn man sich das so anguckt, so Stolz als selbstreflexive Emotion, wo ich halt entsprechend ein Selbstkonzept haben muss, um das spüren zu können, dann die Frage, wie entsteht das?
Und dann fällt immer wieder der Satz, Stolz ist die internalisierte Freude deiner wichtigsten Bezugspersonen, entsteht daraus. Und was ich immer wieder habe in Seminaren, aber auch in Coachings, wenn du dann die Frage stellst, hey, worauf bist du stolz im Leben oder was hast du erreicht, worauf du stolz bist? Gibt es nichts, Stolz kenne ich nicht, spüre ich nicht.
Und dann müssen diese Menschen stolz nachlernen und also wirklich auch wirklich im Sinne von ganz weit zurückgehen, um dann mal wirklich die Erfahrung zu haben, hey, Sebastian sagt es auch immer so schön, auch ich bin ein Geschenk an die Welt. Und dieses Mattering-Prinzip da, I matter, ich bin wichtig als Mensch. Und ich kann mir so gut vorstellen, dass dieses Stolzlernen und dieses Gefühl Anreichern auch für die Zukunft mit dieser Methodik wunderbar funktioniert.
Vor allen Dingen mit diesem Expressed Delight der Eltern, dass ich dann auch entsprechend internalisiere und mein Selbstkonzept aufnehme und verstehe, ich habe einen Anteil, einen wesentlichen Anteil daran, dass meine Eltern diesen Delight ausdrücken.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Toll. Und ich finde, etwas Geniales an der Methode ist dann, sagen wir mal, angenommen du glaubst es nicht direkt, du hast eine Zweifel, deine Erfahrungen gemacht, dann wird das mit in die Imagination genommen. Das heißt, die Eltern kriegen mit, dass du das nicht annehmen kannst, weil du dem noch nicht glaubst und gucke, wie sie darauf reagieren, wie sie mit deinem Mist, deinem Zweifel genau den richtigen Umgang finden.
Und dann kann auch an all diesen Blockaden oder vielleicht das falsche Wort, an all diesen Schritten auf dem Weg gearbeitet werden, sozusagen. Also da auch Schritt für Schritt die Heilung passieren. Das ist dann das Kraftzelle der Methode, dass sie wirklich im Moment co-kreiert wird von dem Klient und den Therapeuten und dem Unbewussten.
Und alles, was an Zweifel, an Schwierigkeiten auftaucht, wird einfach utilisiert, will so ein Hypnotherapeut jetzt sagen, wird genutzt in der Imagination, um genau da dann ja eigentlich Heilung zu ermöglichen. Wunderschön.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Was vielleicht an der Stelle wichtig ist und das fand ich, hast du im Training auch so schön gesagt, Stefan, es ist nicht so, dass man jetzt seinen bestehenden Eltern ersetzt, so im Sinne von, nee, die kommen jetzt weg und jetzt habe ich endlich die richtigen so, sondern dass, und wenn ich da auf meine Geschichte schaue, also ich war mal in der sehr glücklichen Lage, vier Elternteile zu haben, also zwei leibliche Eltern und zwei Bonuseltern so.
Und jetzt habe ich noch eine Mutter und die anderen sind halt jetzt in den letzten zweieinhalb Jahren gegangen so. Wenn ich jeden Einzelnen mit der Geschichte betrachte und gerade, ich bin Jahrgang 75 und meine Mutter zum Beispiel ist Jahrgang 44, das war ja eine Zeit, wo die Wahrscheinlichkeit für, sagen wir mal, gewisse Bedürftigkeiten, eine gewisse Form von auch traumatischen Erlebnissen in der Kindheit, sowas wie eine Geburt im Lazarett und so bestimmte andere Themen, also die ganze Nachkriegszeit und die Erfahrungen, die wiederum auch meine Oma und mein Opa gemacht haben oder meine Omas, meine Opas, so, wenn man das so ein bisschen, dann habe ich ja auf einer Erfahrungsebene, wenn ich davon ausgehe, dass selbst auch auf epigenetischer, auf epigenetischem Level da bestimmte Erfahrungen weitergegeben werden, dann ist es ja völlig normal auch, dass es da noch Bereiche gibt, wo zumindest noch ein anderes Modell, ohne gleich aufs Besser oder Schlechter zu gehen, noch ein zweites Arbeitsmodell, wie du so schön gesagt hast, vielleicht das Ganze ein bisschen balanciert.
Weil das, was ich vermeiden möchte, ist, dass ich sozusagen jetzt die Frage von meiner lieben Mutter gestellt bekomme, so ist jetzt sozusagen, bin ich jetzt abgelöst? Nee, um Gottes Willen, nein, gar nicht. Und ich glaube, das ist ganz wichtig zu verstehen, weil das auf einer ganz tiefen Ebene eine Loyalitätszwickmühle halt auch bei Menschen auslösen könnte, jetzt sofort, die sagen, ja, aber dann, ich liebe meine Eltern, ich hatte doch eine tolle Kindheit und es ist doch alles gut.
Und das mag alles sein. Und das mag auch, also ich will das auch alles nicht missen. Und dieses zweite Arbeitsmodell, was im Endeffekt nochmal die Sachen nacharbeitet, die vielleicht damals gar nicht Thema waren, die vielleicht damals auch selber ein Blinderfleck waren oder ein Lernfeld, die damals vielleicht auch gar nicht, weil es die Zeit nicht war, nicht auf dem Lehrplan standen, sagen wir mal so.
