Planspiel Resilienz – Spielerisch das mentale Immunsystem stärken

Planspiele sind in Unternehmen bereits ein weit verbreitetes Mittel, Inhalte und Fähigkeiten praxisbezogen und nachhaltig zu lernen. Mit ihnen können konkrete Marketing-Skills, Managementkompetenzen und Softskills für Führungskräfte trainiert werden – oder eben auch Resilienz. Lesen Sie her, wie ein Planspiel Resilienz Gesundheit und Wohlbefinden im Team und im ganzen Unternehmen fördert.

Warum die Resilienz durch ein Planspiel stärken?

Planspiele eignen sich besonders gut für Lern- und Lehrzwecke, gerade weil sie die zu lernenden Inhalte erfahrbar machen. Als bewährte Methode des Action Learnings geht es hierbei um das Lernen aus konkreten Handlungen anstelle von theoretischen Überlegungen. So prägen sich Lerninhalte besonders nachhaltig ein. Das ist allerdings nicht der einzige Vorteil vom spielerischen Lernen.

Resilienz spielerisch erfahren

Resilienz ist die Fähigkeit Krisen unbeschadet zu überstehen und daran zu wachsen. Sie ist der innere Schutzschild gegen Stress, der sich ein Leben lang trainieren lässt. Dieses Training kann einerseits durch ein „klassisches“ Resilienztraining im Rahmen eines mehrtägigen Seminars stattfinden. Andererseits lässt sich Resilienz auch spielerisch erkunden und so direkt erfahren.

Besonders wichtig für die organisationale Resilienz ist der Austausch in der Gruppe, denn ein Planspiel wird nicht allein durchgeführt. So können Teams direkt ihre Teamresilienz stärken oder Führungskräfte auf spielerische Weise lernen gesundheitsfördernde Maßnahmen im Sinne der Resilienz zu entwickeln.

Kinder spielen, um sich weiterzuentwickeln. Auch die Auswirkungen des Spielens bei Erwachsenen ist mittlerweile in der Psychologie gut beforscht. Der Pionier der kognitiven Lernpsychologie Jean Piaget hebt besonders zwei Aspekte des Spielens hervor: Akkommodation und Assimilation. Akkommodation ist die innere Anpassungsfähigkeit (Adaptabilität) an die Umwelt, wohingegen Assimilation die Anpassung der Umwelt an die eigenen Bedürfnisse ist. Anpassung ist ein wesentlicher Bestandteil der Resilienz und im Spiel stärken wir diese beiden Faktoren maßgeblich. In einem Planspiel Resilienz sind wir nicht an die Grenzen der Realität gebunden, was Kreativität und Lösungsorientierung trainiert.

Der Ursprung des Planspiels

Als erstes Planspiel gilt das Kampfspiel „Chaturango“ und der persische Nachfolger „Schach“, das etwa 800 v. Chr. entstanden ist. Planspiele haben ihren Ursprung also eigentlich in Kampfspielen und militärischen Simulationen.

Das erste haptische Unternehmensplanspiel wurde wesentlich später entwickelt, nämlich erst 1958. Einen richtigen Aufschwung erführen die Planspiele jedoch erst mit dem „Beer Game“ des MITs, und sind bis heute ein beliebtes Mittel, Inhalte spielerisch zu vermitteln und Kompetenzen praxisnah zu entwickeln. Besonders in General-Management-Programmen von Universitäten oder Trainee-Ausbildungen seitens Unternehmen werden Planspiele genutzt, um theoretische Grundlagen in praktische Handlungen und Denkweisen zu transferieren.

Was macht das Planspiel Resilienz aus?

Resilienz lässt sich spielerisch ebenso gut trainieren wie Führungs- und Managementkompetenzen. Dabei gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten. Eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Planspiel Resilienz ist das Commitment der Teilnehmenden. Nur die eigenständige Beteiligung der Teilnehmenden sorgt für eine Lern-Atmosphäre und kann so auch zu einem guten Ergebnis führen.

Haptik vs. Digital

Planspiele sind Simulationen eines bestimmten Szenarios. Unsere heutige Technologie ist soweit voran geschritten, dass wir computerbasiert sehr genau Situationen entwerfen, darstellen und anschließend auch analysieren können. Diese Automatisierung mag vorteilhaft klingen, allerdings haben haptische Brettspiele bezogen aufs Lernen gleich mehrere Vorteile gegenüber digitalen Planspielen.

