Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 68

Entdecken Sie den Denkraum von Sebastian Mauritz und Ruben Langwara, um Ihre eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und Ihr Verständnis von Resilienz zu erweitern! Tauchen Sie ein in eine inspirierende Lernumgebung, die Ihnen dabei hilft, Ihre Resilienzfähigkeiten zu entwickeln und zu festigen. Profitieren Sie von den Erfahrungen und dem Wissen der Experten und bereiten Sie sich optimal auf die Herausforderungen des Lebens vor.

HIER erhalten Sie nähere Informationen und einen Überblick über alle Folgen! In dem folgenden Artikel haben wir die Folge 68 für Sie zusammengestellt.

Podcast abonnieren

Um keine Folge zu verpassen, können Sie „Rethinking Resilience“ auf den folgenden Plattformen abonnieren.

In den „Shownotes“ zur jeweiligen Ausgabe finden Sie eine kurze Inhaltsangabe, Links und weiterführende Informationen. Viel Freude beim Eintreten in den gemeinsamen Denkraum und Erforschen Ihrer Resilienz.


Folge 68: Rethinking: Resiliente Führungskräfte

Führungskräfte stehen täglich zwischen unterschiedlichen Erwartungen, Bedürfnissen und Verantwortlichkeiten. Sie führen Menschen, vertreten organisationale Vorgaben, treffen Entscheidungen und sollen gleichzeitig für ihre Mitarbeitenden ansprechbar sein. Dabei entsteht schnell eine Zwickmühle: Die Loyalität gegenüber der Organisation trifft auf die Bedürfnisse der Menschen, die man führt. Gleichzeitig darf die eigene Selbstführung nicht aus dem Blick geraten.

In der aktuellen Folge des Resilienz-Podcasts „Rethinking Resilience“ sprechen Sebastian und Ruben darüber, was resiliente Führung ausmacht und wo Führungskräfte besonders gefordert sind. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Selbstführung und Fremdführung, Sinnhaftigkeit, emotionale Resilienz, psychologische Sicherheit, Erholung, Grenzen, Verantwortung und die Frage, wie Führungskräfte mit schwierigen Situationen umgehen können.

Ein wichtiger Gedanke zieht sich durch das Gespräch: Führungskräfte sind selbst Menschen. Sie haben Emotionen, Bedürfnisse, Belastungsgrenzen und eigene Themen. Gleichzeitig tragen sie Verantwortung für andere Menschen und für die Art und Weise, wie Zusammenarbeit gestaltet wird. Resiliente Führung bedeutet deshalb nicht, immer stark, souverän oder unkaputtbar zu sein. Es geht vielmehr darum, die eigene Führung so zu gestalten, dass sowohl die Führungskraft als auch das Team handlungsfähig bleiben.

Warum ist resiliente Führung überhaupt wichtig?

Eine der zentralen Herausforderungen von Führung liegt in den unterschiedlichen Erwartungen, die auf einer Führungskraft zusammentreffen. Sebastian beschreibt dies als Zwickmühle: Auf der einen Seite steht die Loyalität gegenüber der Organisation und ihren Regeln, auf der anderen Seite stehen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden.

Ruben erzählt aus seiner ersten Führungserfahrung. Bereits mit 19 Jahren war er Führungskraft in einem Clothing-Store. Dort musste er Vorgaben umsetzen, die er selbst als wenig sinnvoll empfand. So sollten Kundinnen und Kunden unabhängig von der Situation auf Englisch verabschiedet und zum Folgen auf Twitter aufgefordert werden. Für Ruben entstand dadurch eine Spannung zwischen dem, was von oben vorgegeben wurde, und dem, was er selbst als sinnvoll empfand. Genau solche Situationen können für Führungskräfte belastend sein. Sie müssen Entscheidungen oder Vorgaben vertreten, auch wenn sie diese selbst nicht vollständig nachvollziehen können. Gleichzeitig möchten sie die Beziehung zu ihren Mitarbeitenden erhalten.