Ich glaube, zu verstehen, dass die idealen Eltern die Eltern sind, die bei allen Bereichen helfen, die du noch nicht in einem funktionalen Wesen, in einer funktionalen Art und Weise gelernt hast. Ich glaube, das ist essentiell und das war für mich essentiell, auch in deiner Erklärung, Stefan, im Seminar, als du gesagt hast, man hat im Prinzip ein zweites Arbeitsmodell für das, was Eltern für einen, ja, im Prinzip ausmachen, für das, was Eltern eigentlich in uns und mit uns halt auch verantworten. Und wenn ich das von der Prozentzahl sagen würde, so, wer ist für was jetzt verantwortlich, dann würde ich sagen, meine idealen Eltern, die ich mit dir kennenlernen durfte und die ich seitdem habe, die sind für so irgendwas zwischen ein und drei oder ein und vier Prozent meines jetzigen Zustands verantwortlich und über 95 Prozent sind von meinen leiblichen Eltern und meinen Bonuseltern verantwortlich.
Also das habe ich mich nämlich letztens jetzt auch, als ich mich auf den Podcast vorbereitet habe, gefragt, wo liegen eigentlich da die Verantwortlichkeiten für die guten Sachen in meinem Leben? Und die sind zum überwiegenden Teil bei meinen leiblichen Eltern. Und da ich mit meiner Mutter aufgewachsen bin, bei meiner Mutter und ein paar Bereiche, die für mich in den letzten Jahren, Jahrzehnten wirklich einschränkend waren, die konnten sozusagen von den idealen Eltern nochmal nachgearbeitet werden oder mir ein zweites Modell angeboten werden.
Und ich glaube, das ist wichtig zu verstehen, dass es nicht um ein Wegmachen oder Verlassen geht, was natürlich auch, wenn ich das so weiterdenke, auch Implikationen hat, wenn ich meine Eltern nie kennengelernt habe, wenn ich jemanden einfach vielleicht auch früh verloren habe, wenn ich vielleicht ohne einen Vater aufgewachsen bin, weil ich zu dem keinen Kontakt habe oder der, was auch immer. Und ich glaube, dieses im biologischen Sinne natürlich, wenn wir mal von der in Anführungsstrichen normalen Familie Vater, Mutter, Kind ausgehen, mit allen Spielarten, die auch alle okay sind, aber sag ich mal, dieses, was sich halt in der Mehrheit über die Jahrhunderte hindurchgesetzt hat bisher, ich glaube, da nochmal in die Nachbalancierung, in die Regulation, in das Nachlernen zu gehen, das erlebe ich als extrem nützlich und ich bleibe immer wieder bei diesem schönen Wort nähernd. Das war mir einfach wichtig, gerade nochmal so zu sagen.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, danke, Sebastian. Finde ich total wichtig, auch zu erwähnen, also die meisten Klienten, die durch den Prozess durchgehen, danach verbessert sich die Beziehung zu den eigenen Eltern. Das finde ich auch interessant.
Und dieser Loyalitätskonflikt, der kann auftauchen, das ist gut, dass du es angesprochen hast, wie das unter anderem zu verstehen ist. Ich bringe häufig gerne das Beispiel, ich frage dann, und haben dich deine Eltern geliebt? Ja, wünschen die dir also das Beste? Ja, würden sie nicht dann dir auch wünschen, dass du das bisschen, was du ihnen nicht bekommen hast, jetzt woanders holen dürftest? Na klar, wenn die mir mein Bestes wollen. Warum sollten die das mir nicht wünschen, sozusagen?
Und ich finde diesen transgenerationalen Aspekt total wichtig. Auf der einen Seite anzuerkennen, dass unsere Eltern, unsere Großeltern ihr Bestes gegeben haben. Auf der anderen Seite anzuerkennen, dass es teilweise echt schwierige Umstände waren. Also ein Teil, was mich motiviert, diese Methode in die Welt zu bringen, ist schon auch mein Blick hinaus in die Welt, um die Perspektive mal mit hinein zu bekommen. Und dann Studien zu kennen aus Russland, dass in Russland 95% der Menschen einen unsicheren Bindungsstil haben. 95%?
95%. Also nicht wissen, wie Beziehungen auf eine Art und Weise gehen, dass man sich sicher in der Beziehung fühlen kann. Das lässt mich schon auch in Betracht ziehen, dass ohne irgendeine Einzelperson die Schuld zu geben, dass wir als Menschheit hier Arbeit zu leisten haben oder dass hier Heilung passieren will.
Lass uns hoffen, dass Heilung passieren will, dass wir das als Menschheit gewuppt bekommen die nächsten Jahre und Jahrzehnte.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wenn ich euch da so zuhöre und das hat mich gerade total entspannt, auch selber, Sebastian, deine Erklärung und deine auch, Stefan, weil ich bin selber Vater von zwei Kindern, fünf und drei. Und wenn ich mir jetzt denke, ja, ich will ja natürlich auch ein idealer Vater sein, ja, und aus der Bindungsforschung habe ich gelernt, zu sein ein Gem, eine gut genügend Mutter beispielsweise oder ein gut genügend Vater, also gut genug, ist dann auch in dem Sinne in Ordnung, aber jetzt sozusagen ich mache das, was ich kann und was ich hinkriege, um meinen Kindern das mitzugeben. Und das andere ist in deren Verantwortung, dann können die ihre idealen Eltern auch aufbauen.
So in die Richtung? Was die Verantwortungsverteilung angeht?
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, also gut genug ist gut genug und die Forschung sagt, dass wenn 30% Interaktionen zwischen Eltern und Kindern gut genug ist, reicht das schon. Also vielleicht eine beruhigende Zahl, ein Drittel. Ich kann das verstehen.