Zum einen lassen sich haptische Spiele sehr leicht individuell an die Teilnehmergruppe anpassen. Individualisierung stärkt den persönlichen Bezug zum Spiel und erhöht so die Motivation der Teilnehmenden. Außerdem lässt sich weiter die Kreativität fördern, indem das Medium selbst keine Restriktionen vorgibt. Out of the Box zu denken ist ein wichtiges Element des Planspiels. Computerbasierte Planspiele benötigen dagegen aufwendige Programmierung oder schränken die Flexibilität ein.

Ein weiterer Vorteil ist die Stärkung des salutogenen Faktors Handhabbarkeit – im wahrsten Sinne. Handhabbarkeit, oder auch Machbarkeit, ist einer der drei Kohärenzfaktoren, die zur Aufrechterhaltung von Gesundheit zentral sind. Das heißt, neben dem Inhalt des Planspiels Resilienz fördert allein schon der Aufbau und das Material die Resilienz. Abstrakte Zahlen des Computers schwächen die „Begreifbarkeit“ des Spiels und senken damit auch den Effekt des Lernens.

Die Bestandteile des Planspiel Resilienz

Die wichtigsten Komponenten des Planspiels sind:

  • Simulierte Umwelt des Systems
  • Klare Rollenstruktur
  • Spielregeln

Um dem Spiel einen festen Rahmen zu geben, sind diese drei Elemente zentral. Die simulierte Umwelt des Systems ist der realitätsnahe Bezug zu einer Ausgangssituation. Es muss dabei nicht um das tatsächliche Unternehmen oder das eigene Team gehen. Eine dissoziierte Vorstellung einer Anforderungssituation hilft sogar dabei, besser zu Lösungen zu kommen. Die Umwelt ist insofern wichtig, dass die Teilnehmenden einen Bezugspunkt brauchen, auf dem das Spiel aufbauen kann. Realitätsnähe ist wichtig, damit der Praxisbezug da ist, allerdings ist hierbei auch die Freiheit zur Fantasie maßgeblich, weswegen sich eine imaginierte Situation besonders gut eignet.

Eine klare Rollenstruktur dient zur Vermeidung von Stress. Nun löst bei einigen Menschen allein das Wort „Rollenspiel“ schon Stress aus. Bei dieser Rollenspielkomponente geht es allerdings nicht um das Schlüpfen in einen anderen Charakter, sondern um die Klärung von Verantwortlichkeiten und das Hineinversetzen in andere Perspektiven. Das Ziel ist es sich durch Defokussierung auf Neues einzulassen und kreative Lösungen zuzulassen.

Und letztendlich bilden die Spielregeln den Rahmen, indem das Planspiel Resilienz stattfinden. Das kann sowohl Daten wie Teilnehmerzahl, Dauer und Umfang des Spiels beinhalten, wie auch die Verhaltensregeln zwischen den Teilnehmenden.

Auswertung des Planspiels

Ein zentraler Bestandteil des Planspiels ist die Auswertung. Denn das Lernen passiert zum großen Teil in der Reflexion. Die an das Spiel anschließende Aufarbeitung lässt sich besonders gut in vier Phasen unterteilen:

  1. Intuitive Spielanalyse: Was ist passiert? Wie ist es den Spielenden ergangen? Was haben sie erfahren?
  2. Reflexion und Distanzierung: Wie war der Spielverlauf? Wie kam es zu dem Spielergebnis? Wie bewertet die Gruppe das Spielergebnis?
  3. Transfer: Welche Aspekte waren realistisch? Wie können die Ergebnisse zu einer Verbesserung in der Realität führen?
  4. Spielkritik: Was wurde gelernt? Was nehmen die Spielenden persönlich mit? Wo sind Verbesserungspunkte im Spielablauf oder in der Zusammenarbeit?

Durch diese vier Analyse-Ebenen werden die Learnings des Planspiels rekapituliert, miteinander ausgetauscht und aktiv in die Realität übertragen. Besonders der Transfer ist beim Planspiel Resilienz ein wichtiger Schritt der nachhaltigen Stärkung innerer Widerstandskraft gegen Stress.

Simulation, Serious Game, etc.?

Für den Begriff Planspiel gibt es haufenweise Synonyme. Simulation, Serious Game, Management Game oder Business Simulation sind nur einige davon.

