Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördert

Besonders zu Beginn eines neuen Jahres nehmen wir uns oft vor, etwas zum Besseren zu ändern. Einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen. Und am Anfang eines Vorhabens ist alles noch leicht. Der erste Tag fühlt sich nach Aufbruch an, nach „Jetzt geht’s los!“. Doch dann kommt Tag 9. oder Tag 17. Die Motivation hat sich leise aus dem Staub gemacht, das Leben schiebt sich dazwischen, und plötzlich wirkt das Ziel wie ein Berg, der über Nacht höher geworden ist. Sie stehen da – mit einem halb fertigen Plan, einem müden Kopf und dieser einen Frage: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“

Resilienz Akademie | Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördertGenau hier beginnt Ausdauer. Ausdauer ist nicht das dramatische Durchbeißen mit zusammengebissenen Zähnen. Sie ist eher wie eine kleine, verlässliche Laterne auf einem langen Weg: nicht spektakulär, aber sie leuchtet Schritt für Schritt. Und sie ist auch nicht dasselbe wie Sturheit. Sturheit hält fest, selbst wenn es schadet. Ausdauer bleibt dran – und bleibt dabei klug. Sie kann Pausen einbauen, den Weg anpassen, Hilfe annehmen. Sie sagt: „Ich gehe weiter – aber ich muss nicht rennen.“

In der Resilienzarbeit ist Ausdauer eine Schlüsselstärke, weil Krisen selten wie ein kurzer Regenschauer sind. Oft fühlen sie sich eher an wie eine Wetterlage: zäh, unübersichtlich, wiederkehrend. Wer dann Ausdauer kultiviert, entwickelt eine innere Fähigkeit, die enorm beruhigend wirkt: Ich kann bleiben, auch wenn es schwierig ist. Ich kann wieder anfangen, auch wenn ich unterbrochen wurde.

In diesem Artikel schauen wir uns an, warum Ausdauer Ihre Resilienz stärkt, was diese Charakterstärke psychologisch ausmacht, wie Sie sie alltagstauglich trainieren können – und wozu sie führt, wenn Sie sie nicht als Dauer-Sprint, sondern als tragfähigen Lebensrhythmus verstehen.

Warum ist Ausdauer eine Charakterstärke?

Wenn Ausdauer fehlt, fühlt sich das Leben oft an wie ein Browser mit zu vielen offenen Tabs: überall läuft etwas an – aber nichts wird wirklich zu Ende gebracht. Ein kleiner Widerstand reicht, und der innere „Abbruch-Button“ wird gedrückt: „Bringt eh nichts.“ „Ich fange später noch mal an.“ „Ich bin nicht der Typ dafür.“ Aus psychologischer Sicht ist das nicht nur ärgerlich, sondern ein echter Resilienz-Killer, weil Resilienz selten von einem großen Hero-Moment lebt – sondern von vielen kleinen Entscheidungen, trotz Unlust, trotz Zweifel, trotz Umwegen weiterzugehen.

Rückschläge werden zu Stoppschildern statt zu Wegweisern

Wer schnell aufgibt, bewertet Schwierigkeiten nicht als „Teil der Strecke“, sondern als Beweis, dass etwas nicht machbar ist. Das Problem dabei: Herausforderungen sind normal – im Job, in Beziehungen, beim Gesundwerden, beim Lernen. Wenn jedes Hindernis als Endstation interpretiert wird, wird das eigene Leben kleiner: Man vermeidet, statt zu wachsen. Einer der Gründe, weshalb wir gerne nach dem Wortlaut von Gunther Schmidt nicht von Rückschlägen, sondern von Ehrenrunden sprechen.

Ihre Selbstwirksamkeit schrumpft – und damit die innere Stabilität

Resilienz Akademie | Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördertAlbert Bandura beschreibt Selbstwirksamkeit als die Überzeugung, mit dem eigenen Handeln etwas bewirken zu können (Bandura, 1977). Diese Überzeugung entscheidet mit darüber, ob wir anfangen, wie viel Anstrengung wir investieren und wie lange wir dranbleiben, wenn es unangenehm wird. Wenn wir oft abbrechen, sammeln wir weniger „Ich-hab’s-geschafft“-Erfahrungen – und genau die nähren Selbstwirksamkeit. Das Ergebnis: Beim nächsten Anlauf ist das Vertrauen in die eigenen Kräfte noch dünner.

