[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Herzlich willkommen zu Rethinking Resilience, dein Podcast für Resilienz in Theorie und Praxis. Von und mit Sebastian Mauritz und Ruben Langwara. Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge im Denkraum. Und ja, hallo lieber Ruben, ich freue mich sehr, dich heute hier zu sehen. Ich mich auch, sehr. Ja, und es ist mal schade, dass man die Aufnahme vor der Aufnahme nicht anstellt.
Meistens höre ich mich dann immer noch mal etwas Unqualifiziertes sagen, was man mir kaum glauben mag, aber irgendwie entfährt es mir so ein wenig. Es geht heute um eine Emotion, die ich letztens gerade, da war ich nämlich abends auf dem Weg aus dem Süden der Republik wieder in mein schönes Göttingen. Also es ist nicht mein Göttingen, aber es ist meine Lieblingsheimatsstadt.
Schon ein bisschen. Ja, schon irgendwie. Also man kennt mich so im Guten und über andere Zeiten sprechen wir nicht. Und dann war ich auf einer Landstraße unterwegs und bin so durch so ein Waldgebiet gefahren und es war echt knackekalt und es war echt dunkel. Und ich habe so rausgeguckt und dachte so, boah, wie krass kann man denn bitte gerade den Himmel sehen? Und dann habe ich eine Sache gemacht, die ich ab und zu mal mache.
Ich habe angehalten, bin ausgestiegen und habe alles ausgemacht an Licht. Dann irgendwann ging das auch vom Auto aus und dann war es halt stockfinster. Und ich habe diesen Himmel mir angeschaut und dachte nur so, boah, wie krass. Dann habe ich mir aus dem Auto eine Decke geholt. Ich habe immerhin eine Decke drin und habe mich da mitten auf den Parkplatz gelegt. Ich war auch alleine da.
Das war irgendwie so ein, keine Ahnung, so ein Waldparkplatz irgendwie und habe so hochgeguckt und dachte so, boah, wie krass. Und habe so gefühlt irgendwie da ein paar Minuten gelegen. Dann wurde es halt auch echt kalt, weil es war auch echt kalt. Ich kam aus einem warmen Auto. Das hält dann immer so einen Moment und habe mich irgendwie ja in diesem Himmel so verloren. Und irgendwie dieses, ja, und die Emotionen, die ich da gespürt habe, die spüre ich total gerne.
Und wie heißt die denn? Die warum?
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Auf Deutsch heißt sie Ehrfurcht und auf Englisch heißt sie so, wie du gerade gemacht hast. Und deswegen finde ich den englischen Namen noch besser. AWE, das passt natürlich schon fast ein. Ist das ein Onomatopäe, eine Lautmalerei? Dieses, wenn man das dann so macht, wie es dann, wie es dann, wie es dann klingt, wenn dann das Wort ist, so wie Peng und und und nicht so. Also klingt auch irgendwie so.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, da ich viel auch Comicsprache benutze in meinen Seminaren, so diese, also das ist irgendwie, wenn man mit den Comics aufwächst. Ich habe die halt jahrelang irgendwie geschaut und irgendwann werden die Teil der eigenen Wirklichkeit. Das heißt, wenn ich sehe, wie jemand irgendwie da geschubst wird, dann ist man so.
Also das ist ja meine billig Version des Beatboxens. Es macht die Welt, die ich nicht höre, ein bisschen akustisch greifbarer, sozusagen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Gut, dann schaue ich mal, ob bei deiner nächsten Beatbox Aufführung ich vor Ehrfurcht erstarre, wenn ich sehe, was du da so raus hast.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, dass ich mich traue, das überhaupt zu machen. Alter Schwede, schmerzfrei der Junge.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Sehr geil, sehr geil.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, also Ehrfurcht, auch Staunen. Also ich bin ja bei Sprache immer sehr genau und ich finde Ehr und Furcht, das ist so eine Kombination, wo ich, wenn ich so. Ja, diese, Matthias Wager von Keybed nennt das immer so schön, die semantische Reaktionsdifferenzierung.
Also wenn ich da so gucke, was für semantische Räume da aufgehen, merke ich bei Ehrfurcht, es ist irgendwie, es macht mich klein und zwar auf eine ein bisschen unangenehme Art und Weise. Und wenn ich dieses Staunen habe, das ist eher so ein Och, so das macht mich auf eine angenehmere Art und Weise klein oder ich erlebe mich dann kleiner im Aufgehen ins Größere so. Und diesen Moment der Transzendenz, den ich da jetzt bei diesem Himmel hatte, der war für mich so, also der hat vieles von meinen Alltagsthemen einfach sehr so, ja das ist dann nicht ich, weil was interessiert die Ewigkeit, was ich mir gerade für Gedanken mache und was ich vielleicht für Themen habe, was ich gerade irgendwie nervig finde oder was auch immer, da verschwindet relativ viel.
Und gleichzeitig ist das eine Perspektive, wo ich danach anders über die Welt und über meinen Handel nachdenke. Und darum soll es heute gehen, also was ist Ehrfurcht, was ist es nicht, wie kann man die auch im Business-Bereich nutzen, worauf muss man da auch achten vielleicht. Für diejenigen, die es sich angucken, als Video auf YouTube, ich habe eine der Mützen auf, die Tony Robbins immer nimmt und mein lieber Freund Daniel in der Tanzschule kennengelernt, war noch ganz klassisch nach der Pfarre, wie man das so schön sagt, da habe ich dann Tanzstunde gemacht bei Frau Gedorher in Hann.
Münden im großen Jäger. Also das ist mehr traditionelles Denken, geht fast nicht. Und dann habe ich schön den A-Kurs gemacht, habe den F-Kurs gemacht und dann den Bronze-Kurs und dann halt irgendwie auch Turnier getanzt und so weiter und so fort und wie gesagt, Daniel hat mir, mit dem war ich vor ein paar Jahren in Köln und habe da die Tage mit Tony Robbins und seinen Co-Trainern, wie auch immer man das nennen möchte, verbracht.
Und daran erinnert mich die Kappe und ich dachte, ich setze die heute mal auf, weil da habe ich ganz viel im Gruppen-Kontext, also etwas über 14.000 Leute, wenn man das noch als Gruppe beschreiben kann, die Vorstellungsrunde war ein bisschen ausgedehnte, aber es ist manchmal so, da habe ich, daran erinnert mich die Kappe und deswegen dachte ich so, ja, da war viel Ehrfurcht, in der Lanxess-Arena, diese Größe, du warst da, glaube ich, auch mit sogar deinem Freund, mit meinem Vater, genau, und auch da spielte Ehrfurcht eine große Rolle, genau, und darum soll es heute gehen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wunderbar. Ja, Ehrfurcht ist eine extrem spannende Emotion. Lieb ich, reinzugehen, die zu entdecken, weil sie auch noch relativ neu ist als Emotionskonzept, in der Forschung definiert es so seit circa 25 Jahren und das ist relativ neu und es gibt immer ausgefallenere Arten und Weisen, um auch Ehrfurcht zu erzeugen, in der Emotionsforschung ist ja immer dieses Thema Emotion Elicitation, also dieses Thema wie, kann ich einen Reiz setzen, um dieses Emotionskonzept anzuschalten und was macht es dann auch mit den Menschen und Ehrfurcht ist eine Emotion, die zu der Kategorie der selbsttranszendenten Emotionen gehört, also genau wie du es sagst, das Ego wird kleiner und es soll ein angenehmes Auflösen in der Gemeinschaft entstehen.
