Stellen Sie sich ein Ruderboot vor. Vier Menschen, vier Ruder, ein Boot. Technisch gesehen könnte jeder für sich paddeln – und das Boot würde sich irgendwie vorwärtsbewegen. Aber wer einmal gesehen hat, wie ein eingespieltes Achter-Team das Wasser in perfektem Gleichklang trifft, weiß: Das ist etwas grundlegend anderes. Der Rhythmus, die Kraft, die Leichtigkeit – sie entstehen nicht trotz der anderen, sondern durch sie.
Was im Rudern sichtbar wird, gilt auch im Alltag von Teams, Organisationen und Gemeinschaften: Echter Zusammenhalt ist mehr als koordiniertes Nebeneinander. Er setzt etwas voraus, das tiefer liegt als gute Absprachen oder klare Rollen. Eine Haltung. Eine innere Stärke, die Psychologen heute als Charakterstärke beschreiben: Teamwork.
Teamwork – das klingt zunächst nach Projektmanagement und Aufgabenverteilung. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt etwas Tieferes: die Fähigkeit und den inneren Antrieb, sich für das Wohl der Gruppe einzusetzen, Verantwortung zu teilen und loyal zu sein – auch dann, wenn es schwierig wird. Vielleicht sogar gerade dann.
Warum Teamwork mehr ist als Zusammenarbeit
Wir leben in einer Zeit, in der Teams mehr leisten sollen als je zuvor – und gleichzeitig unter mehr Druck stehen als je zuvor. Veränderungen folgen schneller aufeinander, Unsicherheiten häufen sich, und die Anforderungen an Zusammenarbeit wachsen. In genau diesem Kontext zeigt sich: Teamwork ist nicht nur eine praktische Kompetenz. Sie ist eine der wichtigsten Ressourcen für persönliche und kollektive Resilienz.
Wenn Teamwork fehlt – die Kosten des Auseinanderdriftens
Es lohnt sich, auch die Kehrseite zu betrachten. Denn Teamwork ist nicht einfach ein „Nice-to-have“, das man hat oder eben nicht. Sein Fehlen hinterlässt Spuren – in Menschen, in Teams, in ganzen Organisationen.
Für den Einzelnen: Verlust von Halt und Orientierung
Wer sich in einem Team nicht zugehörig fühlt, wer keine gemeinsame Verantwortung erlebt und keine verlässliche Unterstützung spürt, trägt seine Belastungen allein. Das kostet Kraft – stille, unsichtbare Kraft. Stresseinladungen, die im Team geteilt werden könnten, werden zum persönlichen Rucksack, der von Woche zu Woche schwerer wird. Langfristig steigt das Risiko für Erschöpfung, innere Kündigung und das Gefühl, im Berufsalltag keinen wirklichen Sinn zu erleben.
Für das Team: Wenn das soziale Gewebe reißt
Teams ohne gelebtes Teamwork funktionieren – bis sie es nicht mehr tun. Solange der Alltag reibungslos läuft, fällt das Fehlen echter Verbundenheit kaum auf. Doch sobald Druck entsteht, zeigt sich die Schwachstelle: Vertrauen ist nicht gewachsen, psychologische Sicherheit fehlt, niemand übernimmt Verantwortung über die eigene Aufgabe hinaus. Was dann entsteht, ist kein Team mehr – sondern eine Gruppe von Einzelpersonen, die zufällig dasselbe Ziel verfolgen.
Für Organisationen: Ein unterschätztes Risiko
Fehlende Teamwork-Kultur ist teuer – auch betriebswirtschaftlich. Studien zur psychologischen Sicherheit, etwa die bekannte Aristoteles-Studie von Google (Rozovsky, 2015) zeigen: Die leistungsstärksten Teams zeichnen sich nicht durch individuelle Brillanz aus, sondern durch die Qualität ihrer Beziehungen. Wo diese fehlt, sinken Kreativität, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, mit konstruktiv umzugehen.