Ja, ich habe gar nicht den Anspruch, dass ich ideal sein will. Ich kann meinem Herzen mein Bestes geben und das ist für mich genug. Und ideal kann auch falsch verstanden werden.
Ideal heißt vor allem, zu dem und was du brauchst, passend. Also teilweise sage ich auch eben genau passende Eltern oder Eltern, wie du sie gebraucht hättest oder die du wünschen würdest. Also das Ideal kann in der deutschen Sprache schnell falsch verstanden werden als irgendetwas, was man total überhöht. Es geht nicht darum, Gottheiten sich zu erschaffen. Es geht darum, zu gucken, was wäre für einen eine Resonanz wirklich stimmig? Das ist die wichtigere Frage.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Dann glaube ich bei good enough. Das ist gut.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Also ich habe auch gerade überlegt, ob man das dann sozusagen ideale Eltern, hast du natürlich sofort so eine Vergleichsthematik zu den realen Eltern, die idealen. Hast du sofort eine erlebte Abwertung, die vielleicht sogar die ideal ergänzenden Eltern, dass du sagst, pass auf, liebe leibliche Eltern, euer Job ist erstmal, das ist der Hauptjob. Und dann habe ich noch die ideal ergänzenden Eltern, situativ, mit dem Potenzial, was euch ein Stück weit in dem Moment nicht zur Verfügung steht.
Da springen die halt ein und das, was ich daran so klug finde, ist, dass das ja nicht von außen induziert wird, weil ich habe auch in Vorbereitung von heute überlegt und das habe ich jetzt ein paar Mal auch Menschen schon so erklärt, das wäre jetzt meine Frage an dich, Stefan, ob du da so mitgehen würdest, weil ich habe tatsächlich auch schon viel innere Kindarbeit gemacht. Also das ist ja auch sehr viel älter als das, was dann Stephanie Stahl da sehr populär, ja, wenn man Leute fragt, wer hat so das innere Kind, das hat immer Stephanie Stahl erfunden. Ich weiß das sehr zu schätzen, was sie da macht und gleichzeitig ist das ja einfach älter, so das Konzept.
Und dann dachte ich so, naja, wenn ich mit meinem inneren Kind arbeite, dann ist das innere Kind ja eher das Objekt. So, hier war ich sehr erstaunt als über diese auch sehr leichte Trance-Induktion, das hat sie ja vorhin so gesagt, wo ich so dachte, naja, da muss man vielleicht auch noch sagen, das ist gar nicht so mit den Tieftrance und bin ich da überhaupt Hypnosefähig oder was auch immer, sondern das ist einfach, mach mal die Augen zu und geh mal gefühlt in der Zeit zurück, wie auch immer das geht und vielleicht bist du irgendwann so ein bis drei Jahre alt und schau mal, wie es da ist, du als Assoziierte, ein bis dreijährige Version deiner selbst.
Und das ist ja eher dann die handelnde Subjektposition und Rolle und das ist für mich ein fundamentaler Unterschied, anstatt zu sehen, jetzt erstmal von außen mit einem Kind zu arbeiten und dann, klar, kann man immer nochmal in die jüngere Version von sich reingehen und das dann empfangen, aber irgendwie gibt es da einen Unterschied. Siehst, würdest du das so mitgehen, Stefan?
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, würde ich mitgehen. Ich finde beides nützlich. Das eine, wenn ich als Erwachsener zu meinem inneren Kind gehe, also diese therapeutische Ich-Spaltung, erlebe ich vor allem als wertvoll, wenn erwachsene Anteile gestärkt werden wollen.
Wenn die Person sich so viel von inneren Kind-Anteilen überflutet erlebt, dass sie sich im Alter gar nicht wirklich als handlungsfähig erlebt, dann ist das ein erster guter Schritt. Gleich ist meine Erfahrung schon auch, dass die wirkliche Veränderung dieser Muster im inneren Kind dadurch nicht stattfindet, sondern es wird vor allem eine Instanz gestärkt, die trotz dieser Muster den Alter gut bewältigen kann. Und was jetzt die Methode versucht ist, tatsächlich neben diesen frühen Erfahrungen, die wir gemacht haben, also mit diesem alten Arbeitsmodell ein neues, zweites Arbeitsmodell zu schaffen.
Also wirklich diese frühen Kindheitserfahrungen ein Stück weit eine zweite Kindheit zu erschaffen, also da neue Erfahrungen zu ermöglichen. Und deswegen assoziiert, dass man sie wirklich erfüllt erlebt als Kind in der Kinderposition. Und der Hintergrund ist der, wenn wir als Erwachsene uns um unser Kind kümmern, ist unser Bindungssystem nicht aktiv, sondern unser Caregiving-System.
Also neurobiologisch verschiedene Systeme im Gehirn, Bindungssystem caregiving sind. Caregiving ist bei den Eltern aktiv, Bindung beim Kind aktiv. Das heißt, da agieren wir aus dem Caregiving-System raus. Was gut ist, es ist wie gesagt sehr nützlich, um diese Instanz des Erwachsenen-Ichs zu stärken. Aber, zumindest nach der Theorie und auch nach meiner Erfahrung, es verändert nicht wirklich nachhaltig frühe Bindungsmuster. Weil dazu muss das Bindungssystem aktiv sein.
Wenn ich mich aber als kleines Kind assoziiere und gegenüber Elternfiguren habe, dann wird das Bindungssystem aktiviert. Und dann kann ich da neue Erfahrungen zu machen. Und das führt dann häufig zu dem, was als so näherend beschrieben wird. Tastest du den, was du meintest, Sebastian?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, das ergibt total Sinn, weil ich dann so dachte, naja, also gerade im Alter 1 bis 3, ich weiß gar nicht, wann man so dieses Selbstkonzept dann auch mit Trennung sich selbst von der Welt ausbildet. Aber wenn ich das noch nicht habe, wie will ich denn dann erkennen, dass jemand anderes mir was gibt? Und das ist dann ja einfach auch ein entwicklungslogischer Bruch, so würde ich das beschreiben.