„Kurz Aufgeben“ wird zur Gewohnheit

Wenn Menschen wiederholt erleben (oder erwarten), dass ihr Tun keinen Unterschied macht, kann sich ein Muster entwickeln, das in der Forschung nach Seligman als „gelernte Hilflosigkeit“ beschrieben wird: weniger Initiative, weniger Ausprobieren, schnelleres Resignieren (Miller & Seligman, 1975) . Das ist kein Charakterfehler – eher ein psychologischer Schutzmechanismus, der jedoch langfristig Energie, Stimmung und Handlungsspielraum kostet.

Resiliente Ausdauer ist nicht Sturheit

Gerade weil Sie Resilienz stärken wollen, gehört zur gesunden Ausdauer auch die Fähigkeit, unrealistische oder unerreichbare Ziele loszulassen und sich neu auszurichten. Studien zur Zielanpassung zeigen: „Loslassen können“ (Goal Disengagement) und „Neu andocken“ (Goal Reengagement) können Wohlbefinden schützen – das ist die kluge Schwester der Ausdauer (Wrosch, Scheier, & Miller, 2013). Resilienz heißt also nicht „immer weiter“, sondern: dranbleiben, wo es sinnvoll ist – und umsteuern, wo es nötig ist.

Unterm Strich: Ohne Ausdauer wird das Leben oft kurzfristiger, enger und fragiler. Mit Ausdauer entsteht etwas sehr Beruhigendes: Sie lernen, dass ein schwieriger Tag nicht das Ende der Geschichte ist, sondern nur eine Seite davon.

Was macht die Charakterstärke Ausdauer aus?

Ausdauer wirkt auf den ersten Blick schlicht: dranbleiben, auch wenn es zäh wird. In der VIA-Systematik (Values in Action) wird „Perseverance“ genau so beschrieben – als Fähigkeit, Begonnenes zu Ende zu bringen und trotz Hindernissen weiterzumachen (Peterson & Seligman, 2004).

Doch psychologisch betrachtet ist Ausdauer keine Einzeltat, sondern ein inneres Zusammenspiel aus Haltung, Aufmerksamkeit und Selbststeuerung. Man könnte sagen: Ausdauer ist weniger der „lautstarke Motivationsruf“ – und mehr der leise Rhythmus, der Sie wieder in Bewegung bringt, wenn die Lust schon im Bett liegt.

Drei Bausteine resilienter Ausdauer

Im Folgenden möchten wir Ihnen drei Bausteine von einer resilienten Ausdauer präsentieren, die zwar nicht als ein Modell aus der Forschung bekannt sind, sondern vielmehr eine Synthese aus Forschungslinien darstellt, um das Konzept besser zu verstehen. Es ist unser Versuch zu erklären, was Ausdauer psychologisch trägt und als Charakterstärke auszeichnet. Die drei Bausteine sind: (a) Commitment an ein Ziel, (b) Selbstregulation im Tun, (c) adaptives Wieder-Einsteigen bzw. Anpassen nach Hindernissen.

Zielbindung – warum Sie überhaupt dranbleiben (und nicht nur „müssen“)

Resilienz Akademie | Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördertAusdauer braucht eine innere Antwort auf die Frage: „Wofür lohnt es sich?“ In der Zielsetzungsforschung ist Goal Commitment einer der zentralen Faktoren dafür, ob Ziele Leistung und Verhalten tatsächlich beeinflussen (Locke & Latham, 2002). Und: Commitment ist nicht „Eigensinn“, sondern die psychologische Bindung an ein Ziel – und sie sagt zuverlässig vorher, wie stark Menschen sich anstrengen und wie lange sie durchhalten (Klein, Wesson, Hollenbeck, & Alge, 1999).