Hier kommt die sogenannte Zwickmühlenkommunikation ins Spiel. Ruben beschreibt, dass eine Führungskraft transparent machen kann, aus welcher Rolle heraus sie gerade spricht: „Als Führungskraft sage ich dir, mach es, weil das die Policy ist.“ Gleichzeitig kann sie als Mensch deutlich machen, dass sie selbst bestimmte Aspekte daran schwierig oder unangenehm findet. Damit bleibt die Führungskraft elastisch. Sie muss nicht so tun, als würde sie jede Vorgabe persönlich sinnvoll finden. Sie kann unterschiedliche Seiten transparent machen und trotzdem eine Entscheidung vertreten.

Für Sebastian hängt Führung dabei eng mit Sinnstiftung und Verantwortung zusammen. Hierarchie soll aus seiner Sicht auch dazu dienen, Entscheidungen dort zu treffen, wo sie auf einer Ebene nicht getroffen werden können. Führung bedeutet damit, durch Dilemmata, Ambivalenzen und Konflikte hindurchzuführen – und zwar bezogen auf ein Ziel. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verantwortung für die eigene Erholung. Wer für andere da sein möchte, muss auch für sich selbst sorgen. Sebastian betont deshalb die Bedeutung einer gesunden Selbstführung und einer grundbedürfnisorientierten Zeitgestaltung.

Führung beginnt damit nicht erst bei der Frage, wie andere Menschen geführt werden. Sie beginnt auch bei der Frage: Wie führe ich mich selbst?

Was bedeutet resiliente Führung?

Resiliente Führung verbindet Selbstführung und Fremdführung. Beide Bereiche gehören zusammen. Eine Führungskraft trägt Verantwortung für ihre Mitarbeitenden – und ebenso für sich selbst. Ruben beschreibt, dass Führungskräfte häufig zunächst den Fokus auf die anderen richten: Wie geht es meinen Mitarbeitenden? Was brauchen sie? Wie kann ich sie unterstützen? Das ist grundsätzlich wichtig. Gleichzeitig darf die eigene Situation dabei nicht verloren gehen.

Die Signale der Selbstführung wirken auch in der Fremdführung. Ruben nennt als Beispiel die Erreichbarkeit. Wenn eine Führungskraft spät am Abend Nachrichten verschickt und auf Antworten reagiert, kann dies bestimmte Signale an das Team senden. Selbst wenn die Führungskraft selbst damit gut umgehen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass es für die Mitarbeitenden ebenfalls passend ist. Deshalb spielt die Rahmung eine wichtige Rolle. Eine Nachricht spät am Abend kann beispielsweise anders wirken, wenn deutlich gemacht wird, dass sie nur für den nächsten Tag gedacht ist und gerade verschickt wurde, weil sie sonst vergessen worden wäre.

Auch Grenzen gehören zu einer resilienten Führung. Sebastian beschreibt den Satz „Meine Tür ist immer für euch offen“ kritisch, wenn er tatsächlich bedeutet, dass Mitarbeitende jederzeit Zugang erwarten können. Eine Führungskraft braucht ebenfalls Zeiten, in denen sie nicht verfügbar ist. Gleichzeitig sollte es auch ohne die Führungskraft funktionieren. Der Anspruch, dass alles nur funktioniert, wenn die Führungskraft selbst permanent eingreift, kann für Führungskraft und Team problematisch werden.

Ein weiterer zentraler Bereich ist der Umgang mit Emotionen. Ruben beschreibt, dass Führungskräfte häufig Angst vor schwierigen Gesprächen oder den Emotionen ihrer Mitarbeitenden haben. Dabei können Emotionen als wichtige Hinweise verstanden werden. Wenn eine Mitarbeiterin beispielsweise auf eine Veränderung mit Angst reagiert, kann die Führungskraft neugierig nachfragen. Ruben schlägt vor, eine eigene Wahrnehmung als Hypothese anzubieten: „Ich habe das Gefühl, dass du hier bei dem Thema eine Sorge hast.“

Entscheidend ist anschließend die Pause. Die Führungskraft muss nicht sofort weiterreden oder die eigene Interpretation erklären. Sie kann abwarten, was das Gegenüber selbst dazu sagt. Damit wird die Emotion nicht als etwas betrachtet, das gegen die Führungskraft gerichtet ist. Sie wird vielmehr als Hinweis verstanden, der Informationen über das Gegenüber geben kann. Für Ruben ist genau das ein wesentlicher Bestandteil emotionaler Resilienz in der Fremdführung: Die Emotionen anderer Menschen werden nicht zum Feind, sondern zu einem wichtigen Hinweisgeber.

