Eine Krise kann sich ganz unterschiedlich anfühlen: plötzlich, überwältigend, beängstigend oder wie ein Zustand, in dem nichts mehr so funktioniert wie bisher. Manchmal gibt es einen konkreten Auslöser – eine Trennung, einen Verlust, eine Erkrankung, einen Konflikt, berufliche oder finanzielle Belastungen. Manchmal ist die Belastung über längere Zeit gewachsen und irgendwann sind die eigenen Kräfte erschöpft.
Wir erleben in unserer Praxis als Resilienz-Coaches und Trainer:innen immer wieder: Menschen wissen in einer Krise häufig sehr genau, dass es ihnen nicht gut geht. Was ihnen fehlt, ist die Orientierung: Eines unserer zentralsten psychischen Grundbedürfnisse. Was brauche ich jetzt? Und an wen kann ich mich überhaupt wenden?
Dabei ist Hilfe zu suchen kein Zeichen fehlender Resilienz. Im Gegenteil: Die Fähigkeit, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, Unterstützung anzunehmen und soziale Ressourcen zu nutzen, gehört zu einem resilienten Umgang mit Krisen. Dieser Artikel soll deshalb vor allem eines sein: eine Orientierung. Keine Diagnose, kein Ersatz für professionelle Beratung, sondern eine möglichst konkrete Landkarte für den Moment, in dem man denkt:
„Ich weiß gerade nicht mehr weiter. Wo bekomme ich Hilfe?“
Regel Nr.1: Eine Krise muss man nicht alleine bewältigen
Eine psychische Krise ist nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Sie kann entstehen, wenn eine Situation unsere bisherigen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt. Was vorher funktioniert hat, reicht gerade nicht mehr aus. Auch wir kennen Krisen nicht nur aus unserer beruflichen Arbeit. Wir kennen Situationen, in denen vertraute Strategien nicht mehr getragen haben und es wichtig wurde, Unterstützung anzunehmen. Gerade dann zeigt sich etwas, das wir in unserer Resilienzarbeit immer wieder betonen:
Wer im richtigen Moment sich Unterstützung und Informationen einholt, wird aktiv selbstwirksam. Einer der wichtigsten Resilienzfaktoren. Hilfe anbieten und Hilfe erhalten ist gutes Krisenmanagement.
Die Forschung betrachtet Resilienz nicht nur als individuelle Fähigkeit. Eine 2025 veröffentlichte Übersicht über systematische Reviews kommt zu dem Ergebnis, dass soziale Unterstützung, Beziehungsqualität und familiäre Unterstützung mit einer resilienteren psychischen Verarbeitung von gesellschaftlichen Herausforderungen und Krisen zusammenhängen. Das bedeutet nicht, dass soziale Unterstützung jede Krise verhindert oder automatisch löst. Aber sie kann eine der wichtigsten Ressourcen für uns sein.
Warum es uns (dennoch) oft schwerfällt, Hilfe zu suchen oder anzunehmen
Eigentlich klingt es einfach: Wenn es mir schlecht geht, hole ich mir Unterstützung. In der Realität ist das häufig anders. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Studierenden mit Depressionen und/oder Angststörungen identifizierte insbesondere Selbstverlass beziehungsweise den Anspruch, Probleme alleine zu bewältigen, Stigmatisierung und eine geringe psychische Gesundheitskompetenz als häufige Barrieren der Hilfe-Suche. Als fördernde Faktoren wurden unter anderem eine gute psychische Gesundheitskompetenz und soziale Ermutigung beschrieben. Die Review bezog zehn Studien ein und bezieht sich ausdrücklich auf Studierende – die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragen. (Lui, Sagar-Ouriaghli & Brown, 2022)
Das kennen wir auch aus unserer Praxis durch Aussagen wie:
- „Andere haben viel größere Probleme.“
- „Ich muss das alleine schaffen.“
- „Sei stark.“
- „So schlimm ist es doch noch gar nicht.“
- „Ich weiß gar nicht, ob ich dafür überhaupt Hilfe bekommen kann.“
Dahinter können innere Antreiber und Glaubenssätze stehen, die uns lange Orientierung und Handlungsfähigkeit gegeben haben – in einer Krise aber zu einer zusätzlichen Hürde werden können. Der innere Antreiber „Sei stark“ oder der Glaubenssatz „Ich muss alles alleine schaffen“ kann dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Grenzen übergehen und Unterstützung erst dann suchen, wenn die Situation bereits deutlich zugespitzt ist.