Damit Zielbindung resilient (und nicht hart) wird, hilft ein zweiter Blick aus der Motivationspsychologie: Ausdauer ist stabiler, wenn sie selbstbestimmt ist – also wenn ein Ziel zu Werten passt und nicht nur von Druck getrieben wird (Ryan & Deci, 2000). Praktisch heißt das: Je mehr Ihr „Dranbleiben“ mit Sinn, Wahlfreiheit und innerer Zustimmung verbunden ist, desto eher wird es zur tragenden Kraft statt zur Selbstüberforderung.

Anstrengungsregulation – wie Sie Ausdauer im Alltag steuerbar machen

Viele Menschen scheitern nicht am „Wollen“, sondern an der Übersetzung in Handlung. Genau hier setzt Selbstregulation an: Ziele wirken wie ein inneres Steuerungssystem, das Verhalten laufend mit einem Soll-Zustand vergleicht und nachjustiert (Carver & Scheier, 2001). Ausdauer ist dann nicht nur Charakter, sondern auch Regelkreis: fokussieren, anfangen, dranbleiben, ablenkungsarm weitermachen, Energie klug dosieren.

Ein besonders gut erforschtes Werkzeug in diesem Bereich sind „Implementation Intentions“ („Wenn-Dann-Pläne“): Sie verbinden eine typische Hürde („wenn…“) direkt mit einer konkreten Reaktion („dann…“) und erhöhen so messbar die Wahrscheinlichkeit, dass Verhalten tatsächlich umgesetzt wird (Gollwitzer, 1999). Das ist Ausdauer in alltagstauglich: nicht mehr Disziplin“, sondern bessere Planung an den kritischen Stellen.

Ehrenrunden-Kompetenz – wieder anfangen und manchmal klug umsteuern

Ausdauer wird oft romantisiert: „Wer stark ist, gibt nie auf.“ Resilienzpsychologisch ist das zu kurz. Reifes Dranbleiben bedeutet auch: Rückschläge regulieren (emotional und praktisch) und die Route anpassen, ohne das eigene Selbstwertgefühl zu zerlegen.

Hier ist Forschung zu Zielanpassung sehr hilfreich: Wenn Ziele unerreichbar werden, ist es häufig gesünder, sich lösen zu können (goal disengagement) und neue, sinnvolle Ziele zu finden (goal reengagement) – das hängt mit höherem Wohlbefinden zusammen (Wrosch et al., 2013). Ausdauer ist resilient, wenn sie flexibel ist.

Ein zweiter Faktor hierbei ist die psychologische Flexibilität (u. a. aus ACT): die Fähigkeit, im Kontakt mit unangenehmen Gedanken oder Gefühlen zu bleiben und trotzdem wertorientiert zu handeln – also zu persistieren oder zu verändern, je nachdem, was der Situation dient (Hayes, Levin, Plumb-Vilardaga, Villatte, & Pistorello, 2013). Das trifft eine Ehrenrunden-Kompetenz ziemlich genau: nicht erst handeln, wenn es sich gut anfühlt – sondern handeln, während es schwierig ist.

Was Ausdauer nicht ist

Damit der Begriff nicht kippt, lohnt sich eine klare Abgrenzung:

  • Ausdauer ≠ Sturheit. Sturheit hält fest, selbst wenn der Preis zu hoch wird – sie ist wie ein Lenkrad, das eingerastet ist. Ausdauer dagegen bleibt dem Wofür treu, aber sie erlaubt dem Wie Beweglichkeit: Sie können den Weg anpassen, das Tempo drosseln, Unterstützung holen oder eine Zwischenetappe einbauen, ohne das Ziel gleich komplett aufzugeben. Genau diese Fähigkeit zur Zielanpassung – also unerreichbare Ziele loslassen und sich auf neue, sinnvolle Ziele ausrichten – kann Wohlbefinden schützen (Wrosch et al., 2013).
  • Ausdauer ≠ Perfektionismus. Perfektionismus bindet Sie an Makellosigkeit – und macht Fortschritt oft davon abhängig, ob alles „richtig“ und „sauber“ läuft. Ausdauer bindet Sie an Entwicklung: Sie erlaubt unperfekte Schritte, Umwege und Lernkurven. Der Fokus liegt nicht auf dem perfekten Ergebnis, sondern auf der verlässlichen Bewegung: „Heute ein Schritt – nicht das ganze Leben.“

Und was ist mit „Grit“?

