Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 58

Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 58  für Sie zusammengestellt.

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In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.


Folge 58: Resilient Guest: Prof. Dr. Eva Asselmann

Das Gefühl von „Too Much“ ist längst kein individuelles Randphänomen mehr, sondern ein weit verbreitetes Erleben unserer Zeit. In der Podcast-Folge mit Prof. Dr. Eva Asselmann wird deutlich: Viele Menschen fühlen sich überfordert, erschöpft und gleichzeitig verantwortlich für diesen Zustand. Doch genau hier setzt ein zentraler Perspektivwechsel an: Dieses Gefühl ist häufig kein persönliches Versagen, sondern Ausdruck struktureller und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Eva beschreibt „Too Much“ als Gefühl moderner Überforderung: Tempo, Reizflut, soziale Vergleiche, Nachrichten und technologische Entwicklungen erzeugen einen dauernden Strom an Eindrücken, Erwartungen und Möglichkeiten. Was nach Freiheit klingt, kann Entscheidungsdruck, Unsicherheit und das Gefühl verstärken, nicht zu genügen. Viele Menschen reagieren darauf mit einem Kontrollreflex: mehr planen, mehr Informationen sammeln, perfekter werden wollen. Doch genau das kann dazu führen, dass wir uns verhaken, unflexibel werden und noch tiefer in die Überforderung geraten.

Der Ausweg liegt laut Eva im bewussten Innehalten, Loslassen und Priorisieren. Kleine Schritte helfen dabei: atmen, sich über Sinneswahrnehmungen ins Hier und Jetzt holen, Gedanken aufschreiben und unterscheiden, was wirklich wichtig ist. Auch Selbstwirksamkeit spielt eine zentrale Rolle. Wer eine kleine konkrete Aufgabe erledigt, erlebt: Ich bin handlungsfähig. Persönliche Eigenschaften, Perfektionismus und der Umgang mit Fehlern beeinflussen zusätzlich, wie stark „Too Much“ erlebt wird.

Am Ende geht es um die Frage, wie ein Leben gelingen kann, das nicht nur fordert, sondern auch erfüllt. Dafür hilft es, eigene Werte zu erkennen und den Alltag Schritt für Schritt daran auszurichten.

Warum ist das Gefühl von „Too Much“ heute so präsent?

Das Gefühl von Überforderung entsteht nicht zufällig. Es ist eng verknüpft mit den Bedingungen, unter denen wir heute leben. Unsere Welt ist schneller, komplexer und vielschichtiger geworden. Technologische Entwicklungen, soziale Medien und permanente Erreichbarkeit führen dazu, dass wir mit einer Vielzahl von Reizen gleichzeitig konfrontiert sind. Diese Reizflut bleibt nicht ohne Wirkung. Sie beeinflusst, wie wir denken, fühlen und handeln. Besonders deutlich wird das in der ständigen Vergleichbarkeit mit anderen. Durch soziale Medien sehen wir permanent, was andere erreichen, besitzen oder erleben. Daraus kann schnell das Gefühl entstehen, selbst nicht genug zu sein.

Gleichzeitig sind unsere Lebenswege heute offener als früher. Während frühere Generationen oft klar vorgezeichnete Rollen hatten, stehen uns heute unzählige Möglichkeiten offen. Diese Freiheit bringt jedoch auch Unsicherheit mit sich. Denn jede Entscheidung bedeutet gleichzeitig, viele andere Möglichkeiten auszuschließen. Diese Kombination aus hoher Komplexität und großer Unsicherheit kann dazu führen, dass Menschen sich orientierungslos fühlen. Das Bedürfnis nach Kontrolle wächst – doch genau diese Kontrolle lässt sich in einer komplexen Welt oft nicht vollständig herstellen.

Ein weiterer Faktor ist die gesellschaftliche Bewertung von Leistung und Belastung. Überforderung wird teilweise als Zeichen von Engagement interpretiert. Wer viel leistet und an seine Grenzen geht, gilt als engagiert. Gleichzeitig werden andere Formen von Belastung, wie etwa depressive Zustände, oft weniger positiv bewertet. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass das Gefühl von „Too Much“ nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich verankert ist.

Was steckt psychologisch hinter dem „Too Much“?

Im Kern beschreibt „Too Much“ ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten. Wenn die Anforderungen als zu hoch erlebt werden, entsteht Stress. Ein zentraler Mechanismus ist dabei das subjektive Erleben. Nicht nur die tatsächlichen Anforderungen spielen eine Rolle, sondern auch, wie wir sie interpretieren. Zwei Menschen können in derselben Situation unterschiedlich reagieren – je nachdem, wie sie die Situation bewerten.

Hinzu kommt das Bedürfnis nach Kontrolle. Wenn Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, reagieren sie oft mit verstärkten Kontrollversuchen. Diese können jedoch kontraproduktiv sein, wenn sie zu Starrheit und Überforderung führen. Auch kognitive Prozesse wie Grübeln spielen eine wichtige Rolle. Wenn Menschen sich gedanklich ständig mit Problemen, Sorgen oder negativen Nachrichten beschäftigen, verstärkt das das Gefühl der Ohnmacht. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die probabilistische Natur psychologischer Zusammenhänge. Das bedeutet, dass es keine einfachen Ursache-Wirkungs-Beziehungen gibt. Vielmehr handelt es sich um Wahrscheinlichkeiten und Wechselwirkungen.

Wie können wir mit dem „Too Much“ umgehen?

Der Umgang mit Überforderung beginnt oft mit einem Innehalten. Schon wenige Sekunden bewusstes Atmen oder das Wahrnehmen der eigenen Umgebung können helfen, wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Externalisieren von Gedanken. Indem wir To-Dos und Gedanken aufschreiben, entlasten wir unser Arbeitsgedächtnis und schaffen Klarheit.

Priorisierung ist dabei ein zentraler Schlüssel. Nicht alles ist gleich wichtig. Durch eine bewusste Einteilung von Aufgaben können wir den Fokus auf das Wesentliche lenken. Auch kleine Handlungsschritte sind entscheidend. Anstatt sich von großen Aufgaben überwältigen zu lassen, hilft es, mit kleinen, konkreten Schritten zu beginnen. Diese schaffen Erfolgserlebnisse und stärken die Selbstwirksamkeit.

Akzeptanz spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht darum, alles gutzuheißen, sondern anzuerkennen, was gerade ist. Diese Haltung schafft die Grundlage für Veränderung.

Wozu lohnt sich dieser neue Umgang?

Ein bewusster Umgang mit dem Erleben von „Too Much“ ermöglicht es, handlungsfähig zu bleiben – auch in einer komplexen Welt. Statt sich in Überforderung zu verlieren, können wir lernen, flexibel mit Anforderungen umzugehen.

Langfristig geht es jedoch um mehr als nur Stressbewältigung. Es geht darum, ein Leben zu gestalten, das nicht nur von Anforderungen geprägt ist, sondern auch von Sinn und Erfüllung. Indem wir uns mit unseren eigenen Werten auseinandersetzen, können wir Orientierung finden. Werte wirken wie ein Kompass, der uns hilft, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Ein besonders kraftvoller Ansatz ist es, das Leben aus einer rückblickenden Perspektive zu betrachten. Die Frage, was am Ende wirklich zählen soll, kann helfen, den Alltag bewusster zu gestalten.

So entsteht Schritt für Schritt ein Leben, das nicht nur „zu viel“ ist, sondern vor allem eines: stimmig.


Transkript der Folge 58

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:


Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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