Netzwerkorientierung und Resilienz

Netzwerkorientierung bedeutet das aktive Schaffen eines Beziehungsgeflechts, das uns bei Problemen, Herausforderungen und Krisen hilfreich unterstützt. Allerdings ist Netzwerken sicher nicht die Lieblingsbeschäftigung von jedem. Besonders introvertierte Menschen oder selbsternannte „Macher“ verlassen sich lieber auf sich selbst, als auf Unterstützung von außen.

Doch ein unterstützendes Netzwerk aufzubauen, hilft uns privat wie beruflich und fördert die Resilienz. Lesen Sie hier, wie Netzwerkorientierung Sie resilienter macht und was ein starkes Netzwerk ausmacht.

Was ist Netzwerkorientierung?

Der Mensch ist seit jeher ein soziales Wesen. Mit anderen Worten, wir sind von Natur aus keine Alleingänger und brauchen soziale Beziehungen, um uns wohl zu fühlen. Jeder von uns hat bereits sein eigenes Netzwerk. Es besteht aus Familie, Freunden, Bekannten, Kollegen, ja sogar aus Ärzten, Lieblingsfriseuren und Nachbarschaft. Unser Netzwerk besteht aus den Menschen, an die wir uns vertrauensvoll wenden.

Wenn wir nun aber alle ein Netzwerk haben, wozu braucht es dann die Netzwerkorientierung? Beim aktiven Vernetzen geht es darum, Bindungen zu schaffen, zu pflegen und aufrechtzuerhalten. Insbesondere zu Menschen, an die wir uns wenden wollen, wenn wir vor Herausforderungen oder Problemen stehen. Netzwerkorientierung ist die Investition in Ihr Auffangnetz für Krisen.

Wie stärkt Netzwerkorientierung die Resilienz?

Resilienz und Netzwerkorientierung sind eng miteinander verbunden. Denn ein wohltuendes Netzwerk stärkt eine wichtige Säule der Resilienz: Die Bindung.

Was macht ein resilientes Netzwerk aus?

„Netzwerken ist nicht meine Sache“. Das denken zumindest einige. Manche Menschen glauben Netzwerken sei nur für extrovertierte und Rampensäue. Andere denken, sich Unterstützung zu holen und um Hilfe zu bitten zeuge von Schwäche. Dabei stimmt keins von beidem wirklich. Sich zu vernetzen bedarf keines außerordentlichen Redetalents und um Hilfe zu bitten macht uns stärker, statt schwächer.

Jeder kann netzwerkorientiert handeln. Mit diesen Tipps schaffen Sie sich ein resilientes Netzwerk, auf das Sie sich auch im Notfall verlassen können!

Investieren Sie rechtzeitig in Beziehungen:

Ein Netz muss schon gesponnen sein, damit es auch etwas halten kann. Das heißt, es ist sinnvoll Beziehungen dauerhaft zu pflegen und somit aufrecht zu erhalten. Sie haben sicher Menschen, die Ihnen gerne helfen. Doch auch diese fühlen sich irgendwann ausgenutzt, wenn Sie sich nur bei Problemen an sie wenden. Daher ist es wichtig regelmäßig Ihre Kontakte zu pflegen. Dadurch sind diese eher bereit Sie in der Krise zu unterstützen.

Beziehungen sind ein Geben und Nehmen:

Achten Sie auf ausgewogene Beziehungen. Das bedeutet auf der einen Seite in ‚Vorleistung‘ zu gehen und Zeit, Aufmerksamkeit und Engagement präventiv in Beziehungen zu geben. Auf der anderen Seite bedeutet es auch im Gegenzug dafür etwas zu bekommen.

Trennen Sie sich von Energieräubern:

Achten Sie auf Menschen, die mehr nehmen als geben. Oft halten wir an diesen Menschen fest, weil man sich schon lange kennt, die Familie eine hohe Meinung von der Person hat oder aus anderen Gründen. Doch zu einer guten Netzwerkorientierung gehört auch, das eigene Netzwerk wohltuend zu gestalten. Sein Sie in dem Punkt hart und trennen sich konsequent von Menschen, die Ihnen Energie rauben, statt zu spenden.

Netzwerkorientierung stärkt Bindung und soziale Unterstützung

Bindung ist eine, wenn nicht sogar die wichtigste Säule der Resilienz. Durch starke Bindungen fühlen wir uns sicherer in unsicheren Zeiten. Uns wichtige Menschen spenden Kraft und motivieren uns auch, Herausforderungen anzunehmen.