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Vielleicht sind Sie dem Begriff „Grit“ schon begegnet – oft als etwas verkauft, das Erfolg quasi garantiert. In der Originalarbeit wird Grit als „perseverance and passion for long-term goals“ beschrieben: also als Ausdauer und eine längerfristige innere Ausrichtung, die nicht bei der ersten Durststrecke einknickt (Angela L Duckworth, Peterson, Matthews, & Kelly, 2007).

Wichtig ist dabei: Grit ist nicht nur „Durchhalten“. In der Messung wurde der Begriff später in zwei Facetten aufgeteilt: Perseverance of effort (Anstrengungsausdauer) und Consistency of interests (Beständigkeit der Interessen) – also nicht ständig die Richtung zu wechseln (Angela Lee Duckworth & Quinn, 2009). Das klingt erstmal plausibel – kann aber im Alltag Druck erzeugen („Wenn ich die Richtung ändere, fehlt mir Grit“). Und genau hier lohnt die wissenschaftliche Erdung.

Meta-Analysen zeigen nämlich: Grit hängt sehr stark mit Gewissenhaftigkeit zusammen und ist dadurch oft weniger „neue Superkraft“ als ein neuer Name für Bekanntes (Credé, Tynan, & Harms, 2017). Ein Beispiel aus der Bildungsforschung: In einer großen Zwillings-/Schuldatenstudie zeigte sich, dass „Grit“ gegenüber Gewissenhaftigkeit nur wenig zusätzliche Erklärungskraft für schulische Leistung liefert (Rimfeld, Kovas, Dale, & Plomin, 2016)

Was bedeutet das? Grit ist ein hilfreiches Schlagwort, weil es den Blick auf das Wesentliche lenkt: Ausdauer entfaltet ihre Kraft vor allem dann, wenn Sie langfristig denken und auch in Durststrecken handlungsfähig bleiben (Duckworth et al., 2007). Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass Grit keine „Wunderzutat“ ist. Nehmen Sie aus Grit den Kern mit – dranbleiben mit Richtung –, aber verbinden Sie ihn mit gesunder Flexibilität: nicht verbissen durchziehen, sondern klug dosieren, nachjustieren und wieder einsteigen.

Wie können Sie Ausdauer fördern und kultivieren?

Ausdauer wächst selten durch große Willenskraft-Momente. Sie wächst eher wie ein Trampelpfad: indem Sie immer wieder in dieselbe Richtung gehen – auch wenn es nur ein paar Schritte sind. Damit das im Alltag klappt, helfen Tools, die weniger auf „Motivation“ setzen, sondern auf gute Bedingungen und kluge Selbststeuerung.

Bauen Sie eine „Wenn–Dann“-Rampe gegen Ihre typischen Hürden

Wenn Ausdauer bröckelt, dann oft an denselben Stellen: Müdigkeit, Zeitdruck, Zweifel, Ablenkung. „Wenn–Dann“-Pläne (Implementation Intentions) verbinden genau diese Hürde mit einem konkreten Verhalten – und erhöhen in Studien die Zielerreichung deutlich.

Beispiele (zum Übernehmen):

  • „Wenn ich nach der Arbeit erschöpft bin, dann mache ich 10 Minuten – und entscheide danach neu.“
  • „Wenn ich merke, ich scrolle mich weg, dann stelle ich einen 15-Minuten-Timer und starte nur den ersten Schritt.“
  • „Wenn ich einen Tag auslasse, dann ist morgen Wiedereinstiegstag – ohne Diskussion.“

Nutzen Sie MCII: Wunsch + Realität + Plan (statt nur „positiv denken“)

„Mental Contrasting“ (Wunsch mit der Realität konfrontieren) kombiniert mit Wenn–Dann-Plänen heißt MCII und zeigt in Forschung Effekte auf Selbstregulation in verschiedenen Lebensbereichen (z. B. Zeitmanagement) (Oettingen, Kappes, Guttenberg, & Gollwitzer, 2015).

