Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 49

Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 49Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 49 für Sie zusammengestellt.

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Folge 49: Weihnachtsspezial: Rethinking: Toxisch, Trigger, Trauma

Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 49

In der neunundvierzigsten Folge des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience“ setzen sich Sebastian Mauritz und Ruben Langwara mit drei stark emotional besetzten Begriffen auseinander: toxisch, Trigger und Trauma. Im gemeinsamen Denkraum analysieren sie, wie diese Begriffe im Alltag – besonders in sozialen Medien – inflationär gebraucht werden, und warum eine differenzierte Sprache notwendig ist. Sie zeigen auf, welche emotionalen Dynamiken mit diesen Zuschreibungen verbunden sind, welche Auswirkungen eine unreflektierte Anwendung auf Beziehungen und Selbstwahrnehmung hat und wie ein bewussterer Umgang helfen kann, Resilienz zu stärken.

Mit wissenschaftlichem Hintergrund, persönlichen Erfahrungen und praktischen Beispielen regen Sebastian und Ruben dazu an, sich selbstkritisch zu fragen: Was hat das mit mir zu tun? Und wie kann ich meinen Anteil erkennen, statt vorschnell zu kategorisieren? Der Podcast wird damit zu einer Einladung zur Selbstreflexion – gerade in herausfordernden zwischenmenschlichen Situationen.

Warum ist ein bewusster Umgang mit Begriffen wie „toxisch“, „Trigger“ und „Trauma“ wichtig?

Die Begriffe toxisch, Trigger und Trauma sind in den letzten Jahren zunehmend in den öffentlichen Sprachgebrauch gewandert – häufig unreflektiert, pauschal und emotional aufgeladen. Sebastian beschreibt, wie besonders zur Weihnachtszeit zahlreiche gut gemeinte, aber oft wenig fundierte Tipps im Netz kursieren, etwa im Umgang mit „toxischen Menschen“. Dahinter verbirgt sich jedoch eine tiefere Problematik: Wer andere vorschnell als „toxisch“ bezeichnet, trifft Aussagen auf Identitätsebene – mit der Konsequenz, dass zwischenmenschliche Verbindungen verloren gehen und Empathie schwindet.

Ruben ergänzt, dass das Wort „toxisch“ eine emotionale Dynamik auslöst, die mit Ekel verbunden ist – einer Emotion, die auf Distanz und Abstoßung zielt. Diese Abwertung erschwert nicht nur Beziehungen, sondern kann auch zur Entmenschlichung führen. Besonders problematisch ist dies, wenn Menschen nicht auf Verhalten, sondern auf ganze Persönlichkeiten diese Bewertung anwenden.

Ähnlich kritisch ist der inflationäre Gebrauch des Begriffs Trigger. Wer sagt „das triggert mich“, legt oft eine Haltung des Ausgeliefertseins an den Tag, ohne den eigenen Anteil zu reflektieren. Sebastian und Ruben betonen, dass das Trigger-Erleben meist mehr über die eigene Bewertung als über das Verhalten des Gegenübers aussagt. Und schließlich das Wort Trauma: Auch hier warnen beide vor einer Banalisierung. Nicht jedes belastende Erlebnis ist ein Trauma im klinischen Sinn. Eine vorschnelle Etikettierung kann das Leiden von Menschen, die tatsächlich traumatisierende Erfahrungen gemacht haben, entwerten.

Was bedeuten die Begriffe wirklich – und welche Dynamiken stecken dahinter?

Sebastian und Ruben erklären die Begriffe auf emotionaler und psychologischer Ebene – differenziert und verständlich:

Toxisch – Ruben ordnet den Begriff emotional dem Ekel zu. Diese Emotion will Schutz vor Kontamination – nicht nur physisch, sondern auch psychologisch. Wer als toxisch gilt, wird abgestoßen, aus dem sozialen Raum entfernt. Die Folge: Empathie wird abgeschaltet, Kontakt unmöglich. Sebastian betont, dass diese Zuschreibung auf Identitätsebene gefährlich ist. Besser sei es, Verhalten zu betrachten – und in Beziehung zu den eigenen Werten zu setzen.

Trigger – Der Begriff suggeriert, dass ein äußeres Ereignis automatisch eine innere Reaktion auslöst. Doch Ruben erläutert anhand aktueller Forschung, dass Emotionen konstruiert sind – sie entstehen nicht durch das Außen, sondern durch Bewertung und Interpretation. Wer sich „getriggert“ fühlt, sollte sich fragen: Was hat das mit mir zu tun? Welche alten Muster oder unerkannten Seiten in mir werden gerade aktiviert?

Trauma – Hier betonen beide die klinische Relevanz: Ein echtes Trauma bedeutet die Erschütterung zentraler Glaubenssätze über Sicherheit, Beziehung und Kontrolle. Es geht nicht um intensive Stressreaktionen im Alltag, sondern um tiefgreifende, meist langfristig wirksame Verletzungen. Sebastian plädiert für sprachliche Alternativen wie „starker Stressor“ oder „intensive emotionale Erfahrung“, um das Leiden traumatisierter Menschen nicht zu relativieren.

Wie kann ein differenzierter Umgang mit toxisch, Trigger und Trauma gelingen?

Sebastian und Ruben geben konkrete Impulse für einen bewussteren Sprachgebrauch – besonders in sensiblen zwischenmenschlichen Kontexten:

  • Sprache differenzieren: Statt „toxisch“ besser von verhaltensinteressanten Menschen sprechen. Statt „Trauma“ von Stressprägungen oder emotional herausfordernden Erfahrungen. Statt „Trigger“ von Resonanzen oder inneren Reaktionen.

  • Selbstreflexion üben: Eine zentrale Frage lautet: Was hat das mit mir zu tun? Ruben verweist auf Modelle wie das Werte- und Entwicklungsquadrat oder systemische Fragen, die helfen können, den eigenen Anteil zu erkennen. Auch metaphorische Zugänge – etwa das Konzept des „Arschengels“ von Robert Betz – können helfen, eigene Schatten zu erkennen.

  • Verhaltensmuster erkennen: Sebastian beschreibt ein Beispiel aus seiner Coachingpraxis, in dem eine Klientin ihre Chefs pauschal als Narzissten abstempelte – bis sie erkannte, dass ähnliche Muster auch in ihr selbst wirken. Diese Art von Einsicht kann Beziehungen verändern, ohne dass sich das Gegenüber verändert hat.

  • Körpersignale beachten: In einer Übung zur semantischen Reaktionsdifferenzierung (nach Matthias Varga von Kibéd) laden Sebastian und Ruben ein, die körperliche Reaktion auf die Begriffe wahrzunehmen. Die dabei entstehenden Bilder und Empfindungen zeigen, wie tief Sprache wirkt – und wie bewusst wir damit umgehen sollten.

Wozu lohnt sich dieser bewusste Umgang – besonders in Beziehung und Selbstführung?

Ein achtsamer, differenzierter Umgang mit Begriffen wie toxisch, Trigger und Trauma ist nicht nur sprachliche Feinarbeit. Er ist ein Weg zu mehr Selbstverantwortung, Beziehungsfähigkeit und innerer Klarheit.

Gerade in belastenden Kontexten – etwa im Familienkreis zu Weihnachten – kann eine bewusstere Sprache helfen, Konflikte zu entschärfen und sich selbst treu zu bleiben. Ruben spricht von der inneren Gefühlsfernbedienung: Wer bewusst wählt, wie er reagiert, bleibt handlungsfähig. Sebastian verweist auf fünf Möglichkeiten des Umgangs mit belastenden Situationen: Love it, Leave it, Change it, Accept it – und als fünfte Option: Meta-Akzeptanz, also akzeptieren, dass man etwas (noch) nicht akzeptieren kann.

Am Ende geht es nicht darum, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Sondern darum, ihnen mit einer Haltung der Selbstwirksamkeit und Empathie zu begegnen – für sich selbst und für andere.


Transkript der Folge 49

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:

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Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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