[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Hallo lieber Ruben, schön dich zu sehen. Schön auch dich zu sehen lieber Sebastian und zu hören. Ja, welche Freude, welche Freude. Ja, neue Runde, neue Runde. Das ist schon, schon, schon. Ja, super. Also ich finde ja diese, diese Rummelthemen, da erinnere ich mich noch, als ich ein kleines Kind war. Mich haben diese großen, diese großen Räder, diese Lichter, das was sich gedreht hat und dieser Trubel, das hat mich wirklich fasziniert. Und ich stand da ganz oft so mit diesem, oh wie toll und diese, ja Menschen, die da Lose verkauft haben und dann auf Stelzen rum. Das sind so ganz, ganz große Kindheitserinnerungen und da habe ich viel, ja gestaunt, viel Ehrfurcht erlebt. Darum geht es heute nicht, sondern wir haben uns.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ich wollte gerade sagen, worauf es heute gehen soll. Sehr gut, ja.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Aber wir haben doch gesprochen, worum es heute gehen soll, genauso. Oh Gott, der Mauritz wieder. Ja, genau. Nein, das worüber wir heute sprechen wollen, ist auch eine selbsttranszendente Emotion. Ist auch etwas, was in vielleicht solchen Momenten auftreten kann. Ich glaube sogar, mir fällt eine Situation ein, wo ich das gespürt habe. Aber lieber Ruben, worüber sprechen wir denn heute? Überrührung.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Alles, was uns im Herzen berührt und wenn wir uns berühren lassen. In der Forschung nennt man es Karma Muta. Das ist aus dem Sanskrit. Ein Forscherteam aus Oslo wollte mal einen Begriff haben, den man universell nutzen kann. Für diese ja doch sehr universelle, eigenständige Emotion. Wenn uns etwas im Herzen berührt und Karma Muta heißt auch übersetzt von Liebe berührt sein.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Da fällt mir sofort ein Moment ein oder viele Momente. Meine Rührungsmomente habe ich, wenn ich alleine bin, mit diesen Topstar, Topsinger, wie auch immer, diesen Castingshows. Wo manchmal Menschen jeden Alters mit ihrer Stimme Dinge tun, wo ich denke, da kommen mir zum Teil die Tränen.
Da bin ich im Herzen berührt und wirklich so eine Mischung aus Liebe, Freude und auch so eine Trauer, dass ich es bisher nicht früher gehört habe. Das ist für mich so ein Quell der Rührung. Interessanterweise, wenn ich da nochmal zurückspule. Spulen klingt so nach VHS-Kassette. Ich verrate dann immer so irgendwie gefühlt, in welcher Zeit ich cineastisch oder medientechnisch sozialisiert wurde. Ich hatte noch einen Filmschein.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ich kenne auch noch VHS-Kassetten, Sebastian.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ich hatte einen Filmschein gemacht. Ich habe sogar so einen Film, den musste man noch hin und her spulen. Aber egal, wir kommen vom Thema ab.
Auf jeden Fall, wenn ich dann zurückspule, ist es interessanterweise nicht mehr so intensiv. Was ist denn das rum, was ich da so genau spüre, erlebe, merke und so weiter und so fort?
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Berührung, was ich da spüre, erlebe, merke. Also Rührung hat unterschiedliche Muster, auch physiologische Muster. Also es ist jetzt nicht in dem Sinne, du hast es gesagt, von Freude, Liebe, Trauer und so weiter.
Es ist nicht eine reine Hocharousal-Emotion, wie es jetzt bei Freude ist. Das dachte ich tatsächlich früher immer. Ich durfte mich aber mit Professor Dr. Thomas Schubert unterhalten im Rahmen des Residenzkongresses 2025. Der führende Kama Muta-Forscher zusammen mit Alan Fiske. Und der hat auch gesagt, es ist nicht schwer, führender Kama Muta-Forscher zu sein, weil wir haben das Konstrukt erfunden, hat er gesagt. Das fand ich sehr charmant da an der Stelle, dass die in dem Forschungslabor in Oslo diejenigen sind, die das erforschen. Also es ist kein reines Higharousal, also kein starker, nicht rein hoher psychophysiologischer Erregungszustand. Sondern das ist scheinbar so was wie so ein kurzer Moment von einer Art von Überraschung. Also da ist irgendwas Neues, da ist irgendwas, wo ich denke, krass, da ist was.
