[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Verstanden. Ich lasse den gesprochenen Inhalt unverändert, behalte nur die bereits besprochenen Korrekturen bei und setze nur an sinnvollen Sprecherwechseln bzw. größeren Sinnabschnitten Absätze. Keine unnötigen Leerzeilen mehr.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Herzlich willkommen zu Rethinking Resilience, dein Podcast für Resilienz in Theorie und Praxis, von und mit Sebastian Mauritz und Ruben Langwara. Herzlich willkommen bei Rethinking Resilience. Bei mir mein hochgeschätzter Gesprächsraum-Mitinhaber, Ruben Langwara. Hallo, lieber Ruben.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Hallo, lieber Sebastian. Schön, dich zu sehen.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Wenn wir heute die Folge beendet haben werden, wirst du wissen, was du gegen das Entstehen von First-World-Problems tun kannst und worum wir uns auch kümmern ist, wie man gut die innere Zerrissenheit nach draußen bringt, um wenigstens mit dem Blick auf sie gut und flexibler, elastischer durchs Leben zu gehen. Mir hat jemand gesagt, man muss am Anfang Rucks setzen und das heißt sagen, was man am Ende rauskriegt. Also hört es euch gerne an. Ich würde mich freuen. Wir haben wieder ein, wie ich finde, sehr krasses Thema, weil du hast eben in so einem Nebensatz was gesagt, was mich total bewegt hat und wovor ich Angst habe, was ich bei anderen erlebe. Sag doch bitte diesen Satz nochmal.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Das ist eine Beobachtung und den habe ich auch noch nie so formuliert und ausgesprochen. Es ist jetzt aus einem Gefühl entstanden und der Satz war, irgendwann entscheiden sich Menschen, sich nicht mehr verändern zu wollen. Du kennst ja auch von mir diese Geschichte der gemeinen Seescheide. Die habe ich ja auch schon mal erzählt. Die, die am Anfang ihres Lebens wie so ein Manteltier, so ein schneckenhaftes Wesen nach unten schwimmt im Wasser, sich an einem Stein festsaugt, das eigene Gehirn auffrisst sozusagen und dann für den Rest des Lebens dort bleibt. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen und ich will es nicht pauschalisieren, dennoch ist es sozusagen in der Statistik, der beobachteten Statistik so, dass es Menschen ab einem bestimmten Alter sind. Und auch in der Persönlichkeitspsychologie ist es auch so, dass die Persönlichkeit sich immer mehr stabilisiert über den Lauf des Lebens. Sie verändert sich am Anfang noch. Wir sind ja auch sehr veränderbar, was die Hirnstrukturen angeht und so ab 50 ist es relativ stabil. Und da verändert sich nicht mehr so viel in der Persönlichkeitsstruktur. Nur gefährlich wird es dann, wenn sich Menschen darauf ausruhen. Und das wollte ich damit sagen.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Da habe ich sofort, darüber sprechen wir heute auch, eine Zwickmühle. Weil meine Zwickmühle ist sofort. Ich fahre jetzt, war jetzt im Sommer das 18. Mal im Metaforum Sommercamp. Drei Wochen, zwei Wochen habe ich Seminar genommen, eine Woche habe ich Seminar gegeben. Da warst du auch schon 2024 mit. Wir haben zusammen ein Seminar gegeben und ich fahre dahin, um mich zu entwickeln, um neue Impulse zu kriegen. Und ich habe auch schon für nächstes Jahr gebucht, auch mal neue Sachen. Und ich habe ganz bewusst auch ein paar Sachen neu gemacht, weil ich, und da kommen wir nachher noch zu, mich gerade immer wieder, man würde sagen aus der Komfortzone rausbringe. Aber ich sage momentan eher, ich erhöhe die Menge an Widrigkeiten in meinem Leben, weil ich meinem Gehirn neue Impulse geben möchte. Ich möchte mein Gehirn elastisch halten. Und ich würde erst mal auf den ersten Aspekt, nämlich das Lernen, das Weiterentwickeln, zu sprechen kommen.
Und da bin ich immer wieder, wie soll ich sagen, irritiert oder manchmal auch geschockt, wenn ich so höre, dass Menschen, die auch viel mit anderen Menschen zu tun haben, meistens wenig für sich selber machen. Und eine Frage dann, und bitte liebe Kolleginnen und Kollegen, fragt euch das gerne mal, wenn ihr mit Menschen arbeitet, wann wart ihr das letzte Mal im Coaching? Ihr selber, nicht, wann habt ihr gecoacht, sondern wann wart ihr im Coaching? Wann habt ihr Seminare gemacht, wo ihr dachtet so, das geht jetzt gerade schon auch an so Selbstreflexionsfragen. Mir ist schon klar, wenn man selber für andere Struktur und Stabilität geben muss, dass dann natürlich das Bedürfnis nach Struktur und Stabilität bei einem selber durch natürlich Orientierung und Kontrolle relativ hoch ist. Weil das, was du mit anderen machst, braucht ja eine gute eigene Persönlichkeitsstruktur. Wenn ich auf das eher Feste, das Strukturierte gucke, gleichzeitig ist ja Wachstum, Flexibilität etwas, was ja auch zutiefst menschlich ist.
Ich glaube, Damir del Monte, den habe ich da auch getroffen in Abano, der ist da auch immer eine Woche, gibt da seinen Neurowissenschaften-Kurs. Der hat mal gesagt, in so einem Nebensatz, die Organfunktion des Gehirns ist Lernen. Und eigentlich, wenn ich mich nicht weiterentwickle, dann schneide ich mich ja vom Lernen ab. Und ja, weiß ich nicht. Ich mache nicht mehr das, wofür mein Gehirn eigentlich da ist. Also ich bin da nur noch Gehirnbesitzer, aber nicht mehr Gehirnbenutzer, wie Vera F. Birkenbihl immer so schön gesagt hat.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, da bin ich total bei dir. Und für mich hat das auch vor allen Dingen in unserer Bubble, in der wir unterwegs sind, so in der Beobachtung auch immer wieder viel mit Ego zu tun. Ich kann das ja schon. Und dann auch die Rückmeldungen aus dem Seminar zu bekommen. Ich finde es aus der Trainersicht immer wieder total spannend. Und da bin ich auch sehr ambivalent, was einige Dinge angeht. Also was ich als Trainer und Lehrtrainer auch, also der andere Trainer ausbildet, bin ich wahrscheinlich der Einzige, der es anstrengend ist, unfreiwillig Co-Trainer zu haben im Seminar. Also Menschen, die dann auch immer wieder denken, so hey, so sollte man das machen. Und so ist es anders. Und jung, ich zeige dir das dann mal. Das ist ja auch in meinem Alter, der noch ein bisschen sozusagen jüngerer Trainer bin, obwohl ich das jetzt seit zehn Jahren mache, manchmal dann die Einladung anscheinend bei den Menschen, dass sie dann sagen, hey ja, komm, so und so und so und so und so. Ja, ist ja auch total spannend.
Und ich muss mich dann natürlich auch fragen, bis zu welchem Grad nehme ich das denn jetzt gerade an, was da von außen ankommt? Ich habe da für mich so ein Bild, der ich grenze, die ich dann entweder ziehe oder öffne, wo ich Dinge annehme oder entsprechend auch nicht annehme. Und das ist halt für mich eine Entscheidung. Und das hat für mich ganz viel mit diesem Konzept der Self-Concept-Clarity zu tun, also Selbstkonzept klar. Das ist ein wunderschönes psychologisches Konstrukt, wo es darum geht, dass ich in mir stabil und klar und ich kenne mich und meine Werte und meine Persönlichkeitsstruktur und auch meine Ziele und die Person, die ich sein möchte. Und ich möchte kongruent dazu dann auch entsprechend leben. Darauf folgend gibt es auch das Konzept der Self-Concept-Continuity, wo ich über die Zeit hinweg eine Verbindung habe zu meinem vergangenen Selbst, meinem jetzigen Selbst, aber auch entsprechend zu meinem zukünftigen Selbst. Also wenn es dann um das zukünftige Selbst dann auch geht, wo möchte ich mich beispielsweise dann auch hinentwickeln?