Wie kann resiliente Führung konkret gestaltet werden?

Resiliente Führung beginnt mit der eigenen Selbstführung. Sebastian betont die Bedeutung von Erholung und eines funktionalen Zustands. Dabei geht es nicht darum, ständig gut gelaunt zu sein. Auch unangenehme Emotionen können dazugehören. Entscheidend ist, die Funktion einer Emotion zu kennen, sie kommunizieren und regulieren zu können. Ruben nennt in diesem Zusammenhang verschiedene Techniken aus der emotionalen Resilienz, beispielsweise den Butterflyhack und die Resonanzatmung. Eine Führungskraft sollte außerdem ihre eigenen Frühwarnsignale kennen. Ruben beschreibt, dass dafür das eigene Normalverhalten bekannt sein muss. Erst dann können Abweichungen wahrgenommen werden.

Auch andere Menschen können dabei unterstützen. Eine Führungskraft kann ihrem Umfeld ausdrücklich anbieten, Veränderungen anzusprechen. Dadurch wird ein Raum geschaffen, in dem Rückmeldungen möglich werden. Eine solche Offenheit spielt auch für die psychologische Sicherheit eine Rolle. Ruben betont, dass Führungskräfte ausstrahlen können, dass Rückmeldungen willkommen sind. Mitarbeitende können damit zu einer besseren Führung beitragen. Dazu gehört auch, Kritik nicht automatisch als Angriff zu verstehen. Eine Führungskraft kann Rückmeldungen aufnehmen, darüber nachdenken und anschließend entscheiden, ob und wie sie etwas verändert. Manche Dinge liegen allerdings außerhalb des eigenen Einflussbereichs. Auch das kann transparent gemacht werden.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Selbstoffenbarung. Sebastian beschreibt, dass Führungskräfte nicht immer nur stark und souverän erscheinen müssen. Wenn eine Führungskraft auch einmal zeigt, dass sie selbst vor einer Situation Respekt hat oder sich Gedanken macht, kann dies Menschlichkeit und Nähe ermöglichen. Dabei geht es nicht darum, Mitarbeitende mit den eigenen Problemen zu belasten. Vielmehr geht es darum, innerhalb der eigenen Rolle sichtbar zu machen: Auch eine Führungskraft ist ein Mensch.

Rollenklärung ist ebenfalls zentral. Führungskräfte sollten wissen, welche Rolle sie gerade einnehmen und welche Verantwortung damit verbunden ist. Sebastian spricht außerdem von Führungswerten. Nicht nur die Werte des gesamten Unternehmens können Orientierung geben. Auch für Führung kann definiert werden, woran Mitarbeitende eine gute Führung messen können. Diese Führungswerte können mit konkreten Verhaltensankern verbunden und auch in Personalgesprächen aufgegriffen werden. Damit entsteht eine Grundlage dafür, Führungskräfte nicht allein danach auszuwählen, wie gut sie ihre bisherige fachliche Aufgabe erfüllen. Denn eine gute Programmiererin oder ein guter Handwerker ist nicht automatisch auch eine gute Führungskraft.

Eine weitere Möglichkeit liegt in einer langfristigen Entwicklung von Führungskräften. Statt Menschen kurzfristig in Führungspositionen zu bringen und darauf zu hoffen, dass sie „hineinwachsen“, können Qualifizierungswege geschaffen werden, auf denen Menschen schrittweise in Führung hineinwachsen. Auch die bewusste Übung spielt eine Rolle. Sebastian beschreibt dies mit dem Begriff „deliberate practice“: Handwerkszeug kennen, regelmäßig üben und immer wieder schärfen.