Und dann so ein Inhalten und dann so ein Neujustieren und dann so was Einrastendes und dann entsteht eine Gänsehaut. Und da, sagt man auch in der Forschung, finde ich auch ganz grandios dieses Wort Piloerektion. Damals im Rahmen meiner Recherche im Bereich Körpersprache, Emotionen und so weiter, einem Piloerektionsforscher gesprochen, Dr. Christian Kernbach aus Österreich. Und es war auch wahnsinnig spannend. Also der untersucht wirklich hauptsächlich das Thema Gänsehaut, was aus Temperatursicht uns Gänsehaut auslöst, auf der Haut Gänsehaut auslöst, aber auch auf einer emotionalen Ebene. Und ja, was da in uns entsteht, wenn wir auch diese Gänsehaut spüren, das sind wirklich solche Momente von einer Aufmerksamkeitsfokussierung.
Und bei Rührungen ist das ganz Besondere, dass wir auf das fokussieren, was wirklich wichtig ist. Also Sinn dann in dem Sinne. Also es wird auch gesagt, dass unsere Wertehierarchie zum einen neu strukturiert wird, aber vor allen Dingen sozusagen die Nummer eins, da einen Scheinwerfer draufgelegt wird oder draufgesetzt wird. Und wir dann erkennen, ja, das ist es, da möchte ich weitergehen. Das ist das, was diese Gänsehaut und hier konkret die prickelnde Gänsehaut. In der letzten Folge haben wir auch die schaudernde Gänsehaut erwähnt.
Das ist eher diese prickelnde Gänsehaut auf dem Körper, die uns anzeigt, da mehr von, immer wieder gerne, wow, toll. Rührungen, Kama Muta, wie gesagt „von Liebe berührt“, wird vor allen Dingen dann gespürt, ja so ein Auslöser, der da gefunden wurde, wenn eine kommunale Beziehung, also eine zwischenmenschliche Beziehung plötzlich intensiver wird. Also wir uns verbunden fühlen mit einer Person. Vielleicht hast du dich mit der Sängerin oder dem Sänger dort sehr verbunden gefühlt auf eine Art und Weise. Oder wenn wir uns angenommen fühlen oder geliebt fühlen. Aber auch, wenn sich eine Sehnsucht erfüllt, dann in dem Moment.
Also wenn ich merke, ah, da war irgendwas, was mir gefehlt hat im Leben und jetzt bin ich damit verbunden. Durch diesen Moment und es können Familienmomente sein, Paarbeziehungen sein. Wenn ich aber auch Tugenden von jemand anderem beobachte, so wie ein Mitgefühl. Das sind alles Dinge, die Rührungen in uns auslösen können. Und was da körperlich auch passiert, ist neben der Gänsehaut Tränen, die kommen. Und streng genommen sind es keine Freundentränen.
Es sind eigentlich Tränen der Rührung, die da bei uns kommen. Wo ich manchmal auch vielleicht, ja, so könnte man es emotionsdynamisch denken, weil im mimischen Ausdruck auch ein Trauerelement drinnen ist, aber halt auch ein Lächeln bei der Rührung. Also meistens in der im oberen Gesichtsbereich so Augenbrauen Innenseiten hochziehen, was eher zur Trauerexpression gehört.
Und dann ein Lächeln, manchmal auch ein Augenlachen aber auch dabei. Das ist so die Freude Komponente und dann wie so eine Mischemotion, wo ich im Hier und Jetzt in Kontakt bin mit der Freude dadurch, dass ich beispielsweise eine Sehnsucht erfüllt. Aber ich irgendwo auch in Kontakt bin mit der Trauer aus der Vergangenheit, wo diese Sehnsucht noch nicht da war, wo dieses Loch da noch da war, das sich jetzt aber erfüllt hat. Und dann kommt einfach diese Überwältigung. Das macht die Gänsehaut und das macht dann auch entsprechend die Tränendrüse auf, sodass die Tränen dann auch entsprechend fließen.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, das erlebe ich gerade relativ häufig. Ja, schön. Ich habe auch schon Kleenex geschenkt gekriegt.
