Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund ist

Wie nennt man eine Hexe in der Wüste? – Sandwitch!

Das ist der Lieblingswitz von Rebeccas Sohn, der mit 3 Jahren eigentlich noch gar nicht verstehen kann, warum das witzig sein sollte. Aber er bekommt mit, wie sein Umfeld darauf reagiert, und lacht sich anschließend selbst schlapp. Es ist ein ganz alltäglicher, fast unscheinbarer Moment, hinter dem eine der tiefgründigsten menschlichen Fähigkeiten überhaupt steckt: Humor.

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istEr hilft uns, schwierige Situationen zu überstehen, Spannungen zu lösen und das Leben mit einer gewissen Leichtigkeit zu betrachten – selbst dann, wenn es uns eigentlich zum Weinen ist. Humor ist wie ein innerer Schutzschild, der uns nicht abstumpfen, sondern offen und verbunden bleiben lässt. Wer in dunklen Zeiten noch lachen kann, der verliert nicht den Boden unter den Füßen. Im Gegenteil – er gewinnt Halt.

Vielleicht kennen Sie diese Menschen: Sie betreten einen Raum, und schon hebt sich die Stimmung. Nicht weil sie laut oder aufdringlich sind, sondern weil sie mit einem Augenzwinkern das Leben betrachten. Sie bringen andere zum Lachen, nicht um sich selbst zu inszenieren, sondern um Gemeinschaft zu schaffen, Nähe, Wärme. Diese Menschen besitzen eine besondere Stärke – die Charakterstärke Humor.

In einer Welt voller Ernst, Druck und Krisen ist Humor kein Luxus, sondern eine Überlebenskunst. Und das Beste daran: Humor ist nicht nur angeboren – er ist trainierbar, entwickelbar, kultivierbar. In diesem Artikel entdecken Sie, warum Humor eine Schlüsselstärke für Resilienz ist, wie Sie ihn besser verstehen und gezielt im Alltag nutzen können – und was er für Ihr seelisches Wohlbefinden, Ihre Beziehungen und sogar Ihre Gesundheit bewirken kann.

Warum ist Humor für Resilienz wichtig?

In Momenten der Unsicherheit, der Belastung oder der Veränderung zeigt sich, worauf wir innerlich bauen können. Humor gehört dabei zu den Kräften, die oft unterschätzt werden – weil sie leise wirken. Und doch: Ein einziger Lacher kann Spannungen lösen, Nähe schaffen und das Gedankenkarussell stoppen. Humor ist mehr als Unterhaltung. Er ist eine Haltung – eine Perspektive, die selbst im Schatten noch Licht entdeckt.

Gerade in stressreichen Phasen, wenn die Kontrolle zu entgleiten droht, bringt Humor eine Form der inneren Souveränität zurück. Nicht als Verdrängung, sondern als kreativer Umgang mit dem, was ist. Wer in der Lage ist, die Komik im Ernst des Lebens zu entdecken, kultiviert genau das, was Resilienz ausmacht: mentale Flexibilität.

Doch was passiert eigentlich, wenn dieser Zugang fehlt? Wenn Humor unterdrückt wird, weil „jetzt kein Platz dafür ist“? Wenn das Leben seine Leichtigkeit verliert und wir vergessen, zu lachen?

Mehr Stress und psychische Belastung

Wenn Humor als kognitiver Bewältigungsmechanismus fehlt, bleibt unsere Wahrnehmung oft im reinen Problemerleben stecken. Wir verlieren die Fähigkeit, eine belastende Situation umzudeuten, mit Distanz zu betrachten oder uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Studien belegen: Menschen mit einem schwach ausgeprägten „self-enhancing“-Humorstil – also der Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen heiter zu bleiben – zeigen häufiger Symptome von Stress, Ängsten und Depression (vgl. Martin & Kuiper, 1999).

Der gezielte oder unbewusste Verzicht auf Humor macht also emotional weniger flexibel – wir können uns nicht mehr so gut von Belastungen „erholen“, wie es resilientere Menschen mit Humorzugang können.

Geringere soziale Verbundenheit

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istHumor ist ein sozialer Katalysator. Wer lacht, verbindet sich – auf einer emotionalen Ebene, oft jenseits von Sprache. Studien zeigen, dass Humor Vertrauen fördert, die Kooperationsbereitschaft erhöht und sogar als Signal für psychische Stabilität gilt (Caron, 2002). Fehlt dieser Zugang, kann das die soziale Nähe behindern. Menschen ohne Humor wirken häufig distanzierter oder rigider – nicht selten ungewollt.

