[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Mein Name ist Sebastian, bei mir ist Ruben. Ein Denkraum, zwei Menschen und drei Themen. Ich freue mich sehr.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Hi Sebastian, ich freue mich auch sehr, obwohl es ein Thema ist, wo viele eine unangenehme Assoziation zu haben.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Naja, das Thema lautet heute toxisch, Trigger, Trauma. Und ich bin jetzt mit Blick auf die kommenden Feiertage, auf die Zeit zwischen den Jahren immer wieder auch irgendwie sehr erstaunt, was so für Tipps, wohlmeinend, oft nicht fundiert, aber wohlmeinend, unterstelle ich zumindest, in den sozialen Medien so grassieren. Und ich finde die Themen, die da zu sehen sind, sehr interessant. Und ich lese immer wieder Anleitungen, Umgang mit toxischen Menschen. Ja, der und der ist toxisch. Oh, der triggert mich.
Oh, das triggert mich. Und, naja, da bin ich traumatisch, das ist ein Trauma von mir, noch ein Trauma, noch ein Trauma. Und das soll in keinster Weise, in irgendeiner Art und Weise überhaupt Leid irgendwie entwürdigen oder entwerten. Und gleichzeitig ist mir ganz klar, dass die Menschen, die wirklich im Leid sind, durch die leichtfertige Art und Weise mit diesen Worten, mit diesen Bedeutungszuschreiben entwertet werden. Und deswegen dachte ich, Mensch, mit wem kann man besser darüber sprechen, als mit Ruben, mit seiner Expertise auf Emotionen. Nicht, weil du sozusagen dauernd so unterwegs bist.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Weil du toxisch, traumatisch und so. Ja, genau.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Du bist für mich ein toxischer Typ, völlig triggernd und tragst mich mehrfach. Also so ja nicht, sondern wir zeichnen uns ja auch durch eine Art sehr differenzierter und auch gerade emotional differenzierender Wahrnehmung von Themen aus. Und deswegen, ja, wenn du, ich würde mit toxisch anfangen, wenn du so dieses Thema toxisch hörst, was kommt denn da bei dir so sofort um die Ecke?
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Ekel kommt bei mir da um die Ecke. Also als Emotion jetzt nicht bei mir empfunden, sondern als emotionale Dynamik. Also wenn jemand sagt, halte ich fern von toxischen Menschen, dann ist das genau der Appell, die Funktion der Emotion von Ekel zu erfüllen.
Und zwar, dass ich auch auf einer psychologischen Ebene rein bin, gesund bin. Und wie du es schon gesagt hast, es wird sehr häufig benutzt, sehr inflationär auch benutzt. Das finde ich wirklich da erschreckend, wie schnell jemand als toxisch bezeichnet wird, weil das bedeutet ja, entferne dich von dieser Person. Eigentlich ist ja auch die Motivationsdynamik von Ekel eine Vermeidungsmotivation, aber eine Abstoßungsvermeidungsmotivation. Innerhalb der Vermeidungsmotivation gibt es den Unterschied zwischen einer Fluchtvermeidungsmotivation, wie bei Angst beispielsweise, und einer Abstoßungsvermeidungsmotivation. Ekel wäre Abstoßung, bedeutet, ich entferne eine Person aus meinem Leben.
Und das machen manche Leute echt auf eine ganz harte Art und Weise, ohne dann auch zu merken oder dem bewusst zu sein, achtsam dafür zu sein, was es auch bei der anderen Person auslösen konnte und vielleicht andere, die zu dieser Gruppe gehören. Naja, warum ist das so einfach, das zu machen, dann auch bei dieser Person? Weil Ekel auch ein Schutz vor Empathie ist, sozusagen.
Also, wenn ich Ekel gegenüber einer Person spüre und Verachtung, dann schalten sich die Hirnareale aus, die für Empathie zuständig sind. Ich entmenschliche eine Person und dann kann ich mit der auch eher Sachen machen, die jetzt nicht gerade empathisch sind, die ich jetzt nicht gerade mit einem anderen Menschen machen kann, weil die Empathie, diese zwischenmenschliche Beziehungsbrücke einfach gerade nicht da ist. Und ich finde das echt schade.
Ich habe tatsächlich gestern erst mit meiner Frau über dieses Thema gesprochen, weil wir haben ein schönes Date miteinander gemacht, so tagsüber, was wir wirklich noch nie jetzt in der letzten Zeit gemacht haben mit den Kindern. Deswegen waren wir da ganz alleine und haben so über das Jahr und über unsere Beziehung gesprochen und über das Thema, wie groß so eine Wegwerfgesellschaft da ist, was Beziehungen angeht und auch genau diese Thematik mit toxisch und so weiter, wo Menschen direkt in den Ekel und eine Verachtung reingehen, anstatt zu lernen, erstmal in den Ärger reinzugehen und den auszuhalten, das dann auf Verhaltensebene auch entsprechend geht.
Und in einer Beziehung sind Ekel und Verachtung, ich habe in der letzten Folge über Julie und John Gottman gesprochen, die haben vier apokalyptische Reiter einer Beziehung definiert. Einer davon ist Verachtung und auch nonverbalen Verhalten. Ekel ist da auch dabei, dieses Hochziehen der Oberlippe beispielsweise. Und das baut entsprechend Mauern auf bei einer Beziehung. Ärger kann aber Brücken aufbauen, weil ich dafür, und ich sage jetzt wirklich, extra kämpfe, weil da eine Handlungsenergie dahinter ist, dass unsere Beziehung funktioniert. Wir schenken einander Klarheit und so weiter.
Deswegen Diskussionen mit Ärger, und solange es dieser Ärger ist, hey, wir arbeiten jetzt gemeinsam für eine Sache oder arbeiten dahin und nutzen unsere Handlungsenergie, das ist in Ordnung. Aber Ekel, Verachtung, nicht fein. Da muss ich natürlich sagen, wenn es sich aber generalisiert in einer Beziehung, also ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Art, wie eine Person durchs Leben geht, eine bestimmte Haltung, die er oder sie von sich gibt, und ich dann sage, nee, das ist nicht meins, dann darf ich immer noch sagen, okay, alles klar, mit der Person habe ich jetzt in dem Sinne nicht so viel Kontakt, aber dann direkt in sowas gehen, des Abstoßens oder eine Cancel-Culture dann auch mit reinzunehmen, dieses Canceln, was ja dann auch gerne dabei ist, das finde ich sehr viel zu hart. Also dieser Vorschritt des Ärgers und dabei dafür etwas zu tun, damit es funktioniert, fehlt mir manchmal dabei.
Ist es denn bei dir so bei toxisch?
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Naja, also das ist für mich eine Haltungsfrage. Weil wenn jemand toxisch ist, dann nähere ich mich dem ja schon gleich wieder auf Identitätsebene. Und natürlich ist es so, dass auch gerade so in den letzten Jahren, dafür kann ich mich ja nicht von frei machen.