Bei selbsttranszendenten Emotionen, aber bei Ehrfurcht, bei Ohr, bei Staunen ist es, kann es auch genau das Gegenteilige sein, was du gesagt hast, also auch manchmal, es ist keine rein angenehme Emotion, die ist wahnsinnig komplex und diese Furchtaspekte, die da auch drinnen sind, also Ehrfurcht spüren wir besonders zuverlässig durch Reize, die räumlich, zeitlich, sozial oder konzeptuell überwältigend wahrgenommen werden und das kann dann auch, du sagst, es war jetzt ein wunderschöner Sternenhimmel und dann ist es eine angenehme Assoziation, wenn ich die Geschichten von meinem Opa höre, wie er den Atlantik mit einer Nussschale überquert hat, also mit einem Segelboot und dann sagt, da waren 15 bis 20 Meter hohe Wellen, als er da nach New York gesegelt ist, ja, da kommt was anderes bei mir rüber oder als ich damals in Afrika eine Safari gemacht habe und dann steht dann auf einmal ein Elefant vor dir.
Da weiß er auch, ja, könnte jetzt auch bald vorbei sein und das ist dann nochmal eine andere Form der Ehrfurcht, also du bist halt überwältigt und merkst halt wirklich, wie klein du bist und unangenehm, unbedeutend und weil du jetzt hier gerade auch eher in einem Gefahrenkontext bist, aber Ehrfurcht ist eher ein Konzept, was auch in der positiven Psychologie genutzt wird, um Offenheit zu fördern bei Menschen. Also dadurch, dass dieser Reiz zeitlich, räumlich und so weiter so überwältigend wahrgenommen wird, ist immer wieder und in der Forschung wird da gesprochen von einem Need for Accommodation, also so ein kognitiver Anpassungsprozess, also ich muss umdenken, um das gerade einordnen zu können, was ich da gerade sehe.
Auch damals, also ganz damals, so Kopernikuszeiten, Galileozeiten und was nicht alles, als sie in den Himmel geschaut haben, mussten sie diese irdischen Denkweisen, die es damals gab, beiseite legen und ganz anders denken, um diesen überwältigenden Kosmos da draußen irgendwie greifen zu können, irgendwie verstehen zu können. Und deswegen ist das auch eine wunderbare Emotion, um kreative Prozesse zu fördern. Ich weiß nicht, also wenn du so in diesen Sternen, also in diesen Sternenhimmel geguckt hast, was ist denn da in dir entstanden?
Also hat das irgendwelche Denkprozesse angeregt, Gefühlsprozesse angeregt? Was ist denn dadurch möglich geworden?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Das habe ich mich in Vorbereitung auf heute auch gefragt. Und ich mag solche Momente, also sei es jetzt in Kirchen, sei es in, weiß ich nicht, auch Schlössern oder irgendwelchen Dingen, die halt, oder auch als ich mal so eine Museumstour in Venedig gemacht habe und ich war in verschiedenen Museen, wo riesige Meisterwerke waren, wo auch ganz kleine Dinge von unglaublicher Schönheit und Ästhetik waren. Auch ein paar Sachen, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte, aber ja, mein Gott, also wenn die mir sagen, das ist Kunst, dann ist das Kunst, das ist okay, das diskutiere ich nicht.
Aber auch, sag ich mal so, der Blick über Weite, über Größe, wo in mir das Denken über mich als Sebastian, als ich, als ich-Struktur auf einmal nicht mehr so wichtig ist. Also es leitet meine Wahrnehmung eher in größere Räume. Und das, was du sagtest, dieses Thema Furcht oder Angst, sich selbst zu verlieren in dem, die habe ich für mich in dem Moment nicht gehabt oder die habe ich da typischerweise nicht. Wo ich dann so denke, okay, das ist so ein schönes Loslassen von Begrenzungen. Und natürlich verletzt das massiv das Grundbedürfnis Orientierung und Kontrolle, weil es gibt da nichts mehr zu orientieren im Großen und Ganzen. Also ich bin da irgendwie Teil, ich gehe da drin auf.
Und damit ist es schon wieder irgendwie auch eine Form von Orientierung, aber halt auch eine komplette Form von Verbindung mit diesem Unendlichen im Erleben zumindest. Was dann, wenn man Transzendenz erklärt, sehr schwierig ist. Wenn man Transzendenz erfährt, erspürt, erfühlt, erlebt, dann irgendwie deutlicher wird.
Und du hast gefragt, was dadurch möglich wird. Also ich war aus ganz vielen so Gedankenmustern auf einmal draußen, die so Alltagsgedanken, so der Alltagslärm, so ne, wann muss ich das nächste Mal tanken, wann bin ich ungefähr zu Hause, was steht morgen an und so weiter. Also so dieses Denken, was so durch den Alltag bringt, das ist in solchen Momenten nicht mehr bei mir da.
Und irgendwie löst das was in meinem Gehirn aus, in meinem Nervensystem, wo eine Form von Entspannung da ist. Und wo ich Gedanken habe, wo ich so auf Ideen komme, wo ich so denke, ach krass, den Gedanken habe ich so noch nie gedacht. Und danke, dass du dich zeigst, lieber Gedanke. Dann bin ich da einfach. Und da habe ich mich halt gefreut zu merken, wie klein und unbedeutend ich bin. Und dann habe ich mich gefreut, dass ich mich darüber gefreut habe, weil ich so dachte, das war auch mal anders.
Also sozusagen die Freude über die eigene Unbedeutsamkeit ist einfach was, was dann für mich dieses Thema der Demut, also Auflösung von Ich-Strukturen und so weiter. Und das hast du halt nicht nur, weil du dir eine Mala umhängst, bist du nicht auf einmal in diesem Zustand, sondern das braucht halt einen Prozess. Und das war einfach schön.
Da war ganz viel da. Dann kam Rührung und so. Und das ist ja auch eine selbsttranszendente Emotion.