In zwischenmenschlichen Beziehungen fehlt dadurch ein Puffer für Konflikte, ein Medium für Vergebung und ein Werkzeug für liebevolle Selbstironie. Gerade in Partnerschaften oder Teamkontexten kann humorlose Ernsthaftigkeit zu Spannungen führen.

Fehlende körperliche Entlastung

Lachen ist nicht nur psychisch entlastend – es wirkt messbar auf den Körper. Es ist wissenschaftlich untersucht, dass intensives Lachen:

  • den Blutdruck senkt,
  • die Herzfrequenz positiv beeinflusst,
  • die Muskelspannung löst und
  • die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol reduziert (Berk et al., 1989).

Fehlt diese körperliche „Entspannungsreaktion“, bleiben Stressfolgen länger aktiv. Wer dauerhaft auf Humor verzichtet – sei es durch kulturelle Normen, Überforderung oder emotionale Erschöpfung – riskiert eine chronische Übererregung des Stresssystems.

Verlust an Leichtigkeit und Selbstfreundlichkeit

Ohne Humor verengen sich unsere inneren Handlungsspielräume. Wir nehmen uns selbst – oder die Welt – zu ernst. Selbstkritik wird dann schnell zu Selbstverurteilung. Humor, besonders in Form liebevoller Selbstironie, dient als wichtiges Ventil zur Selbstakzeptanz. Menschen, die Humor unterdrücken oder als „unangebracht“ empfinden, verlieren oft diese sanfte Distanz zu sich selbst.

Der Alltag wird schwerer, Routinen rigider – die Fähigkeit, spielerisch mit Problemen umzugehen, nimmt ab. So kann fehlender Humor langfristig zu einer emotionalen „Verkapselung“ führen, in der Resilienz kaum mehr wachsen kann.

Was ist Humor?

Humor gehört zu den menschlichen Qualitäten, die wir intuitiv als „sympathisch“ oder „angenehm“ wahrnehmen – aber oft unterschätzen wir seine psychologische Tiefe. Erst mit dem Aufkommen der Positiven Psychologie, maßgeblich geprägt durch Martin Seligman, rückte Humor ins wissenschaftliche Interesse: nicht als bloße Unterhaltung, sondern als Charakterstärke mit messbarer Wirkung auf Wohlbefinden, soziale Bindung und Resilienz.

Im Rahmen der VIA-Klassifikation (Values in Action), die Seligman gemeinsam mit Christopher Peterson entwickelte, zählt Humor zu den insgesamt 24 universellen Charakterstärken – genauer: zu den Stärken der Transzendenz. Diese helfen dem Menschen, Sinn zu erfahren, angenehme Emotionen zu erleben und sich mit etwas Größerem als dem eigenen Ich zu verbinden (Peterson & Seligman, 2004).

Menschen mit ausgeprägtem Humor bringen andere zum Lachen, nehmen das Leben nicht zu schwer – und vor allem: sie besitzen die Fähigkeit, auch in ernsten Momenten Leichtigkeit zu bewahren. Doch was genau verstehen wir unter Humor im psychologischen Sinne?

Definition

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istHumor lässt sich für uns subjektiv relativ leicht erkennen – aber nur schwer eindeutig definieren. Ist es ein Witz? Ein Lächeln? Eine Reaktion? Oder eine Haltung? Die psychologische Forschung nähert sich dem Phänomen auf mehreren Ebenen. Grundlegend gilt: Humor ist ein vielschichtiges Konstrukt, das sowohl kognitive, emotionale als auch soziale Prozesse umfasst.

In der Literatur wird Humor oft definiert als die Fähigkeit, inkongruente Informationen so zu verarbeiten, dass sie als unterhaltsam, erleichternd oder erheiternd empfunden werden (Martin & Ford, 2006). Das bedeutet: Humor entsteht häufig dann, wenn etwas „nicht zusammenpasst“ – ein Widerspruch, ein Unerwartetes –, aber nicht als bedrohlich, sondern als harmlos oder überraschend positiv bewertet wird.

Diese sogenannte Inkongruenztheorie ist eine der bekanntesten wissenschaftlichen Erklärungsmodelle für Humor. Sie besagt, dass Humor auf dem Bruch mit Erwartungen beruht – also darauf, dass wir etwas anderes erwarten, als dann tatsächlich passiert. Wenn unser Gehirn diesen Bruch als ungefährlich einstuft, entsteht eine heitere, oft befreiende Reaktion: Lachen.

Formen von Humor

In der Positiven Psychologie wird Humor nicht einfach als „lustig sein“ verstanden, sondern als eine Haltung, die Freude an der Heiterkeit empfindet, andere zum Lachen bringt und selbst das Lachen genießen kann. So definieren Peterson und Seligman (2004) Humor in ihrer VIA-Klassifikation: als eine Stärke der Transzendenz – also eine Fähigkeit, die hilft, Hoffnung, Sinn und Leichtigkeit im Leben zu bewahren. Diese Form von Humor wirkt verbindend, entlastend und stärkt sowohl das eigene Wohlbefinden als auch das der Menschen um uns herum.

Ein besonders etabliertes Modell zur Differenzierung von Humorformen stammt von Rod A. Martin und Kolleg:innen (2003). Es unterscheidet vier grundlegende Humor-Stile, die sich im Alltag sehr unterschiedlich auswirken können:

  • Affiliativer Humor: Humor, der Beziehungen stärkt, Verbindung schafft und Spannungen mildert. Menschen mit diesem Stil bringen andere zum Lachen, ohne sie bloßzustellen. Sie fördern durch ihren Humor ein angenehmes, unterstützendes Miteinander.
  • Self-enhancing Humor: Humor zur Selbstregulation. Man kann über sich selbst oder die Widrigkeiten des Lebens schmunzeln und bewahrt auch in schwierigen Zeiten eine gewisse Leichtigkeit. Dieser Stil ist besonders hilfreich für die eigene Resilienz und emotionale Stabilität.
  • Aggressiver Humor: Humor auf Kosten anderer – etwa durch Sarkasmus, Spott oder ironische Herabsetzung. Zwar kann dieser Humor kurzfristig unterhalten, langfristig jedoch soziale Verbindung schwächen oder verletzen.
  • Selbst-defizitärer (self-defeating) Humor: Hier wird man selbst zur Zielscheibe, um andere zum Lachen zu bringen oder Zugehörigkeit zu erzeugen. Studien zeigen, dass dieser Stil oft mit einem niedrigeren Selbstwertgefühl und höherer psychischer Belastung einhergeht.

Die Forschung ist sich einig: Affiliativer und self-enhancing Humor stehen in engem Zusammenhang mit höherem Wohlbefinden, besseren sozialen Beziehungen und höherer Lebenszufriedenheit. Dagegen sind aggressiver und selbst-defizitärer Humor mit erhöhtem Stress, schlechterer Selbstwahrnehmung und mehr Konflikten verbunden (vgl. Mendiburo‐Seguel, Páez, & Martínez‐Sánchez, 2015).

Die psychologischen Mechanismen hinter Humor

Humor wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig – kognitiv, emotional und sozial. Er ist weit mehr als eine Reaktion auf etwas Lustiges. Psychologisch betrachtet ist Humor ein aktives Werkzeug zur Stressverarbeitung, zur Förderung emotionaler Balance und zur Stärkung zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Forschung zeigt, dass humorvolle Menschen häufig resilienter, sozial integrierter und emotional stabiler sind. Im Folgenden betrachten wir die drei zentralen Wirkmechanismen im Detail:

Kognitive Ebene: Distanz schaffen und umdenken

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istHumor hilft, Abstand zu belastenden Situationen zu gewinnen. Er erlaubt es, das Geschehen aus einer neuen Perspektive zu betrachten und dadurch psychisch zu entlasten. Diese Fähigkeit zur kognitiven Neubewertung („reappraisal“) ist ein zentraler Mechanismus der Emotionsregulation. Besonders der sogenannte „self-enhancing Humor“ unterstützt diese kognitive Flexibilität.

In experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass humorvolle Re-Interpretationen von negativen Bildern die emotionale Reaktion deutlich abschwächen – und dabei effektiver sind als ernste oder sachliche Umdeutungen (Samson & Gross, 2012).