Ein Maßstab für das Ausmaß liefern Gallups Erhebungen zum Mitarbeiterengagement – einem eng verwandten Konzept: Laut dem Gallup-Bericht „State of the Global Workplace 2023″ kostet mangelndes Engagement die Weltwirtschaft schätzungsweise 8,8 Billionen US-Dollar – rund neun Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Diese Zahlen messen Engagement im weiteren Sinne und nicht direkt fehlende Teamkultur. Doch wer die Forschung zu Teamdynamiken kennt, weiß: Fehlendes Zugehörigkeitsgefühl und mangelnde gegenseitige Verlässlichkeit sind zentrale Treiber dieser Zahlen. Teamwork ist also nicht nur ein Gewinn, wenn sie vorhanden ist. Ihr Fehlen ist ein aktives Risiko.
Die stille Krise: Einsamkeit am Arbeitsplatz
Ein besonderer Risikofaktor, dem echtes Teamwork entgegenwirkt, ist Einsamkeit. Einsamkeit ist leider schon lange kein Randphänomen mehr. Eine vielbeachtete Analyse von Holt-Lunstad, Smith, Baker, Harris, and Stephenson (2015) zeigte, dass soziale Isolation das Sterberisiko ähnlich stark erhöht wie Rauchen – ein Befund, der bis heute die Diskussion über soziale Eingebundenheit prägt.
Laut Gallups „State of the Global Workplace“-Bericht 2024 berichtet weltweit jeder fünfte Beschäftigte, am Vortag Einsamkeit erlebt zu haben – und das unabhängig von Hierarchiestufe oder Geschlecht. Eine aktuelle Befragung von Reward Gateway aus dem Jahr 2025 zeigt für die USA sogar, dass fast 40 Prozent der Beschäftigten sich am Arbeitsplatz einsam fühlen – besonders ausgeprägt bei jüngeren Generationen. Diese Zahlen sind bemerkenswert – nicht weil Einsamkeit neu wäre, sondern weil sie mitten in formal funktionierenden Teams entsteht.
Das Paradoxe daran: Menschen sitzen zusammen, kommunizieren täglich – und fühlen sich dennoch allein. Echtes Teamwork wirkt genau hier als Gegenkraft. Nicht weil es Einsamkeit wegdiskutiert, sondern weil es Zugehörigkeit erlebbar macht.
Teamwork als Resilienzfaktor
Die Resilienzforschung ist eindeutig: Soziale Eingebundenheit gehört zu den robustesten Schutzfaktoren, die wir kennen. Bei dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit handelt es sich um ein fundamentales psychologisches Grundbedürfnis (siehe Resilience-ROPE) – vergleichbar mit dem Bedürfnis nach Nahrung oder Sicherheit. Wer dieses Bedürfnis im Team erfüllt erlebt, trägt mehr Belastbarkeit in sich.
In unserem Modell der individuellen angewandten Resilienz (Mauritz, van der Linde, Comnick & Langwara, 2023) betrachten wir Resilienz auf vier Ebenen: Körper, Emotionen, Geist und Seele. Teamwork als Charakterstärke wirkt auf allen vier – und macht sie damit zu einer der wenigen Stärken, die den Menschen als Ganzes berührt.
- Körper: Soziale Unterstützung dämpft nachweislich die physiologische Stressreaktion. Eisenberger and Cole (2012) zeigten, dass enge soziale Einbindung die Aktivierung stressbezogener neuronaler Systeme reduziert – wer sich getragen fühlt, trägt körperlich weniger Last.
- Emotionen: Geteilte Gefühle sind leichter zu tragen als einsame. Teams, die füreinander da sind – die aushalten, zuhören, Raum geben – wirken als emotionaler Puffer. Belastungen verlieren an Gewicht, wenn sie nicht allein geschultert werden müssen.
- Geist: Kollektives Denken verringert blinde Flecken. Wer im Team denkt, hat Zugang zu mehr Perspektiven, mehr Erfahrungen und mehr Lösungswegen – das erweitert den mentalen Handlungsspielraum gerade dann, wenn Druck entsteht und das eigene Denken enger wird.