Ich schon manchmal Dinge über Menschen gedacht habe, wo ich so denke, so nee, also das stößt mich einfach ab. Das Verhalten. Und da habe ich mich wirklich darauf trainiert, auch in den Jahren eher aufs Verhalten zu gucken und zu sagen, okay, also wir sind ja die Summe der Lösungen, die wir im Leben gefunden haben. Und diese Verhaltenslösung, die du gerade für dieses Thema findest, die finde ich, passt nicht zu meinem Werteverständnis. Und dann kann ich ja von daraus immer noch sagen, also auch da gehe ich selten in die Verachtung. Weil ich finde, sozusagen den Menschen auch abzuwerten, das ist auch wieder schwierig, weil ich dann den Kontakt verliere.
Und dann gehe ich lieber zu bestimmten Verhaltensweisen auf Abstand und sage so, nee, also ja, irgendwie schon, wir sind alles Menschen und das Verhalten geht halt gar nicht so. Das heißt, ich gehe mit Blick auf dieses Gesamtthema von etwas, schaue ich eher auf das unterscheidende Auge im Sinne von, hey, als Mensch hast du die gleichen Grundbedürfnisse wie ich. Du hast sozusagen die gleiche Biologie wie ich und so weiter.
Du hast aber für bestimmte Probleme, die du erlebst, eine andere Art, Lösungen zu finden. Und das passt nicht zu meinem Wertegerüst. Das heißt, dieser Abstand, der ist was, wo ich, wenn ich ganz krasse Verletzungen bemerke, eher dann im Ekeln mündet.
Die Gefahr, die ich sehe, und das ist ja diese, naja, auf Instagram herrscht ja so eine Kultur von irgendwelchen Leuten, die ihr Psychologiewissen mit ChatGPT irgendwie strukturieren und dann irgendwie zwei, drei Buzzwords und dann lassen sich irgendein Text schreiben, zehn Punkte, an denen du toxische Menschen erkennst. So, und dann hast du genau zehn Punkte, davon passen vielleicht drei von zehn und sagst, oh ja, also nicht volltoxisch, aber teiltoxisch. 30 Prozent toxisch stirbst du auch von, so nach dem Motto.
Und da finde ich diese Eigenschaftsbeschreibung nicht günstig. Und meistens, das ist ja dann auch immer so das Problem, wird dann so, in meinem Videokurs zeige ich dir, wie du toxische Menschen aus deinem Leben entfernst. Super. Und entfernen, das hatten wir auch im Dritten Reich alles schon. Das war auch damals nicht so hilfreich, um es mal vorsichtig zu sagen. Dieses Entfernen, egal von was, ist schwierig, weil wir bestimmte Unterschiede in der gewählten Verhaltenspräferenz durchaus auch aushalten müssen.
So, dafür haben wir eine Demokratie. Und natürlich ist dann, sag ich mal, der Reflex, wo du auch von Cancel Culture sprichst, so dieses, naja, wenn ich nur laut genug und hart genug Druck aufbaue auf bestimmte Themen, ja, dann gibt das Gegenüber schon nach. So, dann habe ich es halt ausradiert.
Und da sind wir in, aus meiner Sicht, also auf einer großen Ebene oder auf einem großen Fokus auf einer gesellschaftlichen Entwicklung, aber auch auf einer kleinen individuellen Ebene, auf so einer, ja, Lösungsfindung, die ich extrem dysfunktional finde. Und das fängt aus meiner Sicht mit der Beschreibung von Menschen als toxisch einfach an. So, weil toxisch heißt, im Zweifel, es wird mir irgendwie Schaden zufügen oder es tötet mich.
Was ja, sag ich mal, rein faktisch betrachtet oder auch, wenn mir jemand oder wenn irgendjemand mir was sagt, ja, meine Güte, also, dann ist es ja an mir quasi zu reagieren. Gleichzeitig etabliere ich damit ja auch so eine Täter-Opfer-Kultur. Also das Gegenüber ist der Täter, der Böse, die Böse. Ich bin das Opfer. Und es ist toxisch für mich. Ist ja auch eine klare Beziehung, eine klare Täter-Opfer-Beziehung.
Ganz anders ist das, wenn ich sage, naja, das Verhalten erlebe ich nicht als hilfreich in Bezug auf unsere Ziele als, jetzt bleiben wir mal auf einem großen Scope, als Gesellschaft. Ja, also da ist es ja durchaus hilfreicher zu sagen, hey, wir haben irgendwie so unsere Idee, wie wir zusammenleben wollen. Wir haben eine Idee, wie wir in die Zukunft wollen. Und so ein Verhalten ist halt nicht hilfreich. Also gute Idee machen wir auch nicht, weil die Auswirkungen von diesem Verhalten für bestimmte Schichten oder für bestimmte Menschen nicht günstig sind. Und dann muss man sich halt darauf einigen, welche Ziele haben wir.
Da bin ich mal an den Grundbedürfnissen. Gutes Miteinander mit gleichzeitiger Wahrung der Unterschiede. Eine Form von Orientierung, Kontrolle. Kontrolle im Sinne von, ich kann selbstwirksam werden, aber auch ich habe Strukturen, ich habe Sicherheit. Das Ganze darf irgendwie auch ein bisschen Spaß machen. Also jetzt nicht nur fun, fun, fun, sondern halt also näherend, spaßmachend, lächelnd, mich lächeln lassend, vielleicht sogar auch Sinn erleben, wenn man ganz crazy wird hier jetzt.
Ja, und selbstwert. Sagen, hey, ich bin echt dankbar für das, was ich bekomme. Und ich bin echt stolz, was ich durch mein Handeln erreiche. Und wenn ich die Themen einfach mir angucke und die generalisieren würde. Ich habe auch schon überlegt, ob wir eine Partei gründen. Wir nennen sie die Graves. Ja, und wir machen es einfach mit den vier Grundbedürfnissen. Einfach ganz einfach. Wir sorgen für die vier Grundbedürfnisse.
Ich würde die sofort wählen, wenn die eine Chance hätten, auch sofort. Und das ist so das, wo ich beim Toxischen eher so ein bisschen differenzierter das mir wünschen würde, weil es halt so gebräuchlich ist. Es ist halt so einfach. Ich habe einen toxischen Chef. Ich habe eine toxische Chefin. Dann sind die Leute in der Schublade und man fragt sich gar nicht, was ist mein Anteil?
Was kann ich denn tun? Das ist so meine Sichtweise darauf.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Und das ist genau das. Was ist mein Anteil? Und das ist genauso wie, wenn ich schon den Übergang wagen darf, ins Triggern.
Also der triggert mich, weil das ist ja genau diese Thematik. Das kannst du ja ersetzen. Genau diese Haltung. Der triggert mich. Der ist doof. Meine Chefin triggert mich oder mein Kollege triggert mich und so weiter. Und genau diese Frage sich mal zu stellen, was hat das mit mir zu tun? Weil das ist sehr spannend. Joachim Bauer hat mal ein schönes Buch geschrieben, Wie wir werden, wer wir sind.