Emotionale Ebene: Angenehme Gefühle und Stressabbau

Humor ruft angenehme Emotionen hervor – wie Freude, Vergnügen und Erleichterung. Diese wirken wie emotionale „Gegenspieler“ zu Angst, Ärger oder Stress. Gleichzeitig führt Lachen zu messbaren physiologischen Reaktionen: der Muskeltonus sinkt, die Atmung wird tiefer, Stresshormone wie Cortisol nehmen ab, während Glückshormone wie Endorphine ansteigen (Berk et al., 1989).

Soziale Ebene: Verbindung schaffen und Spannungen lösen

Humor ist zutiefst sozial. Studien zeigen, dass Menschen viel häufiger in Gegenwart anderer lachen als allein. Lachen ist also ein Kommunikationssignal, das emotionale Nähe, Vertrauen und Kooperationsbereitschaft fördert (Martin & Ford, 2006).

In sozialen Kontexten wirkt Humor oft deeskalierend, verbindend und beziehungsfördernd – sei es in Partnerschaften, Familien oder Teams. Besonders affiliativer Humor – also Humor, der nicht auf Kosten anderer geht – wird mit höherem Beziehungsglück und geringeren Konflikten assoziiert (Mendiburo‐Seguel et al., 2015).

Wie lässt sich Humor im Alltag kultivieren?

Humor ist kein Privileg für geborene Comedians oder Menschen mit „Witz-Gen“. Vielmehr ist er eine Haltung, die sich – wie ein Muskel – trainieren lässt. Die gute Nachricht: Sie müssen nicht ständig Witze reißen, um humorvoll zu sein. Viel entscheidender ist die innere Bereitschaft, das Leben nicht zu schwer zu nehmen, selbstironisch mit den eigenen Schwächen umzugehen und auch im Chaos die Komik zu entdecken.

Perspektivwechsel durch absichtliche Übertreibung

Wenn eine Situation Sie ärgert oder überfordert, probieren Sie Folgendes: Stellen Sie sich vor, wie die Szene in einer Sitcom oder Cartoon-Version aussehen würde. Oder übertreiben Sie das Problem absichtlich in Gedanken ins Lächerliche („Wenn ich noch eine E-Mail kriege, explodiert mein Laptop und wir starten alle als Brieftaubenzentrale neu…“).

Diese Methode wirkt wie ein psychologischer Perspektiv-Booster. Sie basiert auf der Technik des kognitiven Reframings – einer bewährten Strategie der Resilienzförderung (Gross, 2015). Der absichtliche Humor löst dabei Spannung und öffnet neue Handlungsspielräume.

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istEines der schönsten Sinnbilder für die Kraft des Humors findet sich in der Welt von Harry Potter: Dort lernen die Schüler einen Zauberspruch namens „Riddikulus“ – ein Wort, das nicht nur auf das Englische „ridiculous“ (lächerlich) verweist. Der Zauber wird gegen sogenannte Irrwichte eingesetzt – magische Wesen, die sich in das verwandeln, was einem Menschen am meisten Angst macht. Die einzige Möglichkeit, sie zu besiegen: Man muss sie durch eine humorvolle Vorstellung lächerlich machen. Wir können in echt ebenfalls diesen Zauber nutzen – bloß brauchen wir weder Zauberstab noch -spruch ;)

Humorvolle Vorbilder bewusst einbauen

Wer sind Ihre humorvollen Vorbilder – im echten Leben oder in Film, Literatur, Kabarett? Halten Sie Ausschau nach Menschen, die schwierige Themen mit Leichtigkeit ansprechen, ohne zu bagatellisieren. Lernen Sie von ihrem Umgangston, ihren Metaphern, ihrer Haltung.

Gerade in schwierigen Zeiten kann es hilfreich sein, gezielt humorvolle Inhalte zu konsumieren, die nicht ablenken, sondern ein anderes Licht auf das Problem werfen. Therapeutisches Lachen und humorbasierte Interventionen werden inzwischen auch in der Psychotherapie und Pflege erfolgreich eingesetzt (Falkenberg, Buchkremer, Bartels, & Wild, 2011).