Und für mich ist es immer wieder spannend gewesen, wie es ganz am Anfang meiner Trainerkarriere war. Das konnte ich total beobachten. Ich war total feinfühlig für alle möglichen Reaktionen, die aus dem Publikum waren. Das ist auch wirklich zu viel gewesen, wo ich dann gestoppt habe und dann irgendwelche Einwandssignale dann aufgenommen habe und mit reingeholt habe und dann sich Diskussionen geöffnet haben, die eigentlich dann gerade den Fluss des Trainings gestört haben. Aber ich dachte, hey, ich muss jetzt People-Pleasing machen. Ich muss jetzt hier irgendwie so schauen, dass wirklich auch diese einzelne Person jetzt gerade im Raum dann gut sein kann. Die Absicht ist eine gute. Es ist nur entsprechend für den Prozess und das Gesamte dann manchmal nicht so gut, das dann auch so fortzufahren und zu machen.
Und deswegen dann auch für die Zukunft oder jetzt schaue ich viel eher darauf, was hilft dem Prozess? Was hilft dem Übergeordneten, was jetzt hier drin ist? Also nicht nur der Agenda, die ich habe, die ich am Anfang des Trainings vorgestellt habe, sondern halt auch, was ist so die Grundessenz von dem, was wir jetzt machen wollen? Beispielsweise bei emotionaler Resilienz, dass Menschen rausgehen und ein ganz neues Verständnis über Emotionen haben und Emotionen so nützen können, dass sie für und nicht gegen sie dann auch arbeiten. Und es hat ganz viel mit Ambivalenzen dann auch für mich zu tun, was diese Ich-Grenze angeht, um diesen Bogen mal zu schließen.
Wann öffne ich und wann schließe ich dann auch? Und die Entscheidung, die ich da habe oder die Heuristik, die ich im Kopf habe, ist, passt es zu meinem Vergangenen, meinem Gegenwärtigen und meinem Zukunftigen Ich, die Rückmeldung, die ich gerade bekommen habe? Und ist sie dafür dann auch konstruktiv, sodass ich darauf aufbauen kann und damit ich mich besser zu der Person entwickeln kann, die ich denn sein möchte? Die Gefahr, die dahinter steckt, ist, dass es ja meine, dass es ja meins ist und dass ich dann weiterhin in meiner Suppe bade. Das finde ich dann auch immer wieder spannend, für mich herauszufinden, wie viel nehme ich denn von außen und wie viel bleibe ich da bei mir? Ich finde die Oszillation da so wichtig.
Also das mal zu öffnen, mal zu gucken, was da kommt und mal wirklich dann darüber nachzudenken. Diese blinden Flecken innerhalb des Johari, dafür ist ja das Feedback innerhalb des Johari-Fensters, dass blinde Flecken offenlegen, bin ich super dankbar immer wieder für. Und gleichzeitig gibt es Dinge, wo ich weiß, okay, das Feedback ist jetzt selbst Biografie der Person. Das hat viel mehr mit der anderen Person zu tun als mit mir und deswegen muss ich das jetzt gerade nicht annehmen. Nur ich finde es dann wirklich gefährlich, wenn Menschen dann sagen, ich kenne mich, ich bin gut und bleib so und passt. Und ich habe die Beobachtung, je älter man wird, desto höher besteht die Gefahr, dass das der Fall ist. Ich weiß nicht, wie deine Beobachtung da ist.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Naja, also wir haben ja nicht umsonst den Bestätigungsfehler, dass wir, sag ich mal, mit unserem mentalen Immunsystem erst mal Dinge einfach ablehnen oder abstoßen oder wie auch immer, die nicht zu uns gehören, so auf einer Ebene. Und gleichzeitig behindert das manchmal Lernen, behindert das manchmal Entwicklung. Und ich glaube, es braucht eine Form von Praxis, von Reflexionspraxis. Deswegen ist ja auch Selbstreflexion, je nachdem, welche Bücher man dann liest und so weiter oder auch Studien sich anguckt, ein wesentlicher Teil natürlich von Resilienz, aber auch ein wesentlicher Teil von Führung und so weiter. Ich finde das mal irgendwie rührend, dann zu lesen, so ja, also jetzt, jetzt mal Selbstreflexion, wo ich denke, ja, also wie denn sonst? Also meine Güte, aber ist in Ordnung.
Das, was mir dabei auffällt, ist die Frage, wie ich reflektiere. Weil auch da gibt es ja nicht, ich reflektiere mich oder nicht oder ich reagiere oder nicht, sondern das sind ja Spektren. Und wenn ich dir so zuhöre und das, ich habe ja das auch schon miterleben dürfen, wie du Seminare gibst und mit großer Freude wirklich dir da gelauscht, weil dieses Scientific Storytelling und die Beispiele und die Struktur und so, das macht total Spaß. Und ich habe mich tatsächlich damals auch gefragt, muss ich jetzt auf jedes irgendwie Mundwinkel zucken oder jede Augenbrauen oder was auch immer reagieren? Also auch da macht ja die Dosis die Wirkung. Das heißt, wenn ich so in die Runde gucke und da haben wir auch, das ist der nächste sozusagen Bias, die nächste Verzerrung, Negativity Bias. Das heißt Negativitätsverzerrung. Wir gucken wahrscheinlich eher oder ich sehe auch in einem Vortrag eher die Menschen, die mit dem Kopf schütteln oder die den Mundwinkel einpressen, so skeptisch sind oder mich auch blöd finden oder was. Und das ist okay, weil das ist ja nur der erste Schritt.
Die Frage ist ja, wie bewerte ich das? Und ich habe mittlerweile eine Haltung entwickelt für mich, dass ich sage, okay, ich biete was an, also zutiefst systemisch und schau mal, was es macht. Und auch im Sinne des radikalen Konstruktivismus. Du kannst mich gar nicht doof finden, sondern du findest höchstens mein Bild von mir in deinem Erleben findest du doof. Was? Das hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Das heißt natürlich nicht, dass man sich jetzt wie die Axt im Wald benimmt. Ja, sondern es muss ja anschlussfähig sein. Wenn ich durch die Stadt gehe und remple, dauert Leute an und sage Ja, das ist nur in deinem Kopf. Ja, oder ich beleidige einen nach dem anderen sage Ja, was das mit dir macht, das ist deins. Also Anschlussfähigkeit ist da schon ein wichtiges Thema, weil so die ganzen Klugmenschen da gerne das auch mal so als Pauschal Entschuldigung nehmen. Gleichzeitig denke ich mir Naja, also wie andere auf mich reagieren, das sind ja eigentlich wertvolle Hinweise.
Und natürlich brauche ich da irgendwie eine innere Typologie. Ich frage mich immer Okay, wofür? Wofür macht das jemand gerade? Und da hilft mir so eine Überzeugung, die ich in den letzten Jahren mehr und mehr für mich auch trainiert und entwickelt habe. Eigentlich wollen Menschen geliebt werden. Also das ist so anschlussfähig. Wertschätzung, Würdigung, das ist so das. Und manche Menschen haben eine echt komische Art, das zu zeigen. Und je komischer sozusagen die bisherigen Lösungserfolge waren oder auch je erfolgloser bestimmte Lösungsversuche waren, desto absurder ist manchmal ein Verhalten. So das heißt, das muss man balancieren. Und das bringt mich wieder zurück zur Ausgangsfrage. Wie entwickle ich mich weiter?