Und da drin werden auch schön beschrieben, wie betrachten wir eigentlich andere Menschen und was passiert da eigentlich in unserem Gehirn bei diesen Thematiken des Selbsttransfers? Es scheint so zu sein, dass, wenn ich dich angucke, dann aktivieren sich in meinem Gehirn meine Sebastianareale, also meine Fremdareale, aber auch gleichzeitig meine Rubenareale. Also die Fremd- und Selbstareale, wenn eine andere Person betrachtet wird, überlappen sich.
Das bedeutet also, ich sehe dich nicht, wie du bist, sondern ich sehe dich, wie ich bin. Also ich reflektiere mich die ganze Zeit und nehme das in meine Bewertung stets mit rein. Und deswegen finde ich auch dieses Konstrukt nach Robert Betts mit den Arschengeln sehr spannend. Was erkenne ich denn von mir im Anderen, wenn ich den scheiße finde? Und dann auch diese Thematik, was hat das mit mir zu tun oder dieses Verhalten? Dann gibt es da wirklich total tolle Verfahren, daran zu arbeiten, das für sich zu sortieren, zu reflektieren.
Das Werte- und Entwicklungsquadrat beispielsweise nach Friedemann-Schulz von Thun, wo ich die Schatten dann auch erkenne und Tugenden und Schwestern-Tugenden und meine eigene Entwicklungsreise mal reflektieren darf, die ich balancieren darf, damit ich nicht in den Schatten komme oder dass der Schatten sich nicht so schlimm anfühlt. Aber genau da reinzugehen, weil in den Anderen mal den eigenen Schatten zu erkennen, zu reflektieren, dahin zu gehen, sich dem zu stellen, so wie Carl Gustav Jung so schön gesagt hat, stell dich deinem Schatten, sonst wird dir die als Schicksal begegnen, weil wenn es nicht dieser eine Person ist, also dieser ein Chef oder Chefin oder was weiß ich was, komisch, in der nächsten Firma wird es genauso auftauchen.
Und dann erkennt man ein Muster und dann muss man sich irgendwann mal fragen, vielleicht habe ich ja einen Anteil da dran.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Hatte ich bei einer Führungskraft kluge Frau richtig? Ich mag ja kluge Menschen und ich mag noch viel mehr, wenn Frauen klug in Führungspositionen sind. Und die war in mehreren, also mehrere, ich glaube es waren drei oder vier, bei einer war sie kurz Unternehmensberatung und da herrscht halt schon auch so ein Klima, wo du halt auch musst und hin und her.
Naja und sie kam mit dem Coachingauftrag und sagte, Herr Mauritz, meine drei letzten Chefs, die gingen alle gar nicht. Das waren alles Narzissen. Naja, ach da freue ich mich ja, da leuchten meine Augen, weil ich weiß genau, dass ich halt sozusagen weiß, in welche Richtung wir arbeiten. Da habe ich gesagt, ah super, die Narzissen, die ich da in der, ja, ja, ja, habe ich auch gelesen. Und ja, und das ist auch diese Zuschreibung, das ist ein Narzisst. Finde ich auch schwierig. Da hat Klaus Eidenschinken ein schönes Buch geschrieben, Menschen mit narzisstischen Nöten, sehr zu empfehlen. Naja und dann habe ich gesagt, naja und jetzt, oh ja, es fängt schon wieder an, Herr Mauritz. Also sie müssen mich jetzt so coachen im Umgang mit Narzissen.
So, naja und dann habe ich gesagt, Mensch, woran würden sie das ablesen? Ja, das ende ich, mein Chef, so und hin und her, und das mein Chef, mein Chef, mein Chef, mein Chef. Also typischerweise eher ein unerreichbares Ziel im Außen statt im Innen. So, naja und dann hatten wir, ich glaube, drei oder vier Stunden, haben dann Selbstwert bei ihr übt, so trainiert, Selbstwerttraining gemacht. Naja und dann habe ich irgendwann gesagt, naja, an wen erinnert sie denn ihr Chef oder an wen erinnern denn sie ihre letzten Chefs? Und dann sagt sie, ja, weiß gar nicht, was sie meint, so, keine Ahnung.
Und dann habe ich aus dem Systemischen die Unähnlichkeitsfrage gestellt, wem würden sie denn unähnlicher werden, wenn sie sich mehr ihren Chefs annähern? Sagt sie so, hä, aber ich will doch nicht so sein wie die. Und ich sagte, ja, und mal angenommen, sie würden das. Und dann guckt sie mich so an und sagt so, krass, also. Und dann war erst mal Stille und die Quintessenz von dem, was dann folgte, war so eine Reflexion, dass sie sagte, naja, also es gibt Kontexte, wo sie sich genauso verhält wie ihre Chefs, die sind aber eher im Privaten. Und wo sie dann auch so klare Ansagen und nicht zuhören will und bei einer Freundin und hin und her.
Und da habe ich gesagt, wie viel Narzisstin steckt denn in Ihnen? Da ist sie mir beinahe in die Kehle gegangen, was das für eine Unverschämtheit wäre, was ich mir einbilde, also richtig krass. Und ich gucke sie so an, habe ich gesagt, ah, doch so viel. Da ist sie aufgestanden, ja. Also ich habe ja bei Loni Höfner und Charlotte Cordes, habe ich ja dieses auch Impro und Provo, den Kurs gemacht, also angewandte Improvisation und provokative Therapie. Und dachte, guckst du mal, so ein bisschen auf den Busch klopfen, steht sie auf und sagt, das ist ja, das muss ich mir von Ihnen nicht bieten lassen.
Also ich dachte, sie wären auf meinen und dann richtig so. Und ich habe nur gesagt, ja, sie bestätigen gerade meine Hypothese. Das ist ja, also habe ich gesagt, ja, so reagieren nur Narzissten. So, habe ich natürlich einen Augenzwinker, habe mich dabei total gefreut. Hat die die Tür zugeknallt? So, raus. Ihre Tasche lag noch da, ihre Jacke lag noch da. Ich dachte, also ist ihr Autoschlüssel drin, weg kommt sie eh nicht. Ja, da habe ich so ein bisschen irgendwie ein bisschen gemalt und so weiter.
Viertelstunde später, Ding Dong, es war auch Winter, also war richtig kalt draußen. Ich so, Moritz, ich müsste mal meine Sachen holen. Habe ich gesagt, ja gerne. Kamen sie hoch? Also Augenkontakt vermieden, Scham. So, habe ich gesagt, also hätten sie noch einen Moment? Noch für mich. Also ich habe die Uhr auch angehalten, alles gut. Ich bräuchte noch einen Moment so mit Ihnen zum Reden. Ja, also einen Moment habe ich. Na ja, und dann habe ich gesagt, was war denn gerade bei Ihnen? Dann sagt sie, das ist so krass.
Mir ist gerade aufgefallen, dass das ja was mit mir zu tun hat. Und das tat echt weh. Habe ich gesagt, wow, das berührt mich gerade. Haben sie Lust? Ich habe jetzt noch eine Stunde Zeit bis zum nächsten Termin. Wollen wir darüber mal sprechen?
Ja, gerne. Und dann haben wir eine kleine Aufstellung gemacht, so mit dann meistens so Figuren oder was auch immer. Das so ein bisschen sortiert, so ein bisschen Struktur reingebracht und woher sie das kennt und wie lange sie das begleitet und ihre verschiedenen Persönlichkeitsanteile oder Seiten, ich nenne es immer Seiten nach Gunter Schmitt, weil es halt sehr anschlussfähig ist, zu ihren verschiedenen Seiten und wann die eine da ist, wann die andere da ist.
Sagt sie, das ist krass, wenn es bequem ist und wenn ich keinen Gegenwind bekomme, dann ist diese sehr dominante, aber auch manchmal ein bisschen sehr narzisstische Seite, die Seite, die dann eher laut ist und beißt da und ansonsten eher so eine sehr leidende Seite, weil sie dann halt auch gefragt, wie alt ist denn die Seite, die da ihren Chef immer so komisch findet? Na, die ist irgendwie sieben. Naja, also mit sieben schon in der Führungsposition, das ist ein bisschen früh, ne?
Na, dann haben wir das ein bisschen sortiert und ich habe ihr dann noch einfach so zwei Beobachtungsaufgaben mitgegeben und dann sagte sie, irgendwie, weiß ich nicht, wir haben dann für vier Wochen extra den nächsten Termin gemacht und dann sagt sie, Herr Mauritz, ich bin ganz beruhigt. Also mein Chef hat sich doch als ganz normal herausgestellt und wir haben letztens auch gut miteinander geredet, die Strähne scheint gebrochen. Ich habe gesagt, ja, bestimmt.
Also ich habe auch ein paar Fernheilungsrituale gemacht, also hatte letztens in der Volkshochschule ja einen Grundkurs Fernheilung und Voodoo und da habe ich dann auf Entfernung ihren Chef dann auch von seinem Narzissmus kuriert. Dann sagt sie, wollen Sie mich veralbern? Habe ich gesagt, ja, volles Programm. Dann musste sie so lachen und dann war es halt gut. Und ich glaube, das ist so wichtig, das, was du gerade sagst, dieses Thema im Anderen bei sich selber zu erkennen. Und ja, das ist einfach ein sehr hilfreicher Weg.
Total.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Und dann auch zu sehen, dann danach, wenn ich es für mich gelöst habe und die Schatten auch integriert habe, wie wir es auch immer nennen möchten, dass ich die andere Person dann auch wirklich anders sehe dann danach und dass ich auch das Gefühl habe, die andere Person interagiert anders mit mir. Also ich hatte auch schon häufiger den Satz bekommen, was haben Sie denn mit meinem Chef gemacht, mit meiner Mutter gemacht, mit wem auch immer gemacht. Da habe ich gesagt, gar nichts.
Sie haben Ihre Wahrnehmung in der Hinsicht geändert und dadurch entsteht eine andere Haltung und Sie gehen mit einer anderen Haltung in die Konversation rein und dann können auch entsprechend andere Dinge und funktionalere Kommunikationen dann auch entsprechend entstehen. Und daran sieht man auch, dass Emotionen nicht getriggert werden, sondern dass Emotionen konstruiert werden von innen dann heraus. Und weil der Trigger, hier in dem Fall der Chef, bleibt gleich und also das im Außen bleibt gleich, nur meine innere Haltung dazu ändert sich und deswegen konstruiere ich auch in diesem Kontext eine andere Emotion.
Die Affekte ändern sich, ich bleibe ruhiger, es fühlt sich nicht mehr so unangenehm an, ich konstruiere eher andere Emotionen und dann habe ich einen ganz, ganz anderen Verlauf.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Ja und gleichzeitig ist das ja auch eine Veränderung bei der Bewertung, auch eine der großen Schulen der Resilienz. Also Bewertungsstil ist ja eine Sache, die sehr zentral ist. Also wie bewerte ich bestimmte Aussagen? Welche Schlussfolgerungen leite ich ab? Wie denke ich das? Und was schließe ich daraus?
Und naja, also das Thema Ärger ist da durchaus was, was, wenn es mit den Werten zusammenhängt, im Sinne von, das triggert mich, würde ich eher auf Ärger gehen. Und wenn ich sagen würde, das bringt bei mir eine Form von Resonanz, dann bin ich eher in, sag ich mal, einer Augenhöhe. Und ich könnte auch jetzt sagen, mich triggert das eine oder andere Verhalten gerade.
Das wäre aber, da wäre dann irgendwie eine Form von, naja, wie sagt man, eine Form von, ja, also ich würde halt eine Form von Vorsatz auch oder eine Form von Bewusstum handeln, sagen oder ich kann sagen, naja, ich merke da gerade so eine Dynamik irgendwie oder eine Verhaltensdynamik oder Beziehungsdynamik. Und das löst bei mir halt bestimmte ungünstige Resonanzen aus. Und die Resonanzen, dann macht das Gegenüber das nicht bewusst, willentlich und absichtlich, weil Vorsatz wird halt darauf stärker bestraft, sondern lebt halt jemand sein Leben, nimmt die Lösung, die er oder halt auch sie in dem Fall gefunden hat und ich reagiere dann darauf.
Also wenn es meine Werte im Privaten verletzt, dann reagiere ich darauf halt mit Ärger. Also sowas wie Kommunikationsstile oder Wertschätzung oder Achtsamkeit oder was auch immer. Und ja, dann auch mit Trauer, weil ich dann so denke, ja, es macht mich einfach nur traurig, dass ich das so, das so, dieses, dann kommt dieses, habe ich nicht verdient, so.
Und die Kombi ist halt blöd, weil ich gerade auch Ärger und Trauer dann natürlich schon kenne. Ich, diese Trauer irgendwie, die zieht mich runter, der Ärger pusht mich hoch und wo ich dann vielleicht mich aber nicht traue, den Ärger halt zu formulieren, weil ich halt Angst vor der Reaktion habe, so. Und dann gehe ich ja in die Dissoziation und das sind ja klassische, auch bei Triggern klassische Umgangsmechanismen, die ja dann dazu führen, dass man dann da irgendwie sagt, ja, nee, dann versuche ich das halt.
Irgendwie zu verändern und und. Aber damit verändert man und damit, ja, lässt man dann seine Werte halt weg. Also damit mich was nicht mehr triggert oder ich damit keine Resonanz habe, dann tue ich eher meine Werte beiseite, so. Und das ist, glaube ich, was, was viel passiert, was viel auch so, wenn auf der anderen Seite das Positive halt sehr viel ist, halt ausgelöst wird. Und deswegen ist dieser Umgang mit Triggern und dieses, das macht mir schlechte Laune, da reagiere ich halt dysfunktional drauf. Etwas, wo ja natürlich Coaching helfen kann, gerade bei frühen Bindungsmustern.
Und zum Glück, wir haben nächstes Jahr den Resilient Guest, Stefan Passvogel dazu. Freue ich mich schon sehr, der halt auch mit so Programmen Ideal Parent Figures, also den idealen Eltern arbeitet. Was sehr heilsam ist, was aber auch, sag ich mal, wenn das eine geheilt ist, kommt das andere um die Ecke.
Und das ist dann einfach ein Weg, so. Ja, also das wäre mal so mein Thema zum Trigger und ich würde mich bei Triggern immer fragen, will ich wirklich dieses, das macht was mit mir oder ich merke bei dir ein Verhalten oder ich merke bei dir Aussagen oder was auch immer und ich brauche halt einfach was anderes für mein Wertegerüst und ich erlebe das so und so und ich schließe daraus, dass, weiß ich nicht, meistens ist es ja irgendwie eine Form von gesehen werden oder Wertschätzung oder Achtsamkeit. Das sind zumindest so meine Werte, die da eine Rolle spielen.
Ja, und auch die Frage, wessen Verhalten ist denn das gerade? Ist das meins oder habe ich da irgendwie was adaptiert oder auch aus welcher Zeit kommt denn das? Oder auch die Frage, wie könnte ich mich noch verhalten? Also gerade wenn das so dann auch nicht reflektiert ist, wo ich dann manchmal so denke, hast du darüber jetzt gerade nachgedacht, was du gerade gesagt hast? Meinst du das ernst? Ja, aber das sind dann immer auch, gerade ja im Miteinander ist das ja immer auch die Frage, welche Rolle oder welchen Stellenwert gebe ich dem Gegenüber?
Oder mache ich mir das überhaupt klar oder lebe ich das überhaupt bewusst? Aber das sind ja so unterschiedliche Interaktionsmechanismen und ich glaube, wir machen irgendwann nochmal einen Podcast über Beziehung, Beziehungsgestaltung und so. Das schließt sich daran ganz gut an. Ja, letzter Punkt, Trauma. Trauma finde ich ganz schwierig, damit inflationär umzugehen. Gerade wenn jemand auch mal eine Form von Trauma, Traumatisierung und so weiter hat, wo ich glaube, dass wir alle irgendwie eine Seite in uns haben, die mal das Erlebnis gehabt hat, meine Kernglaubenssätze hier über die Welt in Bezug auf Sicherheit in Beziehungen, und Sicherheit im Sinne von Orientierung und Kontrolle in der Welt sind verletzt oder massiv verletzt.
Ich hatte zwei solche Situationen, die mich wirklich maximal, also wirklich dieser Moment, wo der Körper einfriert, wo der Körper kalt wird oder wo einfach nur Leere, wo der Körper bleiern wird, ich nur im totalen Freeze war. Und dann zum Glück eine Kollegin da war, die in dem Bereich hoch erfahren ist, die EMDR kann und dann nur gesagt hat, setz dich mal hin. Ich so, äh, könntest du mal kurz?
Ja. Und dann hat die mit mir zwei, drei Wingsets gemacht, damit ich den Tag zu Ende machen konnte. Dann hat die abends nochmal mit mir gearbeitet. Es war der zweite Tag von der viertägen Ausbildung. Die hat dann noch eine Nacht verlängert und sie hat am dritten Tag abends mit mir gearbeitet, am vierten Tag abends und hat am fünften Tag tagsüber morgens noch mit mir zwei, drei Sessions gemacht. Und ich kann mich ja gut regulieren. Ich weiß auch genau, wo meine Grenzen sind. Das hat mich da vor Schlimmerem bewahrt. Und das andere war mal in einer Beziehung, wo ich, also das hat mich, das war unglaublich, so mit über Facebook Schluss machen und so.
Also wirklich auf einer Ebene, das ist schon viele, viele Jahre her. Aber da habe ich auch echt ein bisschen gebraucht, bis ich das verarbeitet habe, weil es, also hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, das Ganze. Naja, und das sind halt so Sachen, wo ich so sagen würde, ja, das war, das habe ich gut für mich integriert.
Und gleichzeitig finde ich dieses Thema, ich habe da ein Trauma, manchmal ein bisschen zu schnell, weil es auch gerade die Menschen, die lange Jahre Leidvolles, Herabwürdigendes, schlimme Sachen und so weiter erlebt haben, einfach entwertet. Es entwertet komplett das Leid, die vielleicht einfach das gut weggepackt haben, die das gut regulieren können, die immer mal wieder damit in Kontakt kommen, aber so. Aber dieses, ja, oh, ich habe hier ein Trauma und da ein Trauma und dann hast du am Vormittag drei Traumen und gehst aber trotzdem lustig pfeifend irgendwie am Nachmittag noch einen Kaffee trinken, da denke ich so, nee, das sind starke Stressspuren.
Und ja, das ist, und das stört mich manchmal an der Amplitude, also an der Intensität der Ausdrucksweise, wo ich dann so denke, nennst du doch nicht Trauma, nennst doch, ey, das hat mich jetzt echt zum Nachdenken gebracht in der milden Form oder es hat mich maximal gestresst in der intensiven Form. Aber Trauma ist, glaube ich, echt nochmal anders.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Da bin ich total bei dir. Ja, auch in der Definition, psychopathologisch. Es ist etwas ganz anderes, wird sehr inflationär genutzt.
Ja, es ist halt nur wichtig, genau diese Alternativen dann anzubieten. Also du sagst, das hat mich zum Nachdenken gebracht oder das hat mich intensiv gestresst. Und was wäre denn eine andere Bezeichnung für ein Trauma? Also es gibt ja sowas aus dem Coaching Stress Imprinting, also sozusagen eine Stressprägung, also einfach ein Erlebnis, das noch stark in mir nachwirkt, das ich hatte. Also ich funktioniere noch im Alltag. Allerdings, wenn ich jetzt vor anderen Menschen sprechen soll, habe ich noch meinen Lehrer aus der vierten Klasse im Kopf, der mich da so niedergemacht hat, nachdem ich einen Vortrag verhoben habe und so weiter.
Was gibt es, fallen dir noch so irgendwelche Alternativen ein?
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Naja, also ich sag nochmal eine Sache zu wie man Trauma denken kann. Also es ist ja nie, das finde ich auch in der Definition von Gabor Mathe so schön, es ist nie sozusagen das im Außen. Also es ist nie sozusagen dieses leidvolle Erlebnis, was bei allen Menschen, tiefe Verzweiflung, blablabla, so.
Weil das ist auch aus meiner Sicht und auch aus Sicht vieler Trauma-Experten, ich bin da kein Trauma-Experte, aber ich habe mich halt mit dem Thema auseinandergesetzt, weil es einfach Teil von Resilienz auch ist, zu wissen, wo Grenzen sind und das ist eine ganz klare Grenze. Sicherlich hat Resilienz einen gewissen protektiven Faktor in diesem Thema, gleichzeitig kann man es nie sagen, so. Das heißt, diese Erschütterung der Kernglaubenssätze, also bei Alles steht Kopf sind das so die Core Values, diese ganz tiefen Grundheuristiken, wo das Thema Beziehung, Bindung, Zugehörigkeit und Orientierung, Kontrolle nach Grave mit der Sicherheit, die daraus auch erspringt, die erschüttert oder auch komplett zerstört wird.
Und das kann eine Erfahrung sein, das kann eine wiedererkehrende Erfahrung sein, das kann auch natürlich mit einer Sekundärwirkung auf den Selbstwert und so weiter zusammenhängen, aber das würde ich sagen, ist sozusagen dieses Traumatische und die Differenzierung würde ich machen, wenn du einen Nomen haben willst, ein sehr starker Stressor, eine sehr starke emotionale Reaktion, vielleicht auch was, was sehr überraschend kam und damit nochmal stärker war, weil Überraschung als Übergangsemotion natürlich das, was danach kommt, nochmal weiter verstärkt, aber ich kann auch da ein bisschen Platz sagen, das hat mich maximal irgendwie aus der Bahn geworfen und das hat mich erstmal irgendwie erschüttert. Und dann ist ja die Frage, was kommt danach?
Weil das Trauma reguliert sich ja nicht sofort wieder, sondern das braucht für posttraumatisches Wachstum natürlich eine Form von Regulation und Regeneration und vielleicht auch verschiedene Interventionen, also vielleicht auch eine Sinngebung und so weiter und so fort. Da gibt es ja auch von unter anderem Judith Mangelsdorf und vielen verschiedenen anderen Menschen gute Forschungsarbeiten zu, sondern wenn mich was maximal erschüttert und ich reguliere mich dann halt wieder, dann würde ich sagen, ja, das war intensiv, ein intensiver Stressor, nur das Trauma hat immer Erfolgekosten und so. Und zwar Dysfunktionale.
Und ich glaube, was da auch noch wichtig ist an der Stelle, ist zu sagen oder auch sich bewusst zu machen, dass Trauma an sich etwas ist, wenn ich es zu inflationär benutze, immer zu einer Entwertung, weil Gleichsetzung meines starken Stresses mit jemandem, der so ein Ding an Bord hat, da vielleicht mühselig gelernt hat, mit zu leben, gleich darunter auch leidet. Und wenn man das dann so alles in einen Topf wirft, dann entwertet man das Leid von Menschen. Und das finde ich halt schwierig.
Und deswegen finde ich immer dieses zu schnelle Trauma, sollte man immer fragen, okay, also nicht war das jetzt wirklich eins, sondern ist das noch da? Nee, nee, den Tag später war es schon wieder besser. Ja, dann war es kein Trauma. Kann ich mir zumindest nicht vorstellen, sage ich mal so. Und dann war das vielleicht nur echt maximal hoher Stresspegel. Dafür braucht es einfach was Längeres. Dafür braucht es einfach diese Erschütterung und eine Erschütterung der Kernglaubenssätze über die Welt, die ist nicht nach einer Nacht drüber schlafen wieder gut, sondern das merkst du. Das hast du. Das beeinflusst deine Art, über die Welt zu denken und so weiter und so fort.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Weil das ja unsere Folge kurz vor Weihnachten ist. Ist es das? Ich muss gerade überlegen, wenn die rauskommt.
Ja, ist es. Gut, sehr gut. Wie können wir jetzt da auf einer Seite auf Weihnachten beziehen und positiv beziehen? Weil wir haben ja das Thema Trigger, wir haben das Thema Toxisch. Das war ja sehr oft das Thema auch Beziehung und Beziehungspflege. Ja, mit was hat das mit Weihnachten zu tun?
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Das ist jetzt der Take. Wenn sie nach Hause kommen und die toxische Familie sie wieder triggert und ihnen ein Trauma verpasst. Ich glaube, das ist ein guter Switch, mein Lieber.
Bewusstheit hilft. Und zwar eine bewusstere Sprache. Und wir machen eine kurze, Matthias Wager von Keybed nennt das SRDÜ, eine semantische Reaktionsdifferenzierungsübung. Und checken vielleicht mal so die somatischen Marker. Also wenn ich sage Trigger. Wir fangen mal mit Trigger an.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Ich wollte gerade sagen, ein Trauma vom letzten Mal. Nein, um Gottes Willen. Ich habe ja einen Stresser vom letzten Mal mitgenommen. Als du das letzte Mal mit mir das gemacht hast, ist ja mein ganzes System abgestürzt. Danach habe ich so getan, als hätte ich alles gehört. Aber jetzt bin ich da und jetzt mache ich mal mit.
Und jetzt höre ich richtig zu.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Und machen wir. Gut, ich bin bereit. Naja, du kannst ja einfach, wenn du dir ein, zwei mal innerlich Trigger sagst, kannst du mal gucken, wo merkst du das im Körper.
Wir machen erstmal kurz einen somatischen Markercheck. Das ist eher im Brust- oder Bauchbereich. Zusammenziehend, ausdehnend, Trigger. Und ich merke das bei mir so im Brustbereich. Ich merke das so ein bisschen wie so Ärgertrigger. Ja, bei mir so im Brustbereich, bei dir geht es eher so im Hals.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Bei mir geht es in den Hals, schnürt das hier zu, Luftröhre.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Genau, und dann kannst du sagen, okay, wenn du Trigger hörst, was für semantische Räume, also was für Bilderwelten öffnen sich da?
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
So eine, ich bin kleiner, ich bin Opfer, es prasselt auf mich nieder, ich werde angegriffen, bin etwas schutzlos ausgeliefert. Das ist das, was bei mir so kommt, bei Trigger.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Ja, ich sehe tatsächlich so einen Revolver, der so schussbereiter ist. Und ich sehe mich eher mit so Schutzschilden, so Metallschutzschilden, die so irgendwie alles Dunkle irgendwie so weghält, genau. Genau, wir gehen gleich zu den angenehmeren, so toxisch.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Ja, also da zieht es mir direkt, da rümpfe ich direkt die Nase. Das tatsächlich auch hier, aber hier weiter oben, hier im Kehlkopfbereich, so ein bisschen wirken und einfach diese abstoßende und zurückgehen wollen und so.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Ja, bei mir ist das so, als würde irgendwie so Säureschleim irgendwie vorne im Brustbereich so runterlaufen und so irgendwie gefühlt drumherum, ich kann mich gar nicht bewegen, ohne mich eigentlich zu verätzen. Das ist so das, was ich so spüre, das ist auch gleich die semantischen Räume. Und das ist sehr subtil, das ist jetzt so auf einer Skala, minus 10 bis plus 10, das ist vielleicht so eine minus 1 bis minus 1,2. Aber die Bilder sind halt da, so. Kann man mal zu Hause prüfen, wenn man das so sagt, so Bilder kommen um die Ecke und wie fühlt es sich an?