Das fand ich sehr hilfreich. Das war dann auch eine interessante Frage, weil mit den Tränen ist natürlich dann sofort die Frage auch verbunden, darf man natürlich dann als Mann weinen oder darf man sich berühren lassen? Und man will ja auch nicht die ganze Zeit so als total maximal gereizt von allem so gerührt sein.
Da gibt es ja auch diverse. Ich habe so zwei, drei Szenen im Kopf gerade aus Filmen, wo dann jemand so irgendwie von allem einfach gerührt ist. Aber sich gar nicht rühren zu lassen oder gar nicht berührt zu sein, ist halt auch irgendwie so in Anführungsstrichen in gewisser Weise ein Abschneiden vom Leben auch.
Ja, ich erlebe das halt auch gerade sehr intensiv so. Was ich sehr interessant finde, ist, dass das, wenn ich damit länger im Kontakt bleibe, eher dann so in das Thema Zuneigung oder auch Liebe, Selbstliebe im weitesten Sinne so dann rüber diffundiert und mir ganz viel Sinn gibt. Also das Thema Rührung, was wir auch so als Hüterin des Sinns nennen, ist etwas, wo ich sage, okay, das Ganze, was ich hier gerade mache, das ist schon irgendwie auch sinnvoll.
So, weil das natürlich auch immer die Grundzweckmühle ist. Nur weil mich irgendwie was rührt, heißt es ja erst mal noch gar nichts, sondern das ist halt sehr intensiv. Aber dieser Satz Folge der Freude, was also mein Thema ist, macht’s dir Freude und rührt es dich, sage ich mittlerweile, also Folge der Freude und lass dich berühren oder lass die Rührung sozusagen dich da ergänzen.
Auf dem Weg deiner Verhaltenswahl, das ist natürlich dann auch, nehme ich an, auch sehr stark dann mit Werten, hängt mit Werten, Werte leben zusammen, was natürlich es dann intensiver macht, wenn die Werte dann verletzt werden, Ärger oder die Werte dann auch wieder weg sind und dann kommt die Trauer um die Ecke. Und diese Ärger-Trauer-Dynamik mit Frustration und Resignation ist, wo auf der einen Seite viel Licht, da ist auf der anderen Seite auch das Potenzial für viel Schatten. Und wir hatten ja in der letzten Folge vor zwei Wochen, hast du ja über Schatten auch gesprochen und dazu fiel mir dann im Nachgang zu der Folge noch dieser Satz ein aus dem Jahr von Hermann Hesse, verbirgst du deinen Schatten, so schwindet dein Licht.
Und ja, das ist auf jeden Fall so ein Vorsatz auch für das neue Jahr jetzt mehr über die Schattenbereiche zu sprechen, also mehr über meinen Ärger, mehr über meine Trauer und zwar in meiner Art und Weise von Hey, ich brauche hier was und das ist mir wichtig und so weiter, weil das natürlich die Werte und die Werterfüllung immer auch wahrscheinlicher macht.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und dazu plädiert auch der Thomas Schubert, genau dieses Thema Tränen zulassen, weil Tränen, und das hat sich in seinem Labor gezeigt, zeigen, dass sie etwas wichtig ist gerade. Sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Tiefe. Und durch sie, durch diese Vulnerabilität, die auch gezeigt wird dann in dem Moment, weil es auch kein Ausdruck von Trauer ist dann in dem Sinne, sondern wirklich von Hey, das ist mir jetzt gerade wirklich wichtig, kann auch eher eine tiefe Bindung dann entstehen.
Und deswegen ist auch im Coaching-Prozess zuzulassen, im Therapieprozess zulassen. Und das ist ganz, ganz heilsam. Und kann dann auch wirklich anzeigen, hey, da ist gerade eine Klarheit, die entstanden ist oder eine Werteneuordnung, wie gesagt.
Also für mich ist es im Coaching, wenn ich sehe, dass mein Klient, und vor allen Dingen bei Männern freue ich mich umso mehr, wenn dann die Tränen der Rührung kommen, dann weiß ich, hey, jetzt sind wir wirklich an einem Transformationspunkt angekommen, wo etwas ganz Tiefes verstanden wurde, wo etwas ganz Tiefes eingeloggt wurde. Und das wird auch immer wieder beobachtet im beruflichen Kontext. Der Thomas Schubert hat davon geredet, dass Studentinnen und Studenten oder Young Professionals, also junge Personen, Menschen, die im Berufsleben gestartet sind, in beruflichen Alltag Rührungsmomente hatten und dann erkannt haben, ja, ich mache genau das Richtige.