- Seele: Zugehörigkeit stiftet Sinn. Das Erleben, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst, gehört zu den tiefsten Quellen von Bedeutung im Berufsleben – und Sinn ist einer der robustesten Resilienzfaktoren, den wir kennen.
Teamwork ist damit keine isolierte Stärke. Sie ist ein Resonanzboden für Resilienz auf allen vier Ebenen.

Was ist die Charakterstärke Teamwork?
Teamwork begegnet uns täglich – als Begriff, als Anforderung, als Wunsch. Aber was steckt psychologisch dahinter, wenn wir von Teamwork als Charakterstärke sprechen? Und was unterscheidet sie von bloßer Kooperationsfähigkeit oder sozialer Kompetenz? Ein genauerer Blick lohnt sich.
Teamwork im VIA-Modell: Eine Stärke der Gerechtigkeit
Die systematischste wissenschaftliche Grundlage für Charakterstärken liefert das VIA-Modell (Values in Action) von Peterson and Seligman (2004). Es beschreibt 24 universelle Charakterstärken, die in sechs übergeordneten Tugenden gebündelt sind. Teamwork – im englischen Original auch als teamwork, citizenship and loyalty bezeichnet – gehört zur Tugendkategorie Gerechtigkeit. Diese Kategorie umfasst Stärken, die das Zusammenleben in Gemeinschaften ermöglichen und stärken.
Die VIA-Definition von Teamwork ist präzise: Es geht um die Bereitschaft, als zuverlässiges Mitglied einer Gruppe oder eines Teams zu agieren, die eigenen Interessen dem Wohl der Gemeinschaft unterzuordnen und Verantwortung für das Ganze zu übernehmen – nicht nur für den eigenen Beitrag.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Teamwork im Sinne des VIA-Modells ist keine Technik. Sie ist eine Haltung.
Abgrenzung: Was Teamwork nicht ist
Teamwork wird häufig mit ähnlichen Stärken verwechselt oder gleichgesetzt. Eine kurze Abgrenzung hilft:
- Soziale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, soziale Situationen wahrzunehmen und feinfühlig zu navigieren – sie ist stärker auf das Verstehen von Menschen ausgerichtet, weniger auf das aktive Einbringen in eine Gemeinschaft. Jedoch ist sie eine wichtige Kompetenz für gutes Teamwork.
- Führungsvermögen zielt darauf ab, Gruppen zu organisieren und zu motivieren – also auf Einfluss und Richtungsgabe. Teamwork hingegen wirkt von innen, nicht von oben.
- Freundlichkeit ist auf einzelne Menschen und zwischenmenschliche Güte ausgerichtet. Teamwork richtet sich auf das Kollektiv – auf die Gruppe als Ganzes. Ein wichtiger Unterschied zeigt sich besonders dort, wo Freundlichkeit in Gefälligkeit umschlägt: Wer im Team vor allem Konflikte vermeidet, es allen recht machen möchte und die eigene Meinung zurückhält, schadet dem Team langfristig – auch wenn die Absicht gut ist.
Teamwork kann mit all diesen Stärken zusammenwirken. Aber sie ist eigenständig: Sie beschreibt den inneren Antrieb, Teil von etwas Größerem zu sein und dafür einzustehen.
Was Teamwork psychologisch ausmacht
Das VIA Institut beschreibt Teamwork über drei wiederkehrende Aspekte, die direkt aus der Originaldefinition hervorgehen (Peterson & Seligman, 2004; VIA Institute on Character, o. J.): die innere Bindung an die Gruppe (Commitment), Verlässlichkeit und Treue auch unter Druck (Loyalität) sowie die Ausrichtung des eigenen Handelns auf das Wohl der Gruppe als Ganzes – nicht nur auf die eigene Aufgabe.
Commitment meint die echte innere Bindung an die Gruppe – nicht weil man muss, sondern weil man will. Wer Teamwork als Stärke lebt, identifiziert sich mit dem Team und seinen Zielen. Dass diese Bindung tatsächlich wirkt, zeigt die Forschung: Studien belegen einen robusten Zusammenhang zwischen Team-Commitment und Leistung, Zufriedenheit und dem freiwilligen Einsatz über die eigene Rolle hinaus (Bishop & Scott, 2000).
