WOFÜRSORGE – für eine starke Resilienz

 Angenommen, Sie könnten sich selbst heute ein Geschenk machen. Wofür wäre das gut?

In unseren Blogbeiträgen der Resilienz Akademie gehen wir immer wieder der Frage nach, wie es Menschen schaffen, Probleme zu lösen, Stress zu regulieren und Krisen zu bewältigen bzw. möglicherweise sogar aus ihnen zu lernen und zu wachsen.  Dafür spielt die Betrachtung von Schutz- und Risikofaktoren eine zentrale Rolle, die zur physischen und psychischen Gesundheit beitragen sowie entsprechende Umgangsstrategien, die daraus abgeleitet werden können.

Das „WOFÜR“ ist hierfür wegweisend und öffnet automatisch einen Raum für neue Lösungsmöglichkeiten. Es gibt einen Anstoß für die Suche nach Sinnhaftigkeit, motiviert uns, Ziele zu erreichen und schenkt neue Zuversicht für die Zukunft.
Wie wäre es, wenn Sie sich also einmal mehr um Ihr persönliches „Wofür sorgen“ würden? Was wäre dann anders?

Warum beschäftigen wir uns mit der WOFÜRSORGE?

Im Modell der Salutogenese von Aaron Antonovsky ist das Kohärenzgefühl ein Schlüsselkonzept für die Entstehung von Gesundheit. Neben der Verstehbarkeit (warum) und der Handhabbarkeit (was und wie) ist vor allem die Sinnhaftigkeit – und die Frage, wofür wir etwas tun, zentral für eine starke Resilienz.

Auf der Seite der sysTelios-Klinik  ist uns deshalb der Hinweis zur „WOFÜRSORGE“ besonders ins Auge gefallen. Ein Begriff, den wir sehr gerne im Kontext von Resilienz beleuchten und entsprechende Aufmerksamkeit schenken möchten – mit großem Dank an Dr. Gunther Schmidt (Geschäftsführer der sysTelios).

Sie können sich an dieser Stelle ja auch schon einmal fragen: Wie gehen Sie in Resonanz mit dem Begriff der „Wofürsorge“ und welche Assoziationen haben Sie?

Wortschöpfung – Dr. Gunther Schmidt

Dr. Gunther Schmidt ist Facharzt für psychosomatische und Psychotherapie, Leiter des Meihei (Milton-Erickson-Institut Heidelberg), ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der sysTelios-Privatklinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung in Siedelsbrunn.

„In hypnosystemischer Herangehensweise verbinden wir lösungsorientierte systemische Therapiekonzepte und Modelle der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie mit tiefenpsychologisch fundierten und verhaltenstherapeutisch ergänzenden Verfahren.“ – sysTelios-Klinik

Dr. Gunther Schmidt gilt international als einer der maßgeblichen Pioniere in der Entwicklung einer Integration systemischer (auch familientherapeutischer) Modelle und der kompetenzfokussierenden Konzepte Erickson’scher Hypnotherapie zu einem ganzheitlich-lösungsfokussierenden Konzept für Beratung und Psychotherapie. Die von ihm entwickelten hypnosystemischen Modelle für Organisationsberatung, Team- und Gruppenarbeit und Coaching tragen wesentlich zu einem intensivierten, ressourcenorientierten Beratungsverständnis bei und sind auch in den Ausbildungen der Resilienz-Akademie in den Lehreinheiten integriert.

In der sysTelios-Klinik werden Personen durch ein therapeutisches Angebot fachärztlich geleitet und unterstützt mit „vielfältigen hypnosystemischen Impulsen zur Selbstfürsorge. Im Fokus steht dabei immer eine zieldienliche und nachhaltig wirksame Aktivierung schlummernder Kompetenzen und Ressourcen.“ Die Klientinnen und Klienten werden dazu eingeladen, die „entwickelten selbstfürsorglichen Prozesse im Heimatkontext fortzuführen und zu pflegen“, sodass ein gesunder Umgang mit sich selbst und anderen hergestellt wird.

Was kann WOFÜRSORGE bedeuten?