Dass Bindung ein wichtiger Grundstein für Resilienz ist, stand schon in den Geburtsstunden der Resilienz-Forschung fest. Die berühmte Kauai-Studie der Forscherin Emmy Werner stellte heraus, dass Kinder besonders dann trotz widriger Lebensumstände ein gesundes und erfolgreiches Leben führen können, wenn sie eine starke Bindung zu einer Bezugsperson haben. Nicht nur Kindern hilft Bindung, sondern auch Erwachsenen und das in allen Kontexten.

Wenn wir Menschen haben, an die wir uns vertrauensvoll wenden können, stärkt das unsere innere Widerstandskraft gegen Stress. Zudem gehört die soziale Unterstützung zu den wichtigen Schutzfaktoren gegen psychische Belastung. Es kommt hierbei nicht auf die tatsächliche Unterstützung an, sondern eher auf die empfundene. Mit anderen Worten, es reicht schon das Gefühl eines starken Netzwerkes, um uns sicherer im Umgang mit Herausforderungen und Problemen zu fühlen.

Krisenbewältigung durch soziale Netzwerke

Resilienz ist die Fähigkeit, Stress zu regulieren, Wohlbefinden aufzubauen und aus Krisen nicht nur unbeschadet, sondern auch gestärkt hervor zu gehen. Hierbei ist die Netzwerkorientierung förderlich. Denn hierzu gehört nicht nur belastbare Bindungen zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Ein resilientes Netzwerk hilft Ihnen besonders, wenn Sie davon auch Gebrauch machen.

Netzwerke unterstützen uns moralisch, informationell oder auch materiell. Sie entlasten, indem wir seelischen als auch tatsächlich vorhandenen Ballast (wie beispielsweise eine Aufgabe) abgeben können. Besonders Menschenmit gleichen oder ähnlichen Erfahrungen können aktiv bei der Krisenbewältigung helfen und stärken so die Resilienz.

Bedenken Sie dabei aber auch, dass nicht alle Menschen gut mit den Problemen anderer umgehen können. Schaffen Sie sich also ein Netzwerk, das ein möglichst breites Spektrum abdeckt. So steigern Sie Ihre Chance, bei Stress und Krisen einen passenden Ansprechpartner zu haben. Auch professionelle Unterstützung wie Therapeuten, Coaches und Trainer können sinnvoller Teil Ihres Netzwerkes sein.

Netzwerkorientierung und Organisationale Resilienz

Gerade im beruflichen Umfeld kommt es oft zu Stresssituationen. Das bedeutet auch, dass ein entlastendes Netzwerk am Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor für eine starke Resilienz ist. Die organisationale Resilienz beschreibt, wie resilient ganze Unternehmen und Organisationen mit Stress und auch mit Krisen umgehen können.

Die Netzwerkorientierung am Arbeitsplatz trägt dazu bei, die organisationale Resilienz zu steigern. Vernetzte Mitarbeitende, die sich unterstützen, statt am Stuhlbein des jeweils anderen zu sägen, sorgen für Stabilität und auch mehr Zufriedenheit im Betrieb.

Gerade ‚neue‘ Arbeitsformen, beispielsweise Agilität, fördern aktive Vernetzung. Auf der Arbeit sitzen Sie schließlich alle im selben Boot, sodass soziale Unterstützung für alle vorteilhaft ist.

Netzwerkorientierung damit auch die Standhaftigkeit gegen Krisen, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch ihre Netzwerke persönlich widerstandfähiger sind. Das sorgt dafür, das Unternehmen auch in einer sich schnell wandelnden Welt wettbewerbsfähig und erfolgreich sind. Ein netzwerkorientiertes Unternehmen fördert also nicht nur die Widerstandskraft gegen Stress im Allgemeinen, sondern auch die Gesundheit eines jeden Beteiligten.  

Netzwerkorientierung für ein stressfreieres Leben

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Netzwerkorientierung ein Schlüssel für mehr Wohlbefinden im Leben ist. Beziehungen tun uns gut – durch Sie erfahren wir Beistand, Unterstützung, Entlastung und bekommen Energie. Unser Netzwerk besteht dabei nicht nur aus Menschen, die uns bedingungslos lieben. Feste Knotenpunkte im Netzwerk benötigen Zuwendung.

Investieren Sie frühzeitig in Beziehungen zu Kraft spendenden Menschen und ‚nützlichen‘ Kontakten. Denn so wird Sie ein starkes Netzwerk auffangen, sollten Sie durch eine Krise ins Straucheln geraten. Und schließlich noch die Erinnerung: Nutzen Sie Ihr Netz. Natürlich können Sie ein Problem allein angehen, eine Herausforderung ablehnen oder eine Krise versuchen allein zu durchstehen. Das kostet allerdings viel Energie und Lebensfreude.

Gepflegte Netzwerke dagegen sind ein wichtiger Bestandteil einer starken Resilienz und sorgen bei Ihnen oder auch Ihrem Unternehmen für ein stressfreieres Leben.       

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