Du hattest bestimmt schon, also du hast ja schon etliche Male davon erzählt, auch hier im Podcast, Momente der Rührung bei der Arbeit. Und das sind genau auch die Momente, wo ich dann merke, ja, ich mache genau das Richtige. Genau deswegen mache ich das.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, und bei mir ist das im Prinzip in mehreren Bereichen. Ich hatte das letztens wieder, da habe ich auf mein Bücherregal geschaut und als ich darauf geschaut hatte, war ich so, ja, ich war richtig berührt über bestimmte Bücher, die mich geprägt haben. Und manchmal ist das wirklich so im Tempo von einer Schildkröte, dass ich so durch so ein Buch halt durchlese oder durchgehe.
Und gleichzeitig denke ich so, wow, da ist jeder Seite, jeder Satz, jeder Aspekt irgendwie so wertvoll und verändert ein Stück weit auch meine Sicht auf Dinge. Und ich finde, dass dieses Erweitern des Geistes, dieses Öffnen des Geistes, die Idee, okay, da schenkt mir gerade jemand einen Blick in seine Welt oder in ihre Welt. Und das hilft mir einfach, Dinge anders zu sehen, Dinge in anderen Aspekten zu erkennen und so weiter.
Ja, und das macht einfach tiefe Freude.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Definitiv. Mir macht diese Emotion auch total Freude. Und mich damit zu beschäftigen und diese zu beobachten und zu spüren und mich dafür zu öffnen und auch zu differenzieren zu den anderen Emotionen.
Beispielsweise, du hast vorhin mit Ehrfurcht gestartet und dass es das eben nicht ist. Und das ist ja genau wichtig, dass wir das sagen dann in dem Moment. Es sind beides selbsttranszendente Emotionen. Aber Kama Muta-Rührung hat viel mehr mit Wärme, Verbundenheit, Liebe. Also eine sehr sozial-relationale Emotion, die entsprechend aus Beziehung entsteht und wieder in Beziehung reinführt, also Beziehungen verstärkt. Wenn man es mal auch evolutionär betrachtet, glaubt man, dass Rührung Kama Muta entstanden ist in der Bindung zwischen Eltern und Kind.
Ich kann mich auch noch daran erinnern, sehr gut, weil es Gott sei Dank nur fünf Jahre her ist und nochmal drei, wo ich, ich rede mal über mein erstgeborenes Kind, über meinen Sohn Noah zum ersten Mal im Arm hatte und so ein Gefühl hatte von, das ist das Wichtige im Leben. Alles was ich bin, alles was ich habe, gehört dir. Und du bist das, worum ich mich jetzt kümmern muss und möchte und meine Ressourcen reinstecke, dass es dir gut geht und dass du gut aufwachsen kannst.
Und das war anscheinend evolutionär notwendig, damit wir uns um unseren Nachwuchs kümmern und deswegen auch evolutionär überlebenswichtig. Also sehr, sehr kommunal, Wärme, Verbundenheit, Liebe bei Kama Muta. Und bei Erfurcht ist es eher dieses Thema Weite, Erhabenheit, Neudenken von Weltbildern, Umdenken, Dinge neu strukturieren.
Ja, wir haben beim Thema epistemische Resilienz auch über Erfurcht gesprochen, als ja epistemische Emotionen, also wo wir ins Umdenken kommen. Der Thomas Schubert hat eine total tolle Differenzierung einmal gezeigt und zwar war das bei dem Film Avengers Endgame. Für alle Superheldenfans, es ist einer der legendärsten Szenen der letzten Jahre.
Spoiler Alert, wo die ganzen Superhelden wieder zurückkommen. Die sind ja vorher durch den Bösewicht Thanos pulverisiert worden und dann sind sie wieder zurückgekommen. Und genau dieser Moment, wo die auf diesem Schlachtfeld stehen und dann die erste Stimme kommt, Hey, Captain America on your right. Das ist ja so ein Insider gewesen zwischen diesem Falcon und ihm. Sorry, dass ich jetzt so Begriffe hier, nerdige Begriffe nenne, aber das ist hier wichtig. Das ist hier wichtig für die Story, weil die wieder zusammenkommen, die da wieder reinkommen und das ist genau dieser Moment, wo viele Menschen Rührung gespürt haben.
Hey, die sind jetzt wieder vereint und die sind jetzt wieder da. Der ist am Leben und die treffen sich jetzt wieder. Und dann kam danach direkt ein Moment der Ehrfurcht und das macht diesen Moment so legendär, dass es diese Kombination aus beiden ist.
Du hast eine Verbindung und dann sagt Captain America die magischen Worte Avengers, assemble! Und dann reiten sie los und stürmen los und das ist genau dieser Moment von Kraft, von Macht, der hier ausgedrückt wird und das hat viel mehr mit Ehrfurcht zu tun. Und das macht es auch in Filmen so legendär.
Das sind die Emotionen der Transformation, die Zuschauerinnen und Zuschauer dann auch immer wieder erleben und in Resonanz mitgehen und dann aus einem Film anders rausgehen, als sie reingegangen sind, weil sie diese Momente der Rührung erleben. Also ein Film, der mich total gerührt hat, Lion, ich weiß nicht, ob du den damals geguckt hast, das ist ein Film über, musst du dir angucken Sebastian, ein geiler Film, also über den fünfjährigen Saru aus Indien, der versehentlich in eine Bahn gestiegen ist und dann 1600 Kilometer im entfernten Kalkutta da war und da sprechen die bengalisch und er spricht nur hindi und weg von seiner Mutter, allen die er kennt und er ist einfach verloren.
Er weiß nicht, wie seine Mutter heißt. Seine Mutter kann auch nicht lesen und schreiben, sie sind ganz arm aufgewachsen und wird von einer australischen Familie adoptiert und dann 20 Jahre später gibt es dann Google Earth und er sucht die ganze Zeit das Dorf, wo er aufgewachsen ist und irgendwann findet er es und dieser Moment der Wiedervereinigung mit seiner Mutter, das ist übrigens nach einer wahren Begebenheit, die Wiedervereinigung mit seiner Mutter, das ist der Moment, da bleiben keine Augen trocken und das sind genau diese Rührungsmomente, wo du merkst, Familie, Familie, das ist wirklich wichtig.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, damit spielen ja viele. Also tatsächlich, Avengers Endgame ruhet mich maximal. Ja, ich finde einfach, da kann man auch wieder drüber denken, was man möchte, also bitte, aber das ist echt so auf den Punkt und so klug und ich feiere ja Captain Marvel, und dann ist die Nummer halt auch klar so und dieser Wechsel, dieses Gut, Böse, dieses Hin und Her, das ist für mich so ein ganz, wie soll ich sagen, so ein kluger Balance, wo nicht halt irgendwie einseitig nur das Gute und einseitig das Böse und dann sieht man ja auch bei Thanos nochmal die Gegenseite und dieses sozusagen.
Dieses Ambivalente ist halt, finde ich, also nicht total, also auch einfach philosophisch klug gemacht und aus Resilienzsicht sich klug gemacht, diese verschiedenen Aspekte und natürlich kann man das nur so als einfach Film sehen und so weiter und ich glaube auch, dass dieses Thema Rührung bei Avatar vor ein paar Jahren, da haben ja ganz viele Menschen, die sind rausgegangen und hatten tatsächlich so fast schon depressives Erleben, also so ein Erleben von Fehlen, weil der Film so sehr auf Miteinander, Verbundenheit, dieses Verbunden mit der Natur, also ganz tiefe Sehnsüchte von Menschen auch bedient hat in dem Moment und gleichzeitig natürlich dann der Bruch auch zu dem, was man dann im normalen Leben erlebt, völlig anders ist. Da gab es, da habe ich dann so zwei, drei Artikel gelesen danach, dieses Post-Avatar-Syndrom, also bei Avatar 2.
Und ich bin jetzt sehr gespannt. Hab ich noch gar nicht gesehen. Jetzt kommt jetzt Avatar 3, mal gucken. Oder der ist schon raus sogar, müsste jetzt sogar schon laufen. Das ist das Gute, dass wir drüber sprechen, weil dann kann ich mal gucken. Ich habe den damals mit meinem Vater gesehen im Kino und ich weiß noch, wie wir den wirklich, also der haben wir anders. Das war so krass und das war einfach sehr, sehr, sehr speziell so. Also im schönen Sinne.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, Rührung. Rührung, ja, und weil du es gerade gesagt hast, Rührung wird viel genutzt in Filmen. Es kann aber auch gefährlich genutzt werden, weil alles Mögliche, was in uns so viel auslöst und alles Mögliche, was so Transformationsprozesse anregt, kann auch manipulativ genutzt werden.
Und dafür muss man auch immer achtsam sein, auch in politischen Kampagnen, wenn gezielt rührende Bilder gezeigt werden, um Anhänger zu emotionalisieren und emotional zu binden und das zu nutzen, um ein Zugehörigkeitsgefühl dann zu erregen. Das ist auch immer wieder eine Schwierigkeit. Ja, und davon auch zu differenzieren. Das Bild, was ich habe beim Thema Rührung ist, wann bin ich berührt, wenn ich meine Ich-Grenze öffne auch. Also dieses Thema, ich lasse mich auch berühren. Ich habe nicht diese Mauer dann vor mir, sondern ich lasse es auch zu, mich hier zu berühren.
Und dadurch, dass die Ich-Grenze öffnen, kann ich auch in der Gemeinschaft verschmelzen. Das ist das, was selbsttranszendente Emotionen ausmacht. Ich muss aber auch wissen, wann ich die Ich-Grenze zumache. Wann es nicht meins ist, was ich da sehe. Und wann ich entsprechend mich von etwas abgrenzen muss. Und das finde ich ganz, ganz wichtig, sowohl bei Rührung als auch bei Ehrfurcht, als den so starken erlebten Emotionen, also positiv erlebten Emotionen, da eine Achtsamkeit zu haben. Wann verliere ich mich in einer Masse und wann lebe ich denn noch nach meinen eigenen Werten?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Wo ich für mich gelernt habe, hey, das ist eigentlich wichtig. Aber dann ergibt sich daraus ja auch, weil als du das mit der Erwärmung gesagt hast oder so, das finde ich ja so bei alles rund um Weihnachtswerbung, Wertersechter, wenn dann der kleine Bub vom Opa da den Werters bekommt und dann so hochguckt, ah, Opa. Und diese ganzen Nummern in Werbefilmen, die Werbefilmerinnen und Filmer sind ja auch, oder Konzeptioner sind da ja auch nicht doof.
Also die nutzen das.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Die konsultieren den Thomas beispielsweise auch. Da hat er auch immer einen Konflikt.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Da habe ich sofort eine Zwickmühle, weil natürlich das immer auch als Angebot sein muss. Gleichzeitig finde ich auch hier tatsächlich auch so die Bewusstheit wichtig, weil dass man Menschen manipulieren kann, ist, glaube ich, überhaupt kein Thema. Die Frage ist, wie bewusst ist man sich dessen?
Und es gibt ja keine ethischen Paradigmen, wo jede Werbung erst mal durch so ein emotionales Assessment, ist der gerade der Rührung unter vier, dann geht es. Aber wenn er bei neun ist, dann geht es halt nicht. So, da glaube ich, tut man sehr gut daran, wenn man noch Werbung guckt, wo ich mich, also ich gucke ja kein Fernsehen. Ich gucke, wenn dann irgendwie auf meinem Pad gucke ich irgendwie, keine Ahnung, mal einen Film oder mal eine Serie. Also normales Fernsehen habe ich, keine Ahnung, wüsste ich gar nicht, wie viele Jahre das her ist. Und deswegen komme ich auch nicht in den Genuss von Werbung.
Und das ist auch ganz gut, weil ich auch sozusagen natürlich diese ganzen Programmierungen, diese ganzen Emotionen und Emotionsdynamiken, und da hast du ja auch schon viel darüber auch erzählt, damals in den Ausbildungen und auch in unseren Gesprächen, dass halt natürlich Emotionen immer auch mit einem emotionalen Skript und einer emotionalen Thematik natürlich auch hochmanipulativen Charakter machen oder sind. Und gleichzeitig als Trainer kreiere ich natürlich auch emotionale Momente. Und der Unterschied liegt für mich immer in der Haltung, wofür ich diese Dinge halt kreiere und wofür ich etwas bestimmtes anbiete, mache.
Und da merke ich für mich einfach diesen großen Unterschied im Sinne von die emotionale Dynamik in dem Training, das emotionale Skript und auch da natürlich nicht nur die Emotionen, sondern auch die Grundbedürfnisse zu erfüllen, die ja mit den Emotionen zusammenhängen. Und das Ganze entsprechend gut zu choreografieren, ist aus meiner Sicht etwas, was sehr gut passt. Und was auch, sag ich mal, dem Trainingsziel, auch dem, wo sich alle darauf geeinigt haben, einfach auch entspricht.
Und das Gegenbeispiel hatte ich jetzt letztes Jahr und dieses Jahr bei meinem Wirmwagen, den ich geliest habe, war dann so dieses, oh Herr Mauritz, wir müssen die Bremsen machen. Letztes Jahr, Oktober. Oh, also ganz unten. Denken Sie bloß, wenn die Bremsen mal versagen. Bremsen, Bremsen, Bremsen. Na ja, da habe ich einen großen Voranschlag gekriegt. Der war ein bisschen krass. Wo ich so dachte, okay, danke. Und da habe ich gesagt, okay, Kumpel angerufen, der sagt dann, warte erst mal, bis der Sensor angeht.
Also brauchst du ja nicht, if it ain’t broke, don’t fix it. Na ja, ein Jahr später hatte ich schon mal einmal den Sommerreifenwechsel wieder und dann war wieder ein Winterreifenwechsel. Oh Herr Mauritz, aber jetzt, jetzt ist es aber. Ich denke so, ja, ich bin schon auch ein bisschen gefahren, zwischenzeitlich. Und da finde ich sozusagen auch die Arbeit mit Angst eher dysfunktional. Und da merke ich das, da merke ich auch so Effekte, wo ich sage, nee, immer wenn sie mir mit Angst kommen, nicht, weil halt unangenehme Emotionen, kann ich mich besser abschirmen.
Ich schaffe dann Sicherheits, ich hol mir dann meine Sicherheit anders. Aber ich könnte mir vorstellen, dass gerade diese selbsttranszendenten Emotionen, gerade dieses Intensive, gerade diese, ja, sehr starken Dinge, da einen Riesenunterschied nochmal machen, oder? Ist das so? Definitiv. Die machen da einen Riesenunterschied.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Also die machen ja allgemein einen Riesenunterschied für uns. Ja, weil aus dem Buddhismus, no self, no problem. Also wenn ich mein Selbst verliere, dann habe ich kein Problem. Oder wenn ich in der Gemeinschaft aufgehe. Und allgemein dieses Thema Bindung, Verbundenheit mit anderen Menschen. Es ist eine sehr, sehr mächtige Emotionskategorie.
Aber man muss halt wirklich da auch achtsam für sein und sagen, ja, die verbinden, aber nicht immer die richtigen miteinander. Ja, und ich finde es aber total wichtig, auch emotionalen Dramaturgie beispielsweise des Trainings trotzdem das Rituell einzubauen. Weil das ja, wenn man jetzt mal eine Heldenreise nimmt beispielsweise, wenn man jetzt so ein Training als Heldenreise betrachtet und dann mal so, ich nehme jetzt mal drei übergeordnete Phasen, Aufbruch, Transformation, Integration, da halt Rückkehr.
Und dann innerhalb der Transformation die Rührung, dann weißt du halt, okay, da geht es jetzt gerade rein. Da geht es jetzt gerade tief. Und auch in der Abschlussrunde, du hast ja bei dir, bei dir war es ja auf jeden Fall so etliche Leute, das ist bei mir auch so, aber bei dir fällt es mir ganz stark auf, die in der Abschlussrunde Rotz und Wasser heulen.
Ja. Und das hast du entsprechend, wenn die gerade eine ganz starke Transformation durchlebt haben. Und deswegen es auch einzusetzen und innerhalb des Trainings auch nicht nur den Fokus auf die Wissensvermittlung legen, sondern auch darauf, wie können wir hier eine Gemeinschaft schaffen, die gemeinsam wachsen kann, weil entsprechend der Auslöser von Rührung eine kommunale Beziehung, die sich gerade intensiviert.
Dann heißt es ja auch immer wieder, Mensch, ich hätte nicht gedacht, dass innerhalb von vier Tagen so eine Gruppe von Fremdenmenschen so stark zusammenwachsen kann. Und die arbeiten auch danach noch mal miteinander. Damit hast du auch einen Transfer geschaffen mit Buddies, die sich danach noch unterstützen, eine Community, diese Transformationen dann auch noch weiter tragen und entsprechend auch Rituale für sich entwickeln, um diese Emotionen immer wieder aufleben zu lassen oder diese Emotionen nennen und somit dann auch den Zusammenhalt stärken.
Also es ist total schlau für den Transfer alleine auch, also für die Integration, aber auch für den Transfer, diese Emotionen mit einzubauen in solche Prozesse, in solche Trainings und solche Strukturen.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Naja, das heißt ja, bei Besuchen oder bei sonstigen Festivitäten am Ende noch mal einen Moment der Rührung aus Zuneigung, aus Wertschätzung, aus Verbeugung vor den Menschen zu schaffen, ist etwas, was einfach einen guten Weg nach Hause dann entsprechend bringt. Total.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und es löst auch ein ganz, ganz starkes gesellschaftliches Problem oder ich sag mal, es könnte es lösen. Und zwar, wenn ich diese auch kleinen Momente der Verbundenheit zulasse, es müssen ja nicht immer diese großen sein. Und zwar das Thema der Einsamkeit, was Menschen, die sich einsam fühlen, immer wieder beschreiben, ist, ich lebe mein Leben wie in einem Glaskasten und ich sehe die Kontaktversuche der Menschen um mich herum, aber sie kommen nicht bei mir an.
Ich sehe, da sind andere Menschen, aber ich habe keinen Kontakt zu denen. Ich spüre nicht diese Verbundenheit. Einsamkeit ist ja auch nicht per se ein Problem der Quantität der Beziehungen, sondern der Qualität.
Also ich kann ja auch mit jemandem zusammenleben, in einer WG wohnen, aber halt auch in einer Paarbeziehung sein und mich trotzdem einsam fühlen, weil diese Resonanzen einfach nicht mehr da sind. Und zu versuchen, diese kleinen Momente der Rührung zu schaffen, diese Ich-Grenze aufzumachen, vielleicht irgendwie diesen Glaskasten in homeopathischen Dosen irgendwie, Öffnungen da reinzubringen, um sich berühren zu lassen, das ist ganz, ganz wichtig, um die Einsamkeit und das Gefühl der Einsamkeit zu reduzieren. Natürlich kann es sein, dass Personen bestimmte Referenzerfahrungen in der Vergangenheit gemacht haben, so hey, wenn ich das zulasse, dann werde ich verletzt und so weiter, aber auch daran gehen, diese Momente wieder zugelassen werden und das Verbundenheit wieder möglicher wird.
Weil wie gesagt, Rührung entsteht aus Beziehung, aber führt auch wieder zu Beziehung. Und das ist mir dann auch ganz wichtig und auch wirklich ein Appell, diese kleinen Momente im Alltag dann auch wahrzunehmen, der Verbundenheit, wo auch immer sie sich zeigen, an der Kasse und dann lächeln, mich lässt jemand vor und ach, die Person hat die gleiche Tasche wie ich oder die gleiche Jacke oder ja, was auch immer, ach, war mal am selben Ort und so weiter, diese Gemeinsamkeiten, diese Momente der Verbundenheit, einfach zu wissen, hey, da gibt es ein gemeinsames Menschsein und das sind Dinge, die uns zusammenbringen und ich fühle mich deswegen nicht mehr einsam.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ich fühle mich ja auch nicht einsam oben. Ich finde, das war ein wunderbarer Schlusswort. Vielen Dank.
Ich bin wie immer gerührt, bereichert, auch voller Ehrfurcht vor deiner vielfältigen Vielfalt und ich danke dir sehr. Ich wünsche dir noch ein schönes weiteres Jahr und Ihnen, euch da draußen, alles, alles Gute, frohes Neues und na ja, ich mache es so, bis zum Sommer wünsche ich ein frohes Neues und ab dem Sommer wünsche ich einen guten Rutsch. Das behebt das Problem, bis wohin man es sagt und ab wann man es sagt.
Insofern frohes Neues, alles Gute und ein schönes Jahr.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Tschüss.
Hier geht´s zum Resilienz-Podcast: www.rethinking-resilience.com