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Für mehr Selbstfürsorge

Angelehnt an die Beschreibung der sysTelios-Klinik kann die „Wofürsorge“ also für mehr Selbstfürsorge stehen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie genau Sie sich eigentlich um sich selbst sorgen? Und welchen Unterschied bemerken Sie mit und ohne Stress oder vor, während und nach einer Krise?

Die Sorge um andere

Das Wort „Sorge“ stammt ursprünglich aus dem Althochdeutschen „sorga“; germanisch „surgō“ und ist verbunden mit der Bedeutung des „Kümmerns“ oder „sich kümmern um“.  Seit dem 8. Jahrhundert ist das Wort belegt und hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Laut Duden (abger. 12/2023) wird der „Sorge“ zwei Bedeutungen zugeschrieben: Zum einen kann sie sich auf ein „bedrückendes Gefühl der Unruhe und Angst“ beziehen, das durch eine „unangenehme, schwierige, gefahrvolle Situation hervorgerufen“ wird. Dabei nehmen wir in unserer subjektiven Wahrnehmung eine Gefahr gedanklich vorweg, was sich wiederum auf unsere Emotionen, unser Denken und Handeln auswirkt.

Zum anderen bezieht sich „Sorge“ auch auf die „Fürsorge“ und das „Bemühen, um das Wohlergehen“ einer anderen Person, einer Personengruppe oder eines anderen Lebewesens.  Beispielsweise sorgen wir uns um Menschen, die in Not sind, um unser Patenkind oder das Haustier etc. Fürsorglich zu sein bedeutet auch immer, ein Stück Verantwortung zu tragen für den Menschen oder das Lebewesen, das einem anvertraut wurde und sich entsprechend um das zukünftige Wohlbefinden zu kümmern.

Die Sorge um sich selbst

Selbstfürsorge wird oft wie ein Extra behandelt – als etwas, das man sich „auch noch“ gönnt, wenn alles andere erledigt ist. Ein Bonus am Ende einer langen Prioritätenliste. Doch sollte sie nicht vielmehr ganz vorne stehen? Nicht als i-Tüpfelchen – sondern als Grundlage.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Selbstfürsorge als Fähigkeit, die eigene Gesundheit zu fördern und aufrechtzuerhalten – mit oder ohne Unterstützung medizinischen Fachpersonals:

“Self-care is the ability of individuals, families and communities to promote their own health, prevent disease, maintain health, and to cope with illness and disability with or without the support of a health worker.“ – WHO 2022

Wir fassen den Begriff der Selbstfürsorge im Allgemeinverständnis etwas weiter und schließen hier die Wahrnehmung der persönlichen Bedürfnisse, Schutz- und Risikofaktoren, Wünsche und Grenzen mit ein.
Selbstfürsorge geht mit einem Bewusstsein für Verantwortung einher. Aktive Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Für den eigenen Rhythmus. Für das, was gut tut – und was nicht.

Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sie ist eine Haltung. Und ein täglicher Beitrag zur eigenen Resilienz.

Sowohl als auch

Ein nicht unerhebliches Missverständnis, das oft bis ins hohe Alter in uns schlummert, ist die Annahme, dass Selbstfürsorge etwas mit Egoismus oder Eigennutz zu tun habe. Bestenfalls sollte hierzu schon in der Schule Aufklärungsarbeit geleistet werden, um die Selbstfürsorge in ihrer Bedeutung zu würdigen und für einen gesunden Umgang mit Problemen, Stress und Krisen zu sensibilisieren. Denn Fakt ist, dass Selbstfürsorge nichts mit Egozentrik oder Selbstoptimierung zu tun hat– noch schöner, leistungsfähiger, effizienter zu werden. Vielmehr geht es um die Wiederherstellung des „Selbstmitgefühls“ und einen guten Zugang zu sich selbst zu finden, um wieder Kraft für andere Aufgaben zu schöpfen.

„Denn wer für andere da sein will, sollte sich auch selbst auf den fürsorglichen Weg machen.“ – sysTelios Klinik

Kontext Stress und Krisen

Eigentlich wissen wir als Erwachsene alle, dass wir (sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext) erst dann für andere Menschen eine Unterstützung sein können, wenn auch unser eigener Akku gut geladen ist und wir uns Zeit für uns nehmen. Ja, eigentlich.  Denn oft ist die große Frage: Wie?

Stressoren wie Zeitdruck, Schmerzen, hohe Erwartungshaltungen und innere Antreiber (zum Beispiel „Mach es allen recht!“ oder „Sei stark!“) führen nicht selten dazu, dass wir uns in einem erlebten Stresskreislauf wiederfinden, in dem so etwas wie „Selbstfürsorge“ fast schon wie ein Fremdwort klingt. Wir vergessen sie schlichtweg oder ignorieren sie bewusst oder unbewusst.

Gerade wenn viel Stress über einen langen Zeitraum haben oder uns mitten in einer schweren Krise befinden, kann es sein, dass wir regelrecht unter „Kompetenzamnesie“ leiden, wie es Dr. Gunther Schmidt beschreibt. Uns fällt es dann besonders schwer, auf unsere Fähigkeiten und Kompetenzen zuzugreifen. Punktuell ist dies auch nicht gleich ein Problem – schwierig und auch gefährlich wird es, wenn dieser Zustand „chronisch“ wird und sich die Auswirkungen auf körperlicher, mentaler und seelischer Ebene bemerkbar machen.

Aus diesem Grund ist es so wichtig und wertvoll, professionelle Unterstützung anzunehmen und sich ein Stück begleiten zu lassen und die persönlichen Ressourcen (wieder) zu entdecken. Das schließt mit ein, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen,  Stressdynamiken besser zu verstehen und neue Lösungswege zu erkunden. Im Rahmen einer Therapie oder eines Coachings ist das Thema der Selbstfürsorge in der Regel sehr zentral. Denn hier liegt der Schlüssel für einen funktionaleren Umgang mit Stress und einer guten Balance aus Regulation und Adaptation.

Für mehr Sinnerleben

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Das „Wofür“ steht im Kern für die Suche nach Sinnhaftigkeit im Leben. Menschen, die wissen, wofür sie etwas tun, zeigen laut internationaler Sinnforschung eine deutlich höhere Bereitschaft, sich aktiv und ganzheitlich um ihre Gesundheit zu kümmern.

Wenn Menschen wissen, wofür sie etwas tun, sind sie laut der internationalen Sinnforschung auch eher dazu bereit, sich mehr um ihre Gesundheit auf ganzheitlicher Ebene zu kümmern (nach Schnell 2020 sowie Comnick/ Mauritz 2025).  Wenn eine Person zum Beispiel mit einer schweren Krankheit konfrontiert wird, kann eine höhere Sinnerfüllung (wie der Kontakt zu den Enkelkindern, soziales Engagement oder die Erfüllung im Beruf) dazu führen, dass die Person eher Arzttermine wahrnimmt, regelmäßig Medikamente einnimmt oder die Ernährung langfristig umstellt etc.

Der Antrieb für eine Sache oder die Liebe zu einer Person (nach Viktor E. Frankl), wirkt sich entsprechend positiv auf die Gesundheitswerte aus. Wenn wir unser Handeln als emotional sinnvoll und lohnenswert erachten, investieren wir auch mehr Energie für die Bewältigung von Herausforderungen und unsere Motivation steigt. Das „Wofür“ ist entsprechend immer auch lösungsorientiert und zukunftsgerichtet – im Gegensatz zum „Warum“, das sich auf die Reflexion der Vergangenheit bezieht.

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Wie stärkt die WOFÜRSORGE unsere Resilienz?

Schauen Sie einmal kurz auf die letzten Wochen zurück. Worauf haben Sie eher Ihre Aufmerksamkeit gerichtet – auf die Anteile, die Sie stören und krank machen oder eher darauf, gesunde Anteile zu „vermehren“? Wenn Sie Ihre Resilienz stärken möchten, empfehlen wir Ihnen Letzteres. ;-)

Salutogenese

In dem Modell der Salutogenese, das von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky entwickelt wurde, wird Gesundheit als dynamischer Prozess verstanden, da sich der Mensch ständig zwischen den Polen der Genesung und Erkrankung hin und herbewegt. Die Frage ist nur, wohin er/sie gerade mehr tendiert. Dadurch, dass wir ständig unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt sind und Schutz- sowie Risikofaktoren in Wechselwirkung auf unser Wohlbefinden einwirken, ist Gesundheit kein fixer Zustand. Vielmehr geht es darum, die Schutzfaktoren wahrzunehmen und gezielt so zu stärken, dass diese überwiegen. Dieses „Weg von“ (potentieller) Krankheit – „Hin zu“ gesundheitsfördernden Aspekten führt bereits dazu, dass eine Person aus der „selbst-mitleidenden“ Rolle heraustritt und mehr in das Selbstwirksamkeitserleben kommt.

Das Modell von Antonovsky spielt deshalb eine zentrale Rolle im Resilienz Coaching und Training und ist fester Bestandteil der Ausbildungen in der Resilienz-Akademie. Der Fokus richtet sich auf die stärkenden Aspekte – im Gegensatz zu pathogenetischen Ansätzen, die sich auf die Ursachen und Behebung von Krankheiten konzentrieren.

Kohärenzsinn

Ein zentraler Bestandteil des Salutogenesekonzepts ist nach Antonovsky der „Kohreänzsinn“. Kohärenz (lat. cohaerere zusammenhängen) meint das „Gefühl von Stimmigkeit“ und die Wahrnehmung einer Person, dass das Leben verständlich, handhabbar und sinnvoll ist. Ein gestörter Kohärenzsinn kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass ein Mensch das Gefühl hat, keinen Platz in dieser Welt zu haben und es ihr/ihm an Orientierung und Sinn im Leben fehlt.

Ziel ist es, Krisen und Leiderleben ernst zu nehmen und Raum zu geben– und dann den Blick auf die Lösungen und jene Faktoren zu richten, die das Vertrauen ins Leben wieder stärken. Die Kohärenzfaktoren helfen hierbei sehr gut und führen eine Person automatisch von dem „Warum“ zum „Wozu/Wofür“:

Verstehbarkeit (Comprehensibility) Menschen mit einem hohen Kohärenzsinn sind dazu fähig, die Geschehnisse im Leben zu verstehen und zu strukturieren. Sie können kognitiv das Leben analysieren und Zusammenhänge von Geschehnissen herstellen. Hier wird dem „Warum“ nachgegangen. Ein Beispiel wären Fragen, wie: Warum ist es zu dieser Zuspitzung gekommen? Welche Faktoren führen dazu, dass ich das Gefühl habe, keine Zeit für Selbstfürsorge zu haben?
Handhabbarkeit/ Machbarkeit (Manageability) Menschen mit einem hohen Kohärenzsinn haben das Vertrauen, dass Ressourcen vorhanden sind, um Herausforderungen zu bewältigen. Sie wissen, dass sie durch ihr Fühlen, Denken und Handeln Einfluss nehmen und Probleme lösen können. Durch die Handhabbarkeit wird unmittelbar die Wirksamkeit gestärkt und der Frage nach dem „Was“ und „Wie“ nachgegangen. Beispielsweise könnte hier reflektiert werden: Was kann ich konkret tun, um mehr Zeit für Selbstfürsorge zu haben? Wie kann ich meine vorhandenen Ressourcen (Kenntnisse, Fähigkeiten, soziales Netzwerk etc.) dafür nutzen?
Sinnhaftigkeit/Bedeutsamkeit (Meaningfulness) Ein starker Kohärenzsinn impliziert, dass Menschen einen Sinn in den verschiedenen Aspekten ihres Lebens suchen, erkennen und dieser Sinn sie motiviert, Schwierigkeiten zu bewältigen. Durch das Gefühl, mehr Sinn zu erleben und Sinnhaftes zu tun, erhalten Menschen Kraft, sich mit den Herausforderungen des Lebens auseinanderzusetzen und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die Sinnhaftigkeit steht wie gesagt mit dem „Wofür“ in Verbindung. Der Blick wird defokussiert und neue Möglichkeitsräume sichtbar. Fragen könnten hier sein: Wofür lohnt es sich, mehr Zeit für Selbstfürsorge einzuräumen? Wofür war mein Zusammenbruch vielleicht hilfreich – worauf möchte er mich hinweisen? Wohin führt mich mein Weg in 1, 10, 100 Jahren, wenn ich mehr auf meine Gesundheit achte?

Ganzheitliche Resilienzförderung

Mit Blick auf das Modell der“vier Arten individueller Resilienz der Resilienz Akademie zeigt sich, wie umfassend Selbstfürsorge wirkt. Sie unterstützt die körperliche Resilienz, indem sie uns zum Beispiel zur Regeneration, gesunder Ernährung und Bewegung motiviert. Sie stärkt die mentale Resilienz, in dem wir Gedanken klären und Überforderung vorbeugen. Die emotionale Resilienz wird gefördert durch mehr Achtsamkeit für Emotionen und einen versöhnlichen, funktionaleren Umgang mit ihnen.  Und nicht zuletzt nährt sie auf besondere Weise unsere seelische Resilienz – durch die Verbindung mit dem, was uns im Innersten trägt. Die „Wofürsorge“ ist damit kein Nebenschauplatz – sondern ein Schlüssel zur ganzheitlichen Resilienzförderung.

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TIPPS für mehr WOFÜRSORGE im Leben

Abschließend möchten wir Ihnen gerne ein paar Ideen noch mit auf den Weg geben, die Ihnen dabei helfen können, Ihr persönliches „WOFÜR“ zu entdecken.

Achtsamkeit

Praktizieren Sie Achtsamkeit, in dem Sie bewusst Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Fühlen, Denken und Handeln in dem jeweiligen Moment richten. Ein Trick ist, bereits bestehende Gewohnheiten zu verlangsamen und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Neue Dinge zu etablieren fällt uns, gerade unter viel Stress, oft sehr schwer. Doch morgendliche Rituale, wie der Weg zur S-Bahn, die Tasse Kaffee oder das Eincremen im Bad, lassen sich wunderbar mit Achtsamkeitstechniken kombinieren. Sinnesübungen oder eine ruhige Atmung tragen zur Stressreduktion bei und sorgen für einen fokussierten Start in den Tag.

Intuition als Spürsinn nutzen

Selbstfürsorge hat, wie erwähnt, nichts mit Eigennutz oder Selbstoptimierung zu tun. Es geht vielmehr um die Hinwendung zu unserem authentischen Selbst. Weg von ständigem Optimierungswahn – hin zu mehr Selbstmitgefühl und den Faktoren, die uns in Kontakt mit unserem körperlichen, mentalen und seelischen Wohlbefinden bringen. Im Konzept der seelischen Resilienz ist Intuition für uns deshalb ein zentraler Resilienzfaktor. Sie hilft uns, „zu uns selbst“ zurückzufinden – gerade dann, wenn äußere Sicherheiten wegbrechen. In schweren Krisen ist es umso wichtiger, sich selbst mitfühlend zu begegnen und auf die Ressourcen zu vertrauen, die bereits da sind.

Mit kleinen, alltagstauglichen Übungen lässt sich erforschen und erspüren, was die Seele gerade braucht – und wonach sie sich künftig sehnt. So entsteht mit der Zeit ein feineres Gespür dafür, wann das innere System Ruhe und Regeneration braucht –und ebenso, wann die Kraft zurückkehrt, um wieder aktiv zu werden und für andere da sein zu können. Diese Form des Trainings stärkt die Verbindung zur eigenen inneren Stimme – und damit auch die seelische Resilienz. Denn wer sich selbst gut wahrnimmt, kann sich auch gezielter selbst stärken.

Suche nach Sinnhaftigkeit

Wie erwähnt steht die Suche nach Sinnhaftigkeit im Mittelpunkt, wenn das „Wofür“ gesucht wird. Wichtig: Es muss dabei nicht direkt um „den großen Sinn des Lebens“ gehen. Die japanische Lebensphilosophie Ikigai gibt zum Beispiel schöne Impulse, um den Blick auf die kleinen Dinge im Alltag zu richten, die das „Leben lebenswert machen“ und Grund geben, am nächsten Morgen wieder aufzustehen. (Vgl. Tonn 2023).

Vor allem erfahren wir Sinnhaftigkeit, wenn wir wissen, wofür wir etwas tun und unsere Ziele in Einklang mit unseren Werten und Bedürfnissen stehen. Richten Sie Ihren Blick deshalb auf Ihre Werte, die Ihnen wirklich wichtig sind. Sie können hierzu auch in unterschiedlichen Kontexten denken: Welche Werte erkennen Sie in Ihrem Arbeitskontext und welche Werte leben Sie in Ihrem privaten Kontext? Wie stehen die Werte in Verbindung mit Ihren Bedürfnissen und Ihrer persönlichen Selbstfürsorge? Was können Sie tun, um in Zukunft mehr nach Ihren Werten zu leben?

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Von der Bindung zur Verbindung

Bindung ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen und gehört zu den zentralen Resilienzfaktoren. Versuchen Sie sich Zeit für Austausch zu nehmen. Teilen Sie Ihre Gedanken, Erfahrungen und Sehnsuchtsziele mit anderen. Das kann im privaten Kontext passieren oder wie erwähnt auch im Rahmen einer Therapie oder eines Coachings. Hier gibt es Raum und einen geschützten Rahmen, um Sorgen auszusprechen, Gedanken zu ordnen und neu zu sortieren.
In der seelischen Resilienz weiten wir den Blick noch weiter – unter Einbeziehung der spirituellen Dimension und der Erfahrung von Verbundenheit. Dazu zählt auch die Verbindung zur Natur, zu anderen Lebewesen und – je nach individueller Auslegung – der Glaube an eine höhere Wirklichkeit. Diese Erfahrungen von Verbundenheit können das persönliche Wofür stärken – im Wissen, nicht allein zu sein.

Ziele und Visionen

Versuchen Sie, nur rein experimentell, sich kurz frei zu machen von „starren“ Zielvorgaben – ein Ziel müsse immer spezifisch, messbar, konkret, anwendbar etc. sein. Zielformulierungen, die bestimmte Kriterien erfüllen, können kontextabhängig durchaus eine Unterstützung sein. Für das „Wofür“ lohnt es sich aber einmal mehr loszulassen und Freiheit im Denken zuzulassen. Ein Ziel kann sich auf die nächsten 3 Minuten, 3 Stunden, 3 Tage, 3 Wochen, Monate oder Jahre beziehen. Ganz egal – es können berufliche, persönliche oder gesundheitsbezogene Ziele sein, die unterschiedliche Gründe und Wünsche in sich tragen. Gehen Sie einmal mehr auf Spurensuche. Sie werden merken, dass schon hinter kleinsten Tätigkeiten, ein großes „Wofür“ stecken kann! Wenn Sie einmal näher hinsehen, wird ihnen (möglicherweise) jede Zielformulierung leichter von der Hand gehen.

Darüber hinaus bieten sich infinite Ziele und Visionsarbeit an. Vision ist ebenso ein Schutzfaktor der seelischen Resilienz, da sie über die kognitiv greifbare Zielearbeit hinausgeht und unserem Leben auf tiefer Ebene Bedeutung schenkt. Unter finiten Zielen verstehen wir Ziele, die einen Endpunkt haben, wie ein Projekt, das in einem Monat abgeschlossen sein muss. Ein infinites Ziel hingegen ist ein Ziel ohne Endpunkt. Das bedeutet, es hat auch kein konkretes Ergebnis und wir erhalten nicht unbedingt eine Rückmeldung darauf. Hierzu zählen beispielsweise generative Handlungen oder soziales Engagement. Visionen laden uns darüber hinausgehend ein, den Blick zu defokussieren – weit zu machen und mit Gedanken zu spielen, die einen träumen lassen und von innen heraus zu etwas Größerem antreiben. Lesen Sie HIER mehr zum Thema Visionsarbeit.

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Ein Geschenk

Machen Sie anderen und sich selbst ein Geschenk. Wem können Sie gerade die Hand reichen? Für wen können Sie etwas Gutes tun? Die Hilfe für andere wirkt sich nachweislich positiv auf unser Sinnerleben und die seelische Gesundheit aus. Gönnen Sie sich dazu selbst kleine Freuden als Anerkennung für Ihre Bemühungen und zur Aufmunterung. Suchen Sie nach Dingen, die für Sie persönlich sinnvoll und erfüllend sind. Hier geht es nicht um Konsum, sondern um die Aspekte, die Ihnen ein kleines (großes) Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern und Ihre Augen zum Funkeln bringen. Das kann ein Zitat sein, das plötzlich wieder auftaucht, eine Lieblingsplaylist, die Ihre Seele berührt oder ein guter Podcast, der sie inspiriert und Raum zum Denken schenkt.

…Und ein letzter Tipp: Seien Sie sich selbst ein Geschenk. Richten Sie Ihren Blick auf die vielen Ressourcen, Kompetenzen und Begabungen, die Sie haben – die Ihnen in diesem Leben geschenkt wurden und die Sie Tag täglich weiterentwickeln. Was wäre, wenn auch Sie das „WOFÜR“ für einen anderen Menschen sein können und bereits schon sind? Schenken Sie sich einen Moment der Dankbarkeit für all´ die Dinge, die Sie bis heute schon bewältigt haben.

„Jeder Mensch ist resilient und der Beweis, dass sie / er bisher stärker war als das Leben!“
–  Dr. Gunther Schmidt


Resilienz Akademie | WOFÜRSORGE - für eine starke Resilienz

In unserem BuchSinn: Über Leben in Krisen. Dein Workbook für seelische Resilienz (erschienen im Juli 2025 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht) laden wir Sie / Dich dazu ein, das „WOFÜR“ (wieder) zu entdecken: Persönlich oder für die Begleitung von Menschen, zum Beispiel im Rahmen von Coaching, Training, Therapie oder Beratung.

Wichtig dabei: Es muss nicht um „das eine große Wofür“ gehen. Vielmehr sind es oft die vielen kleinen Wofürs im Alltag, die uns – gerade in Krisenzeiten – bewusst werden und besondere Kraft und Halt schenken.
Das Buch versteht sich als Wegbegleiter „vom Warum zum Wofür“ und bietet eine Vielzahl an Übungen, Reflexionseinladungen und Handlungsimpulsen, um den Sinnquellen im Leben wieder auf die Spur zu kommen.

HIER finden Sie alle weiteren Hintergrundinformationen zum Buch

Sie haben einen einen QR-Code aus dem Buch gescannt? Willkommen – schön, dass Sie einen Impuls weitergehen möchten!


Die untenstehende Kommentarfunktion kann gerne genutzt werden, um Erfahrungen und Tipps zu teilen – und sich gegenseitig zu inspirieren.

Was bedeutet für Sie/ Dich „Wofürsorge“? Wie zeigt sie sich konkret im Alltag? Welche kleinen oder großen Wofürs tragen Sie/ Dich durch schwierige Zeiten?

Alles Gute von uns an dieser Stelle – und eine beseelte, sinnerfüllte Lesezeit!


Quellen:

  • Comnick/ Mauritz 2025: Sinn: Über Leben in Krisen. Dein Workbook für seelische Resilienz. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Schnell, T. (2020). Psychologie des Lebenssinns (2., überarb. u. erw. Aufl.). Berlin: Springer.
  • Tonn, K. M. (2023). Ikigai: Das Geheimnis der kleinen Dinge. München: YUNA Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH.
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Self-care interventions for health (2022): Self-care interventions for health (who.int).
  • Bilder: www.depositphotos.com

Resilienz Akademie | WOFÜRSORGE - für eine starke Resilienz

Christina Comnick, M.A. Management–Education–Diversity (Sozial- und Gesundheitsmanagement) entwickelte die Seelienz® – seelische Resilienz in Kooperation mit der Resilienz Akademie und leitet die dazugehörige Fortbildung. Sie ist Resilienz-Trainerin & Coach, Antigewalt- und Kompetenztrainerin und setzt sich seit ca. 15 Jahren für die Prävention seelischer Gesundheit und Krisenintervention ein. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Themen: Sinn, Spiritualität, Intuition, Emotionsregulation und Deeskalation. (www.christinacomnick.de)


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Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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