Und dachte so, ach schön. Und dann bin ich weitergefahren, weil es mir kalt wurde.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Da hast du den Körper wieder gemerkt.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, den Körper gemerkt. Ja, den hat man ja irgendwie immer mit dabei. Irgendwie musst du den Kopf ja durch die Tür kriegen. Und dann bin ich weitergefahren. Dann war auch schön, war muckelig. Ach, habe ich mir Sitzheizung kurz angemacht. Ach, war schön. Und das war aber ein Moment, der hat nachgeschwungen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, sehr gut. Ja, da hatte die Gänsehaut, die dann kam, einen thermoregulatorischen Effekt, anstatt dass es dann eine Ehrfurchtsgänsehaut, eine prickelnde Gänsehaut war. Ja, wunderbar.
Also den Prozess, den du gerade beschreibst, das geht ganz nah an dem, was auch in den Untersuchungen steht. Eine Sache, die du gerade genannt hast, so die Alltagsgedanken gehen runter. Ehrfurcht reduziert auch die Aktivität der Grübelnetzwerke. Wir Menschen, sage ich immer, sind sehr nah verwandt mit den Kühen, weil genau wie die Kühe sind wir Wiederkäuer. Also wir kauen auf unseren Gedanken. Nennt sich auch Rumination.
Sowohl in der Biologie tatsächlich, beim Wiederkauen von Nahrung bei Kühen, als auch diese Tendenz, immer wieder Gedankenschleifen hochzuholen und ohne dafür eine Lösung zu finden. Und bei Ehrfurcht lässt du die einfach mal los. Also legst die beiseite.
Ich fand das mal so schön, was Alexander Gerst, der Astro Alex, der berühmteste Astronaut Deutschlands, gesagt hat, als er dann auf der ISS Station war, da hat er gesagt, wenn du da runter schaust und diese Weltkugel siehst, werden auf einmal alle Probleme sehr, sehr, sehr viel kleiner und lösen sich dann einfach aus. Und tatsächlich auch in den Studien wird dieses Thema Weltraum, ich habe ja vorhin über Emotion Elicitation gesprochen, also wie werden denn unterschiedliche Emotionen erzeugt beziehungsweise ausgelöst in Studien. Und da wird immer wieder mit dem Thema Weltraum gearbeitet.
Also alles mögliche, was die Erde im größeren Kosmos im Vergleich zeigt. Und entsprechend hat sich da gezeigt, dass da die Wahrnehmung der eigenen Probleme und Gedanken und so weiter unbedeutender werden. Und genau was du gerade gesagt hast, und dann gehe ich in der Gemeinschaft dann eher auf.
Und das hat nochmal einen weiteren Vorteil, da das erhöht das sogenannte prosoziale Handeln. Also ich arbeite eher für die Gemeinschaft, also ich gebe mehr, ich bin verträglicher dann auch in dem Sinne und lass mal neune gerade sein und so weiter. Also ich sehe mich sozusagen als Teil eines großen Ganzen und nicht in dem Sinne allzu sehr egogetrieben. Das ist eine ganz, ganz wichtige Sache, die bei Ehrfurcht dabei ist. Ja und diese neuen Gedanken, die du noch nie gedacht hast, das ist genau dieses Thema auch Need for Accommodation. Du hast einfach nen Anpassungsprozess.
Also es heißt auch, dass auch wenn ne Gänsehaut da ist bei Ehrfurcht und es sich körperlich auch sehr stark zeigt, also auch diese prickelnde Gänsehaut, wird Ehrfurcht mehr kognitiv sozusagen wahrgenommen als affektiv. Also es ist eher so, dass man ne kognitive Veränderung dann spürt. Also wirklich ein angepasstes und verändertes Denken und dadurch kann ich mich auch besser in andere Menschen reindenken, kann sagen, ah ok, in dem Perspektivwechsel könnte man auch denken und so weiter.
Also es baut viel mehr Brücken zu anderen Menschen, zu anderen Denkkonzepten und so weiter. Also ne schöne Offenheit, freiwillige Offenheit, die dadurch entsteht.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja und wenn ich da jetzt aus hypnosystemischer Sicht drauf schaue, dann gibt es ja diesen Satz, erleben wird immer durch die Fokussierung von Aufmerksamkeit erzeugt. Und da habe ich ja einmal auch das eher fokussierende Erleben. Also klassischerweise Probleme haben halt einen höheren Fokussierungseinladungsgrad.
Das heißt, wenn ich nur oft genug auch über ein Problem spreche oder genau genug auf das Problem drauf schaue, dann wird das subjektiv natürlich größer über den Fokussierungsprozess. Das heißt, mein Problem erleben wird im Prinzip auch umfassender, mannigfaltiger, wie auch immer. Und dann habe ich auf der anderen Seite diesen Defokussierungsprozess, also den Fokus weit zu machen.
Und über das Weite und über die Weite kommt in der Regel eine andere Form auch von Aktivierung meiner Erlebnisnetzwerke. Das heißt, der Tunnelblick funktioniert auf dem Rücken in das Weltall schauend nicht so günstig, sondern du brauchst halt eine Form von Wahrnehmung, um das halt erleben zu können, die sehr weit ist. Und ich könnte mir vorstellen, dass dieses, wie soll ich sagen, Tunnelblick erweiternde, was Ehrfurcht auch auslöst, weil du im Kontakt mit der Größe den Impuls hast, die Größe auch wahrzunehmen, dieser Impuls wirkt halt dieser Fokussierung, dieser Enge einfach entgegen.
Und wenn Enge zum Teil auch mit Stress assoziiert ist, ist Weite zumindest mal die Möglichkeit, diese Enge, diesen Stress, der damit assoziiert ist, zu verlassen. Und deswegen finde ich auch Naturpanoramen sensationell. Alles, wo ich so große Dinge habe oder auch kleine Dinge, die aufgrund ihrer unglaublichen Schönheit oder Detailreichtum auch wieder sozusagen eine Weite hervorrufen.
Also alle Dinge, die mein Denken weit machen, die sozusagen, weil sie so unfassbar sind, unfassbar schön, unfassbar besonders, kann ich da gedanklich erstmal keine Klammer drumlegen. Und dieses im besten Sinne fassungslose ist ja auch wieder eine Form von Weite, die sich ja sprachlich dann auch wieder zeigt. Das heißt, auch da im Alltag, ich genieße das total und wenn ich so durch den Wald gehe oder wie auch immer, so die Natur, die Weite und immer wieder auch dieses wunderbar, wie unbedeutend ich eigentlich bin.
Das entlastet ja auch, wenn man so denkt, die Welt dreht sich um einen, weil irgendwie der Narzissmus wieder reinkickt, man sich selber irgendwie wieder total wichtig nimmt. Das ist ja nicht so entspannt wie sagen, naja Gott, also in 100 Jahren oder in 200 Jahren interessiert es eh keinen und vor 200 Jahren hat noch keiner auf mich gewartet. Das nimmt schon viel Druck raus. Was nicht heißen soll, dass das, was man macht und wie man mit der Natur, mit anderen Menschen umgeht, unbedeutend ist. Das heißt einfach nur die Perspektive und auch die Beziehung zum eigenen Handeln wird eine andere. Und jeder Atemzug sollte bewusst entscheiden.