Gerade wenn innere Antreiber wie „Sei stark!“ besonders laut werden, kann es hilfreich sein, bewusst innezuhalten und die eigene Vorstellung von Stärke zu hinterfragen. Denn Stärke bedeutet nicht, alles alleine bewältigen zu müssen. Sie kann auch darin liegen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, Unterstützung anzunehmen und sich frühzeitig auf den Weg nach Hilfe zu machen.
Eine hilfreichere Frage kann deshalb sein: „Was brauche ich gerade, damit ich diesen nächsten Schritt nicht alleine gehen muss?“ Und wichtig dabei: Wir müssen nicht wissen, welche konkrete Hilfe wir brauchen, um Hilfe suchen zu dürfen. Im ersten Schritt kann es bereits entlastend sein, Sorgen auszusprechen und die eigene Situation mit einem anderen Menschen zu teilen. Erst danach muss geklärt werden, welche Unterstützung konkret passend sein könnte. Genau dabei möchten wir unterstützen: Die folgenden Anlaufstellen und Hilfsangebote geben Orientierung und zeigen, welche Möglichkeiten es gibt – je nachdem, wie belastend die Situation gerade ist und welche Art von Unterstützung benötigt wird.
Früh Unterstützung zu suchen, kann sinnvoll sein
Hilfe muss nicht erst dann beginnen, wenn eine Situation vollständig eskaliert. Auch bei emotionaler Belastung, die noch nicht mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung einhergeht, können psychologische Unterstützungsangebote eingesetzt werden. Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit untersuchte 20 Studien zu gruppenbasierten psychologischen Interventionen bei Erwachsenen mit emotionaler Belastung ohne klinische Diagnose. Die meisten untersuchten Interventionen zeigten Verbesserungen bei mindestens einem relevanten Ergebnis, unter anderem beim psychischen Wohlbefinden und bei emotionaler Belastung. Gleichzeitig unterschieden sich die Studien deutlich hinsichtlich Interventionen, Messgrößen und Studiendesigns. Aufgrund dieser Heterogenität wurde keine Metaanalyse durchgeführt; die Autor:innen sehen weiteren Forschungsbedarf. (Martí Esquitino et al., 2026)
Das bedeutet: Nicht jede Krise braucht Psychotherapie. Es kann auch sinnvoll sein, Unterstützung bereits dann zu suchen, wenn die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten spürbar an ihre Grenzen kommen. Dabei kann die passende Hilfe ganz unterschiedlich aussehen: ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen, eine Beratungsstelle, ein Coaching-Angebot, eine psychotherapeutische Sprechstunde, der Sozialpsychiatrische Dienst, ein digitales Beratungsangebot oder – in einer akuten Situation – ein Krisendienst beziehungsweise eine psychiatrische Notaufnahme. Welche Unterstützung passend ist, hängt von der Situation, der Belastung und ihrer Dringlichkeit ab.
Regel Nr. 2: Wenn kein Therapieplatz verfügbar ist: nicht aufgeben!
Die Suche nach einem passenden Therapieplatz kann anstrengend sein und Zeit in Anspruch nehmen. Wenn eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll oder notwendig erscheint, lohnt es sich deshalb, mehrere Wege parallel zu nutzen: bei Praxen anfragen, sich auf Wartelisten setzen lassen und die 116117 nutzen. Über die 116117 können psychotherapeutische Sprechstunden vermittelt werden; bei entsprechender Einschätzung kommen auch psychotherapeutische Akutbehandlung oder probatorische Sitzungen infrage.
Auch während der Suche nach einem Therapieplatz oder ganz unabhängig davon gibt es weitere Unterstützungsmöglichkeiten – online oder in vor Ort . Eine Beratungsstelle, der Sozialpsychiatrische Dienst oder – je nach Anliegen und persönlicher Situation – ein Resilienz-Coaching können hilfreiche Anlaufstellen sein. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich manche Anliegen bereits im Coaching gut bearbeiten und lösen lassen. In anderen Fällen kann ein Coaching dabei unterstützen, die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken, Ressourcen zu stärken und den Alltag zu stabilisieren. Auch eine gleichzeitige Nutzung von Coaching und Psychotherapie kann sinnvoll sein.
Die Krisen-Landkarte: Welche Hilfe passt zu welcher Situation?
| Wenn Sie gerade … | Dann kann eine passende Anlaufstelle sein |
| jemanden zum Reden brauchen | TelefonSeelsorge |
| nicht wissen, welches Hilfsangebot passt | Sozialpsychiatrischer Dienst oder Beratungsstelle |
| psychisch belastet sind und professionelle Unterstützung suchen | Hausarztpraxis, psychotherapeutische Sprechstunde oder Beratungsstelle |
| Unterstützung beim Umgang mit Stress, belastenden Lebenssituationen oder Veränderungsprozessen suchen | Resilienz-Coaching |
| kurzfristig psychotherapeutische Unterstützung benötigen | psychotherapeutische Akutbehandlung |
| ein Gefühl von Sinnleere, Sinnkrise | Logotherapeutische Angebote bei Sinnkrisen, Unterstützung durch sinnzentriertes Coaching |
| dringend ärztliche Hilfe benötigen, aber kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt | 116117 |
| sich in einer akuten psychischen Krise befinden | regionaler Krisendienst, Sozialpsychiatrischer Dienst oder psychiatrische Notaufnahme |
| sich Sorgen um einen Angehörigen machen | Sozialpsychiatrischer Dienst oder Beratungsstelle |
| ein Kind oder Jugendlicher Unterstützung benötigt | Nummer gegen Kummer, bke-Jugendberatung, JugendNotmail oder krisenchat |
| lieber digital als telefonisch Kontakt aufnehmen möchten | Online-Beratung oder Chatangebote |
| Gewalt erlebt wird | spezialisiertes Hilfetelefon oder Beratungsstelle |
| unmittelbare Gefahr für Sie oder andere besteht | 112 beziehungsweise 110 |
TelefonSeelsorge: Wenn du jemanden zum Reden brauchst
Die TelefonSeelsorge ist eine niedrigschwellige Möglichkeit, wenn man jemanden zum Reden braucht oder gerade nicht weiß, wohin mit den eigenen Sorgen. Sie ist Tag und Nacht, anonym und kostenfrei erreichbar. Neben der telefonischen Beratung gibt es Mail- und Chatberatung. (TelefonSeelsorge Deutschland, 2026)
Erreichbar ist sie unter:
- 116 123
- 0800 1110111
- 0800 1110222
116117: Ärztliche und psychotherapeutische Unterstützung
Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst für dringende medizinische Beschwerden außerhalb der regulären Praxiszeiten, wenn kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt. Für lebensbedrohliche Notfälle gilt 112. (116117, 2026)
Auch bei psychischen Belastungen kann die 116117 ein wichtiger Weg sein. Über den Patientenservice können Termine für psychotherapeutische Sprechstunden vermittelt werden. (116117, 2026) Die psychotherapeutische Sprechstunde dient zunächst der Abklärung: Liegt eine psychische Erkrankung vor? Welche Behandlung oder Unterstützung ist sinnvoll? Ist eine Akutbehandlung angezeigt? Oder ist ein anderes Angebot passender? Eine Überweisung ist dafür nicht notwendig. (116117, 2026)
Bei akuten und schweren Belastungen kann eine psychotherapeutische Akutbehandlung mit bis zu zwölf Gesprächen möglich sein. Die konkreten Voraussetzungen für die Terminvermittlung werden über die psychotherapeutische Sprechstunde und gegebenenfalls einen Vermittlungscode geklärt. (116117, 2026)
Resilienz Coaching
Möchten Sie Ihre Gedanken sortieren, Ängste oder Sorgen aussprechen oder weißt gerade selbst nicht genau, was eigentlich los ist? Resilienz-Coaching kann dabei unterstützen, wieder Orientierung zu gewinnen, Gedanken zu sortieren, eigene Ressourcen zu erkennen, nächste Schritte zu planen oder sich mit persönlichen Sinnfragen auseinanderzusetzen.
Die Resilienz Akademie bildet Resilienz-Coaches aus und vermittelt fundierte Ansätze für die Begleitung von Menschen in belastenden Lebenssituationen. Als Resilienz-Coaches sind wir dafür ausgebildet, Menschen im Umgang mit Stress, belastenden Lebenssituationen, Veränderungsprozessen und Krisen zu begleiten. Dabei geht es unter anderem darum, vorhandene Ressourcen sichtbar zu machen, neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und Menschen dabei zu unterstützen, wieder mehr Orientierung und Selbstwirksamkeit zu gewinnen. Gemeinsam wird herausgefunden: Was ist gerade los? Was treibt mich an? Wie kann ich neue Kraft schöpfen und wieder in eine gesunde Balance finden? Und was ist mein nächster sinnvoller Schritt?
Wichtig ist dabei die klare Differenzierung: Wenn eine psychische Erkrankung vorliegt oder eine Situation akut beziehungsweise behandlungsbedürftig ist, gehört die entsprechende fachliche Abklärung und Behandlung in die Hände dafür qualifizierter medizinischer oder psychotherapeutischer Fachkräfte.
Gerade bei Sinnkrisen oder persönlichen Umbruchsphasen kann seelische Resilienz eine wichtige Perspektive sein. Seelisches Resilienz-Coaching kann dabei unterstützen, die eigene Situation zu reflektieren, Orientierung zu gewinnen und persönliche Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten wieder stärker in den Blick zu nehmen. Wenn Sie hierzu Fragen haben, melden Sie sich gerne bei uns.
Sozialpsychiatrischer Dienst: Eine wichtige und oft unbekannte Anlaufstelle
Eine besonders wichtige, aber vielen Menschen wenig bekannte Unterstützung ist der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi). Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Beratung und Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen und in seelischen Krisen sowie für Personen aus ihrem sozialen Umfeld. Die Angebote sind kostenlos und niedrigschwellig; je nach Region sind auch Hausbesuche möglich. (gesund.bund.de, 2026)
Auch Angehörige, Freund:innen oder Nachbar:innen können sich an den Sozialpsychiatrischen Dienst wenden, wenn sie sich Sorgen um eine Person machen. Die konkreten Aufgaben unterscheiden sich regional. Der zuständige Dienst lässt sich in der Regel über das örtliche Gesundheitsamt beziehungsweise über die kommunale Suche finden. (gesund.bund.de, 2026)
Sonstige regionale Krisendienste
Für psychische Krisen gibt es in vielen Städten und Gemeinden Krisendienste oder sozialpsychiatrische Dienste. Die konkreten Strukturen und Zuständigkeiten unterscheiden sich je nach Region. Auch psychiatrische Ambulanzen oder Kliniken können in einer Krise Anlaufstellen sein. (gesund.bund.de, 2026)
Deshalb lohnt sich eine gezielte regionale Suche:
- „Krisendienst + Stadt“
- „Krisendienst + Bundesland“
- „Sozialpsychiatrischer Dienst + Landkreis“
- „Psychiatrischer Krisendienst + Wohnort“
Wenn es um Suizidgedanken geht
Suizidgedanken gehören zu den Situationen, in denen eine psychische Krise akut werden kann. Wenn eine Person sich selbst oder andere unmittelbar gefährdet, empfiehlt gesund.bund.de, den Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei unter 110 zu verständigen. Auch psychiatrische Ambulanzen oder Kliniken können bei psychischen Krisen Anlaufstellen sein. (gesund.bund.de, 2026)
Für Gespräche und Unterstützung steht außerdem die TelefonSeelsorge Tag und Nacht zur Verfügung. (TelefonSeelsorge Deutschland, 2026)
Wichtig: Es ist nicht notwendig, selbst eine Diagnose zu stellen oder abschließend einzuschätzen, welche professionelle Hilfe benötigt wird. Wenn du unsicher bist, ob jemand sicher ist, darfst du Unterstützung holen.
Digitale Hilfe: Chat statt Telefon
Nicht jeder Mensch möchte in einer Krise telefonieren. Digitale Beratungsangebote können deshalb eine niedrigschwellige Ergänzung sein.
krisenchat
krisenchat bietet kostenlose Chatberatung für Menschen unter 25 Jahren. Das Angebot richtet sich an junge Menschen in Krisen und ist digital erreichbar. (krisenchat, 2026)
JugendNotmail
JugendNotmail richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre. Das Angebot ist kostenlos, vertraulich und anonym; die Online-Beratung ist rund um die Uhr erreichbar. Die erste Nachricht wird nach Angaben des Angebots in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden beantwortet. Zusätzlich gibt es Live-Chat-Angebote. (JugendNotmail, 2026)
bke-Jugendberatung
Die bke-Jugendberatung richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Das Angebot ist anonym und kostenfrei und umfasst unter anderem Mailberatung, Einzelchat, Gruppen- und Themenchat sowie ein Forum. Die Beratung erfolgt durch qualifizierte Fachkräfte aus örtlichen Erziehungs- und Familienberatungsstellen. (bke, 2026)
Nummer gegen Kummer
Für Kinder und Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Das Kinder- und Jugendtelefon ist anonym und kostenlos montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar. Zusätzlich gibt es Chat- und Mailberatung. (Nummer gegen Kummer, 2026)
Für Eltern und andere Bezugspersonen gibt es das Elterntelefon unter 0800 111 0550. Es ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr erreichbar. Das Angebot ist anonym und kostenlos. (Nummer gegen Kummer, 2026)
Apps: KrisenKompass und digitale Gesundheitsangebote
Auch Apps können in Krisen eine sinnvolle Ergänzung sein – allerdings sollte man genau hinschauen, was eine App tatsächlich leisten kann. Der KrisenKompass der TelefonSeelsorge ist eine kostenlose App mit Materialien, Techniken und Kontakten zu Anlaufstellen, die in Krisensituationen hilfreich sein können. (TelefonSeelsorge Deutschland, 2026) Eine App kann damit helfen, den Moment zu überbrücken, eigene Ressourcen zu aktivieren oder einen nächsten Schritt vorzubereiten. Sie ersetzt allerdings keine notwendige professionelle Behandlung.
Daneben gibt es sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Dabei handelt es sich um Medizinprodukte für bestimmte medizinische Anwendungsbereiche. Ob eine DiGA im jeweiligen Fall sinnvoll ist, sollte mit Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen geklärt werden.
Hilfe für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche brauchen teilweise andere Zugänge als Erwachsene. Neben den bereits genannten Angeboten können kinder- und jugendpsychiatrische beziehungsweise kinder- und jugendpsychotherapeutische Angebote sowie regionale Beratungsstellen geeignete Anlaufstellen sein. Bei psychischen Krisen können auch Hausarzt- beziehungsweise kinder- und jugendärztliche Praxen, Psychotherapeut:innen, Krisendienste und psychiatrische Einrichtungen einbezogen werden. (gesund.bund.de, 2026)
Wichtig ist: Jugendliche müssen nicht warten, bis Erwachsene ihre Situation als „wirklich schlimm“ einschätzen. Wenn etwas belastet, darf man sich Hilfe holen.
Wenn Gewalt eine Rolle spielt
Wenn eine Krise mit Gewalt verbunden ist, braucht es häufig spezialisierte Unterstützung. Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 116 016 rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, kostenlos und anonym erreichbar. Die Beratung ist telefonisch sowie über Online-Angebote möglich. Auch Angehörige, Freund:innen und Fachkräfte können sich beraten lassen. (Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 2026) Je nach Situation können darüber hinaus Frauenhäuser, Fachberatungsstellen, die Polizei oder medizinische Einrichtungen wichtige Anlaufstellen sein.
Regel Nr. 3: Resilienz heißt, selbstwirksam zu handeln
Eine Krise zeigt uns häufig sehr deutlich, wo unsere bisherigen Strategien an ihre Grenzen kommen. Resilienz zeigt sich gerade darin, die eigenen Grenzen wahrzunehmen, vorhandene Ressourcen zu erkennen und Unterstützung anzunehmen.
Die Forschung unterstützt einen Blick auf Resilienz, der über das Individuum hinausgeht: Soziale Unterstützung, Beziehungsqualität und familiäre Unterstützung stehen mit günstigeren psychischen Reaktionen auf gesellschaftliche Herausforderungen und Krisen in Zusammenhang. (Supke et al., 2025)
Gleichzeitig zeigt die Forschung zur Hilfe-Suche, dass der Wunsch, Probleme alleine zu bewältigen, Stigma und fehlende psychische Gesundheitskompetenz Barrieren darstellen können – zumindest in der untersuchten Gruppe von Studierenden mit Depressionen und/oder Angststörungen. (Lui, Sagar-Ouriaghli & Brown, 2022) Vielleicht ist deshalb eine der wichtigsten Fragen in einer Krise: „Was brauche ich gerade – und wer oder was kann mich dabei unterstützen?“
Und oft ist die Antwort zunächst ganz klein:
- Eine Nachricht.
- Ein Anruf (Tipp: Der „8 Minute Call„)
- Ein echter Augenkontakt.
- Ein Gespräch.
- Ein erster Schritt.
Hilfe anzunehmen ist keine Abgabe von Verantwortung , sondern ist ein Ausdruck von Verantwortung für sich selbst sein.
Was tun, wenn ich mir Sorgen um einen anderen Menschen mache?
Manchmal sind wir selbst nicht die Person in der Krise. Wir merken, dass es einem Partner, einer Freundin, einem Kollegen, einem Familienmitglied oder einer anderen nahestehenden Person zunehmend schlecht geht. Schon kleine Gesten und konkrete Schritte können hier ein wichtiger Schlüssel sein – sowohl für die betroffene Person als auch für uns selbst.
- Kontakt aufnehmen. Nicht unbedingt mit „Wie geht es dir?“ – diese Frage löst oft eine reflexartige Antwort aus. Wirksamer ist es, eine konkrete Beobachtung zu benennen: „Ich mache mir Sorgen um dich. Ich habe das Gefühl, dass du gerade kämpfst – stimmt das?“ … Oder als Einladung ohne Druck: „Ich bin da, wenn du reden möchtest – auch wenn du gerade nicht weißt, wie du anfangen sollst.“ Bei ernsteren Sorgen empfiehlt die Forschung zur Krisenintervention, direkt zu fragen: „Hast du manchmal Gedanken daran, dir etwas anzutun?“ Diese Frage schadet nicht – sie öffnet Türen, die sonst geschlossen bleiben
- Zuhören. Nicht sofort Lösungen produzieren. Nicht bewerten. Nicht kleinreden.
- Konkrete Unterstützung anbieten. Zum Beispiel gemeinsam eine Beratungsstelle suchen, eine Nummer heraussuchen oder einen Termin vereinbaren.
- Selbst Unterstützung holen. Auch Angehörige können sich beispielsweise an den Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. (gesund.bund.de, 2026)
- Bei akuter Gefahr handeln. Wenn eine Person sich selbst oder andere unmittelbar gefährdet, gilt 112 beziehungsweise in einer akuten Gefahrensituation auch 110. (gesund.bund.de, 2026)
Die wichtigsten Nummern auf einen Blick
Kontakt |
Angebot |
| 112 | Rettungsdienst bei akuter Gefahr für Leben oder Gesundheit. (gesund.bund.de, 2026) |
| 110 | Polizei bei akuten Gefahrensituationen. (gesund.bund.de, 2026) |
| 116 117 | Ärztlicher Bereitschaftsdienst und Terminservice für Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen; nicht für lebensbedrohliche Notfälle. [5, 6] |
| 116 123 | TelefonSeelsorge. (TelefonSeelsorge Deutschland, 2026) |
| 0800 1110111 / 0800 1110222 | TelefonSeelsorge. (TelefonSeelsorge Deutschland, 2026) |
| 116 111 | Nummer gegen Kummer, Kinder und Jugendliche. (Nummer gegen Kummer, 2026) |
| 0800 111 0550 | Elterntelefon. (Nummer gegen Kummer, 2026) |
| 116 016 | Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. (Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 2026) |
Regionale Angebote und Erreichbarkeiten können sich verändern. Bei regionalen Krisendiensten empfiehlt es sich, die aktuell zuständige Stelle über die jeweilige Kommune, das Gesundheitsamt oder die offizielle Website des Angebots zu prüfen. Unsere Empfehlung: Legen Sie sich eine Art „Netzwerkkatalog“ an mit den wichtigsten Anlaufstellen in Ihrer Region.
Wissenschaftliche Quellen
Supke, M., Schaubruch, L. M., Cohrdes, C., Kausmann, C., Schäfer, S. K. & Lieb, K. (2025). Current evidence and future directions for social and societal resilience factors in response to societal challenges and crises: an overview of systematic reviews and expert rating. BMC Public Health, 25, 3816. DOI: 10.1186/s12889-025-25285-5.
Lui, J. C., Sagar-Ouriaghli, I. & Brown, J. S. L. (2022, online first; Journal of American College Health 2024, 72(8), 2605–2613). Barriers and facilitators to help-seeking for common mental disorders among university students: a systematic review. DOI: 10.1080/07448481.2022.2119859.
Martí Esquitino, J., Fernandez-Serrano, A. B., Fernandez Zomeño, A., Lopez Lopez, R. & Martinez Serrano, J. (2026). The effectiveness of group-based psychological interventions for emotional distress in non-clinical adult populations: a systematic review. Journal of Mental Health, 35(3), 375–392. DOI: 10.1080/09638237.2026.2646319.
Offizielle Anlaufstellen und weiterführende Informationen
- TelefonSeelsorge Deutschland
- 116117 Patientenservice
- 116117 – Psychotherapie
- bund.de – Psychische Krisen
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“
- Nummer gegen Kummer
- JugendNotmail
- bke-Jugendberatung
- krisenchat
- KrisenKompass
- Resilienz Coaching
Sie möchten selbst professionell Menschen in Krisen unterstützen?
Dann könnte die Fortbildung zur/ zum Resilienz Coach und/oder Trainer:in etwas für Sie sein! Die Resilienz Akademie bietet Angebote für Einzelpersonen und Teams:
Für Einzelpersonen: Resilienz-Coaches begleiten Menschen im Umgang mit Stress, belastenden Lebenssituationen und Veränderungsprozessen.
Für Teams: Resilienz-Trainings unterstützen Teams dabei, Ressourcen zu stärken und einen konstruktiven Umgang mit Belastungen und Veränderungen zu entwickeln.
Hier finden Sie eine Übersicht einiger unserer ausgebildeten Trainer:innen: www.resilienz-akademie.com/trainer/
Hier erfahren Sie mehr über die Ausbildung:
- Resilienz Coach: www.resilienz-akademie.com/resilienztraining/resilienz-coach-ausbildung/
- Resilienz Trainer:in: www.resilienz-akademie.com/resilienztraining/resilienz-trainerin-ausbildung/
Sie haben Fragen? Melden Sie sich gerne unter: info@resilienz-akademie.com
Christina Comnick, M.A. Management–Education–Diversity (Sozial- und Gesundheitssektor), ist Entwicklerin der „Seelienz®„, Fachbuchautorin und Projektleitung in der Resilienz Akademie für Seelische Resilienz und The Wholeness Work®. Als Resilienz-Trainerin und Coach unterstützt sie bundesweit Personen und Organisationen im Umgang mit Stress und Krisen und setzt sich für seelische Gesundheit und Gewaltprävention ein. Ihr Schwerpunkt im Coaching liegt auf den Themen: Stressregulation, Sinn(krisen), Spiritualität, Intuition/ Wahrnehmungtraining sowie Ziele- und Visionsarbeit (www.christinacomnick.de).

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Experten für angewandte Resilienz in Deutschland. Er ist 6-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich angewandter individueller Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator der Resilienz Initiative (www.Resilienz-Initiative.com) und des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses mit bisher über 300 Interviews mit Resilienzexpert:innen (www.Resilienz-Kongress.de), Herausgeber des ResilienzLetters (www.ResilienzLetter.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).