Weil je besser ich mich kenne und ich glaube, viele Leute kennen auch nur einen Bruchteil dessen, was sie ausmacht. Und auch da ist die Auseinandersetzung mit sich selber ja das, was Demut fördert. Demut im Umgang mit der eigenen Endlichkeit, Demut mit den eigenen Reaktionen. Und ich hatte das hier vorhin, mein Shure-Mikrofon angeschlossen und neu gestartet. Und ach, das ist, wenn Dinge nicht klappen, da werde ich zur wilden Sau. Also das geht mir so auf die Nerven. Blockiertes Zielärger. Dann habe ich heute Morgen Nachrichten geguckt, war auch ein Fehler, weil ich da von etwas, ich wiederhole es nicht, was gesehen habe, was maximal in meinem Leben ungerecht ist, was auch noch mit Steuergeldern finanziert wird. Und ich auch nur dachte, boah.
Und was ich aber sofort in der Zweitreaktion mir klar gemacht habe, ist, Mauritz, ich spreche da immer mich im Nachnamen an, weil das schafft eine förmliche Atmosphäre, hat gesagt, Mauritz, das ist Ärger. Ärger hat drei Trigger. Wertverletzung, Zielhindernis und Ungerechtigkeit. Heute Morgen war es Ungerechtigkeit. Das heißt, der Ärger, den ich verspürt habe, der war okay. Ich habe den verstanden. Und dann habe ich mich sofort gefragt, wenn ich das als ungerecht erlebe, wie kann ich heute zu Gerechtigkeit beitragen? Das ist mein Handlungsfähiges. Weil natürlich kann ich mich über diesen Mist da aufregen. Und ich bin da jetzt auch nicht so verklärt, dass ich sage, ach, es ist alles toll und ja, nee, man muss da auch Verständnis haben. Nee, ich habe auch für manche Sachen kein Verständnis. Und ich würde auch, wenn ich gefragt werde, immer wieder sagen, nee, das finde ich nicht okay, das ist nicht klug. Ich höre deine Argumente, die sind, die erlebe ich aber als sehr konstruiert und sehr hergeleitet. Das ist ja dann immer, wird dann ja schnell irgendwie sowas konstruiert, wo du dann nicht richtig was gegen sagen kannst. Da lass mir meine Meinung nicht nehmen. Ich kanalysiere nur den Ärger in aktives Handeln, wo ich für meine Ziele, was du ja auch gerade gesagt hast, einen Beitrag leisten kann.
Und das andere eben war blockiertes Ziel. Ich wollte mit dir diesen Podcast aufnehmen, dachte dann aber im Nachhinein gerade auch schon, gut, dass das nicht geklappt hat, weil es wurde mir eine meiner Arbeitsstile, die ich noch pflege, wurde mir sehr schmerzlich bekannt, weil ich den Computer neu gestartet habe. Und ich werde jetzt hier grundlegend nochmal ein paar Sachen am Setup ändern und denke mir so, ja, das war wertvoll jetzt, dass es passiert ist. Das fühlt sich in dem Moment nicht so an. In dem Moment ziehe ich nur das flammende Schwert und flure hier vor mich hin. Aber sage ich mal, wissenschaftlich korrekt, malediktologisch sozusagen. Ich bin dann immer sehr erstaunt, was für Schimpfwörter ich kenne und denke so, wow, dass man das kombinieren kann. Aber im Deutschen kannst du halt sehr viele Nomen kombinieren. Und ich fand das vorhin, also ich hatte ja das Mikro aus, aber es war echt, war so episch. Ich gucke dann, wie viele ich sinnvoll kombinieren kann. Manche Schimpfwörter verdopple ich dann. Im Sinne unseres FSK-Ratings wiederhole ich das aber nicht. Ich war aber da schon fasziniert von dir.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, da sehen wir ja wieder, wie Ärger uns dabei hilft, uns selber zu reflektieren. Im Sinne von, hey, was ist mir gerade wichtig? Was kann ich ändern? Und das dann auch umzusetzen. Das ist ja eine schöne Selbstreflektionspraxis. Ich hatte vorhin über das Thema blinde Flecken aufweisen, Feedbacks gesprochen. Darf ich dich mal was zu dir fragen?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Endlich mal.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ganz persönlich.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Da müssen über 65 Folgen vergehen. Endlich frag ich.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, genau, genau. Jetzt haben wir doch genug über mich geredet. Reden wir doch mal über dich. Wie findest du mich eigentlich? Genau. Gut. Reicht das jetzt? Ja, genau. Ja, das ist genau jetzt.
Und zwar, wenn es darum geht, dir Feedback zu geben und auch übrigens für alle Hörerinnen und Hörer. Wir kriegen manchmal Feedback. Und wir kriegen manchmal Rückmeldungen. Und das finden wir auch gut, dass wir Rückmeldungen bekommen. Mit manchen können wir ganz viel anfangen. Mit anderen Dingen können wir weniger anfangen. Und deswegen mal die ganz kurze Frage. Wie sollte denn aus deiner Sicht dann auch ein gutes Feedback aussehen, dass es einen blinden Fleck erkennbar macht, wo du wirklich danach sagst. Ja, krass. Ja, stimmt. Da muss ich mal drüber nachdenken. Hast du da irgendwie für dich eine innere Struktur, wie das aussehen soll?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, und zwar nicht als Feedback, weil natürlich. Also ich habe da zwei Hypothesen. Die eine Hypothese ist Menschen wissen immer auf irgendeiner Ebene schon, wenn sie was gemacht haben, dass das nicht so optimal war. Ich glaube, das muss man Leuten nicht nochmal erklären. Entweder ist es sehr vergraben im Unbewussten, aber irgendwie die Bewahrungstendenzen von Menschen, die greifen dann und dann reagiert das mentale Immunsystem mit Abstoßungsreaktionen. Und im Endeffekt, ja, zementierst du damit, ein Status quo ja einfach nur noch mehr.
Das mal so vorweg. Ich glaube, ich kann am besten und wir geben uns ja relativ viel Feedback auch klar. Ich kann am besten damit umgehen, wenn es als Frage formuliert wird, sowas wie Sag mal, ist ja schon mal das und das aufgefallen in der Art, wie du Dinge machst. Und entweder sage ich, nee, sag mal, okay, spannend. Und und jetzt. Und dann glaube ich, als Zwischenschritt braucht es die Zwickmühle, zu der wir auch gleich kommen, dass man sagt, in Bezug auf das habe ich eine Zwickmühle.
Das kann eine Klarheitszwickmühle sein, eine Beziehungszwickmühle. Das kann aber auch eine Spaßzwickmühle oder eine Selbstwertzwickmühle sein, also anhand der Grundbedürfnisse. Eine Klarheitszwickmühle wäre, dass man sagt, pass auf, ich habe das und das jetzt so bemerkt, ist ja schon mal aufgefallen. Nehmen wir mal, weiß ich nicht. Also ich bin manchmal ein, zwei Minuten. Das ist auch was, was ich mir jetzt vorgenommen habe, mal ein, zwei Minuten, mal fünf Minuten zu spät in einem Zoom-Meeting. Und das ist meistens einer Zwickmühle vorher geschuldet, dass ich in der Regel mehr zu tun habe, als ich Zeit habe. Und von den Prioritäten her dann sage ich, ja, das kannst du ja noch mal schnell machen. Dann greift aber mein Wert Professionalität, mein Antreiber Perfektionismus und so weiter. Dann brauche ich dafür mehr Zeit, als ich eigentlich möchte. Dann komme ich ein, zwei Minuten zu spät. Da kann bei dir und wird garantiert bei dir ab und zu mal die Zwickmühle entstehen.