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Ja, das ist, also wenn ich semantisch bin, da geht es direkt runter bei mir. Also das ist sowas am Boden liegen, das zieht mich runter. Kraftlosigkeit, ganz viel Orientierungssuche auch. Also ich bin, weiß gar nicht wohin, weiß nicht, also so eine Ohnmacht, Fehlen von Selbstwirksamkeit und so weiter.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Ja, bei mir ist es im Kopf einfach eine Leere, also wie so leer, aber nicht eine schöne Leere, sondern einfach so eine Taub, Taubeleere, völlig einfach nur betäubt. Und ich merke meinen Körper gar nicht mehr. Ich merke nur so einen Klotz, so was im Bauch. Ja, okay. Was kann man stattdessen anbieten? Also Gunter Schmidt hat in der Hypnosystemik diese schöne Stress-Einladung. Und natürlich, wenn man einen sehr starken Stress erlebt, ist es nicht so einfach zu sagen, das ist eine Stress-Einladung. Das ist manchmal ein bisschen schwer, aber wenn ich Stress einlade, dann merke ich sofort so, mit der Einladung ist so eine Leichtigkeit verbunden. Und man kann sich ja mal so im Blick auf Weihnachten fragen, welche Geschichten kennt man schon?
Und ich mache das, wenn ich Weihnachten wiederholt bei Menschen verbracht habe, wo ich schon mal war. Und ich das halt so für mich auch gemerkt habe, wo ich Weihnachten also entweder halt sehr im ganz kleinen Kreis oder einfach sehr reduziert feiere. Ich habe aber viele Jahre das auch im größeren Familienkreis gefeiert.
Immer, wenn ich gemerkt habe, da ist irgendwas, was mich ein bisschen anstrengt, hat mit dem dann nichts zu tun, sondern mit meiner Bewertung der Situation, habe ich mir halt vorgestellt, ich sitze im Kino und gucke mir halt den Film wieder an. Und ich habe dann auf bestimmte Geschichten schon gewartet, dachte, ah die Geschichte kommt doch, ja da ist sie, super, habe mich dann immer total gefreut, dass ich schon was kannte. Das heißt, dieses Triggern war im Prinzip dadurch, dass mir bestimmte Dinge bewusst waren, haben sie anders gewirkt.
Und man kann ja auch vorher, und man spricht ja in der Psychologie auch von diesen kalibrierten Schleifen, also wenn ich schon mir denke, dass es so wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es so wird, auch im Sinne der Bestätigung, also auch des Bestätigungsfehlers nehme ich ja eher nur die Dinge wahr, die halt gut funktionieren. Und irgendwann war es dann so, das mache ich auch bei anderen Sachen, dass ich mich immer frage, was ist die schlimmste Version, die allerschlimmste Version, ich baue die Horrorversion, und dann muss ich selber so lachen, dass ich alleine schon da die Veränderung irgendwie zum Besseren habe. Und dann frage ich mich meistens, was wäre denn die beste Version.
Und darauf freue ich mich dann auch. Und dann habe ich eine solche Entspannung, dass mich wenig in irgendeiner Art und Weise triggert. So. Toxisch habe ich einfach gestrichen aus meiner B-Wertung, weil es für mich echt unangenehm ist. Und gerade zu Weihnachten sollte man nicht sagen, ja, Tante sowieso oder Onkel sowieso oder was auch immer ist so. Sondern dann sagt man, naja, halt sehr verhaltensinteressante Menschen.
So. Wir wollen alle geliebt werden als Menschen, wir wollen alle eigentlich nur hier irgendwie da sein. Und das hilft mir dann so. Und wo steht geschrieben, dass man mit jedem da dann reden und so weiter muss. Und nehmt doch einfach die Gefühlsfernbedienung dann wieder zu euch. Ja, genau. Und bei Trauma ist das auch was, was ich für mich gestrichen habe und einfach sage, ja, das merke ich jetzt gerade, das ist intensiv für mich. Und dann kommuniziere ich es oder ich gehe einfach aus der Situation raus. Und das ist immer eine Wahl.
Und zur Not sagt man halt, oh mein Magen. So. Irgendwas. Außer das Essen war lecker. Dann sollte man sich noch was mitnehmen und dann erst sagen, ja, ich habe so Kopfschmerzen. Kopfschmerzen geht auch immer. Wie ist es bei dir? Wie machst du das so?
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Das ist Reframing. Macht den Unterschied. Mir hat es sehr geholfen, diese, wenn du es jetzt sagst, mit der Stresseinladung und so weiter.
Ich kann es annehmen, ich kann es ablehnen. Toxisch ist es bei mir tatsächlich genauso, Gemeinsamkeiten dann zu sehen, irgendwie zu erkennen. Jetzt muss ich natürlich wieder mit meinem Hintergrund des Glaubens dann ankommen. Ich habe halt einen Satz für mich, den ich sage, der mir echt extrem dabei hilft, wieder diese Brücke zu den Menschen zu bauen, den ich gerade als sehr anstrengend und sehr unangenehm erlebe. Und der Satz ist für mich, auch für ihn ist Jesus gestorben. So. Das ist für mich das. Und wenn ich mir das sage, dann beruhigt sich bei mir alles, weil das macht eine Gemeinsamkeit da rein und ist genau diese Thematik auch für solche Menschen. War es der Fall.
Und bringt wieder eine Wärme da rein, weil toxisch und Ekel und Verachtung, kalte Schulter zeigen und so weiter bringt ganz viel Kälte da rein. Und ich hätte da gerne wieder mehr Wärme und mehr Brücken bauen und so weiter. Und natürlich darf ich auch mal irgendwann für mich erkennen, ja, wann breche ich das dann auch mal ab und gehe und sage dann auch, ja, dann brauche ich auch wirklich keinen Kontakt mehr.
Aber ich weigere mich zu sagen, diese Person ist toxisch. Weil hat ja vielleicht jeder schon mal erlebt oder in der Form irgendwo mitbekommen, mal eine gute Beziehung geführt, dann sind Enttäuschungen entstanden und dann geht man in dem Sinne auseinander und dann heißt es im Umfeld, ja, die Person war eh toxisch und so weiter. Dann aber für sich dann auch mal zu würdigen, hey, was war denn die gute gemeinsame Zeit und wo steckt denn eventuell auch eine Dankbarkeit da drin und eine Wärme da drin und daran in Kontakt zu kommen, aber natürlich auch in Kontakt zu gehen und das zu würdigen.