Loyalität beschreibt die Bereitschaft, verlässlich zu sein – auch wenn es unbequem wird. Sie hängt eng mit dem zusammen, was Amy Edmondson (1999) in ihrer einflussreichen Studie an 51 Teams als psychologische Sicherheit beschrieben hat: die gemeinsame Gewissheit im Team: Ich kann offen sprechen, Fehler zugeben und widersprechen – ohne dafür bestraft zu werden. Loyalität und psychologische Sicherheit bedingen dabei einander.
Ausrichtung auf das Wohl der Gruppe bedeutet: Wer Teamwork lebt, hört auf zu fragen „Was ist meine Aufgabe?“ und beginnt zu fragen: „Was braucht das Team jetzt?“ Das eigene Handeln wird am Ganzen ausgerichtet – nicht nur am eigenen Beitrag. Genau diese Haltung ist es, die Hochleistungsteams von funktionierenden Gruppen unterscheidet: Googles „Project Aristotle“ identifizierte psychologische Sicherheit und gegenseitige Verlässlichkeit als die zwei wichtigsten Faktoren – weit vor individueller Brillanz (Rozovsky, 2015).
Caring: Das Herzstück resilienter Teamarbeit
Was passiert, wenn Teamwork als Charakterstärke auf echte Belastung trifft? Genau hier wird das Konzept des Caring bedeutsam, was einen eigenen Blick verdient.
Hartmann, Weiss, and Hoegl (2025) identifizierten in ihrer Längsschnittstudie vier konkrete Caring-Modi, durch die Teams in Krisen ihre soziale Sicherheit und Handlungsfähigkeit wiederherstellen. Diese vier Modi lassen sich als gelebte Ausdrucksformen der Teamwork-Stärke verstehen:
Verstehen (Understanding): Echtes Interesse daran, wie es den anderen wirklich geht. Nicht als Höflichkeitsformel, sondern als aufrichtige Perspektivübernahme. Diese Haltung schafft Gesprächsräume und senkt Anspannung – gerade dann, wenn Sprache schwerfällt.
Dasein (Being with): Emotionale Präsenz, ohne sofort Lösungen anbieten zu müssen. Teams, die füreinander aushalten können – im Schweigen, im Innehalten, im gemeinsamen Durchatmen – schaffen einen Raum, in dem Gefühle sein dürfen. Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke.
Entlasten (Doing for): Konkrete Hilfe, die trägt, ohne zu entmündigen. Aufgaben werden übernommen, Lasten geteilt – und zwar so, dass die Würde und Leistungsfähigkeit der anderen geschützt bleibt.
Befähigen (Enabling): Das Team stellt gemeinsam seine Handlungsfähigkeit wieder her – durch das Sammeln von Perspektiven, das Entwickeln von Optionen und das Benennen von Grenzen. So entstehen wieder gemeinsame Skripte, nach denen gehandelt werden kann.
Diese vier Modi sind keine abstrakten Konzepte. Sie sind beobachtbare, wiederholbare Handlungen – und damit der Beweis, dass Teamwork als Charakterstärke nicht im Verborgenen bleibt, sondern im Alltag sichtbar wird.
Wie Sie Teamwork als Charakterstärke stärken
Charakterstärken sind keine fixen Eigenschaften – sie sind gestaltbar. Das gilt auch für Teamwork. Wer sie bewusst kultiviert, verändert nicht nur das eigene Erleben im Team, sondern beeinflusst das gesamte soziale Gefüge. Die folgenden Impulse richten sich an Einzelpersonen, Führungskräfte und alle, die Resilienz in Teams professionell begleiten. Denn obwohl Teamwork als individuelle Charakterstärke gesehen werden kann, entfaltet sie Ihre Wirkung doch erst im Miteinander.
Übung 1: Die eigene Teamwork-Stärke reflektieren
Bevor wir Teamwork im Außen stärken, lohnt sich ein ehrlicher Blick nach innen. Die folgenden Fragen sind keine Checkliste – sie sind eine Einladung zur Selbstwahrnehmung:
- In welchen Momenten bringe ich mich wirklich für das Team ein – und wann halte ich mich zurück?