Dabei grenzt sich das Planspiel Resilienz deutlich von einer Simulation ab, denn es geht hier explizit nicht um die Darstellung einer Realität. Es geht um eine fiktive, jedoch realitätsnahe Umwelt, in der Team gemeinsam und vor allem sicher vor schwerwiegenden Konsequenzen Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren können. Eine Simulation dient der realitätsgetreuen Abbildung einer Umwelt und hebelt damit den Lernzweck der spielerischen Innovation aus.

Auch der Begriff „Serious Game“ ist für das Planspiel Resilienz eher problematisch. Wo ist die Grenze zwischen einem ernsten und einem nicht-ernsten Spiel? Sicherlich soll das Planspiel Resilienz nicht der reinen Unterhaltung dienen, jedoch macht gerade die spielerische Leichtigkeit auch schwierige Themen wie Stress, Krisen und Konflikte zugänglich. Und genau um diese Themen geht es bei der Stärkung von Resilienz. Das heißt, den Fokus auf das Ernste und Strenge zu legen, widerspricht dem Sinn des Planspiels.

Wozu dient ein Planspiel Resilienz?

Das Planspiel Resilienz bietet die Möglichkeit, in einer sicheren Umgebung Resilienz spielerisch zu erfahren und kreativ im Team Maßnahmen zu entwickeln, Resilienz im Unternehmensalltag zu integrieren.

Vorteile und Nutzen des Planspiels Resilienz

  • Stärkung der Teamresilienz
  • Bessere Kommunikation und stärkerer Zusammenhalt
  • Besseres Verständnis von komplexen Strukturen, Förderung des analytischen Denkvermögens
  • Verbesserter Kontakt zu eigenen Gefühls-, Denkens- und Verhaltensmustern
  • Training rationaler und auch intuitiver Entscheidungen
  • Planen konkreter Maßnahmen für die Praxis

Letztendlich dient das Planspiel Resilienz dazu, Individuen, Teams und Führungskräften das umfangreiche Thema Resilienz auf eine nachhaltige Weise näher zu bringen. Ein Ziel des Spiels kann sein, für die Zukunft Resilienz stärkende Maßnahmen im Zuge des Gesundheitsmanagements zu etablieren. Ein anderes Zeil kann die direkte Stärkung der Teamresilienz sein, um effektive Zusammenarbeit zu fördern.

Lernen aus zukünftigen Krisen: Planspiel Prosilienz®

Ein weiterer Vorteil, den ein Planspiel bietet, ist das Lernen aus simulierten Krisen. Eine Krise trifft Teams und Unternehmen meist unerwartet und bringt sie so sehr schnell aus der Handlungsfähigkeit in den Panik-Modus, der hauptsächlich aus Starre besteht. Damit Krisen das Unternehmen nicht unvorbereitet treffen, können sie mittels des Planspiels Prosilienz® geübt werden.

Prosilienz® ist eine proaktive Resilienz. Das heißt, es ist nicht nur die Fähigkeit während und nach Krisen gesund und effizient zu handeln, sondern auch schon das Risiko vor der Krise zu minimieren. Und das geht durch das Üben imaginärer Krisen.

In dem Planspiel Prosilienz stellt sich ein Team also einer fiktiven Krisensituation und lernt in der Auswertung des Spiels, wie das Unternehmen für die Zukunft krisensicherer gemacht werden kann. Was sind Ressourcen, die im Planspiel wichtig waren, das Unternehmen zurzeit aber noch nicht hat? Welche Kompetenzen brauchen Mitarbeitende noch? Solche Fragen treten durch das Üben von Krisen ans Licht und stärken die Prosilienz von Individuen, Teams und Organisationen. Aus einer sicheren Umgebung heraus und in einem guten Zustand schwierige Situationen zu meister stärkt die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden und bahnt Erfolgsstrategien für den Realfall.

Weitere Infos zur Prosilienz® für Teams – Planspielupdate für Trainer*innen finden Sie HIER.


Sebastian Mauritz, M.A. Systemische Beratung, ist einer der führenden Resilienzexperten Deutschlands. Er ist 5-facher Fachbuchautor, Keynote-Speaker, Resilienz-Lehrtrainer, Systemischer Coach, Vorstand in vielen Coach- und Trainer-Verbänden und Unternehmer. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich individuelle Resilienz und Prosilienz®, resilienter Führung und Teamresilienz. Im Jahr 2020 hat er den ersten Resilienz-Online-Kongress initiiert und hat sich in diesem Rahmen mit über 50 anderen Resilienz-Expert*innen ausgetauscht (www.resilienz-kongress.de).

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