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ntdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.
HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 40 für Sie zusammengestellt.
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Folge 40: Resilient Guest: Timo Janisch

In der 40. Folge des Podcasts Rethinking Resilience sprechen Sebastian und Ruben mit dem Epigenetik-Experten Timo Janisch von HealVersity. Das Gespräch beleuchtet, wie eng Resilienz und Epigenetik miteinander verbunden sind – und wie stark unser Lebensstil, unsere Haltung und sogar transgenerationale Erfahrungen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen können.
Warum ist Epigenetik für Resilienz so bedeutsam?
Epigenetik zeigt, dass unsere Gene nicht starr und unveränderlich sind. Sie sind vielmehr beeinflussbar durch Umwelt, Lebensstil und innere Haltung. Ruben und Timo beschreiben, dass schon das Wissen um diese Veränderbarkeit eine Intervention darstellt: Wer versteht, dass nicht alles biologisch determiniert ist, entwickelt ein stärkeres „Growth Mindset“. Dieses Vertrauen in die eigene Veränderungsfähigkeit ist ein zentraler Faktor für Resilienz. Studien belegen, dass dieses Mindset auch Wochen nach der ersten Aufklärung noch wirksam bleibt.
Was ist Epigenetik konkret?
Epigenetik beschreibt Mechanismen, die bestimmen, welche Gene „angeschaltet“ oder „ausgeschaltet“ werden – ohne die DNA selbst zu verändern. Dazu gehören Prozesse wie die Methylierung. Mithilfe moderner Labortests lässt sich das biologische Alter bestimmen, teils auf ein Jahr genau. Dabei kann es deutliche Unterschiede zum kalendarischen Alter geben. Diese Ergebnisse machen sichtbar, wie sehr Lebensstilentscheidungen unser biologisches Altern beeinflussen. Auch traumatische Erfahrungen, sogar aus früheren Generationen, können epigenetische Spuren hinterlassen. Beispiele sind transgenerationale Traumata nach Flucht oder Krieg sowie Studien zu Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen.
Wie können wir die Erkenntnisse praktisch nutzen?
Timo, Sebastian und Ruben sprechen über verschiedene Ansatzpunkte:
- Lebensstil-Anpassungen wie Ernährung, Bewegung, Stressreduktion und Erholung können epigenetische Prozesse positiv beeinflussen und das biologische Alter sogar verlangsamen.
- Methylgruppen spielen eine zentrale Rolle. Sie werden über Ernährung und Supplemente aufgenommen und sind wichtig für Entgiftung, Immunsystem und Hormonhaushalt. Chronischer Stress verbraucht jedoch viele Methylgruppen, weshalb Balance essenziell ist.
- Supplementierung ist möglich, etwa mit methylierten B-Vitaminen oder SAMe. Wichtig ist, die methylierten Formen zu wählen, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten.
- Biografische und transgenerationale Arbeit hilft, unbewusste Muster zu verstehen und Resilienz zu stärken. Timo beschreibt, wie das Erkennen eigener familiärer Fluchtgeschichten ihm half, seine Existenzängste einzuordnen und besser damit umzugehen.
Wozu ist dieses Wissen wertvoll?
Die Verbindung von Epigenetik und Resilienz eröffnet eine ermutigende Perspektive: Veränderung ist möglich – auf körperlicher, psychischer und sogar transgenerationaler Ebene. Dieses Wissen macht uns handlungsfähig und selbstwirksam. Es fordert uns zugleich heraus, Verantwortung zu übernehmen: für unseren eigenen Lebensstil, unsere Haltung und für das, was wir an kommende Generationen weitergeben.
Transkript Folge 40
Hier finden Sie das vollständige Transkript zur Folge:
↓ ANZEIGEN ↓[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Bei mir sind wie immer der liebe Ruben und wir haben einen Resilient Guest, das ist der Timo Janisch von HealVersity und er ist Epigenetikexperte. Sie haben also für mich eine bahnbrechend grundlegende Ausbildung geschaffen und ergänzen das Thema Blick auf Gesundheit auf für mich fantastische Art und Weise. Wir haben ihn eingeladen.
Er ist der Einladung gefolgt. Hallo lieber Timo.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Hallo Sebastian und Ruben. Freut mich sehr. Danke euch.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja und hallo lieber Ruben. Schön auch dich zu sehen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Hallo Sebastian. Hallo lieber Timo. Ich bin ganz gespannt. Ich freue mich wie ein Flitzebogen auf heute, weil das Thema Epigenetik wird immer wieder genannt in unseren Sphären. Und ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich es so ganz verstanden habe. Ja, ich kenne einige Elemente da drinnen, einige Auswirkungen auf die Resilienz.
Und jetzt mal so einen Deep Dive mit dir zu haben, Timo, das finde ich richtig klasse und freue mich da sehr, sehr drauf.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Und ich kann nur sagen, mein erster Kontakt zur Epigenetik war Bruce Lipton mit den intelligenten Zellen. Und ich war irritiert, neugierig und dachte so, ja, er gibt total Sinn. Und gleichzeitig war es für mich auch nochmal ein Paradigmen-Shift im Sinne von, also ich habe halt die Gene, deswegen ist das so.
Also auch wieder ein Ausstieg aus der Linearkausalität, der Abhängigkeit von dem eigenen Genmaterial, sondern hin zu, so wie ich es verstehe in kurz, die Art der Führung meiner Lebensumstände. Also mein Mindset zum Beispiel bestimmt, mein Kontext bestimmt, die Art von Menschen, mit denen ich mich umgebe, was ich esse, trinke und so weiter, bestimmt, welche Genexpression da ist, sprich, was für Gene abgerufen werden. Das heißt, auch da haben wir Möglichkeiten zur Selbstwirksamkeit.
Auch da haben wir Möglichkeiten zur Steuerungsfähigkeit und sind nicht das Opfer unserer Gene, sondern entsprechend können da auch mitgestalten. Das war meine, naja, also vielleicht schon ein bisschen professionell-leihenhafte Sichtweise. Und Timo, ich übergebe dir einfach mal den virtuellen Redestab und sag doch mal kurz was zu dir, zu euch, weil auch man findet euch auch auf Instagram ganz gut vertreten, spannende Themen.
Und was ist überhaupt für dich Epigenetik nochmal so ein bisschen detaillierter?
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Sehr gerne. Ich fange vielleicht mal damit an, wie mein Weg begonnen hat in diese Richtung. Sehr früh tatsächlich, als ich 17 Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal begonnen mit Traumaarbeit.
Das heißt, ich habe gemerkt, ich habe einen gewissen Leidensdruck, den ich in mir trage. Ich konnte damals noch nicht so genau verstehen, was prägt mich so? Warum verhalte ich mich, wie ich mich verhalte? Warum habe ich soziale Ängste? Warum habe ich Angst vor Menschen zu sprechen? Warum habe ich Angst vor Beziehungen?
Also ich war sehr angstgeprägt auf der einen Seite und auch sehr zurückgezogen auf der anderen Seite. Und habe dann damals begonnen, mich in Gruppenarbeit, wirklich der Traumaarbeit hinzugeben. Es hat viel Mut gebraucht und habe dann so Schritt für Schritt begonnen, so auch zu verstehen, woher kommt mein Schmerz?
Woher kommen meine Bewältigungsstrategien im Leben, meine Glaubenssätze? Und damals, als ich zwölf Jahre alt war, in dem Ort, an dem ich gewohnt habe, habe ich Manuel kennengelernt. Mein heutiger Partner, der eben auch Arzt ist in dem Bereich.
Und wir haben uns so kennengelernt und haben dann gemeinsam diesen Weg der Traumaarbeit sind wir gegangen. Haben sie uns da so verletzlich kennengelernt, haben da schon tolle Heilungserfahrungen machen dürfen, auch auf dieser emotionalen Ebene, die sich aber auch körperlich ausgewirkt hat. Das habe ich ganz klar gespürt damals. Ich habe gemerkt, da ist ein direkter Zusammenhang zwischen meinem geistigen Wohlbefinden, aber auch sozusagen mit meinem Körper. Hat mich damals schon fasziniert. Dann gab es immer den Spruch, Körper, Geist beeinflussen sich wechselseitig.
Aber was, welche Wissenschaft erklärt mir das denn? Damals habe ich erst mal nichts gefunden in dem Bereich. Ich habe mich vertieft in die Traumaarbeit, ins Coaching. Manuel ist so diesen Weg gegangen der Medizin, hat erst mal Medizin studiert, funktionelle Medizin. Und dann sind wir irgendwann wieder zusammengekommen. Ich hatte so meine Leiden. Ich hatte meine Autoimmunreaktion. Da hat er mir auf dieser medizinischen Ebene geholfen. Ich kam so von dieser psychischen Ebene.