Im Sinne von, und das kenne ich von Leuten, die halt sehr, sehr pünktlich orientiert sind. Also was bedeutet jetzt das? Was bedeuten die ein, zwei Minuten? Und ich selber habe das auch, wenn ich mit Unternehmen zu tun habe und ich bin zwei oder eine Minute vorher drin im Call und die kommen so ein, zwei Minuten danach. Und dann kommt keine Rahmung, also keine Erklärung, warum das jetzt so ist. Das kann ja eine kurze Entschuldigung sein, sagen, hey, sorry, Termin vorher hat noch gedauert. Und dann wäre das Ding ja durch. Und natürlich können dann Zwickmühlen entstehen, dass du sagst Mensch, freut mich, dich zu sehen. Und meine Zwickmühle ist. Eine Seite von mir fragt sich gerade, bin ich das nicht wert? Selbstwert? Eine Seite fragt sich gerade, du macht mir gerade keinen Spaß. Wie sage ich es dir? Lustgewinn. Eine Seite fragt sich, hatten wir jetzt zwölf Uhr eins oder zwölf Uhr zwei im Termin? Ich dachte, wir wären bei zwölf. Eine Struktur Zwickmühle, Orientierung. Oder eine Bindungs Zwickmühle. Eine Seite von mir fragt sich gerade, ist das hier so ein kollegiales Ding oder so ein Machtding, so ein Überstellungsding, so nach dem Motto, ich kann einen Tuck später kommen, weil ich einfach, weil ich weiß, du verlässt mich nicht oder was auch immer.
Und ich glaube, wenn du sagst, du bist zu spät, das weiß ich selber. Und das ist auch natürlich die permanente Wert Zwickmühle, die ich in mir trage, dass ich bei bestimmten Situationen immer mal wieder meinen Werten hinterherlaufe. Und das fällt mir natürlich dann danach auf. Mir, ich glaube vielen anderen auch. Die Frage ist, wie geht man, wie gehe ich dann damit um? Und bei diesen internen Werte Zwickmühlen und so weiter, da sprechen wir gleich nochmal drüber. Du hast ja nach Feedback gefragt. Und ich glaube, so dieses einmal ist kein Mal, zweimal ist eine Wiederholung, ab dreimal entstehen Muster. Wenn das ein Muster wird, dann muss man einfach fragen oder dann kann man halt darauf reagieren.
Interessanterweise fällt es mir dann auf, wenn ich pünktlich bin und du bist ein, zwei Minuten, über der Zeit denke ich so, jetzt ist es zu spät. Und da muss ich aber über mich grinsen, weil ich dann so denke, naja, du ja auch. Also das ist eher hochspannend. Und ich glaube, und das wäre nach der Zwickmühle dann der zweite Schritt. Also wir hatten sozusagen es als Frage, die Zwickmühle als Brücke. Dann dieses Mensch in Zukunft, Feed Forward, zukunftsgerichtet. Du um in Zukunft, Punkt, Punkt, Punkt. Was brauchst du da von mir? Können wir uns darauf einigen? Weil mir das wichtig wäre. Weil Zukunft hat immer einen Gestaltungsraum. Zukunft hat einen Raum der Möglichkeiten, der idealerweise zum Raum der Wirklichkeiten wird. Und Vergangenheit ist vergangen, Haken hinter.
Deswegen halte ich auch nichts davon, so diese Frage zu stellen, warum heißt denn das gemerkt? Ja, es wird ein guter Grund für die Person in der Situation da gewesen sein. Und vielleicht hat die Person das nicht klar. Und dann hast du ja so Schamthematiken. Dann hast du Stressthematiken. Dann muss sich jemand rechtfertigen. Du kriegst darauf ja nie eine gute Antwort. Du kannst fragen Mensch, wie ist es denn dazu gekommen? Und dann würde ich es erzählen, sagen Aha, interessant. Hast du dich mal gefragt, wie das auf mich wirkt? Und dann würde ich wahrscheinlich sagen, ja, ich hoffe nicht zu schlecht. Und ich hoffe, ich kann mit meinem Witz und mit meinem guten Aussehen das immer irgendwie wieder gut machen. Hast du aber eine Zwickmühle. Ich habe übrigens auch eine Zwickmühle. Dann schaffen wir darüber Gleichheit und einigen uns auf was in der Zukunft. Feedforward. Das wäre so mein Weg. Jetzt ein bisschen länger, aber jetzt, wo wir uns endlich mal mit meinen Limitationen beschäftigen, derer es noch viele zu entdecken gibt. Ja, und wie immer offen und ehrlich. Und das ist genau so.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ich danke dir sehr. Und meine Intention war natürlich und das auch als Tipp für alle Menschen, mal mit sich mit Menschen zu unterhalten, mit denen man viel zusammenarbeitet. Ich arbeite viel und gerne mit dir zusammen. Und wir geben uns aneinander Feedback. Und das ist natürlich immer ein Learning. Ich kenne deine wichtigen Werte, die du hast. Und ich lerne auch immer wieder kennen, wie ich die in unserer Zusammenarbeit gut ausleben kann, um sie dann auch entsprechend zu erfüllen. Dann kriege ich immer wertvolles Feedback auch von dir. Und ich habe ja vorhin über diese Ich-Grenze gesprochen.
Und darum ging genau diese Frage. Also was für ein Feedback lässt gut deine Ich-Grenze sozusagen öffnen, sodass du es dann gut annehmen kannst, andocken kannst. Und das ist ja ein konstruktives Feedback für einen Aufbau beziehungsweise Feedforward, wie du es genannt hast. Also im Sinne von, was kann in Zukunft da anders sein und für eine Verbesserung im Sinne von gemeinsamen Zielen gut sein. Und das Gleiche kannst du dann auch für positives Feedback aber machen. Weil das ist ja auch manchmal so der Fall, dass Menschen ihre Ich-Grenze verschließen, wenn es um positive Dinge geht. Weil ihr eigenes Selbstbild es nicht zulässt, dieses positive Feedback zuzulassen oder anzunehmen. Und deswegen mal diese Person dann auch zu fragen, wie kannst du das gut annehmen? Wie darf ich es denn formulieren, dass es bei dir dann auch ankommt? Oder in welche Richtung darf es denn gehen, damit das bei dir gut ankommt?
Und das finde ich halt immer wieder wichtig und spannend zu sehen, wenn es um die eigene Entwicklung geht und die Entwicklung des Selbst geht und die Selbstreflektion dann auch geht. Mal bei sich zu beobachten, was dockt an und was dockt nicht an und was darf vielleicht auch nicht andocken, weil ich bestimmte Glaubensstrukturen über mich selber habe, die es nicht zulassen, dass ich das jetzt gerade annehme, auch wenn es und gerade wenn es etwas Positives ist, auch in der Beobachtung als Führungskraft. Ich gebe ein positives Feedback. Eigentlich ist mein Wunschsignal, dass diese Person jetzt gerade erwächst, sich freut und Freudesignale und Stolzsignale und so weiter zeigt. Stattdessen schrumpft die Person körperlich in sich zusammen und zeigt eher Schamverlegenheitssignale und so weiter. Dann siehst du, das ist nicht angekommen. Das dockt nicht am Selbstkonzept an. Da ist eine Grenze irgendwo davor.
