Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 60

Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 60 für Sie zusammengestellt.

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In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.


Folge 60: Resilient Guest: Dr. Dr. Damir del Monte

In der 60. Folge von Rethinking Resilience“ sprechen Sebastian Mauritz, Ruben Langwara mit Dr. Dr. Damir del Monte über die Faszination für das Gehirn, die Neurowissenschaften und die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in die praktische Anwendung übersetzt werden können. Ausgangspunkt ist Damirs persönliche Geschichte und die Suche nach den tieferliegenden Mustern menschlichen Erlebens.

Im Gespräch wird deutlich, dass es Damir nicht um reine Wissensvermittlung geht. Vielmehr beschreibt er Neurowissenschaften als einen Weg, die grundlegenden Strukturen des Menschseins besser zu verstehen. Dabei verbindet er wissenschaftliche Erkenntnisse mit Geschichte, Literatur, Philosophie und persönlicher Erfahrung. Immer wieder taucht die Frage auf, wie Menschen Wirklichkeit konstruieren, wie Lernen funktioniert und warum Staunen, Offenheit und Demut zentrale Voraussetzungen für Erkenntnis bleiben.

Auch Damirs Buch „Ein Date mit deinem Gehirn. Wer die Hirnwelten versteht, braucht KI nicht zu fürchten (erschienen: März 2026) wird thematisiert. Sebastian und Ruben sprechen darüber, wie sehr das Buch von Damirs persönlicher Sprache, seiner Begeisterung und seiner Haltung geprägt ist. Das Gespräch zeigt dabei nicht nur die wissenschaftliche Perspektive auf das Gehirn, sondern auch eine zutiefst menschliche Sicht auf Lernen, Wahrnehmung und Entwicklung.

Warum ist das Gehirn für Damir mehr als nur ein Forschungsobjekt?

Damir beschreibt seine Begeisterung für Neurowissenschaften nicht als rein akademisches Interesse, sondern als Ergebnis seiner eigenen Lebensgeschichte. Durch das Aufwachsen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen – vom Sozialismus im damaligen Jugoslawien über das Leben in Deutschland bis hin zu den Erfahrungen von Krieg und Nachkriegszeit – begann er früh zu beobachten, wie Menschen sich verändern und zugleich in bestimmten Grundstrukturen gleich bleiben.

Diese Beobachtungen führten bei ihm zu einer tiefen Neugier: Was verbindet Menschen über unterschiedliche Kulturen, Systeme und Lebensrealitäten hinweg? Welche Konstanten bleiben bestehen, obwohl sich die äußeren Bedingungen verändern? Damir beschreibt, dass ihn besonders faszinierte, wie Menschen handeln, welche Normen sie übernehmen, welche Sprache sie verwenden und wie soziale Systeme funktionieren. Gleichzeitig entstand durch die Erfahrungen von Krieg und Trauma der Wunsch, besser zu verstehen, wie Menschen mit Leid umgehen und wie ihnen geholfen werden kann. Dabei wurde für ihn früh deutlich, dass dieses Verstehen nicht allein durch eine Disziplin möglich ist. Neben Medizin, Psychologie und Hirnforschung nennt er auch Geschichte, Literatur und Philosophie als wichtige Zugänge. Autoren wie Franz Kafka, Stefan Zweig oder Knut Hamsun beschreibt er als prägende Quellen für den Blick auf die „tieferen Strukturen“ menschlichen Erlebens.

Sebastian greift diesen Gedanken auf und beschreibt Damirs Perspektive als ein „Schauen durch zwei Augen“: Einerseits die Vielfalt an der Oberfläche menschlicher Wirklichkeit und andererseits die Suche nach den grundlegenden Mustern und Funktionsprinzipien, die Menschen verbinden. Im weiteren Verlauf des Gesprächs wird deutlich, dass diese Haltung auch Damirs Verständnis von Wissenschaft prägt. Für ihn geht es nicht darum, endgültige Wahrheiten zu besitzen. Vielmehr beschreibt er Wissenschaft als eine Form des Suchens und Fragens. Besonders wichtig ist ihm dabei das Staunen. Er formuliert die Überzeugung, dass Menschen niemals alles vollständig verstehen werden. Gerade darin sieht er jedoch keinen Mangel, sondern einen zentralen Antrieb des menschlichen Denkens. Das Staunen beschreibt er als einen offenen, energetischen Raum, bevor Begriffe und Modelle entstehen. Für ihn bleibt genau diese Offenheit entscheidend, um neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und sich weiterzuentwickeln.

Was versteht Damir unter Lernen, Wahrnehmung und Erkenntnis?

Ein zentraler Moment für Damir war die Erkenntnis, dass Wahrnehmung nicht die Welt selbst abbildet, sondern immer nur ein konstruiertes Bild der Welt darstellt. Besonders während seines Psychologiestudiums beschäftigte ihn die Frage, wie das Gehirn überhaupt eine Repräsentation der Wirklichkeit erzeugt. Er beschreibt, wie ihn die Beschäftigung mit visueller Wahrnehmung tief beeindruckte. Ihm wurde bewusst, welche komplexen Prozesse notwendig sind, damit Menschen überhaupt ein zusammenhängendes Erleben der Welt entwickeln können. Gleichzeitig entstand daraus die Einsicht, dass subjektives Erleben nie vollständig objektiv ist.

Diese Erkenntnis führte bei ihm zu einer neuen Form des Hinterfragens: Wie sehr kann man den eigenen Wahrnehmungen trauen? In welchem Maß spiegeln sie tatsächlich die Welt wider – und wo sind sie selektiv, verkürzt oder subjektiv geprägt? Im Gespräch wird deutlich, dass daraus auch eine besondere Haltung gegenüber Wissen entsteht. Damir betont mehrfach, wie wichtig es ist, Modelle und Erklärungen immer wieder zu hinterfragen. Wissenschaftliche Erkenntnisse versteht er nicht als absolute Wahrheiten, sondern als Annäherungen. Besonders eindrücklich beschreibt er die Gefahr, sich zu sehr in eigene Modelle zu verlieben. Sobald ein Modell verständlich, anschaulich und erfolgreich anwendbar sei, entstehe schnell die Versuchung, es nicht mehr kritisch zu prüfen. Genau davor warnt er.

Sebastian ergänzt diesen Gedanken mit dem Wunsch nach Eindeutigkeit, der Menschen oft Sicherheit gebe. Gleichzeitig könne diese Sicherheit aber auch dazu führen, Ambivalenzen und alternative Sichtweisen auszublenden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist der Unterschied zwischen menschlichem Lernen und künstlicher Intelligenz. Damir erklärt, dass KI vor allem additiv arbeite: Informationen werden gesammelt, sortiert und miteinander verknüpft. Das menschliche Gehirn hingegen lerne integrativ. Für ihn gehört Vergessen wesentlich zum Lernen dazu. Das Gehirn übernehme nicht einfach möglichst viele Fakten, sondern versuche, Prinzipien abzuleiten und Wissen in bestehende Strukturen einzubetten. Dabei werde Unwesentliches aussortiert, um Wesentliches besser verallgemeinern und auf neue Situationen übertragen zu können.

Ruben greift diesen Gedanken auf und beschreibt den Unterschied zwischen Wissen und Verstehen. Während Informationen heute schnell verfügbar seien, entstehe Weisheit erst durch das Erfassen von Zusammenhängen und Grundprinzipien.

Wie übersetzt Damir wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis?

Sebastian beschreibt Damir als jemanden, der wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur vermittelt, sondern konsequent in die Anwendung bringt – etwa für Trainerinnen und Trainer, Coaches oder Therapeutinnen und Therapeuten. Damir macht dabei deutlich, dass diese Übersetzungsarbeit immer auch Verantwortung bedeutet. Wissenschaftliche Daten allein liefern für ihn noch keine direkten Handlungsanweisungen. Zwischen Forschung und Praxis entstehe immer ein Deutungsraum. Deshalb sei es wichtig, ehrlich zu bleiben und die Grenzen wissenschaftlicher Aussagen nicht zu überschreiten. Für Damir besteht die eigentliche Aufgabe darin, aus wissenschaftlichen Daten Funktionsprinzipien abzuleiten. Erst diese Prinzipien lassen sich seiner Ansicht nach sinnvoll in praktische Anwendung übertragen.