- Wo erlebe ich echtes Commitment gegenüber meinem Team – und wo ist es eher Pflicht?
- Wann war ich zuletzt loyal, auch wenn es mich etwas gekostet hat?
- Stelle ich mir die Frage „Was braucht das Team jetzt?“ – oder überwiegt „Was ist meine Aufgabe?“
Wer diese Fragen regelmäßig stellt – zum Beispiel am Ende einer Arbeitswoche – entwickelt ein feineres Gespür dafür, wie die eigene Teamwork-Stärke gerade gelebt wird. Und wo Wachstum möglich ist.
Übung 2: Caring aktiv kultivieren – die drei Hebel aus der Forschung
Hartmann, Weiss und Hoegl (2025) benennen drei konkrete Hebel, mit denen Caring als gelebte Praxis in Teamkultur verankert werden kann. Sie lassen sich direkt in den Alltag übertragen:
Caring als geteilte Norm etablieren
Caring darf nicht von einzelnen besonders empathischen Personen abhängen – es muss zur selbstverständlichen Erwartung im gesamten Team werden. Das bedeutet konkret: Beziehungsqualität wird bewusst thematisiert, nicht nur Ergebnisqualität. Ein einfacher Einstieg: In Teambesprechungen regelmäßig die Frage stellen – „Wie geht es uns gerade als Team?“ – und damit signalisieren, dass das Miteinander genauso zählt wie das Ergebnis.
Stimme ermöglichen: Alle Perspektiven hörbar machen
Caring wächst dort, wo Menschen sich gehört fühlen. Teams können das aktiv gestalten: durch Gesprächsformate, in denen nicht die Lautesten dominieren, durch explizites Nachfragen bei ruhigeren Mitgliedern, durch die Kultur, dass abweichende Meinungen willkommen sind. Wer erlebt, dass seine Perspektive zählt, ist eher bereit, sich selbst „kümmernd“ zu verhalten – eine positive Rückkopplungsschleife.
Rituale nutzen: Sicherheit durch Wiederholung
Rituale wirken wie Anker – besonders in unsicheren Zeiten. Ob ein kurzer Check-in zu Beginn jedes Meetings, ein gemeinsames Innehalten nach schwierigen Phasen oder ein regelmäßiges Format zur Teamreflexion: Rituale schaffen Orientierung, stärken Zugehörigkeit und machen Caring sichtbar. Sie müssen nicht groß sein. Aber sie müssen wiederkehrend sein.
Für Führungskräfte: Teamwork sichtbar machen und würdigen
Führungskräfte prägen Teamkultur – oft mehr durch das, was sie beiläufig tun, als durch das, was sie explizit fordern. Wer Teamwork als Charakterstärke stärken möchte, kann folgendes tun:
Benennen, was gut läuft: Wenn jemand im Team eine Aufgabe übernimmt, die nicht seine war, oder eine Kollegin in einer schwierigen Phase entlastet – das laut anerkennen. Was Aufmerksamkeit bekommt, wächst.
Selbst vorleben: Caring beginnt an der Spitze. Führungskräfte, die eigene Unsicherheit zeigen, aktiv nachfragen und auch mal eine Last vom Team nehmen, modellieren genau das Verhalten, das sie sich von anderen wünschen.
Strukturen schaffen: Teamwork braucht Zeit und Raum. Wer Zusammenarbeit will, muss Gelegenheiten dafür einplanen – in Meetings, in Projektformaten, in der Tagesstruktur.
Für Trainer und Coaches: Teamwork in Resilienztrainings einbetten
Teamwork als Charakterstärke lässt sich hervorragend in Resilienztrainings verankern – als Brücke zwischen individueller und kollektiver Resilienz. Einige Impulse:
VIA-Stärkenprofil im Team: Wenn Teilnehmende ihre eigenen Charakterstärken kennen, lässt sich Teamwork gezielt in Relation zu anderen Stärken betrachten – und Synergien werden sichtbar. Schauen Sie sich dazu gerne eine kostenfreie und wertvolle Ressource unter www.Stärkenstern.de an.