Wenn ich einfach in der Bindung drin bin, dann erlebe ich es halt nicht vom Beobachter-Position, sondern halt sozusagen aus der ersten Position heraus. Also aus dem aktiv erlebenden Zustand. Und ja, ich habe noch eine Situation, wo ich so dachte, ja, ich frage mich dann natürlich viele Fragen und die stelle ich dann nicht alle, weil ich dann auch mal weiß, dass sich vieles dann über die Erfahrung dann beantwortet.
Aber eine Frage war relativ früh von mir, bis in welches Alter sozusagen geht das runter. Weil ich war erstaunt, dass du glaube ich mit drei Jahren oder so eingestiegen bist, so dreijährig oder wie auch immer. Und ich war bei einer Übung im Seminar, war ich auf einmal so kurz nach der Geburt, also ich war gerade so rausgepurzelt und da gab es eine Situation wohl mit meiner Nabelschnur, wo mein idealer Vater das für mich auf eine Art und Weise gelöst hat.
Und beide idealen Eltern tiefenentspannt waren mit der Situation, wo ich nur so gemerkt habe, krass, also das war, man merkt ja so ganz grundlegende Anspannungsebenen immer erst dann, wenn die sich entspannen. Weil du ja sonst keine Referenzerfahrung hast. Und da merkte ich nur so, boah, also das ist gerade gut.
Und tatsächlich war das irgendwie für mich auch so spannend, dass mein kluges Unbewusstes gesagt hat, naja, da ist aus einer Erzählung tatsächlich meiner Mutter raus, war da noch so eine, war noch was gespeichert, was als Gedanke oder als Thema so im Sinne von, hey, das hätte auch gefährlich werden können, dann so zu Ende, also der Gedanke wurde zu Ende gedacht, so nach dem Motto, ja, ist es nicht. Weil da wurde sich dann darum gekümmert, in diesem Bild der idealen Eltern.
Und das fand ich auch sehr heilsam, deswegen mal so die Frage, eigentlich null bis wie auch immer oder wirkt es vielleicht sogar schon im Mutterleib oder schon so vor der Zeugung oder so. Ich habe von Ruben den tollen Begriff Preconception Care kennengelernt, mit dem, was sozusagen schon vor der Zeugung passiert. Das wäre nochmal so eine für mich jetzt interessante Frage, weil das Leben ja schon meistens vor der Zeugung halt zumindest von der Anlage her anfängt.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, ich habe zwei Impulse dazu. Der erste ist, meine Erfahrung mit Menschen, die mit dieser Methode arbeiten, also als Klienten, erlebe ich häufiger, dass es in den Mutterleib geht oder zu Geburt oder ähnliches. Und ich erlebe das durchweg als heilsam.
Jetzt von der rein wissenschaftlichen, klinischen Seite weiß ich, da gibt es keine Forschung. Also ich könnte jetzt nicht mit irgendwelchen Studien hintermalen, dass dort was geprägt ist, aber von der praktischen Seite gehe ich mit dir. Und der andere Impuls dazu ist, ist eh die Frage, speichern wir Zeit so linear ab? Also das lineare Zeitverständnis steht laut Forschung erst mit dem siebten, achten, neunten Lebensjahr. Vorher ist eh mehr oder weniger alles eins irgendwie. Also spielt es, wenn man mit der Methode arbeitet, wirklich eine Rolle, ob eine Erfahrung aus dem Mutterleib kommt, aus dem ersten Lebensjahr oder aus dem dritten Lebensjahr?
Und ja klar, wir imaginieren sie uns anders, aber das darunter liegende Gefühl, um was da gesehen und verändert wird, ist es nicht genau dasselbe. Ich meine, da geht es nicht sehr viel mehr um einen Erfahrungsballon oder einen Erfahrungsball, der irgendwie gesehen und von idealen Eltern irgendwie dann genährt werden will.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, das entlastet mich total gerade, dieser Erfahrungsballon, dieses Bild, weil das ist genauso unsäglich, wie wenn man dann sagt, oh, das ist ein tiefes Thema. Und da frage ich mich immer, okay, wenn es tiefe Themen gibt, gibt es dann auch hohe Themen. Und das Thema hinter dem Thema hinter dem Thema, da denke ich dann erst so, Gott, durch wie viele Türen oder Vorhänge muss ich mich denn da durcharbeiten.
Das sind ja sehr linearkausale Ideen, wo auch so das Unterbewusste, wo ich dann mal denke, ach Gott. Das ist noch ein anderes Thema, aber wenn man sagt, okay, das primäre Organisationsprinzip des Gehirns ist der Raum. Das, was Lukas Derks in dem sozialen Panorama oder Mental Space Psychology sagt.
Und man sagt dann, das lineare Zeitverständnis fängt erst mit 7, 8, 9 an. Dann würde das ja heißen, dass die Zeit 0 bis 7 gar nicht so richtig im Sinne von auch Vorzeitigkeit oder ist tiefer oder wie auch immer, das ist vielleicht ein paar Jahre intensiver geübt. Und gleichzeitig kann man, egal welches Alter, mit der geeigneten Methode da beliebig drauf zugreifen und befreit sich auch so ein bisschen aus so einer Art Linearkausalität, weil ist das so, sondern das ist halt ein Themengebiet, um das ich mich kümmern muss.