Nur die Bewertung dessen, ach Gott, das ist alles so wichtig und der daraus entstehende Stress, der verschwendet da für mich.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Definitiv. Und du hast gerade auch einen wichtigen Aspekt dieser komplexen Emotion genannt, also einen der Auslöser davon. Das ist Schönheit, hast du gerade gesagt, also mit Detailreichtum und so weiter.
Das würde ich auch gerne mal ganz kurz sortieren, weil es da ganz unterschiedliche Trigger, Auslöser von Awe gibt. Und die habe ich damals 2017, 2017, 2018 definiert. Wenn das veröffentlicht wird, da steht jetzt nicht mehr mein Name drauf, aber das ist auch in Ordnung, so ist das manchmal.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Auch Ehrfurcht vor der veröffentlichenden Größe.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Was damit zu tun hat, dass ich denke, wow, das ist ästhetisch, das ist detailreich, das ist wunderschön und das kann Sternenhimmel sein, es kann Sonnenuntergang sein, es kann Kunstwerk sein, es kann eine Blume, die ich mir angucke, im Garten sein, es kann Schmetterling sein, es kann was auch immer sein. Dann gibt es O, das steht für Obskurität, also sowas Übernatürlichkeits, so eine Übernatürlichkeitsthematik, also was so Wunderheilungen angeht oder du denkst an eine Person, die du seit Jahren nicht getroffen hast und dann ruft die auf einmal an. Und genau solche Dinge, die du dir nicht erklären kannst, also auch nicht in dem Sinne wissenschaftlich erklären kannst, wo du denkst, das ist ein Wunder, das kann ich mir nicht erklären, das muss ein Wunder sein, vielleicht hast du gleich auch nochmal schöne Beispiele.
Und dann gibt es M, das ist Meisterschaftsbasierte Ehrfurcht, also alles mögliche, was damit zu tun hat, dass eine Person eine Fähigkeit bis zur Meisterschaft gebracht hat und da in einer Größe ist, die einem unglaublich erscheint. Also seien es Turnerinnen oder Turner, die da was weiß ich was aufs Parkett legen oder ganz viele kenne ich, die erlebst, weil du vorhin Tanzen angesprochen hast, im Tanz, ja, also wenn Menschen so eine Körperspannung haben und sich bewegen können und diese Exzellenz im Tun. Ich überspring mal das E, weil das zweite S hat auch sehr stark damit zu tun und das zweite S ist Stärken des Charakters, also Tugendbasierte Ehrfurcht, also immer wieder, wenn Menschen eine Charakterstärke ausleben, wie Menschlichkeit, Empathie, Großzügigkeit, was auch immer uns in unserer Gesellschaft wichtig ist und dafür sozusagen als Sinnbild dann stehen.
Das ist vorhin Mala angesprochen, das haben manche Menschen, wenn sie halt den Dalai Lama sehen, dass sie dann sagen, oh wow, diese Person verkörpert für mich Güte und Weisheit und so weiter und warum habe ich das E übersprungen? Ich sage es gleich noch mal, M und S stecken, also haben ganz viel gemein, weil wir nach diesen beiden auch gerne unsere Mentoren im Leben auswählen. Wir erleben jemanden, eine Person und sagen, wow, jetzt ist er richtig drauf, von der Person möchte ich mehr lernen, da möchte ich auch entsprechend hin, das hat einen gewissen Sog-Effekt, ja, also was, ja, Tony Robbins, der ist einfach exzellent in dem, was er tut.
Also was er für eine Bühnenpräsenz hat, wie er, wie es ihm gelingt, so viele tausend Menschen zu bewegen, ist der absolute Hammer. Ja, ich bin noch nicht sicher, welche Tugend ich in ihm sehe, also ganz viele, aber halt so sinnbildlich, dass ich das sehe, aber halt Meisterschaft, da bin ich total dabei. Und, aber es gibt halt auch immer wieder, das müssen nicht immer so große Menschen sein, bei Stärken des Charakters, es können auch, also große Menschen im Sinne von berühmt, sondern es kann auch eine Mutter sein, die aufopferungsvoll ist, die Leben, einem guten Leben ihrer Kinder widmet.
Oder, ja, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die ganz viel aufopfern und damit es anderen Menschen gut geht und so weiter. Also, wenn wir das darin erkennen, diese Moral und dieses Thema, ja, das ist uns wirklich wichtig, ganz viel hat das auch häufig mit Rührung zu tun, die mischt sich da auch mit rein, aber da denken wir auch, ja, so sollten wir alle sein. Und deswegen richten wir auch unser Verhalten dann auch entsprechend eher danach.
Die Gefahr, die dann auch entstehen kann, wenn ich mir Mentoren nach Ehrfurcht aussuche, ist, dass ich denen blind folge. Dass ich mich dann, also, dass dieser Smaller-Self-Effekt, der dann steht, also dieses Thema, mein Ego wird kleiner und ich öffne mich für alles Mögliche, dass dann, dass ich auch ganz stark veränderbar bin durch diese andere Person. Das ist manchmal echt gefährlich.
Also, ich hab mal einmal, und ich bin auch vorsichtig, dass ich das sage, weil ich nicht die Swifties dieser Welt gegen mich aufbringen möchte. Ja, aber ich hab einmal diese Doku von Taylor Swift, über Taylor Swift gesehen. Und allein die erste Szene, und danach hab ich auch ausgemacht, weil ich das gruselig fand, die erste Szene, wo sie dann nur durch das Publikum zeigt und dann die Leute so richtig ausrasten so nacheinander und sie dann die Menschen einfach nur mit Gestik dazu bringt, etwas zu tun.
Und selber dann auch sagt, I feel so powerful und so weiter. Also, ich glaub, wenn Taylor Swift so ihren Fans sagen würde, schnapp den, mach den fertig, dann machen die das, ohne darüber nachzudenken. Ja, also die, die jetzt wirklich ganz krass drauf sind, also die wirklich sich da drinnen verloren haben, ohne darüber nachzudenken.
Also es war ja auch mal so eine Szene, ich weiß gar nicht mehr, bei welcher Awardshow das war, da hat Trevor Noah, der Talkshow-Moderator, auch aus Südafrika kommt er ursprünglich, aber er ist jetzt in den USA tätig, hat dann gesagt, wir wollen mal testen, wie mächtig die Swifties sind. Können die Swifties denn den Preis von Eiern regulieren jetzt hier in den USA? Und dann hat Taylor Swift gesagt, ja, die meinen Fans, die können alles, die kriegen alles hin.