Caring-Modi als Reflexionsrahmen: Die vier Modi nach Hartmann et al. (2025) – Verstehen, Dasein, Entlasten, Befähigen – eignen sich als Gesprächsgrundlage in Teamworkshops. Wo sind wir stark? Wo haben wir blinde Flecken?
Interner Link: Weiterführende Impulse finden Sie in unserem Blogartikel Caring im Team.
Wozu führt gelebtes Teamwork?
Teamwork zahlt sich aus. Nicht nur im Sinne von Effizienz oder Leistung – sondern auf einer tieferen Ebene: als Quelle von Halt, Sinn und gemeinsamer Widerstandskraft. Wer Teamwork als innere Haltung lebt und kultiviert, verändert nicht nur sein eigenes Erleben – er verändert das Gefüge um sich herum.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Teamwork stärkt die psychologische Sicherheit im Team – und damit die Grundlage für Lernen, Kreativität und offene Kommunikation
- Gelebtes Caring erzeugt Togetherness – ein spürbares Wir-Gefühl, das in Krisenzeiten trägt
- Teams mit starker Teamwork-Kultur entwickeln kollektive Handlungsfähigkeit – das Vertrauen: „Wir können gemeinsam handeln, auch wenn es schwer wird“
- Teamwork wirkt präventiv: Teams, die Caring kultiviert haben, sind bei kommenden Problemen, Stress und Krisen besser geschützt
- Auf individueller Ebene stiftet Zugehörigkeit Sinn – und Sinn ist einer der robustesten Resilienzfaktoren überhaupt
- Teamwork als Charakterstärke ist erlernbar und entwickelbar – sie ist kein Talent, sondern eine Praxis
Togetherness und kollektive Handlungsfähigkeit
Hartmann, Weiss und Hoegl (2025) beschreiben zwei zentrale Outcomes resilienter Teams: Togetherness – das spürbare Wir-Gefühl, das Halt gibt – und Collective Agency – das gemeinsame Vertrauen, auch in schwierigen Momenten handlungsfähig zu sein. Beide entstehen nicht von selbst. Sie sind das Ergebnis gelebter Teamwork-Stärke: von Menschen, die füreinander eintreten, die Verantwortung teilen und die auch dann da sind, wenn es nichts zu gewinnen gibt.
Was die Studie besonders eindrücklich zeigt: Diese Outcomes wirken weit über die akute Krise hinaus. Teams, die einmal erlebt haben, wie Caring funktioniert, tragen dieses Muster in die nächste schwierige Phase. Die Forschenden nennen das den Interepisode-Effekt: Erlebte Verbundenheit und geteilte Handlungsfähigkeit federn zukünftige Belastungen ab – und machen es wahrscheinlicher, dass Caring beim nächsten Mal schneller und selbstverständlicher entsteht. Eine positive Ressourcenspirale, die sich selbst verstärkt.
Zugehörigkeit als Sinnquelle
Über die Teamebene hinaus wirkt Teamwork auf etwas Grundlegenderes: das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Die Wissenschaftler Baumeister and Leary (1995) beschrieben dieses Bedürfnis als fundamentales psychologisches Grundbedürfnis – und die Forschung seitdem hat diese Einschätzung vielfach bestätigt. Wer sich wirklich zugehörig fühlt, erlebt seine Arbeit als bedeutsamer, übersteht Rückschläge leichter und zeigt mehr Engagement – nicht weil er muss, sondern weil er will.
Teamwork als Charakterstärke ist damit auch ein Weg zu mehr Sinn im Berufsalltag. Nicht durch große Visionen oder strategische Ziele – sondern durch das schlichte, kraftvolle Erleben: Ich bin Teil von etwas. Ich werde gebraucht. Ich trage bei. Der Faktor der Selbsttranszendenz – über sich selbst hinaus gehendes Erleben – ist hierbei wirksam.
Resilienz als Kulturmuster – nicht als Ausnahme
Resilienz ist kein Zufallsprodukt. Sie ist gestaltbare Architektur. Teams, die Teamwork als Haltung verankern – durch Normen, Rituale, Führungsverhalten und bewusste Praxis – bauen eine Kultur auf, die trägt. Täglich, in kleinen Momenten des Daseins, des Entlastens, des Zuhörens.
Jede Ehrenrunde, die ein Team gemeinsam geht, macht das nächste Mal leichter. Nicht weil die Herausforderung kleiner wird – sondern weil das Team größer geworden ist. Innerlich. Gemeinsam.
Ins Tun kommen
Teamwork beginnt nicht im nächsten Teamworkshop. Sie beginnt heute – in dem Moment, in dem Sie sich fragen: Was braucht mein Team gerade von mir?
Vielleicht ist es ein ehrliches Gespräch. Vielleicht eine übernommene Aufgabe. Vielleicht nur die Geste, wirklich zuzuhören, ohne sofort eine Lösung anzubieten. Das Ruderboot bewegt sich nicht, weil alle gleichzeitig stark sind. Es bewegt sich, weil alle gleichzeitig da sind.
Quellen:
Baumeister, R. F., & Leary, M. R. (1995). The need to belong: Desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation. Interpersonal development, 57-89.
Bishop, J. W., & Scott, K. D. (2000). An examination of organizational and team commitment in a self-directed team environment. Journal of applied psychology, 85(3), 439.
Edmondson, A. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative science quarterly, 44(2), 350-383.
Eisenberger, N. I., & Cole, S. W. (2012). Social neuroscience and health: neurophysiological mechanisms linking social ties with physical health. Nature neuroscience, 15(5), 669-674.
Hartmann, S., Weiss, M., & Hoegl, M. (2025). Yes, we (still) can! A qualitative study on the dynamic process of team resilience. Journal of Management, 01492063251342209.
Holt-Lunstad, J., Smith, T. B., Baker, M., Harris, T., & Stephenson, D. (2015). Loneliness and social isolation as risk factors for mortality: a meta-analytic review. Perspectives on psychological science, 10(2), 227-237.
Peterson, C., & Seligman, M. E. (2004). Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification (New York: American Psychological Association & Oxford University Press, 2004). Reflective Practice: Formation and Supervision in Ministry.
Rozovsky, J. (2015). re: Work-The five keys to a successful Google team. Re: Work. Google. November, 17, 2015.
Gallup (2023). State of the Global Workplace: 2023 Report. Gallup Press. https://www.gallup.com/workplace/393497/world-trillion-workplace-problem.aspx
Gallup (2024). State of the Global Workplace: 2024 Report. https://www.gallup.com/workplace/645566/employees-worldwide-feel-lonely.aspx
Reward Gateway | Edenred (2025). Workplace Loneliness: New Research for 2025. https://www.rewardgateway.com/blog/workplace-loneliness-new-research-for-2025-rger
VIA Institute on Character. (o. J.). Teamwork. https://www.viacharacter.org/character-strengths/teamwork
Bildquelle: www.depositphotos.com: Joyful Team Of Coworkers@Milkos, Women’s rowing team on blue water@Dmitrydesign, Commitment and Engagement Meter@NiceIdeas, Panoramic shot of colorful chalk@VadimVasenin, Portrait of young smiling@Garetsworkshop, Paper Dolls@newlight
Rebecca van der Linde, M.A. Germanistik und Kulturanthropologie, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Resilienz Akademie. Als Resilienz-Trainerin und Resilienz-Coach betreut sie den Blog der Resilienz Akademie und unterstützt in der konzeptionellen Entwicklung. Zudem agiert als SEO-Managerin für die Website. Ihr Schwerpunkt liegt auf der digitalen Präsenz der Themen rund um individuelle und organisationale Resilienz.

Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Experten für angewandte Resilienz in Deutschland. Er ist 6-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich angewandter individueller Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator der Resilienz Initiative (www.Resilienz-Initiative.com) und des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses mit bisher über 300 Interviews mit Resilienzexpert:innen (www.Resilienz-Kongress.de), Herausgeber des ResilienzLetters (www.ResilienzLetter.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).