Und ich hatte tatsächlich eine Irritation bei einem unserer letzten Coachings, wo du dann so 5, 6, 7 gegangen bist und ich dachte, nee, Stefan, früher ist besser. Er bleibt mal da in der frühen Kindheit. Und das beruhigt mich jetzt gerade auch total, weil ich so denke, ach, goldig. Das ist so, man will ja immer das bestmöglich Wirksame, aber dann ist es, solange ich im Bereich 0 bis 7, 0 bis 8 arbeite, ist es eigentlich egal, weil es sozusagen alles weitere dann heilt. Ach, danke, es hat sich jetzt für mich schon so gelohnt, unser Gespräch gerade. Spannend, ja.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, und wir arbeiten natürlich damit. Also eine Methode, auch wenn sozusagen von den Erfahrungen, die wir gemacht haben, verschwommen ist, eine Mixtur an Erfahrungen, Emotionen ist, stelle ich mir vielleicht mich selbst als Kind mit ideellen Eltern als Zweijähriges anders vor als als Fünfjähriges. Also ich kann ein Stück weit eine andere Interaktion mir imaginieren und das kann ich nutzen, wenn ich die Methode nutze, als Therapeut oder Coach anleite.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, ich höre euch so aufmerksam, ich finde das so spannend. Und Sebastian, du hast jetzt gerade genau dieses ältere Alter angesprochen, 7, 8. Jetzt habe ich mich gefragt, auch wieder so ein bisschen eigennützig aus der Vaterperspektive.
Du redest von dem zweiten Arbeitsmodell. Wann ist es denn aus deiner Sicht vielleicht eine gute Idee, an diesem zweiten Arbeitsmodell zu arbeiten? Weil ich kann mir zum Beispiel jetzt vorstellen, dass es vielleicht die Pubertät ein bisschen einfacher macht.
Wenn ich sowieso in dieser Phase der Identitätskonfusion bin, sowieso in dieser Phase bin, wo ich mich selber kennenlerne, dadurch, dass ich mich zu meinen nächsten Bezugspersonen abgrenze und dann entsprechend diesen vertikalen Selbsttransfer, übrigens in der letzten Podcast-Folge, Sebastian, ich weiß nicht, ob du das mitbekommen hast, ich habe vertikal mit horizontal verwechselt. Auch in der Gestik, ganz komisch. Und wenn ich das mal dann betrachte, in dieser Phase, um das so ein bisschen zu entspannen, ein bisschen zu beruhigen und auch mit mir selber besser zurecht zu kommen und mir selber ein bisschen mehr Liebe mitgefühlt und so weiter geben.
Und dieses zweite Arbeitsmodell da schon aufbauen. Hältst du das für sinnvoll? Hast du das schon mal gemacht?
Weil ich frage mich halt auch vielleicht, dass ich meinen Kindern das dann auch irgendwann mal mitgeben, diese Erlaubnis mitgeben, hey, bau dieses zweite Arbeitsmodell auch auf. Nicht, ich habe jetzt hier meine Arbeit getan und jetzt geh du mal damit weiter. Ergibt das Sinn, was ich da sage, Stefan, weißt du ungefähr, was ich meine?
Ich weiß, was du meinst.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Es ist eine spannende Frage, ab welchem Alter Menschen, Jugendliche die Methode gern für sich nutzen würden. Ich arbeite ja nur mit Erwachsenen, das ist das eine. Das andere nochmal, vielleicht ein bisschen diese Idee mit den zwei Arbeitsmodellen zu entschärfen.
Das ist eine Idee, die verwende ich beim Teachen, beim Lehren. Es gibt das eine, das alte, das geprägt wird und wir wollen ein neues dagegen aufbauen oder eine Alternative schaffen. Einfach um klarer zu machen, dass wir nicht unbedingt im alten Groß aktiv sein müssen, sondern wir können direkt beginnen eine Alternative auszubilden.
Wenn man jetzt noch ein bisschen genauer in die Bindungsforschung schaut und verschiedene Bindungsmuster anschaut, sind es nicht nur zwei, sondern es können auch mehrere sein. Also je in diesen klassischen Forschungen, klassischen Modellen, die häufig zwischen unsicher und sicher kategorisieren, je sicherer, desto flexibler sind die Bindungsmuster. Verschiedene funktionelle Muster haben wir auch.
Also Flexibilität als Schlagwort an dieser Stelle. Und je unsicher die frühe Erfahrung war, desto mehr versteife ich mich auf eine Überlebensstrategie, die in dem Kontext super funktioniert hat, aber leider in ganz vielen anderen Kontexten nicht mehr funktioniert. Ich finde immer, das gute Bild ist, solche Kinder werden Spezialisten. Menschen wie Handwerker, die haben vielleicht 20 Jahre lang als Schreiner gearbeitet, was grandios ist, und dann sollen sie auf einmal Maler sein. Und die können es nicht. Nicht wild.
Muss man halt neu lernen. Aber je gefährlicher, je angstbesetzter die frühe Erfahrungen waren, desto mehr versucht das System im Regelfall sich auf ein Muster festzukrallen, das in dem Kontext funktioniert. Unterschiedliche Eltern sind auch zwei Muster, aber eher wenige.
Und je mehr Menschen in dieser klassischen Skalierung in Richtung Sicherheit wandern, desto mehr Flexibilität zeigen sie auch in ihren Bindungsmustern. Und dann sind es vielleicht nicht zwei Arbeitsmodelle, sondern vier, fünf verschiedene Arbeitsmodelle. Und was zu den Fragen von Jugendlichen, um darauf zurückzugehen.