Und da finde ich es immer wieder spannend, je nachdem, was für einen Rapport ich mit dieser Person habe, herauszufinden, gemeinsam mit dieser Person, was braucht es denn, damit die Person das gut annehmen kann, weil ich der Überzeugung bin, dass die Person auch dieses Positive in ihr Selbstkonzept aufnehmen darf, weil ich und andere das auch sehen, auch im Sinne eines positiven Muster, ein Muster des Gelingens, was da auch dahinter ist. Und das finde ich da auch immer wieder spannend. Nur da entstehen auch Zwickmühlen. Und da wollen wir heute tiefer reingehen in diese Thematiken der Ambivalenzen und Zwickmühlen. Außer, Maui, du willst jetzt noch mal hierzu was sagen, was ich jetzt gerade geteilt habe.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Also einfach noch so zwei, drei Erkenntnisse. Und ich habe gerade von Michael Easter das Buch gehört, The Comfort Crisis, und habe über genau diese Rückmeldungen, die kann man ja auch, wie soll ich sagen, wahrscheinlicher machen. Also ich würde mal sagen, wahrscheinlicher machen. Und ein Weg, wie ich das mache, ist halt, in Abano bestimmte Seminare zu buchen, wo natürlich auch ein inhaltlicher Teil drin ist, wo aber auch bestimmte Selbsterfahrungsaspekte drin sind.
Und ich hatte jetzt im Sommer auch wieder ein Seminar, wo wir verschiedene Themen, auch eigene Themen, uns angeguckt haben und habe in einem Seminar nur gemerkt, das war bei Dr. Hans Hein, wo ich so gemerkt habe, boah, der war sehr flexibel mit seinem Ja und dann so und dann so. Und dann war das ohnehin eine sehr stressige Zeit, weil ich da jemanden noch gerade durch eine Krise begleitet habe. Das heißt, ich war auch nicht so voll in meiner Kraft. Und dann waren da auch noch irgendwie so hin und her. Und dann hatte ich aber einen Call für die Pause und dann war das mit der Pause unklar. Und also für mich Katastrophe, weil nicht achtsam, nicht wertschätzend, nicht professionell. Und da war ich richtig sauer, aber richtig, aber richtig sauer. Und na ja, Hans als sehr kluger Seminarleiter, ist ja auch Arzt und einfach ein ganz toller Trainer, der hat das damit geschnitten, boah, und ich hatte keinen Bock auf den. Und das fand ich so ätzend. Dann habe ich da irgendwie dann da vorbeigegangen, habe ihn da nicht angeguckt. Denke so, boah, du gehst mir so auf die Nerven gerade.
Ja, und er hat das eigentlich einzig richtige gemacht. Er hat es angesprochen, hat gesagt Mensch, guck mal her, was ist denn los vor der ganzen Gruppe? Wir waren 28 Leute. Und dann hat er dieses Thema für mich aufgestellt. Alter Schwede, alter Schwede, das war so krass. Und also mal davon ab, dass und ich habe gesagt, nee, such du die Repräsentanten aus. Ich kann das hier nicht. Ich bin so, ich war so in meiner Wut und Trauer und hin und her. Dann hat er da ein Thema aufgestellt aus so unserer, aus dem Großraum unserer Familiengeschichte. Ey, die eine Repräsentantin sah aus wie meine Oma, die andere, die anderen beiden wie meine Tanten, dann die wie meine Mutter. Meine Oma hieß auch noch so wie, also die hieß auch noch so wie meine Oma und meine Mutter in den, ey, absolut abgefahren. Und dann sprach er dann irgendwie, dann haben wir das so integriert und so weiter. Und auch von den Repräsentanten erinnert mich sehr an auch die Lebenspartner meiner Mutter. Und boah, ey, ich sagte ja, da ging es richtig ab.
Und dann hat er zum Ende noch gesagt, ja, komm mal hier hin und so. Dann wurde mir total kalt. Und dann hat er noch von einer bestimmten Farbe gesprochen und das war die Lieblingsfarbe meines Vaters. Dann, ja, sagt er, ja, diese Farbe ist hier gerade und so und ich kann damit was anfangen. Und ich denke so, krass. Und dann war, also es war einfach total, ich war danach fertig erst mal so, weil das ein sehr intensives Thema war, was hinter dem Ärger hing. Und dann dachte ich wieder nur so, das war wieder echt weit aus meiner Komfortzone. Und wie gut, dass ich es mir angeguckt habe, wie gut, dass ich dahin geschaut habe. Kann ich dir heute sagen, was anders ist? Nicht so richtig. Weiß ich, dass was anders ist? Definitiv.
Und jetzt die Brücke zu Michael Easter mit der Comfort Crisis. Der sagt halt, wenn wir uns immer wieder in Situationen begeben, wo wir außerhalb unserer Komfortzone sind, dann ist das eine First World Problem Prevention, Prävention von dem Erzeugen unseres Gehirns von Erste-Welt-Problemen. Erste-Welt-Probleme entstehen dann, wenn ich nicht genug Themen habe, die mein Gehirn fordern. Nicht genug im Sinne von Problemen, sondern halt Situationen, wo wir also in gesunder Weise an Grenzen kommen und darüber hinausgehen. Und das dachte ich so, boah krass, es ist wieder im Sommer hier so, dass ich Wachstum für mich gewünscht habe und wieder wachse ich.
Und in der letzten Woche hatte ich dann auch ganz bewusst, die habe ich schon erzählt, es gibt davon noch Videos, die bleiben aber noch momentan bei mir. Ich habe noch nie Karaoke gesungen, noch nie. Und ich denke so, ja mein Gott, Karaoke, also ich singe viel im Auto, wenn ich so alleine zu Seminaren fahre oder zu Vorträgen. Ach, und kennst ja, bist ja auch so ein kleiner Pavarotti wahrscheinlich, ich auch. Also die Selbsteinschätzung differiert da sehr stark von anderen Fremdeinschätzungen. Aber meinen internen Pavarotti-Status, den habe ich so. Boah, dann gehe ich auf die Bühne und ich hatte mir YMCA ausgesucht, weil ich so dachte, ja, also textlich und so.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und Pavarotti aber.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Genau, also als Pavarotti YMCA, genau. Es entbehrte nicht einer gewissen Komik. Und vorher waren also von richtig gut bis, ja, so stelle ich mir Karaoke vor, war alles mit dabei, also wirklich hochprofessionell und richtig cool und so. Und dann war ich auf der Bühne, nehme mir dieses Mikro und war so im Maximalstress. Mein Körper hat gezittert. Ich habe nur noch, also ich habe gar nicht mehr in die Lunge geatmet, ich habe nur noch so, wahrscheinlich so bis unterkante Hals geatmet. Meine Hand zitterte. Ich war völlig, ey, dann habe ich den Text, dachte so nach der zweiten Strophe, ey, das hältst du nicht durch. Du musst abbrechen, du, das geht nicht mehr. Und da habe ich gesagt, komm, reiß dich zusammen, da ist schon anderes. So, ne?
Und das war für mich ein Moment, der war wieder so, also der hat mich so demütig gemacht, aber hat mir wieder einen Bereich gezeigt, wo ich denke, krass, so fühlt sich ganz Bereich an. Und ich denke über diesen Moment immer noch nach, weil ich habe meinen Körper also seit Jahrzehnten nicht so erlebt. Und die Bühne ist ja immer irgendwie auch das Vergrößerungsglas für den Selbstwert. Das hat jetzt auch nicht geholfen, dass da vor der Bühne so knapp 100 Leute gesessen haben, dass die auch den Text gesehen haben. Also die sehen jeden Fehler, wenn man Fehlerfokus hat, auch eine echt clevere Idee. Hinten saß noch Gunther und noch andere Trainerkollegen. So, und ich denke so, krass, krass, krass. Mein Kurs war unten, die haben angefeuert.