Für die konkrete Führung nennen Sebastian und Ruben verschiedene Werkzeuge:

  • Zwickmühlenkommunikation
  • 4 MAT nach Bernice McCarthy (Warum, Was, Wie, Wozu als Struktur für Kommunikation)
  • Emotionsregulation
  • Resonanzatmung
  • Butterflyhug
  • Fragen zu Emotionen und Bedürfnissen
  • Bewusste Rahmung von Kommunikation
  • Rückmeldungen und psychologische Sicherheit
  • Selbstoffenbarung innerhalb der eigenen Rolle
  • Klare Grenzen und Erreichbarkeiten
  • Führungswerte und Verhaltensanker
  • Bewusste Übung und Wiederholung

Dabei geht es nicht darum, ein einziges perfektes Führungsmodell zu finden. Vielmehr gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, mit Situationen umzugehen. Entscheidend ist, die eigene Werkzeugkiste zu kennen und passend einzusetzen.

Wozu dient eine resiliente Führung?

Resiliente Führung soll dazu beitragen, dass Menschen auch unter Druck auf ihre Ressourcen zugreifen können. Sebastian stellt deshalb die Frage nach einem „resilienten Team“ etwas anders: Teams besitzen bereits Ressourcen und einen gewissen Grad an Resilienz. Es geht darum, diesen Ressourcen Raum zu geben und den Zugang zu ihnen verfügbarer zu machen. Dazu gehört, dass ein Team weiß, welche Möglichkeiten es hat, und diese immer wieder übt und nutzt.

Ein zentraler Orientierungspunkt sind für Sebastian und Ruben die vier Grundbedürfnisse nach Klaus Grawe. Sie beschreiben diese als:

  • Bindung – Beziehung und Zugehörigkeit
  • Orientierung und Kontrolle – Struktur, Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit
  • Lustgewinn und Lustvermeidung – auch Freude und Spaß bei der Arbeit
  • Selbstwerterhöhung und Selbstwertschutz

Sebastian fasst dies als Grundlage mentaler Gesundheit zusammen. Führung und mentale Gesundheit können miteinander verbunden werden, sodass Führungskraft und Team davon profitieren. Dabei geht es auch darum, die unterschiedlichen Ebenen miteinander zu verbinden: Selbstführung und Fremdführung, Verantwortung und Selbstverantwortung, Nähe und Grenzen, Stärke und Verletzlichkeit.

Eine Führungskraft muss nicht unkaputtbar sein. Sie darf Emotionen haben, darf sich unterstützen lassen und darf auch sagen, dass sie selbst einmal unsicher ist oder eine Situation schwierig findet. Gleichzeitig bleibt sie in ihrer Rolle verantwortlich für Entscheidungen, Orientierung und den Rahmen der Zusammenarbeit. Resiliente Führung bedeutet damit nicht, alle Belastungen von Mitarbeitenden fernzuhalten. Es bedeutet vielmehr, im Gespräch zu bleiben, auf sich selbst zu achten und anderen Menschen Menschlichkeit und Sicherheit zu ermöglichen.


Transkript der Folge 68

Hier finden Sie das vollständige Transkript der Folge:


Alle Folgen finden Sie hier: 

www.rethinking-resilience.com

Titelmusik und Mischung: Lars Deutsch  www.larsdeutsch.net

Design: Katharina Krekeler  www.hejro.de


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2Ruben Langwara ist Wirtschaftspsychologe, Resilienz-Lehrtrainer & -Coach sowie Experte für Emotionen und deren Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Er ist mit der Resilienz-Akademie Göttingen als Projektpartner für emotionale Resilienz tätig. Sein Fachbuch zu diesem Thema „Die Kraft unserer Emotionen“ erschien 2022 im Junfermann-Verlag. Er ist Mitinitiator des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

 


Resilienz Akademie | Resilienz-Podcast „Rethinking Resilience“ – Folge 2

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen