Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 64

Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 64 für Sie zusammengestellt.

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In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.


Folge 64: Rethinking: Empathie

In Folge 64 von „Rethinking Resilience“ nehmen sich Sebastian und Ruben ein Werkzeug vor, das so einfach wie wirkungsvoll ist: den Butterfly Hug, die Schmetterlingsumarmung. Es ist eine niederschwellige Technik zur Selbstregulation, die man in Sekunden erlernen und im Alltag jederzeit nutzen kann – bei akutem Stress, starker Anspannung oder überbordenden Emotionen. Sebastian und Ruben erklären, woher die Technik kommt, was im Gehirn dabei passiert, wie man sie Schritt für Schritt anwendet – und warum es dabei entscheidend auf die richtige Haltung ankommt.

Warum ist die Schmetterlingsumarmung wichtig?

Es gibt Momente, in denen der psychophysiologische Erregungszustand – das Arousal – so hoch ist, dass wir mit unseren Emotionen nicht mehr gut umgehen können. Wir rutschen, wie Ruben mit Dan Siegel sagt, aus unserem „Window of Tolerance“, dem Fenster, in dem Regulation gelingt. Genau hier setzt der Butterfly Hug an: als einfache, effektive und nachhaltige Möglichkeit, sich selbst zu beruhigen.

Der Reiz der Technik liegt in ihrer Niederschwelligkeit. Sie braucht keine Hilfsmittel, hat kaum unerwünschte Wirkungen und funktioniert sogar für Kinder, die sich oft noch nicht gut selbst regulieren können. Und sie ist eine gesunde Alternative zu den Bewältigungsstrategien, mit denen viele ihren Stress abends „wegdrücken“ – von der Tafel Schokolade bis zur halben Flasche Wein, die stets einen hohen Preis haben. Gerade Menschen in Emotion-Work-Berufen und Führungskräfte mit dauerhaft hohem Stresspegel profitieren davon.

Was ist der Butterfly Hug?

Der Butterfly Hug stammt aus dem EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), einer der erfolgreichsten Traumatherapie-Methoden, die von Francine Shapiro entwickelt wurde. Kern von EMDR ist die bilaterale Stimulation – der Wechsel zwischen rechts und links. Entstanden ist die Schmetterlingsumarmung selbst 1997: Nach dem Hurricane Pauline in Acapulco fehlten Therapeutinnen und Therapeuten, um die vielen traumatisierten Menschen zu begleiten. Lucina Artigas beobachtete, wie Kinder sich intuitiv selbst umarmten und beklopften – und entwickelte daraus eine Technik zur Selbstregulation. Ruben lernte sie vor rund zehn Jahren im Rahmen von Wingwave bei Dirk Eilert kennen, einer Kurzzeit-Coachingmethode aus dem Hamburger Besser-Siegmund-Institut, die EMDR-Elemente nutzt.

Entscheidend ist: Weder die Augenbewegungen noch das Klopfen selbst machen den eigentlichen Unterschied – das hat Francine Shapiro am Ende ihres Lebens selbst betont. Die aktuellste Erklärung liefert die Arbeitsgedächtnishypothese: Das Gehirn kann nur begrenzt Informationen gleichzeitig halten. Ruft man eine belastende Erinnerung ab und geht zugleich in eine bilaterale Aufgabe, konkurrieren beide Prozesse – und der Stressor lässt sich punktgenau regulieren.

Ruben veranschaulicht das mit dem „Hand Model of the Brain“ von Dr. Dan Siegel: Die Faust ist das Gehirn, der eingeschlagene Daumen das limbische System mit der Amygdala als Alarmzentrale, die darüberliegenden Finger der präfrontale Kortex. Amygdala (Stressnetzwerk) und präfrontaler Kortex (exekutives Netzwerk) konkurrieren um Ressourcen. Die Amygdala kann rund um die Uhr feuern, der präfrontale Kortex dagegen ermüdet. Der Butterfly Hug ist eine Bottom-up-Technik: Über den Körper bringt sie wieder Energie in den präfrontalen Kortex, damit dieser die Amygdala funktional beruhigen kann.

Wie wende ich den Butterfly Hug an?