Dabei betont er immer wieder die Bedeutung von Demut und Bescheidenheit. Modelle seien hilfreiche Werkzeuge, aber niemals endgültige Wahrheiten. Wissenschaftliches Arbeiten bedeute deshalb auch, bereit zu bleiben, eigene Überzeugungen zu hinterfragen. Ruben erinnert in diesem Zusammenhang an einen Satz, den er von Damir gelernt hat: Man müsse Freude daran entwickeln, „den eigenen Füßen zu graben“. Gemeint ist damit die Bereitschaft, auch die eigenen Denkmodelle immer wieder infrage zu stellen. Besonders sichtbar wird diese Haltung auch in Damirs Buchprojekt „Date mit dem Gehirn“. Lange Zeit fiel es ihm schwer, ein Buch zu schreiben, weil er sich selbst hohe wissenschaftliche Ansprüche auferlegte. Erst durch die Arbeit an einem Theaterabend über die Geschichte des Gehirns entstand ein neuer Zugang.

Ein Regisseur ermutigte ihn damals, weniger wie ein Fachwissenschaftler und stärker wie ein Geschichtenerzähler zu schreiben. Genau das beschreibt Damir als Wendepunkt. Zum ersten Mal erlaubte er sich, Sprache freier, poetischer und persönlicher einzusetzen. Dabei spielte auch die Unterstützung seiner Frau Marimar eine wichtige Rolle. Ihre Rückmeldungen halfen ihm, Vertrauen in seinen eigenen Stil zu entwickeln. Für Damir entstand dadurch das Gefühl, mit dem Buch „rund“ geworden zu sein – unabhängig vom späteren Erfolg. Ruben beschreibt das Buch deshalb nicht nur als wissenschaftliches Werk, sondern auch als Ausdruck von Persönlichkeit, Sprache und Haltung.

Wozu lädt das „Date mit deinem Gehirn“ ein?

Im letzten Teil des Gesprächs geht es um die tiefere Struktur des Buches und die Frage, wozu dasDate mit dem Gehirn einlädt.

Damir beschreibt das Buch als eine Reise durch das menschliche „So-Geworden-Sein“. Dabei geht es ihm darum, verständlich zu machen, wie Menschen geworden sind, was sie heute sind – biologisch, sozial und mental. Das Gehirn versteht er dabei als einen Knotenpunkt, an dem viele Ebenen zusammenlaufen: körperliches Erleben, Wahrnehmung, soziale Erfahrungen und innere Wirklichkeitskonstruktionen. Besonders wichtig ist ihm die Vorstellung, dass Menschen mit ihrem Gehirn eine innere Wirklichkeit erschaffen können. Neben der äußeren Welt entstehe dadurch eine zweite Erlebniswelt im Inneren. Für Damir liegt darin ein Stück Freiheit: Menschen können Vorstellungen entwickeln, Modelle erschaffen und sich selbst reflektieren. Gleichzeitig verweist er aber auch auf die Begrenzungen dieses Erlebens. Wahrnehmung, Bewertungen und emotionale Reaktionen seien nie vollständig objektiv. Deshalb lädt er dazu ein, sowohl die eigene Sichtweise als auch gesellschaftliche Normen immer wieder ehrlich zu hinterfragen.

Immer wieder taucht dabei das Motiv des Staunens auf. Damir möchte keine dogmatischen Antworten liefern, sondern Räume öffnen. Sprache soll für ihn nicht belehren, sondern Menschen dazu einladen, sich selbst mit Neugier und Freude zu betrachten. Ruben hebt hervor, dass Damir dabei den Mut besitzt, komplexe wissenschaftliche Inhalte in einfache, prägnante Bilder zu übersetzen. Aussagen wie „Emotionen sind die Werkzeuge, mit denen das Gehirn uns in Bewegung setzt“ beschreibt er als mutige Verdichtungen wissenschaftlicher Prinzipien. Damir selbst sieht genau darin seine Rolle als Geschichtenerzähler: Menschen nicht mit Datenmengen zu überfordern, sondern ihnen Bilder und Prinzipien an die Hand zu geben, die Orientierung ermöglichen und zum Weiterdenken anregen.

Am Ende entsteht das Bild eines Wissenschaftlers, der Forschung nicht als Sammlung endgültiger Wahrheiten versteht, sondern als fortlaufende Einladung zum Fragen, Staunen und Verstehen.


Transkript der Folge 60

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:


Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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