Humor-Routinen im Alltag etablieren

  • In unseren Akademie-Räumen in Göttingen hängt direkt im Eingang ein großes Plakat mit der Frage: „Was hat Sie heute lächeln lassen?“ – allein diese Frage bringt Leichtigkeit und Freude in den Alltag. Und man startet auch direkt mit einem Lächeln in den Arbeitstag. Wie können Sie sich diese Frage täglich stellen?
  • Legen Sie sich eine Sammlung an Cartoons, Zitaten oder humorvollen Videos an, die Sie gezielt einsetzen, wenn Sie merken: Jetzt wird alles zu schwer. Instagram bietet beispielsweise eine gute Möglichkeit, eine solche Bibliothek anzulegen. Es gibt auch Tischkalender mit humorvollen Sprüchen und Bildern.
  • Üben Sie, regelmäßig über sich selbst zu lachen – ohne sich abzuwerten, sondern mit liebevoller Selbstfreundlichkeit. Vielleicht gibt es auch Menschen in Ihrem Umfeld, mit denen Ihnen das besonders leicht fällt, und die Ihnen beim „Üben“ helfen können.

Diese kleinen Routinen schaffen eine „humorfreundliche Atmosphäre“ – sowohl in Ihrem Inneren als auch im Miteinander mit anderen.

Humor in der Therapie

Auch in der Psychotherapie spielt Humor eine zunehmend bedeutsame Rolle – nicht als Ablenkung, sondern als kraftvolle Intervention. Die provokative Therapie nach Dr. Noni Höfner und Dr. Charlotte Cordes nutzt gezielten, wohlwollenden Humor, um festgefahrene Denkmuster spielerisch herauszufordern und emotionale Reaktionen zu aktivieren.

Dr. Gunther Schmidt, Mitbegründer der hypnosystemischen Therapie, spricht von „lösungsorientierter Leichtigkeit“, während Dr. Michael Bohne Humor als zentrale Haltung in der emotionalen Prozessarbeit beschreibt – etwa in seiner Arbeit mit PEP (Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie). Gemeinsam zeigen sie: Humor kann heilsam sein, wenn er empathisch, achtsam und klug eingesetzt wird.

Podcast-Empfehlung: „Der Provokative Ansatz in Coaching und Therapie – Bonus: Dr. Michael Bohne über Humor und Leichtigkeit in der Therapie“ – Jetzt anhören 

Lese/Video-Empfehlung: Humor, Haltung und Heilung – Dr. Michael Bohne über Resilienz im therapeutischen Kontext – Jetzt lesen und Interview anschauen

Wozu führt ein humorvolles Leben?

Humor ist nicht nur ein Werkzeug für den Moment, sondern eine Haltung mit Langzeitwirkung. Wer Humor kultiviert, baut damit ein inneres Fundament aus Leichtigkeit, Menschlichkeit und Verbindung – was gerade in Krisenzeiten ein Licht in dunkle Zeiten bringt.

Humor als Weg zu Sinn und Lebensfreude

Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istHumor ist eine Form der Sinngebung. Indem wir das Absurde, Widersprüchliche oder Schwierige mit einem Augenzwinkern betrachten können, erkennen wir: Nicht alles muss perfekt, logisch oder kontrollierbar sein, um lebenswert zu sein. Humor macht das Leben nicht leichter – aber leichter erträglich.

Die positive Psychologie beschreibt Humor als eine Stärke der Transzendenz – also als Fähigkeit, über das Alltägliche hinauszublicken und im scheinbar Banalen etwas Verbindendes, Berührendes oder sogar Tröstliches zu erkennen. Humor eröffnet damit einen Raum für Sinn – nicht im spirituellen, sondern im menschlich-existenziellen Sinne: Das Leben ist vielleicht verrückt – aber ich bin nicht allein damit.

Humor als sozialer Kitt und Bindeglied

Humor ist eines der stärksten sozialen Bindemittel. Gemeinsames Lachen schafft Nähe, senkt soziale Barrieren, überwindet Unterschiede. In einer Zeit, in der Polarisierung, Reizüberflutung und digitale Distanz zunehmen, ist Humor ein Gegengewicht: Er verbindet durch Menschlichkeit.

Humor hat das Potenzial, Brücken zu bauen – zwischen Generationen, Kulturen, sozialen Schichten. In Partnerschaften und Familien stärkt humorvolle Kommunikation Vertrauen, Respekt und Versöhnungsbereitschaft. Studien zeigen, dass Humor im sozialen Kontext oft als Signal für psychische Stabilität und soziale Kompetenz wahrgenommen wird (Caron, 2002).

Und nicht zuletzt: Humor kann auch in Gruppen, Teams und Organisationen ein Klima der Offenheit fördern – ein Raum, in dem Fehler erlaubt sind, Kreativität fließt und Menschen sich sicher fühlen, sie selbst zu sein.