Ruben leitet die Technik in mehreren Schritten an:

  • Stressor wählen. An eine Situation aus Vergangenheit oder Zukunft denken, die noch Stress auslöst – auf einer Skala von –10 (größtes Unbehagen) bis 0 (neutral) nicht stärker als etwa –5. Also bewusst kein Lebensthema, sondern etwas gut Handhabbares.
  • Den Körper wahrnehmen. Spüren, wo sich eine unangenehme Resonanz zeigt – der somatische Marker (bei Sebastian etwa der Halsbereich, Angst häufig in den Waden). Emotionen sind „embodied states“, verkörperte Zustände. Damit ist die Amygdala bewusst „an“.
  • Sich selbst umarmen. Die Arme vor dem Körper überkreuzen und die Hände auf Schultern oder Brust legen – eine Selbstumarmung, die auch über das Embodiment wirkt.
  • Abwechselnd klopfen. Während man weiter in den Stress hineinspürt, links und rechts tappen. Die Konzentration darauf aktiviert den präfrontalen Kortex.
  • Beobachten, ohne zu werten – und „geh damit weiter“. Einfach wahrnehmen, was innerlich geschieht. Auch wenn Gedanken wie „das bringt doch nichts“ auftauchen: weitermachen. Das gehört meist zum Prozess.

Zwei Dinge sind Sebastian und Ruben besonders wichtig. Erstens die Gleichzeitigkeit: Der Butterfly Hug ist keine Ablenkungstechnik – man klopft die Emotion nicht weg, sondern bleibt in Kontakt mit ihr, während man klopft. Zweitens die Haltung: Neugier und Experiment statt Erwartungsdruck. Ein kleiner Disclaimer gehört dazu – bei lange vergrabenen Emotionen kann es zu einem „Backdraft“ kommen (ein Begriff aus Kristin Neffs Buch zum Selbstmitgefühl): Wie bei einer Rauchgasexplosion kann eine Emotion kurz stark aufflammen, ehe sie sich reguliert. Deshalb übt man die Technik am besten zuerst in einem professionellen, haltgebenden Rahmen. Übrigens wirkt das Klopfen umso stärker regulierend, je näher es am sensorischen Kortex liegt: an Wangen, Nacken und Schultern deutlich mehr als etwa an den Knien.

Wozu führt der Butterfly Hug?

Das Ziel ist nicht, die Emotion loszuwerden, sondern sie funktional werden zu lassen. Was Menschen nach der Übung meist berichten: „Ich weiß noch, dass es blöd war, aber ich spüre es nicht mehr.“ Der affektive Mantel der Erinnerung legt sich ab – die Emotion wird zur Information. Und das ist nachhaltig: Weil sich das Arousal im jeweiligen Kontext verändert hat, trifft das Gehirn künftig andere Vorhersagen. Mit Lisa Feldman Barrett gesprochen: Die „Schmetterlinge im Bauch“ fliegen dann nicht mehr durcheinander, sondern in Formation.

„Be with it without becoming it.“ – Stephen Gilligan: bei der Emotion sein, ohne sie zu werden.

Zentral ist deshalb die Umdeutung des „Wegklopfens“. Emotionen sind keine Störung, die es zu beseitigen gilt: Ärger ist der Hüter der Werte, Angst die Hüterin der Sicherheit – „Wer Angst hat, hat Zukunft“, zitiert Sebastian Gunther Schmidt. Regulieren heißt darum nicht unterdrücken, sondern eine unregulierte Emotion wieder ins Toleranzfenster bringen, damit sie ihre eigentliche Funktion erfüllen kann: für die eigenen Werte einzustehen und handlungsfähig zu bleiben. Erst wenn der Stresspegel unten ist, gelingt die eigentliche Würdigung – das Schwere Schritt für Schritt „zu Dünger werden zu lassen“.

Und schließlich lädt die Folge dazu ein, solche Regulationstechniken sichtbar zu machen. Ob im Meeting, am Flughafen oder in der Schule: Wer sich reguliert, zeigt nicht Schwäche, sondern Selbstfürsorge. Gemeinsames Klopfen wirkt zudem als Ko-Regulation. Sebastian bringt es mit einer Anekdote aus dem Flugzeug auf den Punkt – und mit einem Plädoyer, das über die Technik hinausweist: Lasst uns mentale Gesundheit normalisieren, denn das ist zutiefst menschlich.


Transkript der Folge 64

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:


Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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