Und dann hat Trevor Noah gesagt, alles klar, Swifties, ran da, der Preis von Eiern runter. Und der ist dann tatsächlich runtergegangen. Also es ist wirklich, was da für eine Bewegung dann entsteht, ist unglaublich und es ist eine Gefahr.
Und das ist, da kommt bei mir eine, ein E, eine erschaudernde Ehrfurcht. Also dieses Thema, da ist etwas und das ist genau dieses furchtbasierte Ehrfurcht, da ist etwas, das ist so groß, dass es gefährlich sein könnte, dass ich da eine schaudernde Gänsehaut anstatt eine prickelnde Gänsehaut eher bekomme. Das kann bei Naturgewalten sein, aber das kann auch bei etwas sein, bei einer Bewegung, die vielleicht auch politisch entsteht, wo mir das Schaudern kommt und wo ich denke, dass da ist jetzt was gestartet und das, also ich mit meiner kleinen Macht, die ich habe, also ich kriege das nicht geregelt.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, und das ist ja auch so ein bisschen so dieses, es gibt ja auch ein Lied, Kill Your Idols, und ich habe das lange nicht verstanden. Und ich habe mich ja auch in meinem Leben mit verschiedensten, ja in Anführungsstrichen, Meistern oder Gurus und Lehrern und Mentoren und Trainern und so weiter auseinandergesetzt. Und warum nenne ich die so in einer Folge?
Naja, also nur weil jemand anderem was beibringt, muss er noch kein Guru sein. Also Guru heißt übersetzt Lehrer. Die Frage ist immer, was für Statusthemen habe ich damit oder was für Statusthemen verbinde ich damit und wie gut, jetzt mal so von der Quintessenz gesprochen, wie gut hat mein Lehrer, meine Lehrerin die Egothemen im Griff.
Und das, was ich immer wieder bemerke, in so einer Unnahbarkeit, egal mit wie viel Freundlichkeit und was auch immer die einhergeht, die zum Teil mit ganz großer Nähe belohnt wird und dann wieder mit Liebesentzug, also so diese klassische intermittierenden Themen, wo man ganz besonders so zum inneren Kreis gehört, aber dann auch sozusagen immer bedroht ist, da wieder ausgestoßen zu werden, das hat typischerweise was mit, also meine Hypothese, können wir auch gleich nochmal drauf gucken, mit so Formen von, man könnte sagen, narzisstischen Nöten, narzisstischen Bedürfnissen, Vergrößerung des Egos auf Seiten meines Gegenüber, mit einhergehender Verkleinerung des Egos bei natürlich mir und wenn ich als Lehrer für die Verkleinerung des Egos bei meinem Gegenüber sorge und ich gemessen daran quasi mein Ego größer mache, dann kann das, ja, also man muss ein großes Ego auch halten können und ein großes Ego muss auch gesund sein.
Weil wenn es Dinge so unkontrolliert wuchern, sonst im Körper spricht man da von Krebs und dann ist die Frage, ist das gut oder bösartig, aber wenn es über die Maßen wuchert, das Ego, dann ist das selten günstig und ich erlebe das, könnte jetzt auch ein paar Namen nennen, das lasse ich, da merke ich so, es ist nicht auf Augenhöhe. Und es ist auch das Modul oder es wird dann Augenhöhe sozusagen erzeugt zum Teil und gleichzeitig dann über eine Form von Sprache, von Komplexität, von Studien, von was auch immer, wird dann aber ein Unterschied geschaffen, wo man mal denkt, der, oh wow. Und ich lerne ja seit knapp zehn Jahren bei einem Lehrer aus Malaysia und bei dem ist es so, der hat unglaublich Wissen und Stärke und Klarheit und ist auf seinem Weg extrem weit.
Und schafft es auf eine ganz bodenständige, einfache Art und Weise, den Schülerinnen und Schülern von ihm, mir auch zu begegnen, wo ich nie das Gefühl habe, mich klein zu fühlen, sondern immer so das Gefühl habe, er braucht keine Über- und Unterstellung. Weil die Augenhöhe schon mit Respekt und einem Wissen um die wahre Kraft und Stärke einfach einhergeht. Und ich kenne wenig bis keinen, der eigentlich, der hat keine Ego-Themen.
Also der wird ganz normal noch ärgerlich, wenn man irgendwie komische Sachen macht. Das ist auch völlig normal. Das ist aber nicht nachtragend, sondern das ist einfach Klarheit stiftend.
Also der hat eine ganz reine Form auch des emotionalen Ausdrucks. Der hat eine ganz große Klarheit, der hat eine große Freundlichkeit, eine ganz große Wertschätzung. Der lebt, was er lehrt. Also er ist immer hilfsbereit, immer sozusagen auch da, wenn man ihn braucht, wenn ich ihn brauche, wenn andere ihn brauchen. Und gleichzeitig müsste er vieles nicht mehr machen, macht es aber, weil er einfach sagt, nee, ich will die Welt halt besser machen. Und das finde ich so interessant.
Und das sind so für mich die Unterschiede von einem richtigen Lehrer, Mentor, Guru, wie man auch immer das nennen möchte. Und letztens hat er sich drüber aufgeregt, dass er wieder irgendwie einen Guru gefunden hätte, wo seine Schüler ihn die Füße waschen müssen, also dem anderen Guru. Und dann fing er dann nur an, in seinem Malayischen Englisch, sich da zu ischofieren und sagte, das fand ich so witzig.
Und ich denke so, er geht dann da halt sehr logisch ran und hat dann da wirklich, er sagt, I can’t believe it. Und das regt ihn dann auch auf. Also das ist dann aber nicht im Sinne von abwerten, sondern er macht dann da auch ein sehr rationales Argument. Manchmal flucht er auch, sagt er, I’m sorry, but I decide to come out. Und dann sagt er das auch. Und dann denke ich so, ja, also Ehrfurcht habe ich vor dem, was er kann, vor dem, was er macht, vor dem, worauf er auch Zugriff hat.
Und vor ihm als Person habe ich aber eher eine Form von Wertschätzung, die tatsächlich von der Ehrfurcht ein bisschen abgekoppelt ist. Ich habe vor ihm extrem viel Respekt und bin da auch sozusagen sehr klar in meiner Art, mit ihm umzugehen, auch ihn anzusprechen. Aber er hat dann mal in Deutschland ist und wir dann hier Seminare haben und wir dann mittags was essen.
Ja, dann erzählt er mir schon, dass er mit seinem Sohn irgendwie bei Bayern München war, irgendwie das letzte Mal in Deutschland. Und wir diskutieren über, weiß ich nicht, irgendwas so ganz weltlich. Und das, finde ich, ist für mich, weil ich mich gefragt habe, wo ist eigentlich die dunkle Seite der Ehrfurcht? Weil Menschen, die Ehrfurcht auslösen, haben ja viel Macht. Und da, finde ich, geht er, macht sich darüber auch gar keine Gedanken, sondern das ist einfach eine Haltung der Augenhöhe, der Würdigung, der Wertschätzung, die einen Unterschied macht. Der hat auch für mich gefühlt keine Egothemen.
Also ich wüsste es nicht. Ich meine, der ist jetzt 60, total klar, sehr fit, arbeitet unendlich viel, weil er die Welt besser machen will und auf eine nicht bereichernde Art und Weise. Wenn ich dir das so rüberspiele, Ruben, dieses Gesamtthema, wir haben da ja schon oft drüber gesprochen, auch vielleicht gerade so mit dem Thema Beeinflussbarkeit, ja, also so die dunkle Seite der Ehrfurcht, die manipulationsfördernde Seite der Ehrfurcht, was kommt da bei dir so um die Ecke, so aus emotionspsychologischer Sicht?
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Naja, eine Erkenntnis, die mir jetzt gerade gekommen ist aus deinem Zuhören oder dem dir Zuhörern ist, Ehrfurcht können die am gesündesten auslösen bei anderen, die es selber auch erleben können und auch die positiven Dinge da drinnen. Also du hast es vorhin so schön ausgedrückt als ich genieße das Unbedeutendsein und die das auch genießen können und ihr eigenes Ego auslösen können. Also die müssen es halt auch selber spüren, nicht die eigene Großartigkeit dann in dem Sinne fokussieren und weiter pushen.
Also ich kenne halt Leute, Experten und Experten, die arbeiten mehr an ihrer Wirkung als an der eigenen Person, also auch in dem Sinne, die ja eigene, also sagen dann, ich spüre das ganz viel, Ehrfurcht und Wahr und Dankbarkeit und selbsttranszendente Emotionen hier und da. Und eben die Konkurrenz ist da nicht wirklich, ist nicht wirklich da und deswegen, ja das ist so jetzt eine Erkenntnis, die ich jetzt gerade nochmal hatte, also diese Schleife, die man selber drehen muss oder diese Positivspirale, die da ist. Du kannst es dann geben, bei anderen auslösen und zwar am gesündesten, dass dieser Schattenseite nicht entsteht, wenn du es auch selber all seiner Pracht mit dem kleineren Ego und mit dem Genießen des Unbedeutendsein ausleben kannst.
Aber was ich dazu noch sagen wollte zum Thema, die Gefahr, die dahinter steckt. Also wir wollten ja auch das Thema oder genau ein Hintergrund von uns ist das Thema Ehrfurcht auch in den Business-Kontext zu übertragen. Also wenn ich jetzt Ehrfurcht denke im Bereich Unternehmen, dann denkt man sich, okay, also klar, jetzt haben wir ganz viel über so großartige Dinge gesprochen, Natur und Universum und Kosmos und was nicht alles, was hat denn das jetzt mit Unternehmen zu tun?
Naja, wir können Ehrfurcht dann schaffen, sehr gut und nutzen in Unternehmen, wenn es um Visionen und eine Mission, eine große Mission gibt. Also was ist das, dem wir alle unterstellt sind als Unternehmen? Also jeder, auch der CEO oder die CEO.
Was ist das große Ganze, wofür wir dann auch entsprechend arbeiten und sich dem immer wieder klar zu sein. Bei uns beispielsweise in unserer Zusammenarbeit das Thema Resilienzinitiative bis 2030, 1,5 Millionen Menschen resilienter machen und jedes Mal, wenn wir in Kontakt treten, dass wir damit auch in Kontakt kommen mit dieser großen Mission. Schwieriger wird es dann, wie gesagt, jegliche Moral, die ich kennengelernt habe, beiseiteschmeißen und diese Mission zu erfüllen, sozusagen kostet es, was es soll oder was es will.
Und da ist echt eine Gefahr dahinter. Jetzt ist natürlich dieser Sprung krass, nur sowas hat man im Dritten Reich dann auch entsprechend erlebt. Wenn die Nazis bei den Nürnberg-Verfahren gefragt wurden, warum habt ihr das gemacht, dann haben die den Befehlszustand plädiert. Sie haben gesagt, sie hätten mich getötet, hätte ich es nicht gemacht. Und das war dann hier die erschaudernde Ehrfurcht dann auch entsprechend. Nur wenn es dann genug Leute dann auch entsprechend nicht machen, dann kann auch so eine Bewegung dann auch entsprechend nicht entstehen.
Und da sich immer wieder in diesem Prozess des Selbstauflösenden Ich immer noch die Frage zu stellen, ist das denn wirklich richtig, was wir gerade machen und geht das in die richtige Richtung, weil man kann ordentlich auch was anrichten, wenn ich mich komplett verliere. Also im Französischen gibt es den Ausdruck don de soi, also wirklich dieses Geben des Selbst, diese Selbstaufgabe. Und ich sollte auch hier wieder immer oszillieren zwischen einer Öffnung, kompletten Öffnung des Selbst und dann wieder dieses Thema, okay, und wenn ich jetzt wieder in Kontakt mit mir bin, passt das denn zu mir, passt das zu meinem Selbstkonzept?
Und wie ich mir die Welt vorstelle oder also ist es eine Meinung oder eine Änderung, so wie Vera Birkenbehl das so schön gesagt hat, und da immer wieder zu oszillieren und auch entsprechend diesen Check-up zu machen. Und da muss ich eine einzelne Person reflektieren, aber auch eine ganze Organisation. So das sind meine Gedanken dazu, diese Gefahr der Selbstaufgabe und dadurch die Auswirkungen, die auf andere Menschen dadurch entstehen können.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Das heißt ja konkret, wenn ich jetzt das Thema Visionsarbeit oder Mission, auf der ein Unternehmen halt gerade aufbaut oder auf der eine gemeinsame Mission sozusagen als Weg hin zu einer Vision jetzt gerade basiert, geht es ja immer um eine Form von beidäugigem Sehen. Also natürlich muss ich das große Ganze im Blick haben, natürlich muss ich in irgendeiner Art und Weise auf das Unternehmen schauen und gleichzeitig aber auch immer auf die Polarität. Und die Polarität gilt es weise zu wählen, weil sozusagen auch da ein rigider Blick auf nur Geld machen oder nur den Markt zu dominieren ist halt zu wenig.
Und Rigidität ist halt, hat Milton Erickson ja mal so schön gesagt, people go into therapy when they get rigid. Und warum ist das so? Naja, weil die Oszillationsfähigkeit abhanden kommt. Solange wir nicht wieder mit der Singularität verschmelzen, oszillieren wir so durchs Leben, also Einatmung und Ausatmung. Ja, ich und du. Und im Prinzip alles ist Oszillation.
Und ich glaube, dass Ehrfurcht manchmal wie so eine Art, ja fast wie eine Art Droge genommen wird, um mir einen Platz zu geben in dem Unendlichen. Und dass meine Wünsche, meine Impulse, meine, soll ich sagen, Sichtweise als denkender Mensch dann negiert werden auf Kosten von etwas Größerem. Und ich glaube, es braucht immer beides.
Es braucht den Blick auf die Gemeinschaft, es braucht den Blick auf unser Zusammenleben hier als Menschen auf der Erde und wie auch immer, also im großen Ganzen. Und gleichzeitig braucht es immer den Blick auch auf mich. Und ich glaube, dass dieses Große, dass die Gefahr, auch sich im Großen, in Anführungsstrichen, sicher zu fühlen und dann keine Verantwortung mehr zu haben.
Also das, was ich so gesagt habe, als ich da so lag, dachte, boah Gott, bin ich unbedeutend. Naja, wenn ich keine stabilen Lichtstrukturen hätte, könnte ich daraus vielleicht ableiten, dass ich so sage, naja, bin ja eh unbedeutend, dann ist auch völlig egal, was ich jetzt mache. So, dann mache ich halt den Ölwechsel direkt hier auf den Parkplatz, aber ohne Wanne, ne, so.
Weil es ja eh egal ist, weil ja eh die Welt groß genug ist und so weiter und so fort. Würde ich nie machen, weil natürlich auch wieder da das Individuelle, die individuelle Perspektive für mich ganz klar bedeutet, ich kann jeden Tag, wenn ich durch die Welt gehe, einen Unterschied machen. Im Kleinen.
Und die Summe vieler kleiner Unterschiede, die macht wiederum auch einen großen Unterschied. Das heißt, ich glaube, man braucht eine sehr stabile Lichtstruktur, und zwar eine gesundstabile Lichtstruktur, um gut auch die Transzendenz zu erfahren und zu leben. Und ich glaube, das ist nicht entweder oder, sondern es ist sowohl als auch.
Und mit der Klarheit und mit der Durchlässigkeit, da glaube ich, sind wir, wie soll ich sagen, was das angeht, sehr gut in der Oszillation. Das ist aber auch wieder ein Grund dafür, zu sagen, in Organisationen, wenn man Führungskräfte hat, in der Entwicklung, mal auf den Selbstwert schauen, mal auf die Ego-Themen schauen, sich auch vielleicht mal, auch wenn keiner guckt, im Spiegel anschauen und sagen, okay, wie viel Ego ist denn dabei? Und kann ich nicht mal die Bälle flach halten?
Brauche ich das jetzt? Brauche ich dieses Große? Und die großen Lehrer, von denen ich arbeite und von denen ich auch lerne, das sind meistens die, die ihre Ego-Themen schon im Griff haben, die aber auch eine große Klarheit über ihre Stärke und über ihre Kraft haben. Ich erinnere mich da gerade, dass so der letzte Punkt an der Situation bei Stephen Gilligan, einer der wichtigsten Schüler von Milton Erickson, der jedes Jahr im Sommercamp Metaforum dann auch wunderbar mit Übersetzung zu genießen ist, ist ein Amerikaner. Bei er sagt er ist ein Kalifornier, weil er mit dem momentanen Präsidenten so leichte Zwickmühlen spürt. Dann sagt er immer so, I’m not an American, I’m a Californian.
Das finde ich immer sehr lustig. Naja, und da hat mal ein Teilnehmer gesagt, ich war bei dem echt relativ häufig, so zehn, elf, zwölf Mal, und es lohnt sich einfach, bei solchen Menschen einfach zu sitzen und es sich nochmal anzuhören. Und dann sagte einer mal, das weiß ich noch, er sagte ja, people are usually bad, also Menschen sind ja eigentlich schlecht.
Dann steht Stephen auf, und das ist so ein bisschen, das war so ein bisschen, so hat mich das ändert an dieser Szene bei Herr der Ringe, wo Gandalf dann auf einmal so groß wird. Das ist also so richtig groß. Und sagte nur, speak for yourself. Und es war totenstill im Raum. Dann holte der nochmal Luft, und dann sagte der, and not now, you are quiet now. Und dann machte der nur so den Mund so.
Und da dachte ich auch so, ja, da habe ich viel Ehrfurcht verspürt, weil da hat er mal kurz seine Macht gezeigt, also diese wahre Kraft, die in ihm steckt. Und dann habe ich so gemerkt, dann wurde er so ganz weich und sagte, well, you know, it might seem like that. Und wurde, dann kam gleich wieder der Singsang und so weiter.
Und ich glaube auch, diese Oszillationsfähigkeit, an der als Führungskraft zu arbeiten, also wie gut kann ich in den Ärger gehen, wie gut kann ich in die Klarheit, in die Kraft, in die Stärke gehen, auch in die Führung, um dann gleich wieder auch auf Augenhöhe vielleicht sogar in den Tiefstatus zu gehen, in die Sanftheit, in die Weichheit. Ich glaube, das ist auch gerade in Bezug auf Ehrfurcht, auf dieses Groß-Klein-Thema, wie gut kann ich da hin und her switchen. Das fiel mir gerade noch so als Thema dazu ein.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, definitiv. Also Dimension Groß-Klein. Und, was du ja auch gesagt hast, ist Ich-Wir.
Das sind genau diese Themen. Also, dass ich mit beiden in Kontakt bin. Ich finde es am gesündesten auch, Ehrfurcht zu leben mit einer gleichzeitigen sogenannten Self-Concept-Continuity, also einer Selbst-Concept-Kontinuität, wenn du zeitlich stabil in Kontakt mit deinem vergangenen Selbst, mit deinem gegenwärtigen Selbst, mit deinem zukünftigen Selbst dann auch immer wieder bist.
Und dir sozusagen treu bleibst. Dann natürlich veränderst du dich über Zeit. Das wollen wir auch. Das ist die Organfunktion des Gehirns. Das ist das Lernen und sich zu entwickeln. In Kontakt damit zu sein ist wichtig. Was ich auch wichtig finde und auch erfahren habe, ist auch mal auf Feedback zu hören von den Menschen, die dich wirklich kennen. Also, du kommst irgendwo rein und spürst eine Ehrfurcht und bist da in einem neuen Bereich drinnen. Und dann kriegst du Rückmeldungen von den Menschen, die dich dein Leben lang kennen und dann sagen die, irgendwie bist du anders.
Und wir beobachten das jetzt mal und wir lassen dich mal und wir vertrauen darauf. Aber auch mal dann zu schauen, dass ich da diese Selbst-Concept-Kontinuität dann auch eventuell halte und dann mal auch darauf höre und nicht direkt gegen die Family oder wirklich gute Freunde. Ach nee, du gehst doch einfach nur den Weg nicht mit mir, den ich jetzt gerade gehe, der Persönlichkeitsentwicklung. Und du bist einfach nicht gerade auf derselben Stufe. Und du verstehst das einfach nicht dann in dem Sinne. Und das ist manchmal echt.
Also, es gibt ein Lied von Lea, heißt die Interpretin, eine deutsche Sängerin, das heißt Leiser. Und das ist wirklich, ich finde das echt extrem spannend vom Text her. Darum geht, dass sie in einer Beziehung ist mit jemandem und sich dadurch extrem stark verändert hat.
Und deswegen ist auch der Text, alle meine Freunde sagen, dass ich leiser bin, dass ich leiser bin, leiser seit ich bei dir bin. Alle meine Freunde fragen, ob ich glücklich bin, weil ich leiser bin, leiser seit ich bei dir bin. Also auch genau diese Thematik von, das muss jetzt nicht in dieser Beziehung mit Ehrfurcht zu tun haben, aber dieses Auflösen und diese Selbstaufgabe.
Und es gibt kein starkes Wir ohne ein starkes Ich und umgekehrt. Und deswegen dieses Feedback sich auch mal einzuholen, finde ich da auch wichtig. Natürlich darf ich das abgleichen mit mir selber, aber offen dafür zu sein von den Menschen, wo ich sage, die kennen mich.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Hast du noch einen Impuls, wenn ich jetzt vielleicht durch diese Woche mit ein bisschen mehr Ehrfurcht gehen möchte, wenn ich Ehrfurcht kultivieren möchte und staunend das Leben. Da fällt mir dieses Zitat von Einstein ein, dieses, wenn man auf die Welt und auf das Leben schaut, dann ist entweder gar nichts ein Wunder oder alles ist ein Wunder. Mein Impuls ist, ich wundere mich jetzt mal durch die Woche im besten Sinne.
Was ist denn dein Impuls?
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Das ist wunderbar, weil das Geheimnis steckt da drinnen, Ehrfurcht auch in den kleinen Dingen zu entdecken, nicht immer nur in den ganz, ganz großartigen Dingen. Ich habe noch eine Erzählung, weil ich das wichtig finde. Ich war mal am Kölner Flughafen, also da war ich öfter, aber da bin ich gerade nach Berlin geflogen, sorry, Inlandsflug, das ist Jahre her.
Du bist ja eh so unbedeutend.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, genau, genau, genau, genau. Erst die Swifties, dann jetzt auch noch.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Oh Gott, oh Gott, die Mails kommen. Und war eine Szene, das fand ich total spannend, also da waren ganz viele Menschen, die waren in ihr Handy und ihr Laptop natürlich vertieft, als ich dann zum Gate gekommen bin. Und das Besondere am Kölner Flughafen, oder ich finde das besonders, eventuell ist es auch bei vielen anderen auch so, ist, dass sie einfach so eine riesige Fensterfront haben, also überwältigend große Fensterfront, wo du wirklich alles sehen kannst.
Dann in einigen Gates und dann war da ein Mädchen, also so richtig wie bei Schindlers Liste, dieses Mädchen mit dem roten Mantel, genau so ein Mädchen war da. Ja, so ganz jung, vielleicht vier, fünf Jahre alt, in einem roten Mantel. Und ich habe selber auf mein Handy geguckt, Mails gecheckt und alles mögliche, guck so rum und sehe so, die anderen sind auch alle an ihrem Laptop.
Guck so auf die Uhr, wie lange dauert es noch und dann sehe ich dieses Mädchen und dieses Mädchen hängt so an der Scheibe. Also wer das Video guckt, ich habe gerade meine Nase gegen das Mikrofon gedrückt, also die hat ihre Nase gegen die Scheibe gedrückt und hat einfach nur gestaunt, wie diese Flugzeuge hoch fliegen und wieder landen. Dann habe ich das auch mal gemacht, dann habe ich geguckt, boah das ist ja echt krass. Also die Brüder Wright würden sich im Grabe umdrehen, wenn die wüssten, wie selbstverständlich wir das jetzt gerade halten. Und dann habe ich mir gedacht, wie funktioniert sowas überhaupt, wie funktioniert ein Flugzeug und so weiter. Habe dann direkt recherchiert und die ganzen Kräfte, die dahinter sind und so weiter.
Und dann habe ich auch mal auf mein Handy geguckt und dachte, was für ein Wunder dieses Ding eigentlich ist. Da steckt alles Wissen der Welt drin und das kann ich sofort abrufen, wenn ich es denn jetzt gerade möchte. Und das finde ich einfach wichtig und deswegen finde ich dein Zitat, was du gerade genannt hast, also das Zitat von Einstein, so schön in allen möglichen Dingen Wunder zu entdecken, die Alltagswunder.
So und noch weiter, es gibt mehrere Interventionen um Ehrfurcht zu spüren und einer ist der Ehrfurchtsspaziergang. Gehen Sie in die Natur und schauen Sie mal nach oben und nach unten und heben Sie vielleicht mal Dinge auf und gucken Sie wirklich mal drauf, wirklich. Und dann geht es darum, darin die Wunder zu finden. Die entdecken wir ganz häufig in der Natur, weil die extrem intelligent aufgebaut ist und es sehr wunderschön aufgebaut ist. Und so ein Ehrfurchtsspaziergang ist da eine sehr feine Sache. Übrigens Ehrfurcht, eine Emotion, die die Entzündungswerte im Körper hemmt.
Das ist super, um die Kreativität zu fördern, wer gerade was schreibt und eine Schreibblockade hat oder eine Kreativitätsblockade hat. Das ist super, um wieder Brücken zu anderen Menschen zu bauen. Ja, also wer jetzt gerade in einer Verhärtungsschleife feststeckt, kann einen Ehrfurchtsspaziergang machen, diese Ehrfurcht mal wahrnehmen.
Vielleicht ist der Gedanke über die andere Person eine andere und eine gütliche Lösung ist nahe, weil das Vielfalt jetzt stimmt. Ehrfurcht sorgt dafür, dass wir gesündere Lebensweisen wählen, also Studien im Werbebereich, Marketingbereich, wo Ehrfurcht erzeugt wurde. Und dann haben die Menschen eher zu gesünderem Essen gegriffen als zu ungesünderem Essen. Und so weiter und so fort. Also diese Emotionen für sich zu entdecken und alleine, dass wir das Konzept heute durchdacht haben, wird dafür sorgen, dass alle, die zugehört haben, diese Emotionen häufiger spüren. Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.
Und jetzt haben wir das sehr stark gefüllt, dieses Emotionskonzept mit den Gefahren, die dahinter liegen, mit den positiven Eigenschaften, die es hat, mit den Auslösern, die Awesomes. Schönheit, Obskurität, Meisterschaft, Erschaudern, Stärken des Charakters. Und das wird dafür sorgen, dass mehr gespürt wird.
Und genießen Sie es mit einer prickelnden Gänsehaut. Einen schönen Tag. Tschüss.