Ich denke, im ersten Schritt ist es immer schön, Jugendlichen nach Möglichkeit auch einfach tatsächlich reale, gute Begleitpersonen an die Seite zu stellen. Ja, klar. Wenn man das irgendwie ersetzen könnte. Und dann wäre natürlich eine spannende Frage, ob sie schon Zugang dazu haben, sich irgendwas vorzustellen, an Begleitpersonen dieser Phase unterstützt zu sein. Und vielleicht sind es gar keine Elternfiguren. Vielleicht sind es dann besonders herzliche Superstars oder eine coole Gruppe von Peers oder I don’t know, was immer hilfreich sein könnte.
Also ich kann mir verschiedene Sachen da vorstellen, habe aber dazu noch keine Erfahrungen gesammelt.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Okay, alles klar. Aber es ist für mich auch nochmal sehr spannend zu erfahren, dass je sicherer die Bindung, desto flexibler bin ich im Aufbau der Arbeitsmodelle. Und dass ich natürlich erstmal als Elternteil dafür sorgen, als reales Elternteil dafür sorgen muss, dass die sichere Bindung dann auch in dem Sinne da ist.
Und dann kann ich dann immer noch anbieten, dass da weitere Arbeitsmodelle entstehen dürfen. Also ich finde es halt auch wichtig, weil Sebastian das ja vorhin angesprochen hat, also werde ich jetzt ersetzt dadurch als Elternteil? Nee.
Also auch wirklich diese Erlaubnis mitzugeben und schon Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, hey, vielleicht gab es da Situationen, wo ich jetzt nicht optimal gehandelt habe. Und du hast jetzt als dein Vater, hast du jetzt von mir die Erlaubnis und würde ich dich mal so einladen, dass du dir das mal vorstellst, wie anders hätte es laufen können und so weiter und was müsstest du dafür imaginieren und so weiter. Fände ich für auch eine reale Beziehung, du hast ja vorhin gesagt, nachdem deine Klientinnen und Klienten bei dir in Therapie waren, dann ist die Beziehung noch besser gewesen zu den Eltern.
Und dass sie für sich einfach Bindung flexibilisieren lernen, früh, fände ich gar nicht so schlecht. Fände ich sehr resilient auch, weil wir sind ja hier im Resilienz-Podcast, also finde ich sehr, sehr ressourcenaufbauend. In meiner Vorstellung, ich biet’s mal an, mal gucken, vielleicht kommt dann auch das typische pubertäre Papas, mit deinem Psychologie-Scheiß, geh mir weg damit, ich geh jetzt zocken, keine Ahnung, ich weiß es noch nicht, es ist noch ein bisschen hin, aber ich biet’s mal an.
Das hat mich sehr inspiriert heute.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Also mal angenommen, und das habe ich gerade noch so überlegt, mal angenommen, der Prototyp der idealen Eltern könnte irgendwie so eine Sendung gestalten, die sich alle Menschen angucken müssten. Im Sinne von How-to-sicherer-Bindungsstil. Was würden die als Quintessenz ihres Seins in Bezug auf Bindung und in Bezug damit auch auf das für mich wichtigste psychologische Grundbedürfnis, was würden die sagen?
How-to und what not to. Also das ist jetzt der Versuch der gesammelten Riege an Elternratgebern sozusagen. Aber du weißt, in welche Richtung ich möchte.
Also das ist ja so, man hört so sicher gebunden, aber ganz ehrlich, ich hätte keine Ahnung, wie ich das jetzt, also ich könnte es jetzt nicht sagen oder erklären, aber ich habe dich ja da als Bindungsprofi hier und auch mit der Gefahr, dass ich unsere Coach-Klienten-Situation jetzt ein bisschen verändere, mal gucken. Ja, ist ja eh ein Risiko, aber ich finde auch sozusagen die Rollenunterscheidung finde ich da auch sehr professionell, auch von dir und zwischen uns. Aber das interessiert mich mal so dieses, was würde so der Prototyp sagen wie, hey, liebe reale Eltern, wir als die Gruppe der idealen Eltern, wir wollen auch mal Urlaub machen, bitte macht mal ein bisschen mehr hiervon, ein bisschen weniger davon.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ich glaube, zuallererst mal würden die es vor allem sein, also im Kontakt sein und gar nicht so viel sagen. Aber wenn sie sagen müssten, dann wären fünf Faktoren, zumindest in der Methode wurde die aktuelle Forschung zum Thema, was ist gut, um eine sichere Bindung aufzubauen, in fünf Faktoren zusammengefasst. Und der erste Faktor ist erstmal Sicherheit.
Sicherheit in der Beziehung, also ich fühle mich willkommen, ich darf mit allem da sein, alle Emotionen, positive, negative, mit allen Meinungen, ich darf ich sein in der Beziehung, ich bin erstmal so, wie ich bin, willkommen. Ich muss keine Angst haben, dass ich irgendwie ignoriert werde, bestraft werde, um Gottes Willen sogar geschlagen werde oder ähnliches. Also ich bin erstmal sicher.
Und der zweite Teil von Sicherheit, ich werde beschützt. Also von äußeren, ein Kind kann immer, je nach Alter, eine gewisse äußere Gefahr Menschen, andere nicht, ich werde beschützt. Also ich habe das Gefühl, ich kann, weil ich beschützt werde, kann ich meine Umwelt explorieren, kann ich frei rausgehen in die Welt und erkunden, weil ich weiß, da gibt es einen sicheren Rahmen.
Da ist jemand, der guckt noch auf mich, der passt auf mich auf. Das ist der große Faktor Sicherheit. Der zweite Faktor ist auf Englisch Attunement. Vielleicht sowas wie Eingestimmtheit oder Resonanz auf Deutsch. Wozu gehört Interesse? Also ehrliches Interesse? Wie verhält sich das Kind? Aber auch für die Innenwelt. Was denkt es, was fühlt es, wie erklärt es sich die Welt? Was ist für ein Wesen da, das da in die Welt gesetzt wurde? Attunement heißt auch körperliche Resonanz sein. Also in das Kind hineinspüren.
Mitfühlen, was das Kind fühlt. Dass das Kind das Gefühl hat, gefühlt zu werden. Spannend, dass wir ein Gefühl haben können, wie es sich anfühlt, gefühlt zu werden. In gefühlter Resonanz zu sein. Einstimmen, Moment für Moment mitzukriegen, was das Kind braucht. Das Kind zu verstehen.
Wenn das Kind sich selbst noch nicht versteht, ist da jemand im Äußeren. Der hat schon ein bisschen mehr Erfahrung im Leben gesagt. Der kann sagen, genau weiß ich auch nicht, aber es könnte sein, dass du gerade wütend bist. Es könnte sein, dass du gerade schreist. Vielleicht bist du wütend. Da kann das Kind prüfen, könnte sein. Hat sowas gelernt. Also Resonanz als zweiter großer Faktor. Der dritte große Faktor ist dann Emotionsregulation.
Also Eltern, die herausfinden, wie sie für das Kind da sein dürfen, dass es beruhigt wird. Und es ist natürlich unterschiedlich, je nach Alter. Vielleicht zu Beginn erstmal nur auf die Brust legen, gemeinsam atmen, Körperkontakt, bewegen. Vielleicht sind es dann Worte, die beruhigen, Gesten, Berührung, Umarmungen. Alles wird gut, wir sind für dich da, wir kriegen das in den Griff. Was immer es ist, was das Kind wirklich beruhigt.
Aber Eltern, die in der Lage sind, das Kind wirklich zu beruhigen und zu trösten. Das wäre der dritte große Faktor. Der vierte große Faktor ist dann dieses Express Delight. Also Ausdruck von Freude. Dass das Kind mitkriegt, dass es den Eltern wichtig ist. Wirklich wichtig.
Vielleicht das Wichtigste in ihrem Leben. Das ist, was es bedeutet für die Eltern. Dass die Eltern sich freuen, dass sie das Kind haben. Und nicht, weil es irgendwas leistet oder besonders toll macht, sondern einfach, weil es ist. Diese bedingungslose Freude, die dann als Selbstwertgefühl internalisiert wird. Und der letzte Faktor, der über die weitere Entwicklung erstreckt sich, ist Unterstützung bei der Selbstentwicklung. Und da geht es darum, ich mag das Bild, dass jedes Kind so ein bisschen wie ein einzigartiger Pflanzensamen ist. Wir wissen nicht, was sie bekommen, ob wir eine Rose oder eine Eiche oder eine Orchidee bekommen. Das wissen wir nicht.
Aber unsere Aufgabe als Eltern ist, das nötige Licht und die Nährstoffe und das Wasser zu liefern, dass das, was da ist, gedeihen kann. Und das Kontrast dazu wäre ja, weil der Vater Anwalt wurde, muss das Kind auch Anwalt werden. Also dass die Eltern schon vor der Geburt oder nach der Geburt einen konkreten Plan haben, was das Kind alles in diesem Leben leisten muss, gegebenenfalls für sie leisten muss, weil sie es selbst in ihrem Leben nicht erreicht haben.
Diese ganzen unausgesprochenen Aufträge oder vielleicht sogar ausgesprochenen Aufträge rollen zu bei dem Kind, dass das nicht da ist. Dass das Kind sich wirklich frei entfalten darf, wie es ist. Klar, wir Eltern geben alle was mit. Wir erziehen unser Kind. Wir versuchen dem schon ein Stück weit beizubringen, wie funktioniert das gesellschaftliche Zusammenleben. Ja, ist auch wichtig, dass es da Modelle davon hat, wie es in der Gesellschaft gut zurechtkommt.
Aber mit dem Fokus, dass er so seinen eigenen Kern entdecken darf, dass er seinen eigenen Weg gehen darf. Und dabei heißt es, das Kind zu fördern. Und dazu gibt es dann diese Idee von Zone of Proximal Development.
Also das Kind immer ein Stück weit fordern, also Angebote machen, wie es wachsen könnte, aber es nicht überfordern. Und immer gucken, wo will sie es hin entwickeln, wie könnte ich es dabei unterstützen. Und dann ist ein großer wichtiger Faktor auch noch, und dann, so eng heißt es, the biggest fan, also die größten Fans des Kindes sein. Also man darf so auf sein Kind stolz sein, man darf es feiern, man darf ein Fan seines eigenen Kindes sein. Das ist nicht verkehrt. Klar, es gibt auch viele andere tolle Kinder, also es ist nicht das einzige tolle Kind, aber klar, für einen als Elternteil ist das eigene Kind das tollste Kind.
Und das ist auch vollkommen okay. Und es ist schön, wenn man das ausdrückt, dass es beim Kind ankommt, dass es spürt, dass es Rückenwind hat. Dass es Rückenwind hat, wenn es hinaus in die Welt geht. Und das wäre der letzte, fünfte Faktor, diesen Rückenwind zu haben. Ja, das wären so die fünf Faktoren, die dir deine Eltern vielleicht dann erklären würden.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wunderbar. Stefan, gibt es noch eine Vorstellung oder eine Imagination, die du uns allen anbieten möchtest? Wenn wir jetzt so aus dieser Folge gleich rausgehen, die wir alle mal jetzt für uns machen könnten, wenn wir es wollten.