Aber da muss ich ehrlich sagen, das ist etwas, wo ich danach gemerkt habe, außerhalb der Komfortzone kein Thema. Also ich habe das unmittelbar gemerkt, weil ich war dann in Venedig noch ein bisschen zur Integration, war noch da auf der Biennale und ich habe mich so befreit gefühlt, habe mich so locker gefühlt. Also irgendwie war es anders danach. Und ich glaube, wir müssen uns mehr diese Momente des, ja wie soll ich sagen, des, ja wie sagt man, dieses Unwohlseins, des dosierten Unwohlseins, des dosierten dosiert, gesund dosiert, in einem sicheren Rahmen, aber halt echt mal, dass es unangenehm ist. Ja, Gun.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, Jordan Peterson, Dr. Jordan Peterson, der kanadische Psychologe, der sehr in den Medien auch in den USA ist, hat mal, das finde ich, einen ganz guten Satz gesagt. Lernen tun wir, indem wir gefährliche Dinge vorsichtig tun. Und das ist auch hier, finde ich, total spannend, weil irgendwo war es gefährlich, vielleicht potenziell für deinen Selbstwert. Aber du hast es auf eine Art und Weise gemacht, die, wo du dich halt reingetastet hast, spielerisch vielleicht ausprobiert hast und dann dadurch wiederum gewachsen bist. Und wahrscheinlich macht dein Gehirn das nächste Mal andere Vorhersagen, wenn du auf die Bühne trittst und Karaoke singst. Vielleicht wählst du auch ein anderes Lied. Ich weiß es nicht.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ich habe es danach noch mal im Auto gesungen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, geil.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Und es hat total gut funktioniert. Und es war auch die Atmung. Und dann dachte ich so, okay, State. State is everything. Der Zustand macht den Unterschied. Und dann war ich total happy, weil meine, unsere Lehre über Resilienz ja sehr vom momentanen Zustand abhängt. Also, Stichwort auch State Dependent Memory, Zustandsabhängige Gedächtnisleistung mit den Vorhersagen, mit dem Zugriff auf Potenziale und so weiter.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, und so bist du dann gewachsen mit ganz vielen Zwickmühlen in dir. Du hast am Anfang eine Hook genannt. Die müssen wir erfüllen. Wenn wir eine Hook machen, dann müssen wir die erfüllen. Jetzt hast du schon die First World Problems dann in dem Sinne angesprochen, von Michael Easter diese Thematik. Und deswegen, wie lösen wir das ganze Thema der Ambivalenz, der First World Problems und so weiter?
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Das, was mich vor Jahren, das war tatsächlich auch im Metaforum bei Gunther Schmidt, war ich maximal irritiert, weil er hat die ganze Zeit von Zwickmühlen und Auswirkungen gesprochen. Und wenn Gunther was bahnt, dann macht er nicht sagen, ja, es gibt Zwickmühlen und das hat Auswirkungen, sondern du hast circa 50-mal Zwickmühlen und 100-mal Auswirkungen. Und immer schön analog markiert mit Auswirkungen, Auswirkungen. Ach, da hättest du eine G-Stick dazu, genau. Genau, die Auswirkungen.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Wie Bibi Blocksberg Hex Hex macht ihr auch immer so.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, ja, ja. Also total. Und ich hab das am Anfang, boah, ich fand das so komisch und dachte so, boah, ich bin maximal irritiert. Das ist übrigens auch ein Satz von Tom Andreas, der mich mein Leben lang seitdem begleitet. Der hat mal gesagt, Irritationen sind Momente neuen Lernens. Und früher dachte ich immer, ach Gott, das irritiert mich, hab ich keinen Bock drauf. Danach dachte ich, ah, das irritiert mich, hier kann ich was lernen. Also, Bewertungsstil verändert.
Und Gunther sagte dann auch, und er ist ja ein Meister der Hypnotherapie und Hypnosystemik, der hat dann immer gesagt, ah, hab ich eine Zwickmühle. Und dann immer so im Singen sagen, einerseits, andererseits. Und das hat Auswirkungen. Und wenn du das oft genug hörst, dann bleibt es halt drin und dann hast du auch so einen internen Fokus. Und ich bin ihm auch da total für dankbar, weil das war natürlich was, was mir ein unbewusstes Muster bewusst gemacht hat.
Und die Frage war ja gerade, was machen wir jetzt mit Zwickmühlen? Ich glaube, alleine anzuerkennen, dass wir mehrere Seiten in uns haben, also Gunther nennt das Seiten, Seitenmodell. Man kann dazu auch, ja, Persönlichkeiten, Identitäten, was auch immer sagen. Ich finde Seiten für mich am anschlussfähigsten, weil Persönlichkeiten und Identitäten auch immer so eine psychologische Färbung halt haben und Definitionen halt haben. Teile, Anteile ist mir zu klein. Seite ist schon ganz gut so. Kann auch sagen, Ego-States oder Hüte auf oder Brillen oder keine Ahnung. Also auf jeden Fall haben wir mehrere Strebungen in uns.
Und das hat er als Zwickmühle beschrieben. Zwickmühle beim Mühlespiel ist ja eine Situation, wo du über das Hin und Herziehen immer wieder dem Gegenüber einen Stahl wegnehmen kannst. Also eine sehr komfortable Lage, komfortable Situation. Und da wurde ich letztens im Seminar angesprochen, Herr Mauritz, wissen Sie nicht, was eine Zwickmühle ist? Das fand ich schon sehr wertschätzend von der Person, dass sie das so formuliert hat. Im Sinne von, hey, ich habe eine Irritation, dass Sie ein Wort Zwickmühle für etwas benutzen, was ich momentan noch als nicht funktional erlebe. Aber man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen. Mauritz ist blöd. Er weiß nicht, was die Zwickmühle heißt. Ich hoffe, der Kunde hört das jetzt nicht, weil wir haben danach diskutiert. Er sagte, Sie können das noch so schön reden. Eine Zwickmühle ist was Gutes. Unser innerer Konflikt ist ein Problem. Ja, man muss auch mal die Welt klar in Gut und Schlecht teilen. Standpunkt Wahrungskompetenzen leben.
Naja, und die Zwickmühle an sich, die ist nun etwas, was, wenn ich sie überhaupt erst mal bemerke, also wenn ich die innere Oszillation zwischen zwei, drei, vier, fünf oder mehreren Zuständen bemerke, allein das ist schon für mich der erste Schritt. Und deswegen mal an dich die Frage, Ruben. Ich frage Menschen immer gerne, was sind denn deine Lieblingszwickmühlen? So im Beruf oder auch privat oder Beruf und privat. Was hast du so für Lieblingszwickmühlen?
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ja, meine größte und Lieblingszwickmühle ist die zwischen Familie und Papa und Selbstständigen, also Unternehmer. Das ist so die größte Zwickmühle, die ich dann immer wieder habe, weil ich dann auch die Augen meiner Kinder sehe und auch meine Frau. Übrigens, meine Frau und ich, wir sind heute 15 Jahre miteinander zusammen, jetzt schon. Und das ist auch wunderschön. Was machen wir denn heute jetzt miteinander? Mit den Kindern zu Hause, das ist eine weitere Zwickmühle, ein Paar sein und dann auch noch Kinder haben dann dabei. Das ist auch eine, sozusagen im privaten Kontext, eine weitere Zwickmühle, die ich da habe.