Mini-MCII (3 Minuten):

  • Wunsch: Was will ich wirklich?
  • Hindernis: Was steht mir in mir im Weg (z. B. Müdigkeit, Angst, Perfektionismus)?
  • Plan: „Wenn Hindernis X, dann mache ich Y.“

Machen Sie Ausdauer klein: „Minimum Viable Step“

Ausdauer stirbt oft an zu großen Portionen. Drehen Sie die Logik um: So klein, dass es fast lächerlich ist – aber groß genug, um den Pfad zu betreten. Und dann: Stopp nach dem Minimum ist erlaubt. Das schützt vor Überforderung und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie überhaupt anfangen.

Beispiele: 1 Seite lesen. 5 Minuten Bewegung. 1 E-Mail-Entwurf. 1 Telefonat vorbereiten.

Resilienz Akademie | Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördertWozu führt gelebte Ausdauer im Alltag?

Ausdauer ist wie ein innerer Faden, an dem Sie sich durch unruhige Wochen hangeln können. Nicht, weil Sie ständig stark sein müssen – sondern weil Sie gelernt haben, wieder einzusteigen. Und genau darin liegt der Nutzen: Ausdauer macht Ihr Leben nicht automatisch leichter, aber sie macht es verbindlicher, stabiler und weniger abhängig von Tagesform.

Sie erleben: „Ich kann etwas zu Ende bringen.“

Die VIA-Beschreibung von Ausdauer betont zwei Dinge: dranbleiben trotz Hindernissen – und die besondere Bedeutung des Gefühls, etwas abgeschlossen zu haben. Dieses „fertig“ ist mehr als Produktivität. Es ist psychologischer Boden unter den Füßen: Sie sehen, dass Ihre Energie Wirkung hat.

Sie stärken Ihre Selbstwirksamkeit – und damit Ihre Resilienz

Bandura beschreibt Selbstwirksamkeit als die Überzeugung, Herausforderungen bewältigen zu können. Entscheidend ist: Diese Erwartung beeinflusst, ob wir anfangen, wie viel Aufwand wir investieren und wie lange wir dranbleiben, wenn es unangenehm wird (Bandura, 1977).   Ausdauer wirkt hier wie ein Trainingseffekt: Jeder kleine „Ich bin drangeblieben“-Beweis füttert das Vertrauen, auch beim nächsten Gegenwind handlungsfähig zu bleiben.

Sie werden innerlich ruhiger, weil Ziele weniger „an Ihnen ziehen“

Unerledigte Vorhaben fühlen sich oft wie offene Schleifen an. Ausdauer schließt Schleifen – oder sie macht eine bewusste Entscheidung daraus, etwas zu verändern. Beides entlastet. Das passt gut zum Selbstregulationsmodell: Verhalten ist zielgerichtet und wird über Rückmeldeschleifen gesteuert – inklusive der Frage, ob man dranbleibt oder (klug) loslässt (Carver & Scheier, 2001).

Sie lernen „flexible Ausdauer“: dranbleiben – oder umsteuern, ohne sich zu verurteilen

Das ist ein zentraler Resilienzgewinn. Denn manchmal ist ein Ziel schlicht nicht mehr erreichbar oder nicht mehr gesund. Forschung zur Zielanpassung zeigt: Die Fähigkeit, unerreichbare Ziele loszulassen (disengagement) und sich auf neue Ziele auszurichten (reengagement), hängt mit höherem Wohlbefinden zusammen (Wrosch, Scheier, Miller, Schulz, & Carver, 2003). Ausdauer wird dadurch erwachsen: Sie bleibt nicht stur am „Plan A“ kleben, sondern hält Ihre Richtung, während Sie den Weg anpassen.

Sie werden verlässlicher – auch in Beziehungen und Teams

Ausdauer ist oft still, aber sie ist spürbar: Menschen, die dranbleiben, signalisieren „Ich meine es ernst“. Das schafft Vertrauen. Nicht, weil Sie immer funktionieren – sondern weil Sie auch nach Unterbrechungen wieder auftauchen.

Kurz gesagt: Ausdauer macht Sie nicht unverwundbar. Aber sie macht Sie wieder-startfähig. Und das ist im echten Leben oft die wichtigste Superkraft.