Wo du das Gefühl hast, das kommt dir jetzt gerade und das möchte ich mal einfach anbieten für jeden Menschen da draußen, der jetzt gerade zuhört. Hättest du da was? So eine Lieblingsimagination oder wo du einfach jetzt gerade so ein Gefühl von bekommst, ja, ich glaube, das könnte jetzt gerade für viele Menschen hilfreich sein. Vielleicht aber zumindest für die beiden, die jetzt hier gerade sitzen mit dir.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Ja, ja, gerne. Was ist ein zeitlicher Rahmen? Achso.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
So drei Stunden, würde ich sagen. Wir versuchen in unserem Podcast immer unter fünf Stunden zu kommen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Achso, okay, also das ist jetzt alles über fünf Minuten, ja? Wahrscheinlich dann, ja, okay. Ich kann auch unter fünf Minuten, genau. Also so in dem Rahmen, wenn es so fünf Minuten dann ist, bleib mal in deinem Schluss. Also ich würde jetzt nicht einfach weggehen, Sebastian, du auch nicht. Nein.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Also die Einladung, falls du das Gefühl hast, dass das, was du bisher gehört hast, irgendwie stimmig für dich war, also die Vorstellung, dass du dir sowas für dich passende Elternfiguren vorstellen könntest, dann ist die Einladung, dass du einfach mal deine Augen schließt gerne, genau, ein paar tiefe Atemzüge nimmst, um bei dir anzukommen. Einfach mal neugierig wirst, ob es einen Anteil in dir gibt oder eine Seite, die heute was vielleicht Näherendes, was Angenehmes erleben will. Wenn du da innerlich ein Ja bekommst, dann wäre die nächste Einladung, dann in der Vorstellung einzutauchen, wo du dich selbst als kleines Kind erlebst und bei dir sowas sind wie Eltern, die für dich jetzt in deiner Vorstellung wirklich stimmig wären.
Wo du sagst, ah ja, die sind genauso, wie ich es jetzt als diesen kindlichen Anteil gerade brauche. Eltern, wo ich wahrnehme, da fühle ich mich sicher, da fühle ich mich geborgen, da werde ich geliebt. Dann ist die Einladung, einfach als Kind mal neugierig zu sein und das kannst du gerne austesten, wie es für dich ist.
Neugierig zu sein, wie kannst du diese Imagination innen für dich so gestalten, dass es dich stimmig anfühlt. Also wie wären diese vorgestellten Elternfiguren, dass du als dieses kleine Kind spüren würdest, ja da, da bin ich sicher, da bin ich sicher, da kann ich ich sein. Da kann ich ganz ich sein, da bin ich beschützt. Wie würdest du dir das für dich vorstellen, dass es sich für dich stimmig anfühlt. Und dann wahrzunehmen, ja und da, da werde ich auch gesehen. Ja, da ist jemand, der spürt mich, der nimmt mich wahr, der nimmt mich ernst, der spürt wie es mir geht, der kriegt die volle Aufmerksamkeit.
Da wahrnehmen, wie könntest du die Vorstellung für dich so gestalten, dass du das für dich stimmig dir imaginierst. Wirklich gesehen zu werden, dich verstanden zu fühlen. Und dann noch vorzustellen, ja und wie wäre es, wenn diese idealen Eltern oder diese vorgestellten Eltern, was du dir eben gerade da imaginierst, das für dich stimmig ist, wenn die dich wirklich vom Herzen her gern haben würden. Und dann merken wir, dass du bist denen wirklich wichtig. Die mögen dich einfach so wie du bist und die drücken das aus. Du kannst es spüren. Es ist vielleicht das Strahlen in ihren Augen oder das Lächeln auf ihrem Mund oder die Art und Weise, wie sie dich anschauen oder mit dir sind. Spüren, dass diese Eltern dich wirklich zutiefst schätzen und mögen. Einfach so wie du bist.
Und auch wahrnehmen, ob du diese Vorstellung so für dich gestalten kannst, dass es stimmig ist. So dass die Einladung ist und es weißt nur du, wie du dir dieses Zusammensein mit diesen imaginierten Eltern nun vorstellst, dass du dich bei denen wirklich sicher und geborgen fühlen kannst. Dass du dich von denen gesehen und verstanden fühlst, die wirklich mit den Resonanz sind. Dass du dich von denen geschätzt und geliebt fühlst. Und du bist frei in deiner Vorstellung, die Imagination so anzupassen und zu verändern, bis es sich für dich, wirklich für dich stimmig anfühlt. Das ist das Entscheidende. Wenn du das Gefühl hast, ja, so fühlt es sich stimmig an, dann erlaub dir da mal hinein zu spüren. Hinein zu spüren, wie du das jetzt erlebst. Ob es da vielleicht eine Seite von dir gibt oder ein Teil, der das einfach gerade genießen will.
Oder ein Stück weit, dass du das sogar als nährend oder kräftigend erlebst. Und wenn das so ist, dann genieß es einfach einige Augenblicke für dich. Einfach spüren und genießen.
Und dann, falls es sich gut anfühlt, darfst du diese guten Gefühle gerne mitnehmen, während du dich einfach von dieser Vorstellung in deinem Tempo löst. Und dich dann ganz allmählich auf den Weg zurück machst, das Wachbewusstsein, vielleicht erstmal dich reckst und streckst. Und dann, wenn du soweit bist, die Augen wieder öffnest.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wunderschön. Vielen Dank, Stefan.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Gerne. Und ich kann auch nur sagen, danke. Und möge die Resilienz mit dir, mit euch und mit ihnen sein.
[Stefan Passvogel – Resilienz-Podcast]
Am Herzen gerne. Tschüss. Tschau.
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