Und auch eine andere Zwickmühle, die ich habe, die ich festgestellt habe, wo ich in anderen Menschen auch immer wieder einen Schatten von mir erkenne, ist dieses Thema, mein selbstsicheres Ich und mein bescheidenes Ich. Und das spiegelt sich vor allen Dingen in den Themen wieder der Selbstoffenbarung, sprich des Zeigens nach außen, also auch Marketing und so weiter. Wer auf meine Instagram-Seite geht, sieht, dass ich nichts poste, also wirklich gar nichts und dass ich wirklich nichts nach offen lege. Dieser Podcast ist im Prinzip eigentlich das Einzige, was ich so nach offen, offen nach außen lege. Und ich frage mich manchmal, warum. Und das ist immer wieder eine Zwickmühle, die ich habe, wo ich sage, eigentlich habe ich echt auch geile Inhalte, die ich nach außen geben könnte und da so posten könnte. Und auf der anderen Seite denke ich mir dann auch manchmal, nee. Und das ist auch so ein Thema, einfach dieses Thema Zurückhaltung und so weiter und so fort. Das ist auch in meiner Selbstständigkeit tatsächlich eine Zwickmühle, die ich habe. Ich weiß nicht, ob du das kennst und beobachtest und so weiter.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, das führt natürlich, also klar, das ist ja ein Klassiker so. Und das bringt mich bei Zwickmühlen auch wieder zu diesem Thema. Ich arbeite jetzt mit Menschen an Zwickmühlen seit über zehn Jahren, weil ich das Modell einfach sehr anschlussfähig finde und diese inneren Konflikte natürlich ein ganz wesentlicher Aspekt sind für, wenn ich so eine Zwickmühle habe, dann kostet die ja Kraft. Weil eine Seite in dir sagt, hey, du willst heute Abend deine Kinder ins Bett bringen oder willst deine Frau nochmal sehen oder beides oder wie auch immer. Also sehen im Sinne von nochmal ein bisschen Zeit mit ihr verbringen und eine andere Seite sagt, hey, wir müssen noch ein Angebot schreiben, wollen noch an einem Konzept arbeiten und so weiter und so fort. Das sind ja kontextübergreifende Zwickmühlen.
Das gibt es immer. Das ist so eine klassische Frage, die ich auch im Training stelle. Wie gut schaffen sie die Unterscheidung? Ich würde nie von Trennung reden, von Unterscheidung von beruflichen Kontexten und privaten Kontexten. Warum würde ich nicht von Trennung reden? Trennung hat immer dieses Thema kein Kontakt. Also wenn ich das eine vom anderen trenne, dann ist das ohne Kontakt. Und das ist ja nicht so. Also du hast ja zu Hause immer auch nochmal einen Gedanken an die Arbeit und bei der Arbeit immer nochmal einen Gedanken an zu Hause. Und Trennung aufrecht zu erhalten, braucht viel mehr Energie, als wenn ich sage, ja, ich unterscheide halt schon das eine vom anderen. Es gibt aber manchmal Vermischungsmomente. Das kann jetzt funktional sein oder dysfunktional.
Ich wurde mal von einer Ex-Freundin mal darauf hingewiesen, dass ich ja relativ häufig mir Notizen mache. Erst hat sie gefragt, ob ich mit irgendwem anders schreibe, habe ich ihr mein Handy gegeben, habe gesagt, guck nach. Mach ich nicht, weil warum? Aber das war sozusagen eher eine strukturelle Frage von ihr und nicht von mir. Und dann sagte sie, ja, warum notierst du dir denn dauernd was? Und dann habe ich gesagt, naja, also wenn ich entspanne, wenn ich jetzt wandern, weiß ich nicht, in so einem Freizeitpark und mir kamen halt tausend gute Ideen, also mein Kopf produziert mehr Ideen, als ich manchmal verarbeiten schon überhaupt in die Welt bringen kann. Und dann war das für sie eine Zwickmühle und war für mich eine Zwickmühle. Sie sagte, ja, ich habe dann das Gefühl, du bist nicht bei mir. Und dann habe ich gesagt, naja, ich kann mehr bei dir sein, wenn ich kurz in dem anderen Kontext bin, das aus dem Kopf rausschreibe und dann wieder voll bei dir bin, weil dann der Gedanke gesichert im Handy ist und nicht im Kopf und ich den nicht wachhalten muss, weil ich die Kontexte kläre.
Das war eine ganze Zeit, das habe ich mittlerweile nicht mehr, weil ich mittlerweile gelernt habe, wenn ich über ein Thema nachdenken will, dann nehme ich mir das innerlich auf den Tisch, dann kommen die Ideen, ich gehe manchmal auch mit einer Idee am Spazieren und dann quatsche ich halt die ganze Zeit früher in die Notiz-App. Jetzt mache ich das meistens mit ShareGPT, dass ich mir dann die Sachen strukturieren lasse und dann gleich sozusagen ordnen und auch weiterentwickeln und so weiter. Das heißt, Zwickmühlen an sich sind ja nicht das Problem, sondern die Frage ist, wie gehe ich mit der einen und mit der anderen Seite um?
Also unterscheiden wäre jetzt bei sowas wichtig. Und das zweite, ich hatte gerade von Auswirkungen gesprochen, ist die Frage, was hat es für Auswirkungen? Und da, glaube ich, auch wieder konkurrieren kurzfristige und langfristige Auswirkungshorizonte miteinander. Man kann immer sagen, naja, den einen Abend bringe ich halt jetzt die Kinder nicht ins Bett, den einen Abend sehe ich meine Frau jetzt halt nicht. Was, wenn es genau der Abend ist, der aber wichtig gewesen wäre, wo genau dieser Moment, der wichtig ist in der Entwicklung, eben ohne dich läuft? Das heißt, das kannst du nicht wissen. Das heißt, wir wissen nicht, was die Auswirkungen sein werden, sondern wir müssen etwas tun, damit die Auswirkungen sich zeigen können. Und da bleiben uns halt nur Wahrscheinlichkeiten.
Also die Wahrscheinlichkeit, dass dein Sohn, wenn du ganz viel im Büro bleibst, dann irgendwann sagt, oh, guck mal, Mama, das ist der, den wir von Bildern kennen. Leider postet er wenig auf Instagram. Wir wissen nicht, was er sonst noch macht. Das ist so das eine. Und gleichzeitig werden deine Kunden nicht sagen, ach Mensch, Herr Langwara, ist ja super, dass sie sich so um ihre Familie kümmern. Auch das honorieren wir. Das passiert ja auch nicht. Das heißt, du hast sozusagen immer die Zwickmühle von den Auswirkungen und das bringt im Endeffekt schon die Lösung. Die Lösung heißt, oszillationsfähig zu bleiben, beweglich zu bleiben und mit Entscheidungen nicht zu hadern, die du in einer bestimmten Situation getroffen hast, ohne das Wissen um die Auswirkungen, sondern zu sagen, hey, ich habe damals mich so entschieden und das ist okay. Weil machst du das nicht, letzter Satz, hältst du oftmals so eine Art Schuld offen im Sinne von hätte ich doch bloß. Hätte, hätte, hätte. Und da zu sagen, naja, ich hatte die Wahl, also mach aus hätte ein hatte und sage, und was mache ich jetzt? Ja.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Ich finde, dass ich habe die Zwickmühlen und auch die Zwickmühlenkommunikation im Training mit dir kennengelernt, also im Resilienztrainer nutze. Das in Führungskräftetraining seitdem durchgängig. Also das ist einer der Tools schlechthin. Und natürlich für die eigene Klarheit zu finden, sozusagen die Selbstkonzeptklarheit auszubalancieren, ist das wirklich mega. Und auch in der Beziehung zu anderen. Deswegen auch Zwickmühlenkommunikation so wichtig und so hilfreich, auch jetzt beispielsweise mit meiner Frau zu Hause.
