Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 59

Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 59  für Sie zusammengestellt.

Podcast abonnieren

Um keine Folge zu verpassen, können Sie Rethinking Resilience“ auf den folgenden Plattformen abonnieren.

In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.


Folge 59: Rethinking: Ambiguitätstoleranz

Ambiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit oder widersprüchliche Informationen zu halten, ohne sofort in Stress, Abwehr oder Schwarz-Weiß-Denken zu geraten. In dieser Folge sprechen Sebastian und Ruben darüber, warum dieses zunächst sperrige Wort so viel mit Resilienz, Orientierung und dem Umgang mit einer komplexen Welt zu tun hat.

Ruben ordnet den Begriff wissenschaftlich ein und verweist auf Else Frenkel-Brunswik, die bereits 1949 zur „Intolerance of Ambiguity“ geforscht hat. Sebastian ergänzt aus hypnosystemischer Perspektive, dass „aushalten“ für ihn zu passiv klingt. Stattdessen nutzt er Bilder wie Surfen, Tanzen oder Jonglieren: Wer mit Unsicherheit gut umgehen kann, bleibt beweglich, gleicht aus und hält verschiedene Möglichkeiten gleichzeitig im Blick.

Dabei wird deutlich: Ambiguitätstoleranz bedeutet nicht Beliebigkeit. Es geht nicht darum, alles gleich gültig oder gleichgültig werden zu lassen. Vielmehr braucht es beides: die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit zu halten, und die Bereitschaft, dort Klarheit zu schaffen, wo Klarheit möglich ist.

Warum ist Ambiguitätstoleranz heute so wichtig?

Unsere Welt wird als unsicherer, mehrdeutiger und widersprüchlicher erlebt. Gleichzeitig mag unser Gehirn Eindeutigkeit. Sebastian beschreibt, dass das Grundbedürfnis nach Orientierung und Kontrolle zumindest eine Grundannahme von Eindeutigkeit braucht. Wenn diese fehlt, kann das Stress auslösen.

Ruben macht deutlich, dass geringe Ambiguitätstoleranz mit rigiderem Denken, Vorurteilen und Schwarz-Weiß-Denken verbunden sein kann. Unsicherheit wird dann schnell als Bedrohung erlebt. Daraus können Angst, Frust, Ärger, Scham oder Vermeidung entstehen.

Resilienter wird der Umgang dort, wo Mehrdeutigkeit nicht sofort bekämpft werden muss. Ein erster hilfreicher Schritt kann sein, eine Situation mit „Das ist interessant“ zu betrachten. Diese Bewertung öffnet einen anderen inneren Raum: weg von Abwehr, hin zu Neugierde und Exploration.

Was bedeutet Ambiguitätstoleranz genau?

Ruben beschreibt Ambiguitätstoleranz als die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit oder widersprüchliche Informationen emotional und kognitiv zu verarbeiten. Sebastian erweitert diese Sicht: Für ihn geht es weniger um bloßes Aushalten, sondern um einen aktiven, beweglichen Kontakt mit Unsicherheit.

Das Bild des Surfens spielt dabei eine zentrale Rolle. Surferinnen und Surfer wirken stabil, weil sie permanent Ausgleichsbewegungen machen. Stabilität entsteht also nicht durch Starrheit, sondern durch flexible Anpassung.

Auch das Bild der Zwickmühle ist wichtig. Sebastian beschreibt, dass Menschen oft mehrere innere Perspektiven gleichzeitig haben. Eine Seite möchte dies, eine andere Seite möchte das. Diese innere Mehrstimmigkeit ist kein Fehler, sondern Teil menschlichen Erlebens. Ambiguitätstoleranz beginnt dort, wo diese Mehrstimmigkeit benannt und gehalten werden kann.

Wie können wir Ambiguitätstoleranz im Alltag stärken?

Ein zentraler Weg ist das Benennen. Wenn innere Zwickmühlen ausgesprochen werden, wird das Neblige konkreter. Sebastian verbindet dies mit dem Prinzip „Name it, to tame it“ und erweitert es sinngemäß in Richtung Halten: Was benannt wird, kann besser gehalten werden.

Ruben betont die emotionale Ebene. Unsicherheit kann Vermeidung auslösen, aber auch Neugierde, Freude und Staunen. Besonders die Haltung „Wie interessant“ hilft, nicht sofort in Bewertung oder Abwehr zu gehen. Auch Kommunikation ist entscheidend. Ruben nennt als Beispiel Meeting-Einladungen oder Arbeitsaufträge. Wer nur sagt: „Wir müssen mal reden“ oder „Mach mal ein Konzept“, erzeugt unnötige Mehrdeutigkeit. Hilfreicher ist das Format: Warum, Was, Wie, Wozu. Es schafft Orientierung, Handhabbarkeit und Sinn. Sebastian beschreibt dies als salutogene Kommunikation. Sie hilft, Ambiguität dort zu reduzieren, wo sie nicht nötig ist, und sie dort zu halten, wo sie produktiv sein kann.

Wozu kann Ambiguitätstoleranz beitragen?

Ambiguitätstoleranz kann helfen, in komplexen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Sie ermöglicht es, verschiedene Perspektiven zu halten, ohne vorschnell in Entweder-oder-Logiken zu verfallen. Sebastian unterscheidet zwischen produktiver und toxischer Ambiguität. Produktive Ambiguität öffnet Räume für Kreativität, Innovation und neue Möglichkeiten. Toxische Ambiguität entsteht dagegen, wenn Aussagen diffus bleiben, niemand Stellung bezieht und notwendige Klarheit vermieden wird. Deshalb gehört zur Ambiguitätstoleranz auch eine Klarheitspflicht. Was klar gesagt werden kann, sollte klar gesagt werden. Und was nicht gewusst wird, darf ebenfalls klar benannt werden.

So entsteht ein resilienter Umgang mit Unsicherheit: achtsam, würdigend, neugierig und zugleich klar. Oder mit Sebastians Schlussbild: Die Zukunft bleibt bewegt — aber man surft auf der Welle der Unsicherheit.


Transkript der Folge 59

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:


Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

RA_SON_2312_Footer Logos Webseite Kunde_00 Kopie
Resilienz Akademie

Resilienz Akademie | Angerstraße 7 | 37073 Göttingen | sebastian.mauritz@resilienz-akademie.com | Impressum | Datenschutz | AGB

Nach oben scrollen