Humor als Bewältigungsstrategie in Krisenzeiten

Besonders in schweren Zeiten entfaltet Humor seine tiefste Wirkung. Ob in Krankheit, Trauer, Verlust oder gesellschaftlicher Krise – die Fähigkeit, einen Moment der Leichtigkeit zu finden, kann überlebenswichtig sein. Nicht, um den Schmerz zu leugnen, sondern um nicht an ihm zu zerbrechen.

In der Traumapsychologie spricht man vom „gallows humor“ – einem trockenen, manchmal schwarzen Humor, der hilft, das Unsagbare sagbar zu machen. Auch in Pflege, Palliativmedizin oder Notfallpsychologie wird Humor gezielt eingesetzt – als Mittel, um Spannungen abzubauen, Würde zu erhalten und emotionale Entlastung zu ermöglichen (Dean & Gregory, 2005).

Wer in schwierigen Lebensphasen nicht nur weinen, sondern auch lachen kann, zeigt eine besonders reife Form von Resilienz: die Kunst, Gegensätze zu halten.

Humor ist mehr als ein Lächeln im Gesicht – er ist eine Haltung im Herzen. Wer Humor kultiviert, investiert in die eigene Resilienz, in zwischenmenschliche Nähe und in gesellschaftliche Offenheit. Es geht nicht darum, immer zu lachen – sondern darum, das Lachen nie ganz zu verlieren. Humor hilft uns, menschlich zu bleiben, wenn das Leben uns herausfordert. Und genau deshalb ist er eine der wichtigsten Ressourcen unserer Zeit.

Quellen

Berk, L. S., Tan, S. A., Fry, W. F., Napier, B. J., Lee, J. W., Hubbard, R. W., . . . Eby, W. C. (1989). Neuroendocrine and stress hormone changes during mirthful laughter. The American journal of the medical sciences, 298(6), 390-396.

Caron, J. E. (2002). From ethology to aesthetics: evolution as a theoretical paradigm for research on laughter, humor, and other comic phenomena. Humor: International Journal of Humor Research, 15(3).

Dean, R. A. K., & Gregory, D. M. (2005). More than trivial: strategies for using humor in palliative care. Cancer nursing, 28(4), 292-300.

Falkenberg, I., Buchkremer, G., Bartels, M., & Wild, B. (2011). Implementation of a manual-based training of humor abilities in patients with depression: A pilot study. Psychiatry research, 186(2-3), 454-457.

Gross, J. J. (2015). Emotion regulation: Current status and future prospects. Psychological inquiry, 26(1), 1-26.

Martin, R. A., & Ford, T. (2006). The psychology of humor. Burlington, MA: Elsevier, 2.

Martin, R. A., & Kuiper, N. A. (1999). Daily occurrence of laughter: Relationships with age, gender, and Type A personality.

Martin, R. A., Puhlik-Doris, P., Larsen, G., Gray, J., & Weir, K. (2003). Individual differences in uses of humor and their relation to psychological well-being: Development of the Humor Styles Questionnaire. Journal of research in personality, 37(1), 48-75.

Mendiburo‐Seguel, A., Páez, D., & Martínez‐Sánchez, F. (2015). Humor styles and personality: A meta‐analysis of the relation between humor styles and the Big Five personality traits. Scandinavian journal of psychology, 56(3), 335-340.

Peterson, C., & Seligman, M. E. (2004). Character strengths and virtues: A handbook and classification (Vol. 1): Oxford university press.

Samson, A. C., & Gross, J. J. (2012). Humour as emotion regulation: The differential consequences of negative versus positive humour. Cognition & emotion, 26(2), 375-384.

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Resilienz Akademie | Charakterstärke Humor: Warum Lachen gesund istRebecca van der Linde, M.A. Germanistik und Kulturanthropologie, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Resilienz Akademie. Als Resilienz-Trainerin und Resilienz-Coach betreut sie den Blog der Resilienz Akademie und unterstützt in der konzeptionellen Entwicklung. Zudem agiert als SEO-Managerin für die Website. Ihr Schwerpunkt liegt auf der digitalen Präsenz der Themen rund um individuelle und organisationale Resilienz.

 


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Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Experten für angewandte Resilienz in Deutschland. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses, in dessen Rahmen er sich bereits mit über 240 weiteren Resilienzexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen ausgetauscht hat (www.Resilienz-Kongress.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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