Ich sehe dich. Ich sehe den Punkt. Ich sehe, dass es dir wichtig ist. Und jetzt haben wir diese andere Seite. Ich habe das und das noch zu tun für unser übergeordnetes Ziel, je nachdem, was wir da fokussieren, irgendwann ein Haus zu haben oder dass wir jetzt eine schöne Familienzeit haben, was auch immer. Inwiefern zahlt das jetzt darauf ein? Und das transparent zu machen, genau diese beiden Seiten und dann gemeinsam das herauszufinden, das finde ich so elegant und so schön bei den Zwickmühlen und so anschlussfähig für alle Menschen, die eine innere Verbiegung haben. Und ich finde den Satz Burnout entsteht aus der Summe des Ich-Verbiegens. So schön und so wichtig.
Und das ist auch in der Beobachtung. Es ist nicht unbedingt das hohe Arbeitspensum. Es ist nicht unbedingt der Zeitdruck. Es ist dieses, diese mangelnde Oszillationsfähigkeit und dieses mangelnde und sich gezwungen fühlen, sozusagen in eine Richtung zu gehen. Aber mal kurz in der Kommunikation mit anderen, sei es nach oben in der Hierarchie die Kommunikation, da muss natürlich die psychologische Sicherheit gegeben sein, dass ich das dann auch mal offenlegen kann. Aber auch auf Augenhöhe und sozusagen, wenn man jetzt hierarchisch denkt, nach unten von Führungskraft zu Mitarbeitenden, weil viele Führungskräfte befinden sich auch in einer Sandwich-Position und kriegen dann was von oben, was sie dann nach unten kommunizieren müssen. Und das hat dann ganz viel mit Zwickmühlen zu tun. Ja, das offenzulegen, um dann gemeinsame Lösungen zu finden, finde ich super. Da bin ich dir extrem dankbar für.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Ja, und ich bin da extrem dankbar dem lieben Gunther, Gunther Schmidt, als derjenige, bei dem ich das kennengelernt habe. Und ich sage mal so, im Wesentlichen gibt es drei Themen, die dabei wichtig sind. Das erste Thema ist, man muss nicht jede Zwickmühle lösen. Man sollte aber jede Zwickmühle für sich selber zumindest klar haben. Also im Sinne der Reflexion, wo habe ich meine Zwick- oder Multimühlen. Also meistens sind es ja mehr als zwei Seiten, drei, vier, fünf Seiten. Die leiseren, die sind auch wichtig, weil man da später oftmals den Preis zahlt. Dazu passend dieser Satz, kein Ziel ohne Preis, keine Entscheidung ohne Auswirkungen. Es gibt keine Ziele ohne Preis. Du zahlst immer einen Preis. Und wenn du allein das in der Entscheidungsfindung berücksichtigst, dann wird es nochmal anders, weil du sagst, ja, kein Ziel ohne Preis. Fertig.
Das ist so das zweite. Und der dritte Punkt aus meiner Sicht ist das Wissen um die Werte, die eigenen. Weil die Zwickmühle meistens mit den eigenen Werten zu tun hat, gerade im inneren Konflikt. Der Konflikt ist einfach nur, also in Anführungsstrichen einfach nur eine Wertdissonanz oder eine Wertprioritätsthematik. Und wenn man da ein sogenanntes höheres Ziel oder so eine Art Vision oder Sinn noch ergänzt, wie auch immer man das nennen möchte, ja, ich weiß das nicht das Gleiche und auch nicht dasselbe. Und gleichzeitig braucht es etwas Übergeordnetes, wodrunter die Zwickmühlen bestehen bleiben dürfen.
Weil solange wir Zwickmühlen haben, ist die Flexibilität in uns vorhanden. Und ich glaube, der Moment, in dem wir aufhören haben, aufhören werden, Zwickmühlen zu haben, ist entweder, wenn wir sterben, weil dann ist Zwickmühlen Ende oder im Sinne der Erleuchtung. Und Erleuchtung wäre dann sowas wie eins sein und nur noch dieses Komplette von ich bin zu haben, ohne innere Vielfalt, sondern dann ist man whole, dann ist man ganz und dann hören die Zwickmühlen auch auf. Das heißt, solange Menschen leben und nicht erleuchtet sind, haben sie halt Zwickmühlen. Das gehört zum Leben dazu. Und da muss ich mich halt entscheiden, wie würdige ich alle Seiten in mir, alle, und sage ich, nee, heute entscheide ich mich hierfür, dafür entscheide ich mich da dafür.
Und die Würdigung aller Strebungen in uns, aller Seiten, die führt dann einfach zu einer guten Selbstbeziehung. Da sind ja auch so Aspekte wie von Professor Dr. Stefanie Neubrand, die Empathie, die sozusagen die Voraussetzung, wie sie sagt, für das Selbstmitgefühl ist. Ich habe ganz oft mit Seiten in mir Selbstmitgefühl, die halt sehr leiden, dass ich, weiß ich nicht, damals keine Medizin und dann Psychologie studiert habe, keinen Doktor oder dann auch Professorentitel angestrebt habe. Mit denen habe ich tiefes Mitgefühl. Und es ist halt so. Und deswegen lebe ich jetzt mein Leben so, wie ich es lebe, für etwas. Und das mache ich halt anders als vielleicht mit den ganzen Titeln, mit den Studien. Und auch das anders ist okay.
[Ruben Langwara – Resilienz-Podcast]
Und das ist ja das Verbindende. Und das ist ja auch das, was ich von dir gelernt habe. Du hast es auch vorhin nochmal erwähnt. Wir reden nicht von Trennung, wir reden von Unterscheidung. Und deswegen nutzen wir auch das magische Wort und bei, wenn wir eine Zwickmühle kommunizieren und nicht das Aber, weil das Aber negiert den Satz, der vorkam. Ich würde dir ja gerne helfen, Aber. Ich mache mal das und das und das und das. Sondern hey, ich sehe, das ist dir gerade wichtig und gleichzeitig habe ich das und das noch auf dem Tisch. So, wie gehen wir jetzt damit um?
Ja, das finde ich da sehr, sehr würdig und sehr schön. In der Kommunikation mit anderen und mit der Kommunikation mit sich selbst. Und das macht uns irgendwie dann wieder ganz und klar. Und das finde ich so schön dabei. Also alle Menschen, die das Gefühl haben, sie verbiegen sich im Alltag und da sind ganz viele Seiten und da wird an mir gezerrt und so weiter, sich das klar machen. In welcher Rolle bin ich jetzt gerade? Welche Seite zeigt sich jetzt hier gerade? Und die Zwickmühle, wie wir den Podcast jetzt beenden, mache ich mit dem Satz, der Ronald Goethe hat, zugeschrieben wird.
[Sebastian Mauritz – Resilienz-Podcast]
Man sollte erst dann gehen, wenn man auch bleiben könnte. Ich könnte bleiben und deswegen, Ruben, lass uns gehen. Herzlichen Dank. Zwickmühle zumindest für jetzt irgendwie gelöst und über die Resilienz mit dir und mit ihnen zu Hause sein. Bis bald. Tschüss.
Hier geht´s zum Resilienz-Podcast: www.rethinking-resilience.com