Und dann haben wir begonnen, dass wir gemeinsam angefangen haben, Seminare zu geben in dem Bereich. Das war auch so der Beginn. Das ist jetzt bestimmt schon sieben, acht Jahre her, wo wir das erste Mal mit der Wissenschaft der Epigenetik tatsächlich auch über Bruce Lipton in Kontakt gekommen sind.
Und als wir dann begonnen haben, so zusammenzuarbeiten, so ganzheitlich, so einmal dieser medizinische Aspekt, aber auch dieser emotionale Coaching-Trauma-Aspekt, haben wir gemerkt, dass diese Wirksamkeit der Ganzheitlichkeit, die wir dadurch verfolgt haben, einfach große Wirkung erzielt hat damals auch bei Menschen. Und dann haben wir uns begonnen, gemeinsam mit Wissenschaftlern, wir haben Wissenschaftler auch in unserem Bereich kennengelernt, auch im funktionellen Medizinbereich, haben wir dann begonnen, uns tief in die Epigenetik im Selbststudium einzuarbeiten, über verschiedene Studien, die wir in Zusammenhang gebracht haben. Aber natürlich auch Experten, auf die wir zurückgreifen konnten.
Irgendwann waren wir an dem Punkt, und es hat mich damals so fasziniert zu verstehen: Wie kann eine Prägung, eine Erfahrung, vielleicht auch belastende Emotionen, die so eine Grundstimmung in meinem Leben erzeugen – wie können die tatsächlich bis auf kleinste Einheiten, also meine Gene, wirken? Und die Epigenetik konnte mir das auf einmal erklären. Das heißt, ich war hoch fasziniert von dieser Wissenschaft.
Gleichzeitig habe ich verstanden, dass es die Wissenschaft ist, die auf der Verstandesebene die Menschen abholen kann. Und ich beobachte das häufig in unserer Gesellschaft, dadurch, dass wir sehr kognitiv geprägt sind, dass die Menschen erst mal ein gewisses Verständnis haben dürfen über die Wissenschaft und dann bereit sind, sich dafür zu öffnen, ein gewisses Bewusstsein zu entwickeln. Und dann haben wir gesagt: Okay, das Wissen muss raus.
Unsere Vision war, das Gesundheitsbewusstsein auf einer gewissen Ebene zu revolutionieren, auch in der Gesellschaft. Und wir haben gesagt, das passiert am besten in Form einer Ausbildung, wo wir viele Menschen sozusagen ausbilden mit der Erfahrung, mit dem Wissen, das wir haben, und dadurch eine Bewegung, eine Community in die Welt bringen. So ist das Ganze entstanden.
Das ist vielleicht so die Geschichte dazu. Die Epigenetik selbst – ich kann gerne mal so ein bisschen, vielleicht auch ein bisschen bildlich erklären, was die Epigenetik eigentlich beschreibt. Und dazu würde ich mal ein kleines Stück in die Vergangenheit reisen.
Ich denke, wir alle kennen, das haben wir auch in der Schule gelernt, noch Darwin. Darwin war der Evolutionsbiologe. Und was viele nicht wissen: Zur gleichen Zeit hat Lamarck gelebt.
Lamarck war auch ein Biologe. Lamarck hat aber damals schon Thesen aufgestellt und gemeint: Ja, vielleicht ist Evolution nicht nur zufällige Mutation von Genen, sondern vielleicht ist Evolution auch die Umwelt, die auf uns wirkt, die sozusagen dann zur Evolution beiträgt. Also eine direkte Wirkung der Umwelt auf unsere Entwicklung, auf unsere körperliche, auf unsere geistige.
Tatsächlich durchgesetzt hat sich – also anstatt beide zu hören – Darwin. Er hat auch tolle Forschung gemacht in dem Bereich, hat aber dann zu einem gewissen genetischen Determinismus geführt. Das heißt, wir haben begonnen zu glauben: Die Gene sind der heilige Gral und die Gene bestimmen unser Schicksal, ob wir krank sind, ob wir gesund sind, ob wir psychisch fit sind. All das beschreibt sozusagen die Genetik, und die kriegen wir weitergegeben von unseren Eltern. Bedeutet ja im Umkehrschluss: Wir haben gar nicht so viel Macht über unser Leben. Das heißt, wir können gar nicht so viel machen, wir sind nicht so wirksam, und das habe ich schon von meinen Eltern geerbt, also werde ich das Gleiche bekommen. Und das hat tatsächlich eine ganze Gesellschaft geprägt, diese Ansicht.
Dann kam der Punkt, das war 2002, da war das Humangenom-Projekt abgeschlossen. Da ist Bill Clinton vor die Kamera getreten und hat gesagt: Wir haben alle Gene entschlüsselt, wir können jetzt Demenz heilen, wir können chronische Erkrankungen heilen, und wir werden psychische Erkrankungen heilen können, weil wir verstehen jetzt den Menschen. Jetzt dieser Fun-Fact: Die Gene wurden entschlüsselt, und wir haben herausgefunden, wir haben ca. knapp über 20.000 Gene. Das ist im Vergleich so viel wie ein Fadenwurm besitzt. Ein Apfel beispielsweise hat über 50.000 Gene, ein Hund und eine Katze liegen irgendwo in der Mitte, aber auch weit über uns. Es ist uns auf einmal bewusst geworden: Durch die Anzahl der Gene können wir gar nicht die Komplexität unseres menschlichen Organismus erklären – unsere Fähigkeit zu denken, unsere Fähigkeit zu handeln.
Dann hat man sich der Epigenetik erinnert. Und ich erkläre es mal so: Wir haben in all unseren Zellen, ob somatische Zellen, Stammzellen, Lungenzellen, Leberzellen usw., unser Set an Genen. Das ist festgeschrieben, das ist der Bauplan. Jetzt haben wir aber verschiedene Zellen in unserem Körper. Wie ich gerade gesagt habe, wir haben die Lungenzelle, die Leberzelle, und dennoch haben sie alle identisch gleiches genetisches Material. Wenn das der einzige Bauplan unseres Körpers wäre, dann würden wir alle aus einer Zelle oder Zellform bestehen.
Also muss es einen Mechanismus geben, der ermöglicht, dass die Gene unterschiedlich abgelesen werden, damit verschiedene Zellen im Körper – je nachdem, in welchem Milieu im Körper sie sich befinden – sich ausprägen können. Und ich erkläre das vielleicht einmal anhand eines Bildes: Wenn du dir ein Piano vorstellst mit 88 Tasten. Und dann gibt es den Pianospieler oder die Pianospielerin, und die hat die Möglichkeit, aus diesen Tasten und aus diesem Piano unterschiedlich, fast unendlich viele schöne Musikstücke zu zaubern.
Und unser Beispiel ist sozusagen das Klavier, die Tasten. Das ist ein Bauplan, mit dem kann ich arbeiten, aber der ist festgeschrieben, den kann ich nicht verändern. Pianospieler, Pianospielerin hat die Macht, entscheidend diese Tasten – in dem übertragenen Sinne unsere Gene – zu drücken, stummzuschalten, zu aktivieren usw. und dadurch verschiedenste Möglichkeiten an Proteinen in unserem Körper zu entfalten.
Und jetzt kommt das, was die Wissenschaft dann eben herausgefunden hat: die Epigenetik. Die Epigenetik ist nicht festgeschrieben, so wie die Genetik. Das heißt, die Epigenetik reagiert zu einem gewissen Grad – also nicht zu 100 Prozent, aber zu einem gewissen Grad – flexibel auf unseren Lebensstil, gerade auch auf längere Prägungen oder sehr einschneidende Lebenserfahrungen beispielsweise.
Und dann hat man herausgefunden, dass es verschiedene Lebensbereiche gibt, über die die Epigenetik beeinflussbar ist – im Positiven. Und da sind wir eben bei Bereichen wie der Psychoepigenetik, also was unsere Emotionen, unsere gemachten Erfahrungen betrifft; vor allem Traumata wurden viel untersucht. Wir haben das Transgenerationale, also dass möglicherweise über Generationen der Lebensstil der Generation an die nächsten Generationen zum gewissen Grad weitergegeben werden kann – was mit einer hohen Verantwortung einhergeht.
Und wir haben Bereiche wie Ernährung. Du hattest eben schon gesagt, Sebastian, soziales Umfeld spielt eine große Rolle. Schlaf spielt eine sehr große Rolle für die Regulierung unserer Gene im gesunden Maße.
Da gibt es auch tolle Studien zu. Die Umwelt, also auch Umweltgifte, können wirklich Blockaden in der Epigenetik auslösen, können Gene „verschmutzen“. Das können wir messen, labortechnisch. Genau, so haben wir verschiedene Lebensbereiche. Und wenn wir sozusagen unseren Körper in Resilienz bringen wollen, dann gilt es, über verschiedene Lebensbereiche hinweg zu reflektieren: Was ist denn wirklich ein Lebensstil, der der Natur – eigentlich artgerecht für uns – wieder am nächsten kommt? Und wie können wir aber auch über verschiedene Interventionen, ob das in der Ernährung ist, ob das im psychischen Bereich ist, im Coaching-Bereich, wieder eine Balance herstellen, eine Selbstregulation.
Und das ist sozusagen auch das Ziel, gerade was man verfolgt, wenn man Menschen auch im Epigenetik-Coaching-Bereich beispielsweise im Kontext begleitet.
[Sebastian Mauritz– Resilienz-Podcast]
Also, wenn man das Thema Resilienz so anschaut, dann ist ja für mich so die Kerndefinition Resilienz als Ergebnis der Bewältigung eines relevanten Stressors. Das heißt, ohne Stressoren merke ich meine Resilienz nicht. Und erst in der Bewältigung von relevanten Stressoren merke ich eigentlich meine Resilienz.
Meistens im Vergleich zu anderen. Das mal so als Rahmung, wie wir Resilienz verstehen. Wenn ich mir jetzt die Epigenetik anschaue, dann bin ich in einem Interview, das ich mit Dr. Alisha Rüber und Prof. Dr. Gerd Roth im Rahmen des Resilienzkongresses 2022 geführt habe. Prof. Roth ist ja leider zwischenzeitlich verstorben. Da sagte er, es gibt im Prinzip fünf Bereiche, die eher unveränderlich sind im Bereich der Resilienz. Das wären Genetik, Epigenetik, die Stresssystem-Ausbildung im Mutterleib und sogar auch während der Stillphase.
Also, was der Säugling oder das Baby über die Muttermilch mitkriegt, aber auch über diese ganzen Interaktionen mit der Mutter. Und dann haben wir die Bindungserfahrungen und die Sozialisationsformen. Und natürlich ist auch das Thema Bindung zum Beispiel durch Bearbeitung frühkindlicher Traumata – es gibt ja da auch verschiedenste Methoden, sozusagen noch einmal die idealen Eltern zu erleben und nicht nur „heile machen“, sondern auch einfach positive Erfahrungen quasi drüber lernen über das, was ich habe.
Kann ich ja im Bindungsbereich was machen. Was kann ich im Bereich Epigenetik machen? Weil das, was ich mich jetzt sofort frage, ist: Wie viel Gedächtnis hat eigentlich meine Epigenetik? Also merkt sich meine Epigenetik die Muster, die ich früher hatte? Oder ist für die Epigenetik jeder Tag ein neuer Tag? Also habe ich jeden Tag wieder eine neue Chance?
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Also grundsätzlich ist es erst mal so: Ich werde jetzt nicht durch ein kurzes Ereignis oder eine kurze Intervention, ob das jetzt in der Traumaarbeit ist – also ich arbeite viel mit Trauma – und da gibt es mittlerweile tolle Studien, die auch zeigen, dass dadurch sich etwas in der Epigenetik verändert. Beispielsweise, was wir in der Ausbildung viel machen, ist Emotional Freedom Techniques (EFT), wo du wirklich mittlerweile – da gibt es eine tolle, das ist Dawson Church, ein Forscher aus den USA, der viel zu Epigenetik, beispielsweise auch im Kontext zu EFT, der Emotional Freedom Techniques, geforscht hat, im Traumakontext – gesehen hast, dass sich deutliche Veränderungen zeigen in unserer Epigenetik über einen gewissen Zeitraum hinweg.
Das heißt, wichtig ist in der Epigenetik – ich glaube, was wichtig ist –, manchmal verfällt man gerade in diesem Bereich, wenn darüber gesprochen wird, so: „Ja, ich mache eine Sache“ oder „Ich habe einen anderen Gedanken“ oder „Ein einzelner Gedanke beeinflusst sofort meine Epigenetik“ – das sehe ich nicht so. Es geht um eine gewisse Nachhaltigkeit in Veränderungsprozessen, und dann kann sich die Epigenetik aber auch umschreiben. Also ich würde nicht sagen, auch wenn wir zum Beispiel über das Thema Bindung sprechen – wir machen ja sozusagen gesunde Bindungserfahrungen –, unsere Gesellschaft ist tatsächlich aber auch voll, zumindest das, was ich beobachte, mit gewissen Bindungstraumata, wo Bindung viel gefehlt hat.
Das ist gar kein Unterschied, ob wir jetzt in der westlichen Welt leben oder in anderen Bereichen der Welt. Auch hier spielt es eine sehr große Rolle, dass gewisse traumatische Erfahrungen, die zum Beispiel mit Bindung zusammenhängen, in Stressgenen beispielsweise Veränderungen hervorrufen können. Das heißt, das Kind macht diese Erfahrung, wir haben eine veränderte Methylierung auf der DNA, die dazu führt, dass im Stresssystem eine Disregulierung stattfindet, dass es sich nicht mehr gesund regulieren kann – unsere Stressachse, die wir haben, über die verschiedenen Stationen hinweg – und dieses Kind dann im späteren Leben, da sind wir jetzt beim Thema Resilienz, anders auf einen Stressor reagiert als ein Mensch, der diese Bindungsverluste oder dieses Bindungstrauma nicht erlebt hat.
Was ich aber nicht sagen würde, ist, dass es nicht zum gewissen Grad auch reparierbar ist – im Positiven. Also ich beispielsweise arbeite viel – wenn ich jetzt auf den psychischen Bereich gehe – mit den Emotional Freedom Techniques, die wirklich auch erwiesenermaßen Einfluss auf die Epigenetik, aber auch auf das gesamte Stresssystem haben, indem ich gewisse Reize stimuliere und klopfe.
Ich arbeite aber auch mit Ansätzen wie Somatic Experiencing, wo ich wirklich über den Körper arbeite und der Körper sehr gut zeigt, was das Nervensystem braucht, damit eine Reaktion, die damals zum Beispiel im Trauma nicht zu Ende geführt werden konnte, heute zu Ende geführt werden kann. Und auch darüber kann man viel Integration und Heilung erzielen. Also, was ich zum Beispiel – es gibt ja auch positive Affirmationen, es gibt die Positive Psychologie und die ganzen Dinge.
Mir ist es aber wichtig zu sagen, nicht direkt etwas drüberzulegen, sondern erst mal eine Integration stattfinden zu lassen. Weil, wenn wir traumatische Bindungserfahrungen haben, dann haben wir das Erlebnis, dass wir häufig eine gewisse Trennung erzeugen in uns. Wir spalten Anteile von uns ab, weil es zu schmerzhaft ist, sie wahrzunehmen.
Und für mich ist erst mal wichtig, diese Integration, diese Anteile von mir, die ich abgespalten habe, wieder zu mir zu nehmen. Und dazu gehört, nochmal durch diesen Schmerz, aber sehr dosiert sozusagen, zu gehen, ihn wieder zu mir zu holen und so eine Integration stattfinden zu lassen. Das geht zum Beispiel über Somatic Experiencing, indem ich stark über den Körper arbeite und der Körper zeigt mir, wenn ich Menschen in einer Sitzung beobachte, was ist so eine Reaktion, und dann gehe ich darauf ein und lasse es über den Körper spüren.
Und dann passieren häufig Trauma-Release-Situationen, wo der Mensch nochmal anfängt zu zittern, wo eine Nervensystemregulation stattfindet usw. Also das sind beispielsweise Ansätze. Wir arbeiten aber natürlich dann nicht nur in dem psychischen Bereich – das ist zwar mein Schwerpunkt –, aber du kannst sozusagen auch über andere Bereiche in die Resilienz reingehen.
Tatsächlich auch, indem ich zum Beispiel verstehe auf der genetischen Ebene – also man kann theoretisch Gene auslesen und kann sagen, welche Gen-Variationen finde ich. Das heißt, es gibt zum Beispiel, und da kann ich euch mal ein Beispiel mitgeben, das sogenannte COMT-Gen. Und das COMT-Gen ist dafür verantwortlich, Stresshormone in unserem Körper abzubauen.
Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin usw. Jetzt gibt es die Möglichkeit, dass Menschen ein langsames COMT-Gen besitzen, genetisch. Das bedeutet, der Abbau dieser Stresshormone findet deutlich langsamer statt als bei einem Menschen, der ein schnelles COMT-Gen hat, wo der Abbau sehr schnell stattfindet.
Häufig sind die Menschen von der genetischen Ausstattung her in der Resilienz, also im Umgang mit Stress, nicht so resilient wie Menschen, die diese Stresshormone schneller genetisch abbauen. Und dann brauchen wir tatsächlich – beispielsweise um sie abzubauen – sogenannte Methylgruppen. Um Stress im Körper abzubauen, brauchen wir Methylgruppen.
Um verschiedene Hormone, Neurotransmitter abzubauen, sind diese wichtig. Aber auch für die Regulierung der Gene brauchen wir Methylgruppen. Und wenn wir jetzt zum Beispiel viel Stress haben, dann zieht der Körper viele Methylgruppen in den Bereich des Stressabbaus, und auf einmal fehlen sie in gewisser Weise in der Epigenetik, und wir haben hier ein Defizit.
Dass der Epigenetik nicht mehr ausreichend Methylgruppen für eine gesunde Regulierung der Gene zur Verfügung stehen – ob das jetzt auch im Stressbereich oder in Stressgenen, die verantwortlich sind – sozusagen dem entzogen. Das heißt, es hängt alles zusammen, und wir schauen immer über die ganzheitliche Brille hinweg: Was braucht der Körper auf der nahrungstechnischen Ebene? Also Methylgruppen, der Methylkreislauf muss funktionieren, damit Stress auch abgebaut werden kann, damit eine gewisse Stressresilienz eintritt. Und dann schauen wir aber auch in den Schlaf.
Also, wenn wir sozusagen – es geht nicht nur um die Schlafdauer, es geht auch um die Schlafqualität. Und wenn die Schlafqualität von gewissen Tiefschlafphasen nicht stimmt, dann haben wir erst mal – es gibt eine Studie, die hat gezeigt, dass 700 Gene fehlreguliert werden, wenn wir nur eine Woche nur fünf oder sechs Stunden pro Nacht schlafen. 700 Gene von den knapp über 20.000 Genen. Das heißt, über einen gesunden Schlaf haben wir auch eine große Einflussmöglichkeit auf unser Gen-Set oder auf unsere Epigenetik. Und das sind sozusagen auch alles Einflussfaktoren und natürlich auch auf unser Stresssystem. Das heißt, all das sind Einflussfaktoren, und wir schauen sehr ganzheitlich auf dieses Thema.
Deshalb ist es manchmal schwer zu sagen, wir haben jetzt nicht die eine Intervention, die den Menschen stressresilient macht, sondern wir schauen immer ganzheitlich. Wir schauen uns das Mikrobiom an, wir messen das Mikrobiom, wir müssen verstehen, was ist mit dem Mikrobiom los. Viele Vorstufen für beispielsweise Serotonin – L-Tryptophan – werden im Darm produziert, Serotonin selbst wird im Darm produziert, es wird auch im Gehirn produziert.
Aber wenn sozusagen der Darm im Ungleichgewicht ist, das Mikrobiom, dann haben wir eine Kommunikation über den Vagusnerv ins Gehirn, und das sind 90 % der Signale. Nur 10 % der Signale gehen vom Gehirn runter. Und auf einmal verstehen wir, warum vielleicht eine gewisse Resilienz oder eine depressive Verstimmung bei den Menschen da ist, weil das Mikrobiom im Ungleichgewicht ist.
Und so schauen wir über diese verschiedenen Einflussbereiche hinweg wirklich tiefer, um dann im ganzheitlichen Sinne den Menschen zu unterstützen, wieder in eine Selbstregulation zu kommen. Genau.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Also was ich daran total spannend finde, ist wieder dieses, es hängt irgendwie alles miteinander zusammen. Und natürlich kann man jetzt sich da der Überforderung hingeben, sagen, ja, dann ist eh egal. Es gibt aber ja klassischerweise, wie es so Justus Liebig gesagt hat, so ein paar Minimumfaktoren.
Also so ein paar Faktoren, wo man sagt, naja, also wenn ich die im Griff habe, oder wie wir damals beim Baseball, hat unser amerikanischer Trainer immer gesagt, play the basics. Und das habe ich nicht verstanden, weil wenn du irgendwie so ein junger Heißsporn bist irgendwie, dann willst du natürlich die Trickspielzüge und so die Geheimzeichen. Der hat immer gesagt, ha, Jungs, play the basics.
Und wenn man die Basics sich anguckt, dann gewinnt man Spiele und verliert man Spiele. Wir haben es dann irgendwann gemacht und haben dann auch die Meisterschaft geholt in der Regionalliga. Das war ganz interessant.
Deswegen mal so für dich die Frage, was sind denn so, du hast jetzt Schlaf gesagt, du hast Mikrobiom gesagt, du hast auch so in Richtung NEMs, also Nahrungsergänzungsmittel, habe ich dich gehört und verstanden. Auf welche Basics legt ihr bei euch auch in der Ausbildung Wert, Epigeneticoach, aber auch so, wo du sagst, hey, das waren für mich damals auch die Game Changer?
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Ja, ich kann ja, vielleicht gehe ich mal durch die verschiedenen Bereiche und gebe so ein paar Basics in den Bereichen mit. Also wir können gerne mit dem Thema Schlaf beginnen. Was wir bei Schlaf beobachten, ist eben das Thema Blaulicht.
Das heißt, wir haben ein Problem damit, dass wir, wenn wir sozusagen noch 10 Uhr, 11 Uhr nachts in unseren Wohnungen unterwegs sind, wir gerade in diesen Energiesparlampen überall noch Blaulicht haben. Das heißt, in unseren Geräten, also wenn wir nachts in unser Handy reinschauen, haben wir Blaulicht. Blaulicht führt dazu, dass Melatonin, ein starkes Antioxidans unseres Gehirns, mit einer der stärksten, also super gegen Entzündungen im Gehirn und gleichzeitig aber auch unser Einschlafhormon, sozusagen was uns unterstützt, einzuschlafen und in einen guten Schlaf zu kommen, blockiert wird.
Das heißt, wir haben auf dieser Ebene sozusagen ein Problem, ein kollektives Problem, dass wir bis nachts dem ausgesetzt sind, allein hier schon darauf zu achten, indem ich Blaulichtblockerbrillen beispielsweise trage, dass ich wirklich schaue, das Blaulicht wird geblockt, zum Beispiel um 8 Uhr abends, dass ich auf solche Dinge achte. Was mir in dem Kontext auch immer super geholfen hat, war immer das Thema Meditation. Also wirklich zu schauen, dass ich einmal am Tag schaue, dass ich in meine Meditationsroutine komme.
Ich kombiniere die tatsächlich auch mit dem Thema EFT, also Emotional Freedom, dass ich verschiedene Punkte klopfe, um das Nervensystem zu regulieren und dann praktisch durch so verschiedene Zustände gehe in der Meditation. Ja, das hilft mir sehr viel. Im Ernährungsbereich, ja, es ist gar nicht so einfach, das immer so einfach runterzubrechen.
Im Ernährungsbereich ist es einfach wichtig, zu verstehen, einmal natürlich so natürlich wie möglich. Wir haben sehr viel industrialisiert verarbeitete Ernährung und all das ist problematisch für den Körper. Was wir sehen beispielsweise, wenn wir natürlich gesund Gemüse essen, nehmen wir mal das Beispiel Brokkoli. In Brokkoli sind nicht nur Mikro- und Makronährstoffe. In Brokkoli, ich nenne es jetzt, ich spreche es mal aus, sind sogenannte Mikro-RNAs und die kommunizieren mit unserer Epigenetik, mit unseren Genen. Die können die tatsächlich regulieren.
Teilweise indirekt, teilweise direkt. Das heißt, Nahrung in ihrer natürlichen Form ist Information, wichtige Information für eine gesunde Regulierung, sozusagen unserer Epigenetik. Das heißt, wir müssen darauf achten, dass wir sehr, sehr natürlich essen, dass wir schauen, dass wir genug Aminosäuren haben und was wir häufig machen, eben so ein paar Standards, also immer methylierte Formen von Nahrungsergänzungsmitteln, beispielsweise Vitamin B12, auch zum Thema Stress und Methylkreislauf.
Ja, dann können wir Stress besser verarbeiten, wenn wir ausreichend Vitamin B12, methylierte Folsäure für den Methylkreislauf in uns aufnehmen. Wir haben dann das Thema, dass wir schauen können, dass wir uns antioxidativ ernähren, also sozusagen zu gucken, dass die, weil wenn wir sozusagen einen gewissen Lebensstil führen, der entzündlich ist, ja, dann wirkt sich das auch auf unseren emotionalen Stress aus. Das hängt alles zusammen in unserem System.
Und deshalb können wir auch im Ernährungsbereich darauf achten, antioxidativ uns zu ernähren. Anti-entzündlich kann man auch supplementieren. Man kann Antioxidantien auch zu nehmen. Das ist eine Möglichkeit, wirklich auf anti-entzündliche Ernährung zu achten. Das ist ein Basic, der super wichtig ist für uns. Und auch zu gucken, dass man genug Methylgruppen zu sich nimmt.
Auch das kann man mal supplementieren. Also das sind mal so Basics, die man minimal tun sollte, auch im Ernährungsbereich. Dann haben wir ja noch den Bereich, gut, ich meine Physioepigenetik, das sind alles so Basics. Ja, da sieht man, okay, da reichen schon 20 Minuten Sport am Tag. Das hat sozusagen eine große Wirkung direkt in den Muskeln und Fettzellen. Verändert sich in 20 Minuten Sport schon messbar.
Nach Studien sozusagen unsere Epigenetik positiv für uns. Das ist das, was wir erleben. Dann ist es so, dass wir im Bereich der Sozioepigenetik einfach schauen. Das ist immer so eine interessante Entwicklung in unserer Gesellschaft, wenn es um das Thema Resilienz geht. Resilient sind wir dann, wenn wir gute soziale Beziehungen haben und wenn wir wieder mehr beginnen, in Gemeinschaft zu denken. Ein Gamechanger in meinem Leben war es, ich bin in eine Gemeinschaft gezogen.
Ich habe begonnen, wieder gemeinschaftlich zu leben. Grundsätzlich kommen wir Menschen sozusagen aus, evolutionsbedingt kommen wir aus Stämmen. Wir kommen aus Gemeinschaften. Kinder sind in Gemeinschaften aufgewachsen, haben verschiedene soziale Ansprechpartner gehabt, von denen gelernt, sich auf verschiedenste Menschen sozusagen einzulassen, zu vertrauen und sind anders aufgewachsen. Und wir sind in eine sehr starke Individualisierung gekommen, die in gewisser Weise eine sehr gute Entwicklung war. Und was ich jetzt beobachte, die Individualisierung kippt in eine Art von Selbstoptimierung im Sinne von Karriere, im Sinne von Leistungsdenken.
Und dann ist das der Hauptfokus unseres Lebens. Dann leben wir meistens dann irgendwie abgekapselt, anonym irgendwo in der Stadt in einer Einzelwohnung, kennen unseren Nachbarn nicht und beginnen, mehr und mehr in Trennung zu leben. Und Digitalisierung kommt halt noch dazu.
Das heißt, diese tiefen sozialen Verbindungen, die nötig sind, man muss ja nicht gleich in einer Gemeinschaft leben, aber wirklich wieder zu gucken, das zu pflegen, zu schauen, inwieweit zeige ich mich verletzlich gegenüber Freunden, inwieweit bin ich bereit, eine Tiefe zuzulassen, die mich verletzlich macht, aber die wichtig ist. Und ich könnte jetzt absolut in die Tiefe gehen und erklären, warum das Oxytocin-System auch mit der Epigenetik zusammenhängt. Muss ich an dem Kontext nicht.
Aber auch das hat unglaubliche Wirkungen auf unsere Genregulierung im Positiven. Von, ich kann ein Beispiel geben, von weniger Entzündungen, also entzündliche Gene werden besser reguliert, Immunsysteme, Gene werden besser reguliert nach Untersuchungen und so weiter. Das heißt, oder Gene, die oxidativen Stress regulieren im Körper, also die Entzündungen werden besser reguliert, wenn wir mehr in Gemeinschaften und im Sozialen sind.
Das heißt, und auch das Thema Auswirkungen von Trauma, ob Trauma im Moment geschieht, ob Trauma in der Vergangenheit geschehen ist, wird, ist sozusagen in einer Gemeinschaft besser, für den Menschen besser handelbar. Also dadurch entsteht schneller Heilung und auch ein besserer, resilienter Umgang auch mit Trauma in Gemeinschaft. Auch das ist ganz wichtig und wurde auch vielfach untersucht.
Das heißt, genau, wir haben die Sozioepigenetik, also wirklich wieder darauf zu achten. So ein Ding, was auch mein Leben verändert hat, ich habe begonnen, einmal mit meiner Beziehungspartnerin regelmäßige Gefühlssharings zu machen. Wir setzen uns, wir nehmen uns wirklich die halbe Stunde alle zwei Wochen, wo wir uns zusammensetzen, darüber sprechen, wie fühle ich mich gerade.
Wieder zu Beginn über Gefühle zu sprechen und der andere hört nur wertschätzend zu, ohne zu intervenieren. Und allein was schon passiert, dadurch, dass es bezeugt wird, was ich fühle, was gerade in mir vorgeht, und gleichzeitig wieder erlebe, da hört mir jemand wirklich zu und wartet nicht drauf, bis er das eigene reinbringen kann und sozusagen intervenieren kann, kann schon super viel verändern in einer Beziehung. Das mache ich in einer Männergruppe zusammen mit einer größeren Männergruppe von zehn Männern.
Wir machen das über Jahre schon zusammen, dass wir uns treffen und Gefühlssharings machen beispielsweise. Also das sind auch so kleine Dinge, die man schon tun kann und integrieren kann in den Alltag, um wieder mehr Soziales zu leben und da in die Tiefe zu kommen. Und dann haben wir halt eben noch andere Felder, aber das ist schwer, da so in diese Basic-Hacks zu gehen.
Was aber wichtig ist und das möchte ich mitgeben, ist dennoch das Thema Umwelt und Umweltmedizin. Das heißt, wir machen Labortests und messen sozusagen, haben Mikroplastik in der DNA gefunden. Wir finden Schwermetalle, Pestizide, Insektizide in den Zellen, also nicht irgendwo anders, sondern wirklich intrazellulär.
Und da auch mal sich zu überlegen, bin ich bereit, mal auch über eine Entgiftung nachzudenken und über verschiedene Entgiftungskreisläufe im Körper und Kofaktoren zu schauen, wie kann ich die Gifte binden und wieder aus dem Körper holen und gleichzeitig auf den Lebensstil zu achten. Das ist noch viel wichtiger. Wo ich darauf achte, wie kann ich auch schauen, dass ich mich weniger diesen Umweltgiften aussetze.
Es ist fast unmöglich in unserer heutigen Zeit, sich da komplett von abzukapseln. Das geht nicht. Aber wie kann ich mich auch weniger aussetzen, dass ich weniger Insektizide, Pestizide usw. zu mir nehme, weil das interferiert alles mit unserer Epigenetik auf einer gewissen Ebene, was beobachtbar ist.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Finde ich total spannend, weil auch für mich in meiner Gesundheitsgeschichte war ein Game Changer Schwermetallausleitung, also Quecksilberausleitung über verschiedene Chelatbildner. Und das war für mich wirklich grundlegend. Da dachte ich so, ich bin wie frisch gewaschen.
Und ich habe dann über eine Zeit noch mal mit Bitterstoffen meine Leber wieder in Gang gebracht. Du merkst ja nicht, dass die Leber irgendwie ein Problem hat. Leberwerte waren okay, aber ich war gefühlt echt oft müde. Was machst du? Isst halt dagegen Zucker und haust dir Koffein rein, was halt total clever ist. Aber dann sagte einer meiner Lehrer so, have you tried something bitter?
Und da habe ich gesagt, well, do you mean except life? Sagt er, ja, well, except life. Und dann hat er mir dazu Bitterstoffen geraten. Mein Chiropraktor auch. Nimm Bitterstoffe. Ich nehme hier Sieben-Sterne-Kräutermischung, was auch immer. Schmeckt halt echt bitter. Bitterliebe schmeckt auch lecker. Also das sind Empfehlungen, das ist keine Werbung.
Und seitdem, das hat so vier, fünf, sechs Wochen gedauert, wache ich morgens auf, denke so, keine Körperschmerzen, wach, fit, klar, super. Also das fand ich auch so spannend. Und das finde ich jetzt so interessant, dass du gerade auch dieses Entgiftungsthema ansprichst, weil das ja auch in der klassischen Schulmedizin, habe ich das so nicht gehört. Also es kann sein, dass ich die falschen klassischen Schulmediziner gefragt habe, die Regulationsmediziner, die ich gefragt habe, für die war das alle klar. Aber das fand ich dann auch noch mal wirklich für mich persönlich sehr spannend.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Ja, deshalb ist es auch so wichtig in dem Bereich. Also grundsätzlich, wenn ich zum Hausarzt standardmäßig gehe, wird meistens, also das, was im weitesten Sinne gemacht wird, ist ein großes Blutbild. Und wie du sagst, da lese ich wenig raus.
Ich muss wirklich, und es gibt die, wir arbeiten mit so tollen Laboren zusammen, die so tolle Tests machen in der funktionellen Medizin. Wo du wirklich in die Tiefe gucken kannst und auf einmal verstehst sozusagen, wow, hier und hier kann ich ansetzen. Weil das Problem ist, wenn im Blutbild schon was ordentlich schief ist, dann ist davor schon viel mehr über einen gewissen Zeitraum passiert und hat sich angesammelt, bis es überhaupt zu dieser Symptomatik im Blutbild kommt.
Das heißt, viele Kreisläufe, ob epigenetisch oder auf anderen Ebenen, haben schon nicht mehr ordentlich funktioniert. Und dem kann ich halt vorbeugen, indem ich auch mal bereit bin zu sagen, hey, ich mache mal wirklich ein paar funktionelle Labore und schaue mal, wo stehe ich da eigentlich und wie kann ich sehr gezielt gucken. Beispielsweise stimmt mein Omega-3-, Omega-6-Verhältnis und vielleicht muss ich Omega-3 ein bisschen supplementieren, um hier wieder ein Verhältnis reinzubringen, wenn wir jetzt auf der Ernährungsebene sind.
Also da ist auch in dem Bereich super viel machbar. Und spannend ist, es gibt Labortests, die gehen bis dahin, dass sie das biologische Alter sehr genau messen können. Da arbeiten wir auch mit HBCW zusammen.
Die haben wirklich auch verschiedene Mechanismen, Mechanismen der Epigenetik. Wir haben die jetzt nicht angerissen in der Tiefe, aber es gibt verschiedene Mechanismen. Da können die durch eine Blutentnahme und dann einen Labortest wirklich auswerten, wie alt ist das biologische Alter bis auf ein Jahr genau.
Das heißt, wenn ich jetzt kalendarisch, ich kann mal ein Beispiel machen, wenn ich kalendarisch möglicherweise 30 bin, kann es sein, dass ich biologisch 25, 30 oder sogar schon 50 bin auf der biologischen Ebene. Und das nimmt leider zu. Also es ist nicht gerade die schönste, positivste Entwicklung, die gerade passiert, wenn man so den Durchschnitt der Laborergebnisse nimmt, anonymisiert.
Aber das heißt, ich kann sozusagen über gewisse Lebensstilanpassungen dann beobachten, nach einem Jahr später, wenn ich es wirklich konsequent mache, wie ich biologisch verjünge. Oder, was halt möglich ist, dass ich zumindest das Alter einfriere auf einer gewissen Ebene. Das Alter kriegt ein komplett neues Konzept durch das, was da in der Epigenetik unterdessen möglich wird und indem ich es messbar machen kann, welchen Einfluss hat die Lebensstilveränderung sozusagen auf mein epigenetisches, biologisches Alter.
Also auch das ist super spannend.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und wenn du gerade so die ganzen Basics aufzählst und die ganzen Interventionen, die da drin sind und die wir tun können, um positiv auf die Epigenetik zu wirken, dann fällt mir jetzt auch hier ein, und das wird, finde ich, häufig unterschätzt, dass die Erklärung der Epigenetik schon eine Intervention ist. Ja, und dass alleine, wenn Menschen darüber erfahren, dass sozusagen die Epigenetik veränderbar ist, dass ich auf dieser Ebene was verändern kann, dass nicht alles biologisch determiniert ist bei mir, und das war in meiner Familie immer so und deswegen wird es auch immer so bleiben, zu einer ganz starken Veränderung führt. Und da gibt es ja auch entsprechende Studien dazu, dass vor allen Dingen Klienten, die glauben, ihre Probleme sind biologisch determiniert, dass eine Erklärung der Wirkmechanismen der Epigenetik dafür sorgt, dass die ihre Glaubenssätze verändern und mehr an Möglichkeiten der Veränderung glauben.
Also sozusagen das Growth Mindset dadurch gefördert wird, was ja auch nochmal ein ganz, ganz wichtiger Faktor der Resilienz ist. Also dieses Thema Veränderung ist möglich. Ich kann wirklich etwas verändern.
Und das hält auch lange an. Also es gibt eine Studie von 2015, die auch gezeigt hat, dass es auch sechs Wochen danach noch anhält, dieses Growth-Mindset-Framing durch die Epigenetik, dass die innere Haltung dann auch entsprechend so bleibt und: Ja, ich kann was verändern. Weil es ist ja immer die ganz große Frage, wenn sich Menschen mit Growth Mindset und Fixed Mindset beschäftigen, was kann ich denn machen, um Growth Mindset zu fördern? Und da hat Carol Dweck auch die Antwort drauf gehabt, und es war eigentlich immer das Thema der Neuroplastizität, die sie da genannt hat. Aber ja, okay, Gehirn verändern, super, aber sozusagen jetzt hier auf Genebene dann auch noch Veränderungen zu haben, das ist ja auch nochmal ein Game Changer, wenn wir an das Thema Intervention denken.
Also an alle Coaches und an alle Trainerinnen und Trainer da draußen, die mit Veränderungen arbeiten: Dieses Framing zu machen, lohnt sich total, einfach um auch dieses Growth Mindset zu fördern.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Total, ich finde das super schön, ich brauche die Studie, mich hat es gerade richtig erschrocken, dass ich die Studie nicht habe, total cool. Nee, das ist genau der Punkt, das ist ja das, wo wir auch so brennen, wo wir wirklich den Menschen klar machen wollen: Die kommen mit Diagnosen von „Deine Autoimmunerkrankung ist unheilbar“ – und das ist so schade, weil das ist faktisch falsch, das ist wirklich faktisch falsch. Also beispielsweise: Eine Autoimmunerkrankung ist nicht – also ich tue jetzt nicht alles in einen Kasten werfen – ist aber nicht zwangsläufig unheilbar oder zumindest von der Ursache her kann man sehr stark die Symptomatik ohne Symptomunterdrückung, sondern Ursachenbehandlung, eingrenzen.
Und wenn den Menschen bewusst wird: Ich habe da unglaublich viel selbst in der Hand und ich bin eben dem nicht ausgeliefert und ich muss warten, bis eine Pille kommt, die mich heilt – das ist eine völlig andere Einstellung. Deshalb finde ich es schön, was du sagst. Also das ist genau das, wofür ich auch so brenne. Und das ist definitiv schon eine Intervention gleich zu Beginn des Coachings.
Ja, definitiv.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Also da habe ich auch wirklich eine Geschichte zu, die teile ich nicht oft, Sebastian, ich weiß gar nicht, ob du die überhaupt kennst, weil das hat mich so berührt, als ich auf eurer Seite war, auf der Healversity-Seite, und da habt ihr auch sowas geschrieben, so die Sätze, die Menschen immer wieder sagen: „Hey, das liegt einfach in meiner Familie und es wurde mir von meinen Eltern mitgegeben“ und so weiter.
Und da hatte ich ein Erlebnis gehabt, dass in unserem Bekanntenkreis unserer Familie gab es eine Frau – und Achtung jetzt Triggerwarnung für alle Hörenden, es geht um Suizid –, bei der eine Depression diagnostiziert wurde, und ihre Mutter hatte wohl dieselbe Form der Depression. Und was hat die Frau damit gemacht? Die hat gesagt: „Ich will nicht so enden wie meine Mutter, das ist jetzt in meinen Genen so drin, das bleibt jetzt auch so drin.“
Sie ist an die Tankstelle gegangen, hat sich einen Kanister gefüllt, ist in den Wald gegangen und hat sich angezündet. Hat einen Mann und ein neugeborenes Kind hinterlassen. Und das ist übrigens auch eine der Storys, die mein psychologisches Interesse gesparkt hat. Damals war ich neun Jahre alt, als ich selber davon gehört habe.
Und wo es mich eher hingetrieben hat, ist das Thema des Selbstwerts. Wenn ich jetzt daran denke: Hätte sie gewusst oder hätte sie verstanden, dass diese Veränderung möglich ist und dass sie auch da rauskommt und dass die Depression ihrer Mutter nicht sozusagen die ihre werden muss – was hätte das verändert? Das frage ich mich jetzt sozusagen aus der Epigenetik-Brille.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Ja, und ich finde, was du da beschreibst, diese Geschichte, da sind wir auch viel beim Thema, beim Transgenerationalen. Also es gibt ja eben auf der einen Ebene die transgenerationale Epigenetik und es gibt auch transgenerationales Trauma. Und das ist dann, wenn sich in Familiensystemen Dinge wiederholen und wiederholen, und die müssen sich nicht immer der gleichen Ausprägung wiederholen, sondern es kann sein, dass beispielsweise der Vater der Arbeitssüchtige ist und das Kind, das alkoholsüchtig wird beispielsweise.
Die Ausprägung ist an sich die gleiche, aber es ist eine andere Bewältigungsstrategie von transgenerationalen Weitergaben. Und deshalb, das wäre nämlich auch noch so etwas gewesen, wo ich gesagt hätte: Das ist es echt wert, und das ist nicht so ein Basic, das setze ich jetzt mal schnell um, aber sich mal mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Ich habe das gemacht, mir hat das unglaublich viel Erkenntnisse gebracht.
Ich kann da eine kurze Geschichte erzählen. Ich hatte lange Zeit bei Healversity Existenzängste, dass uns alles abstürzen könnte, alles weggenommen werden könnte, von einem Tag auf den anderen. Ich habe biografisch gearbeitet, ich habe biografische Traumaarbeit gemacht und so weiter.
Und das war ein paar Jahre schon her und dann dachte ich mir irgendwann, gemeinsam mit einem Therapeuten, schauen wir uns das doch mal transgenerational an. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen, aber ich habe dann ziemlich schnell verstanden, als ich begonnen habe, transgenerational zu forschen, dass meine Großeltern väterlicher- wie mütterlicherseits Fluchtgeschichten haben, einmal im Sudetenland damals, ja nach dem Zweiten Weltkrieg, und in Polen, was damals ja noch deutsch war. Die mussten von heute auf morgen alles stehen und liegen lassen an Höfen, an Existenzen, die sie über Generationen aufgebaut haben, und mussten flüchten und sind dann umhergeirrt.
Also ein krasses Trauma, kann man sagen, krasses Fluchttrauma. Und auf einmal habe ich meine Existenzangst verstanden und habe verstanden: Die hat ja gar nicht so viel mit meiner eigenen Biografie zu tun, weil ich habe das ja selbst nicht erlebt, sondern ich führe da was fort, da lebt was in mir weiter, was eigentlich zu meinen Ahninnen und Ahnen gehört. Und das zu verstehen, auch das hat mir nochmal eine unglaubliche Resilienz gebracht, weil ich auf einmal diese Angst sehr gut bewusst wahrnehmen konnte und dann sortieren konnte.
Diese Angst gehört zu mir, die kann ich zu mir nehmen, und diese Angst, die gehört gar nicht zu mir. Ich sehe sie, aber sie ist nicht meine Angst. Hat unglaublich viel geändert.
Die Existenzängste sind jetzt nicht weg, will ich nie sagen, also darum geht es auch nicht, aber sie haben sich stark reduziert und ich habe deutlich mehr Resilienz wieder in dem Unternehmen Healversity in dem Moment gewonnen gehabt. Also deshalb ist auch diese transgenerationale Thematik super interessant, braucht aber – ist ein bisschen mehr wie ein Basic – braucht sozusagen schon mal eine Zeit, sich dann mit dem eigenen Ahnensystem auseinanderzusetzen, mal zu gucken, was wiederhole ich denn aus der Familiengeschichte, was mich stärkt, und was wiederhole ich, was eigentlich destruktiv ist und was mich vielleicht in Ängste bringt.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Oder in anderen Themen. Total interessant, auch im Angesicht der Theorie der konstruierten Emotionen dann auch, wenn man es dann auch transgenerational denkt: Woher kommen meine Vorhersagen, die mein Gehirn macht, auf Grundlage dieser Situation, in der ich gerade drin bin, und was hat die genetische Struktur eventuell dann auch damit zu tun? Du hast jetzt gesagt: Ist es meine Angst oder ist es eine Angst sozusagen dann in dem Sinne von damals, also etwas, was das System gelernt hat und daraufhin Vorhersagen trifft und daraus entsprechend eine Angst konstruiert, weil es entsprechend hilfreich war, diese Angst in dem Sinne herzustellen, zu konstruieren und dann entsprechend damit umzugehen, und dann Angst neu zu lernen in dem Körper, in dem ich jetzt gerade drin bin, und das vielleicht dann auch nochmal positiv an meine Kinder weitergeben zu können. So mit der Aufgabe und sozusagen Angst neu zu lernen.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Ja, das ist schön, und da gibt es unterdessen auch wirklich Studien zur transgenerationalen Epigenetik. Weil lange dachte die Epigenetik selbst durch die Weismann-Barriere, es ist nicht möglich, dass sozusagen das epigenetische Muster in gewissem Maße weitergegeben wird. Und natürlich gibt es die Studien leider nicht nur in den schönen Beispielen – das ist schwer zu messen –, aber halt vor allem bei Traumata. Und da hat man wirklich auch eine Untersuchung gemacht, das waren die Opfer des Holocaust, also Juden, die im KZ diese Traumata erlebt, aber überlebt haben. Und dann hat man geguckt, okay, was weisen die denn für Methylierungen, also epigenetische Marker sozusagen auf ihren Stressgenen auf? Und dann hat man gesehen, dass sie stark verändert waren, was zu mehr Angststörungen, psychischen Erkrankungen und so weiter geführt hat – oder zumindest kann man sagen zu einer starken Dysregulation des Nervensystems und des Stresssystems. Und dann hat man gesehen, dass die nachfolgende Generation, die wiederum in Sicherheit aufgewachsen ist, die diese Traumata nicht erlebt hat, ähnliche Veränderungen an diesen Stressgenen hatte und somit auch Symptome, nicht in dem Ausmaß, aber auch leichte Symptome in diese Richtung. Und da haben eben die Wissenschaftler gesagt: Wir haben hier gerade gesehen, auf biologischer Ebene wird eine Erfahrung einer Generation an die nächste weitergegeben. Und das fand ich halt super spannend. Und dann zu sehen in Studien, dass du über Arbeit mit deinen Traumata und so weiter wiederum einen positiven Einfluss auf die Epigenetik hast, zeigt dir dann wieder: Du kommst zu einem gewissen Grad ja auch wieder in eine Balance und gibst dann wiederum das an deine nächste Generation weiter. Und das ermächtigt uns, das macht uns natürlich auch verantwortlich, diese Erkenntnisse.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ich finde übrigens total cool, dass man bei dir gerade im Hintergrund die Schafe blöken hört. Das ist so ein Nature-Bonus, und das ist für mich total mit Bauernhof, barfuß über irgendwelche Wiesen und diese Schafwolle so in den Händen und Schafe füttern. Also ich danke dir da sehr.
Ich habe da gerade schon diesen wunderbaren Duft von diesen alten Muffeln in der Nase. Multifaktoriell, multisensorisch, auch hier im nur hörenden Podcast. Sensationell.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und wieder ganz konkurrent zu dem, was du gesagt hast. Artgerecht sozusagen wie auch aufwachsen mit anderen Tieren in der Natur. Ja, das ist super.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Die Schafe halten Timo artgerecht.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Genau. Sehr gut. Ja, genau.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Und Timo muss bald hier uns füttern. Ja, Junge.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Und scheren und alles.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, die gehören tatsächlich hier zum Hof. Sensationell. Feiere ich sehr.
Wunderbar. Ich habe tatsächlich noch eine kurze Zusammenfassung so für mich und dann noch eine konkrete Frage. Also was mir heute klar geworden ist: Dass dieses Thema Nature oder Nurture eigentlich noch erweitert gehört aus Sicht der Epigenetik, nämlich irgendwie sowas wie Nature, Nurture …
Naja, und ich würde fast sagen Cultivation. Sowas. Ist zwar kein N.
Muss ich nochmal ein bisschen drüber nachdenken. Dann finden wir auch noch was mit N. Aber halt dieses nicht nur Nature oder Nurture, was ja beides sozusagen eher passivisch, eher sozusagen da habe ich aktiv nicht so richtig viel Einfluss. Sondern so wie ich dich jetzt verstehe, oder so wie ich auch eure Ausbildung verstehe, ist die sehr auf Selbstwirksamkeitsstärkung in diesen Bereichen ausgelegt, was mir als Resilienzmensch da wirklich am Herzen liegt.
Das ist so diese eine Erkenntnis, und dafür danke ich dir sehr. Und die Frage: Du hast jetzt ganz oft Methylierung gesagt. Du hast das sogar bei meinem Lieblingsthema Nahrungsergänzungsmittel mehrfach gesagt.
Was muss ich denn machen, um den Methylierungsgrad – weil das hast du so in so einem Nebensatz erwähnt, da werde ich dich wahrscheinlich im Interview zum Resilienz-Online-Kongress nochmal zu fragen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann haben wir eine begrenzte Zahl an Methylierungen, also dann haben wir ein begrenztes Methylierungspotential. Verstehe ich dich richtig so?
Und wenn das für Stress alles draufgeht, habe ich das nicht mehr für die Methylierung im Rest des Systems? Ist das sehr vereinfacht?
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Das ist vielleicht ein bisschen vereinfacht gesagt, vielleicht auch von mir. Wir haben den Methylkreislauf im Körper. Das heißt, der Körper ist fähig, Methylgruppen zur Verfügung zu stellen.
Und wir nehmen Methylgruppen auch über die Ernährung auf, und der Methylkreislauf braucht gewisse Kofaktoren wie beispielsweise Vitamin B12, Folsäure, Magnesium und so weiter, damit er gut arbeiten kann. Und dieser Methylkreislauf wird eben nicht nur für zum Beispiel Abbau von gewissen Hormonen verwendet, teilweise auch, wenn Hormone gebildet werden in eine andere Stufe. Zum Beispiel werden Methylgruppen gebraucht, teilweise für die Entgiftung.
Für das Immunsystem werden Methylgruppen gebraucht. Also ich könnte eine ganze Bandbreite aufzählen, wo im Körper Methylgruppen gebraucht werden. Was schon richtig ist: Wenn wir natürlich chronisch gestresst sind, was natürlich so ein großes Thema unserer Gesellschaft ist – also zu schauen, wie komme ich in eine gewisse Resilienz, dass ich nicht chronisch gestresst bin. Weil es gibt gesunden Stress, wenn ich Stresspeaks habe, wenn der Sympathikus aktiviert wird, damit ich aktiv bin, damit ich auch gut eine Herausforderung meistern.
Dann gibt es den parasympathischen Modus, wo ich wieder Entspannung, Wachstum, Regeneration ermögliche. Und dann gibt es den chronischen Stress, wo das Nervensystem immer im Hyperarousal-Modus oder Hypoarousal-Modus ist. Also entweder nach unten geht die ganze Zeit parasympathisch, und ich habe Burnout, Müdigkeit, Depression, oder hoch geht, ich bin ständig angespannt, Kampf- oder Fluchtmodus. Und wenn wir da chronisch in dieser Dysregulierung hängen, dann haben wir auch ein Problem, dass natürlich sehr, sehr viele Methylgruppen dafür bereitgestellt werden, ständig diese Stresshormone aus dem Körper zu entgiften.
Und dann, klar, dann fehlen die an irgendeiner Stelle. Der Körper muss umsortieren sozusagen. Ich kann jetzt nicht genau sagen, die werden jetzt da zu dem Grad fehlen und da zu dem Grad, aber sie werden in gewissem Maße nicht mehr ausreichend zur Verfügung sein, und das kann dann zu verschiedenen Problemen führen, im Immunsystem oder in anderen Systemen unseres Körpers oder eben sogar der Epigenetik auch.
Also das ist schon richtig so, ja.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Und was kann ich konkret dafür tun, nehmen, also du hast ja ein paar Sachen gesagt, aber hast du so ein Methylierungs…
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Also es gibt tatsächlich Supplements, die tatsächlich Methylgruppen enthalten, die man nehmen kann, aber ich bin halt immer ein Fan davon, weil man muss aufpassen vor dem: Ich nehme jetzt Methylgruppen, also kann ich gestresst sein oder also kann ich meinen Lebensstil weiterführen, wie ich es gerade tue, wenn er vielleicht nicht gerade gesund ist. Dementsprechend kann ich beispielsweise auch in Form von Supplements – das Methylation-Master beispielsweise ist eine Firma, aber es gibt auch nicht so viele, aber es gibt Firmen, die das sozusagen herstellen – und dann kann ich wirklich aktiv Methylgruppen zuführen, ja. Damit kann ich den Körper unterstützen.
Natürlich auch über die Ernährung, wie ich schon gesagt habe, es gibt die Kofaktoren, aber letztendlich hängt es natürlich wieder über diese Lebensstilbereiche mit allem zusammen. Also ich kann auch nicht hier eine Sache sagen: Die machst du, und dann arbeitet dein Methylkreislauf super. Sondern ich muss schauen, dass ich über die verschiedenen Lebensbereiche hinweg im Gleichgewicht bin. Dann ist der Methylkreislauf entlastet auf der einen Seite, kann besser arbeiten, und natürlich ist es ein schneller Weg, um einen gewissen Ausgleich zu finden, wenn ich merke, okay, möglicherweise Methylgruppenmangel aufgrund meines Lebensstils. Das erstmal auch für eine gewisse Weise zu supplementieren, ist meiner Meinung nach natürlich auch eine Symptombehandlung. Also ewig so weiterzumachen, ist auch kein Weg, sondern schon zu schauen, okay, wie kriege ich über meinen Lebensstil das wieder in ein Gleichgewicht. Und das funktioniert tatsächlich wieder über die verschiedenen Lebensstilbereiche.
Also da gibt es jetzt nicht den einen Hack, den ich sozusagen sagen kann, um den Methylkreislauf damit in den Superfunktionsmodus zu bringen, sondern da geht es wirklich dann wieder über die Bereiche hinweg.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Habe ich auch nicht mit gerechnet, nur manchmal hat man ja so dieses eine Supplement, wo man sagt, ah, das ist nochmal, das ist so ein 80-20-Thema.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Das wäre Methylgruppen einnehmen, also SAME heißt es, SAME sozusagen, und das kann ich zuführen und damit kann ich erstmal einen starken Ausgleich – also das ist in dem Moment, wo ich es zuführe, einfach sehr, sehr wirksam. Darf man auch nicht überdosieren, man will auch keine Übermethylierung im Körper. Genau, das heißt, da gibt es dann Dosierungsempfehlungen auch bei den Herstellern.
Aber das würde ich sagen: Wenn es jetzt im Supplementbereich geht, ist Methylgruppen einnehmen erstmal das Effektivste in dem Moment.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, bei mir war das vor ein paar Jahren mal auf den Tipp von Gerhard Moser hin, war das Lactoferin. Okay. Also wirklich krass, also gerade auch was so balancierende Effekte fürs Immunsystem angeht und jetzt seit auch einer längeren Zeit schon Low-Dose Lithium-Orotat.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Okay, genau.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Sensationell. Also so krass merkbare Effekte, natürlich immer in Absprache mit dem Arzt. Ihr habt da einen guten Regulationsmediziner, mit dem habe ich das besprochen, der sagt: Ja, ist nichts gegen einzuwenden. Und dann kann man sich das entsprechend in der Apotheke besorgen. Und also für meine Stressresilienz unglaublich.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Für die Gehirngesundheit ja auch.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Die Studienlage. Alles ist super, ja. Gerade bei neurodegenerativen Krankheiten unglaublich, also genau, aber das ist ein weites Feld. Nichts wirkt alleine, und man braucht immer einen Profi, der das so ein bisschen trackt und monitort und berät, deswegen, ja.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Aber was in dem Kontext noch – ein Satz, was da wichtig ist: Wir haben lange den Fehler gemacht, dass wir nicht methylierte Nahrungsergänzungsmittel zu uns genommen haben. Nicht methyliertes Vitamin-B-Komplex und so weiter, nicht methylierte Folsäure, und das ist echt nicht gut, sollte man auf keinen Fall tun, weil der Körper muss es dann erst methylieren, das zieht dem Körper Methylgruppen. Das heißt, wenn wir es nicht in der methylierten Form einnehmen, haben wir eher ein Problem, da belasten wir den Methylkreislauf. Also wirklich immer darauf zu achten: Vitamin-B-Komplex und so weiter – steht auch Methyl. Also z. B. bei Folsäure heißt es dann nicht Folat, sondern Methylfolat. Also wirklich hinten drauf zu achten, wenn ich grundsätzlich supplementiere über verschiedene Bereiche hinweg, sind die Supplements methyliert.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Super, danke. Ja. Ja, also, es ist wie es immer ist, ich hätte noch viele Fragen, aber man sollte ja auch erst dann gehen, wenn man auch bleiben könnte.
Ich könnte mich mit euch jetzt noch Stunden unterhalten, und deswegen würde ich jetzt sagen: Lasst uns das Leben voll Blick auf die Epigenetik entsprechend jetzt ohne diesen Podcast weiterleben. Ich danke dir total, lieber Timo. Also das war großes Kino, und wenn wir beiden wenig reden, dann ist das immer etwas, wo ich so denke: Ja, da ist jemand, der viel zu sagen hat, gut strukturiert, ganz fantastisch.
Ich danke dir sehr. Und Ruben, also allein diese Aufklärung, ich will die Studie auch haben. Studienmaster, Studymaster Ruben ist in the house, also schick sie rum, und ja, ganz herzlichen Dank.
[Timo Janisch – Resilienz-Podcast]
Danke euch für den schönen Rahmen, habe mich sehr wohlgefühlt jetzt gemeinsam in dem Interview.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Bis bald. Tschüss. Tschüss.
Hier geht´s zum Resilienz-Podcast: www.rethinking-resilience.com
Alle Folgen finden Sie hier:
Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch www.larsdeutsch.net
Design: Katharina Krekeler www.hejro.de
Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).