Quellen

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: toward a unifying theory of behavioral change. Psychological review, 84(2), 191.

Carver, C. S., & Scheier, M. F. (2001). On the self-regulation of behavior: cambridge university press.

Credé, M., Tynan, M. C., & Harms, P. D. (2017). Much ado about grit: A meta-analytic synthesis of the grit literature. Journal of personality and social psychology, 113(3), 492.

Duckworth, A. L., Peterson, C., Matthews, M. D., & Kelly, D. R. (2007). Grit: perseverance and passion for long-term goals. Journal of personality and social psychology, 92(6), 1087.

Duckworth, A. L., & Quinn, P. D. (2009). Development and validation of the Short Grit Scale (GRIT–S). Journal of Personality Assessment, 91(2), 166-174.

Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: strong effects of simple plans. American psychologist, 54(7), 493.

Hayes, S. C., Levin, M. E., Plumb-Vilardaga, J., Villatte, J. L., & Pistorello, J. (2013). Acceptance and commitment therapy and contextual behavioral science: Examining the progress of a distinctive model of behavioral and cognitive therapy. Behavior therapy, 44(2), 180-198.

Klein, H. J., Wesson, M. J., Hollenbeck, J. R., & Alge, B. J. (1999). Goal commitment and the goal-setting process: conceptual clarification and empirical synthesis. Journal of applied psychology, 84(6), 885.

Locke, E. A., & Latham, G. P. (2002). Building a practically useful theory of goal setting and task motivation: A 35-year odyssey. American psychologist, 57(9), 705.

Miller, W. R., & Seligman, M. E. (1975). Depression and learned helplessness in man. Journal of abnormal psychology, 84(3), 228.

Oettingen, G., Kappes, H. B., Guttenberg, K. B., & Gollwitzer, P. M. (2015). Self‐regulation of time management: Mental contrasting with implementation intentions. European Journal of Social Psychology, 45(2), 218-229.

Peterson, C., & Seligman, M. E. (2004). Character strengths and virtues: A handbook and classification (Vol. 1): Oxford university press.

Rimfeld, K., Kovas, Y., Dale, P. S., & Plomin, R. (2016). True grit and genetics: Predicting academic achievement from personality. Journal of personality and social psychology, 111(5), 780.

Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American psychologist, 55(1), 68.

Wrosch, C., Scheier, M. F., & Miller, G. E. (2013). Goal adjustment capacities, subjective well‐being, and physical health. Social and personality psychology compass, 7(12), 847-860.

Wrosch, C., Scheier, M. F., Miller, G. E., Schulz, R., & Carver, C. S. (2003). Adaptive self-regulation of unattainable goals: Goal disengagement, goal reengagement, and subjective well-being. Personality and social psychology bulletin, 29(12), 1494-1508.

Bildquelle: www.depositphotos.com: Left and right arrows@shawn_hempel, Secretary is having a bad day@ stokkete, Stack of coins stock financial indices on currency exchange. Financial stock market@ plufflyman@gmail.com, Woman thinking something over@ SergeyNivens

Resilienz Akademie | Charakterstärke Ausdauer: Wie Durchhalten Resilienz fordert und fördertRebecca van der Linde, M.A. Germanistik und Kulturanthropologie, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Resilienz Akademie. Als Resilienz-Trainerin und Resilienz-Coach betreut sie den Blog der Resilienz Akademie und unterstützt in der konzeptionellen Entwicklung. Zudem agiert als SEO-Managerin für die Website. Ihr Schwerpunkt liegt auf der digitalen Präsenz der Themen rund um individuelle und organisationale Resilienz.

 


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Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Experten für angewandte Resilienz in Deutschland. Er ist 6-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, war und ist Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich angewandter individueller Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Er ist Initiator der Resilienz Initiative (www.Resilienz-Initiative.com) und des jährlichen Resilienz-Online-Kongresses mit bisher über 300 Interviews mit Resilienzexpert:innen (www.Resilienz-Kongress.de), Herausgeber des ResilienzLetters (www.ResilienzLetter.de) sowie des Resilienz-Podcasts Rethinking Resilience (www.Rethinking-Resilience.com).

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