Und genau deswegen sind wir nicht mehr gemeinsam auf diesem Lebensweg und gehen den jetzt getrennt und dann besser getrennt als geeint und aber mit einer positiven Brücke in die Vergangenheit. Ja, das ist für mich.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Und vor allen Dingen sich selber auch keine Vorwürfe zu machen für die Entscheidung, die man damals im besten Sinne getroffen hat. Und gleichzeitig auch mit einer großen Klarheit zu sagen, okay, und niemals wieder und das ging gar nicht. Auch mit ganz viel Mitgefühl für die jüngeren leidenden Seiten vielleicht.
Ja, so sieht es aus.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Und das ist ja auch übrigens spannend, auch körperlich bei vielen Sachen dieses Thema toxisch und ekel und so weiter. Es gibt zwei unterschiedliche Formen der Gänsehaut. In der nächsten Folge.
Cool, jetzt mache ich schon mal so ein Foreshadowing. In der nächsten Folge sprechen wir über eine Form der Gänsehaut auch in Bezug auf eine Emotion. Das ist die prickelnde Gänsehaut, die sehr angenehme Gänsehaut. Aber es gibt auch die schaudernde Gänsehaut. Also dieses Thema, das läuft mir den Rücken runter, kalt den Rücken runter. Und das hat ganz viel auch mit dem Thema zu tun. Das ist eine wahnsinnig starke, unangenehme Valenz und eventuell auch eine ganz starke, hohe Arousal. Und das zeigt mir an, genau das, was du gerade gesagt hast. Nie wieder. Das will ich nie wieder erleben. Und dafür sorge ich jetzt auch. Für mich und gerne auch für mein Umfeld, aber in dem Moment gerne auch für mich.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Und für mich bleiben dann in dem Moment immer so diese fünf Entscheidungen. Also Love it. Was kann ich lieben?
Was kann ich sozusagen, was mir wichtig? Wobei leuchten meine Augen? Mache ich davon mehr? Sage ich das auch, wenn da etwas ist, was meine Augen leuchten lässt? Gerade in Beziehungen. Leave it. Also was will ich nie wieder? Wovon entferne ich mich? Was sage ich vielleicht auch meinem Gegenüber?
Hey, bitte nicht mehr. Change it ist immer die Frage. Ich neige dazu, mich viel zu verändern. Also auch im Sinne von Adaptabilität, Anpassung. Ich glaube, das haben viele Menschen, die einfach auch sozusagen da die Veränderungsmöglichkeiten halt kennen und sehen. Manchmal kommt es mit einem Preis, weil man eine ältere Version von sich vielleicht nicht so würdigt und so weiter, weil halt eine neue Version drüber ist, naja, manchmal immer auch mit Trauerprozessen verbunden.
Oder halt Accepted. Also Akzeptanz, wo man sagt, okay, und dann merke ich, ich dissoziere sofort, wo man sagt, da entferne ich mich von mir, die schiebe ich weg. Ja, verrate ich ein Stück weit meine Werte einfach, um da vielleicht im Gefallen zu bleiben. Und dann aber auch eine Form von Meta-Akzeptanz, also akzeptieren, dass man auch was nicht akzeptiert. Und die Meta-Akzeptanz ist was, was mir seit längerer Zeit jetzt sehr hilft, einfach zu sagen, okay, ich akzeptiere, dass das für mich nicht geht, aber damit kann ich gerade gut leben. Das ist kein Dauerlebensmodell, aber das ist dann was, was halt funktioniert.
Naja, und irgendwann muss ich es entscheiden. Das ist halt auch immer so die Sache, die Entscheidung dann irgendwann zu treffen und dann zu sagen, pass auf, das Ganze hat einen Termin, das hat irgendwie was, wo ich sage, ja, da lege ich das auf Wiedervorlage und bis dahin liegt es nicht dauernd wieder als Frage bei mir. Und ich glaube, wenn man so im Umgang jetzt auch gerade an den Feiertagen mit Menschen agiert, was kann ich lieben an dem Menschen, was kann ich einfach auch sagen, nee, stopp, bitte nicht so verhalten, danke geht gar nicht, was kann ich da verändern, was muss ich akzeptieren und was kann ich auch nur akzeptieren, dass ich es niemals akzeptieren werde.
Einfach um selber Ruhe zu haben mit Blick auf die eigenen Werte, dann glaube ich, ist man da auf einem guten Weg und das ist dann ein vielleicht anderer Fokus während der Feiertage. In diesem Sinne, mein Lieber.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Ich will eine Sache noch, wirklich ganz zum Schluss, auch eine positive Note, dann auch nochmal zusätzlich, weil es ja sozusagen die letzte Folge vor Ende des Jahres ist, ich wollte mal an alle Hörerinnen und Hörer Danke sagen fürs Zuhören und für die Treue hier bei dem Podcast, weil es haben uns ja auch einige ihr Spotify Rappt geschickt. Also diese Zusammenfassung von was habe ich viel gehört dieses Jahr und da war bei auffällig vielen Menschen Rethinking Resilience auf Platz 1 oder 2 und das fand ich sehr, sehr toll. Ich fand es unglaublich, wie viele Minuten da gehört werden, also wenn ich da sehe, 1500 Minuten wurde da gehört, da dachte ich, Wahnsinn, das ist ja der absolute Hammer.
Auffällig viele Personen übrigens bei mir, die Stefan heißen, also herzliche Shoutout an Stefan L. und Stefan F., die wahnsinnig treu zuhören. Als Beispiel, ja auch der absolute Hammer, freue ich und wir uns sehr drüber, dass das so gut ankommt und so viele diesen Denkraum besuchen.
[Sebastian Mauritz – Resilienz Podcast]
Ich hab das letztens auch jemandem gesagt, ich hab gesagt, du ab der zweiten Minute ist es selbst gewählt, das ist light. Das ist meine Variante, ich bin da, was so Wertschätzung angeht, ein bisschen grobschlechtiger, deswegen auch von mir ein riesen Danke, ist mir eine große Freude. Bei uns wird es wahrscheinlich ein sehr leckeres Pumpernickelbrot geben, das ist so eine Weihnachtstradition, vielleicht mit Salami, das ist auch immer sehr lecker und von daher, darauf freue ich mich jetzt, statt Kartoffelbrei und Würstchen, also die klassischen Sachen.
Natürlich alles vegan, vegetarisch, linksdrehend und weiß ich nicht, mit einem Zero-Carbon-Footprint aus. Ja, wir müssen ja nochmal so ein bisschen, so zum Ende des Jahres. Also in diesem Sinne, mein Lieber, danke, frohe Weihnachten und einen guten Jahresübergang.
Und wer auch immer die Raunächte da noch mitnimmt, ja mein Gott, auch das. Ja, wir sind hier überkonfessionell und welches heidnische Fest man immer sonst noch feiern will. Viel Vergnügen dabei, alles Gute, bis bald.
Tschüss.
[Ruben Langwara – Resilienz Podcast]
Tschüss.
Hier geht´s zum Resilienz-Podcast: www.rethinking-resilience.com